Reblog: Offizieller nichtbinärer Geschlechtseintrag

Ihr habt es wahrscheinlich heute in den Medien mitbekommen: das Bundesverfassungsgericht hat heute der Klage von Vanja (http://dritte-option.de/) auf einen dritten Geschlechtseintrag „inter*/divers“ neben männlich und weiblich stattgegeben. Das ist der Hammer und ich freue mich unglaublich!!!

Das könnte bedeuten, dass neben inter* Personen auch nichtbinäre trans* Personen in Zukunft einen „positiven“ Geschlechtseintrag haben können – bislang war ein leerer Geschlechtseintrag nämlich das maximal mögliche.  Ihr könnt auf dem geschlechtsneutral Blog nachlesen, was das jetzt bedeutet :-).

Die Neuigkeit gleich vorneweg: Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass in Deutschland ein 3. Geschlechtseintrag geschaffen werden muss! Und jetzt der Reihe nach, wie es dazu kam: Bis vor vier Jahren gab es in Deutschland für amtliche Dokumente nur die 2 Geschlechts-Optionen „männlich“ und „weiblich“. Mit Hilfe des Transsexuellengesetzes war es auf sehr mühsame Art möglich, […]

über Offizieller nichtbinärer Geschlechtseintrag — geschlechtsneutral Ø

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Wiederzuhausesadness

Samstagabend bin ich aus dem Urlaub zurück gekommen. Jetzt weine ich den Bergen, dem Meer und der Sonne hinterher. Es war (trotz der geschilderten Nervfaktoren) eine wirklich schöne Zeit und gerade die letzten beiden Tage nach dem letzten Eintrag haben es irgendwie noch mal richtig rausgerissen. Das lag nicht unwesentlich an der Person, mit der ich an diesen beiden Tagen radfahren durfte. Es war die gleiche Person, mit der ich auch Anfang der Woche schon eine Tour gefahren war – allerdings war die auf sozialer Ebene etwas anstrengend und aufreibend, weil es Konflikte zwischen dem Guide und zwei anderen Gästen gab (die sich total daneben benommen haben). Ich stand nur daneben und war nicht unmittelbar betroffen, aber es war trotzdem nicht so schön. Naja. Fast forward zum Ende der Woche.

Donnerstag war „Marathontag“. Also: höchste Kilometer- und Höhenmeterleistung der ganzen Woche. Ich bin letztes Jahr ein Leistungslevel höher gefahren und war hinterher völlig. am. Ende. Der Marathon war ein Grund warum ich versucht habe, mein Pulver über die Woche nicht komplett zu verschießen, sondern noch ein paar Reserven zu haben. Nun gab es zwar keine Gruppe mit der ich mithalten hätte müssen, aber ich hatte trotzdem einen ordentlichen Respekt vor dem Tag (und Angst davor, nicht durchzuhalten). Der Guide, P, war auf eine angenehme „scheiß auf Leistung“-Art völlig entspannt. Und er* war sich sicher, dass ich das schaffe. Irgendwie hat er es geschafft, von Anfang an Druck rauszunehmen und sich so auf mein Niveau einzustellen, dass es rund lief, die ganze Zeit. Ich kannte ihn schon ein bisschen vom letzten Jahr und er ist von der Fahrtechnik her einfach unglaublich gut. Und präzise wie ein Uhrwerk.

Das energieeffizienteste und kraftsparendste beim Rennradfahren ist eigentlich, mit wenig Widerstand aber hoher Trittfrequenz zu arbeiten. Da es bei mir mit der Muskulatur nicht soooo weit her ist (und schon mal gar nicht nach diesem Jahr), fahre ich mit hoher Frequenz anstatt mich mit hohen Gängen über die Steigungen zu drücken, wie viele andere das machen. P hätte ohne weiteres hohe Gänge drücken können, hat es aber gelassen und so sind wir irgendwie sehr synchron gefahren die ganze Zeit, es hat so gut gepasst. Ich komme mir, wenn ich mit anderen fahre, ganz oft vor wie „the odd one out“ weil ich aufgrund der Fahrweise relativ viel schalte: jedesmal, wenn die Steigung sich ändert und ich meine Frequenz nicht mehr treten kann – während andere, die mehr über Kraft fahren halt nicht schalten, sondern einfach mit mehr oder weniger Druck auf den Pedalen fahren. P hat quasi immer gleichzeitig mit mir geschaltet und es war ein totales Flow-Gefühl. Dazu habe ich erlebt, dass meine Kraftreserven ausreichen. Am Ende des Tages – nach immerhin 93 km und rund 1700 Höhenmetern – war ich alle, aber nicht bodenlos erschöpft. Und auch auf der „sozialen“ Ebene war es gut. Wir haben relativ wenig geredet, aber es war angenehm so. Ansonsten viele „auf einer Wellenlänge“ Vibes. P hat Andeutungen gemacht die darauf schließen lassen, dass er auch Erfahrung mit Depression und/oder psychosomatischen Beschwerden hat und auch wenn wir das beide nicht so ausgesprochen haben, glaube ich schon dass er verstanden hat dass ich diese Erfahrungen auch habe. Und irgendwie habe ich mich im Gesamtpaket sehr „angenommen“ und „okay“ gefühlt. Am Freitag lief es genauso und es war schön – diese Art zu fahren hat es mir ermöglicht, meine Grenzen zu achten ohne mich unzulänglich zu fühlen.

Und nun bin ich einerseits total dankbar, dass ich das so erfahren durfte, aber sehr traurig dass es vorbei ist. Traurig auch, weil mir da eine Person begegnet ist, die ich gerne besser kennengelernt hätte und die ich wohl in absehbarer Zeit nicht wiedertreffen werde – wenn überhaupt noch mal. Ich versuche gerade zu verstehen, warum ich mich dieser Person nach so kurzer Zeit so verbunden fühle – naja, und ich glaube dieser Beitrag ist ein Teil der Antwort. Ich denke, es geht um das gemeinsame Fahrerlebnis und das kurze mich selbst als „okay“ erleben, das es mir ermöglicht hat. Gleichzeitig mit dem dankbar drüber sein bin ich leider auch wütend auf mich – dafür dass ich es zugelassen habe, dass jemand plötzlich auf diese Art wichtig für mich geworden ist, denn es macht mich verletzlich. Grund 543269 warum es schwer ist für mich, Menschen an mich ranzulassen.

Jetzt hat der Alltag mich wieder und ich versuche irgendwie, wieder in den Tritt zu kommen.

Urlaub gleich anders

Mein Urlaub ist schon fast wieder vorbei und insgesamt ist es ganz schön. Leider tendiert die Gästezahl für die Radtouren in dieser Woche gegen 1. Also habe ich Sonntag und Montag 1:1 Betreuung gehabt. Das ist einerseits natürlich sehr luxuriös, aber eigentlich finde ich es doch schöner in einer Gruppe zu fahren – gerade wenn man so 4-6 Stunden unterwegs ist, ist es schon auch anstrengend nur zu zweit zu sein. Auch die Essensrunde ist sehr geschrumpft, hauptsächlich sind jetzt noch Leute aus dem Team da und ein weiterer Gast. Alle sind zum Glück ganz nett – letztes Jahr waren im Vergleich echt ein paar ganz schlimme Typen dabei. Aber trotzdem merke ich, seitdem keine weiblichen* (also, von mir weiblich gelesenen) Gäste mehr dabei sind, dass die verbleibenden Personen sich unverhohlener sexistisch und teils homofeindlich äußern. Es sind meist „nur“ Witze, aber das ist halt auch perfide, denn jede Kritik daran lässt sich über ein „ist ja nur Spaß“ schön aushebeln. Insbesondere eine Person aus dem Team ist ganz vorne mit dabei. Diese Person ist schon über 80 und ich befürchte es ist ziemlich aussichtslos dagegen zu reden oder das gegenüber anderen im Team zu thematisieren. Mehr als ein „das darf man nicht so ernst nehmen“ wird es meiner Einschätzung nach nicht als Reaktion geben.

Und natürlich herrscht Heteronormativität galore – alle nehmen automatisch an, ich sei hetero. Ich find’s so anstrengend, auch weil ich jedes Mal wieder abschätzen muss wo es jetzt ohne negative Konseqzenzen möglich ist das zu korrigieren. Naja, alles wie immer also wenn ich mich aus meiner „bubble“ bewege.

Heute war Ruhetag und eigentlich wäre Ruhe wirklich gut für meine Beine gewesen. Fiel dann aber aus wegen „ist nicht“. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen mit dem Bus nach Palma zu fahren, aber ich habe schon beim Abfahrzeiten raussuchen gemerkt, dass es emotional schwierig ist. Das letzte Mal, als ich diese Tour gemacht habe war es gemeinsam mit meinem Mann und tja. Also habe ich ein paar Tränen vergossen und bin dann doch aufs Rad gestiegen (mit dem festen Vorsatz ganz langsam und locker zu machen). Es ist unheimlich tolles Wetter und die Landschaft hier ist so schön. Ich hab es noch nie so grün gesehen hier, es hat offenbar in den Sommermonaten auch mal geregnet. Ich bin eine schöne, aber nicht zu anspruchsvolle Strecke gefahren. Dass „Schönes an mich ranlassen“ dazu führt, dass ich traurig(er) werde stimmt leider immer noch. Also mehr Tränen. Ich glaube, die Traurigkeit kommt daher dass ich in diesen Momenten realisiere, dass es niemanden gibt mit dem ich das Schöne teilen kann – und auch, dass es niemanden mehr geben wird der dafür Sorge (mit)trägt, dass es mir gutgeht oder ich mich wohlfühle. Dafür muss ich selbst Sorge tragen und das erscheint mir gerade eine sehr große Last.

Kein Netz und kein doppelter Boden.

Nicht nachdenken

Heute Mittag bin ich in ein Flugzeug gestiegen und plötzlich bin ich dort wo es warm ist und nach Zypressen riecht. Jetzt sitze ich hier im T-Shirt und kurzen Hosen auf meiner kleinen Terrasse und höre die Wellen plätschern. Ich kenne das Hotel und den Ort vom letzten Jahr, keine Experimente. Der Ort hier ist nicht unbedingt schön, aber es fühlte sich gut an zu wissen wo alles ist, zum Supermarkt zu stiefeln und alles noch da zu finden wo es letztes Jahr war.

Die Zypressen riechen so gut, das hatte ich ganz vergessen. Ich fühl mich in einem komischen Schwebezustand, nicht erst seit heute, aber wenn mir schöne Dinge und Gefühle begegnen, fällt es mir ganz besonder auf. Ich traue mich nicht, die schönen Dinge an mich ranzulassen aus Angst, dass sich als nächstes der emotionale Abgrund auftut. Irgendwie ist gerade jede Emotion zu viel und birgt die Gefahr dass ich falle. Also lasse ich den Zypressenduft nur an meiner Oberfläche kratzen und versuche, nicht in Leerlauf zu geraten.

Morgen geht’s aufs Rad und für heute Abend habe ich Strickzeug dabei. Wobei die Idee an meinem Schal weiterzustricken gestern im herbstlichen  Deutchland zugegebenermaßen attraktiver wirkte, als hier auf einer Terrasse mit Meerblick ;-).

Ain’t got no

Ich kann schon recht lange keine Musik mehr hören, ohne dass es mich emotional ziemlich destabilisiert. Also ziemlich ziemlich. Sobald ich Musik höre, die ich mag oder mal mochte, holt es die ganzen Gefühle hoch, die ich lieber nicht fühlen möchte; Erinnerungen, die ich nicht haben will. Es reicht ein Song manchmal und ich komme nicht mehr klar. Ich habe mich für den Moment damit abgefunden, dass es nicht geht. Ich höre keine Musik mehr.

Aber gestern im Tatort wurde am Ende ein Lied von Nina Simone gespielt: Ain’t got no/I got life. Es ist so ein großartiges Stück und obwohl ich auch mit der Musik von Nina Simone Erinnerungen verbinde, die mich sehr traurig machen, dieses spezielle Lied hat irgendwie keine Verknüpfung zu meiner Vergangenheit.

Also höre ich es seit Sonntag rauf und runter auf repeat.

Den Text findet ihr hier: https://www.azlyrics.com/lyrics/ninasimone/aintgotnoigotlife.html.

Nur kurz

Ich habe heute ENDLICH meine neue Rentenversicherungsnummer bei meinem Arbeitgeber abgeben können. Damit können nun auch die letzten Relikte im alten Namen geändert werden – meine Personalakte und die Gehaltsabrechnungen. Gute vier Monate habe ich drauf gewartet. Vorletzte Woche hatte ich mal telefonisch nachgefragt – irgendwas war schiefgelaufen und sie hatten die neue Nummer nicht rausgeschickt. Grmpf.

Das Telefonat war im übrigen etwas verwirrend. Ich hatte nämlich mittlerweile meine Adresse dort schon geändert und das wieder vergessen. Als die Person am Telefon nach der Adresse fragte, habe ich die alte gesagt. Die stimmte nicht mit der im System überein. Sie durfte mir glaube ich nicht sagen, welche Adresse sie hat weil das ja theoretisch jemand anderes hätte sein können. Datenschutz halt. Ich bin dann nur auf die Idee gekommen, dass es die GANZ alte Adresse sein könnte, bei der ich und mein Noch-Mann vorher gewohnt hatten. Ahem. Bis ich dann drauf kam, dass die dort schon die neue Adresse im System hatten hat es eine Weile gedauert o.O

Es könnte zwar sein, dass ich irgendwas vergessen habe – aber ich glaube tatsächlich, damit bin ich durch mit der Namensänderung. Mein „Transitionsprojekt“ nähert sich dem Ende. Ein merkwürdiges Gefühl, nach all den Veränderungen. Zum 1.1. werde ich, wie es aussieht nun tatsächlich noch meinen Job wechseln (intern) damit habe ich wohl einen ziemlichen Veränderungsrekord hingelegt in den letzten 24 Monaten.

Uff.

Und du bist…?

Die letzte Woche war so unglaublich lang… Ich hatte zwei Dienstreisen, eine innerhalb von Deutschland und eine im Ausland. Ich hab allein 14 Stunden in Zügen gesessen und viel zu viel Zeit an Flughäfen verbracht. Die Flugreise war die erste seit Namensänderung und Mastektomie und das hat zwei große Stressfaktoren rausgenommen. Die Angst, mit dem Binder in der Sicherheitskontrolle aufzufallen war schon eine ganz schöne Belastung. Tja. Und dann fiel mir am Tag des Flugs ein, dass ich jetzt zwar keine Brüste mehr habe, aber meistens einen sogenannten „Packer“ trage, damit je nach Hose nicht so auffällt, dass zwischen meinen Beinen …. naja …. nichts weiter ist ;-). Die Packer sind aus Silikon und zwar nicht besonders detailgetreu (meine jedenfalls), aber die Vorstellung damit im Sicherheitscheck aufzufallen war trotzdem nicht soooooo beruhigend :’D.

Eine kurze Umfrage in meiner Twitterbubble brachte gemischte Erfahrungen und Empfehlungen und auch die von einer lieben Twitterperson kurzerhand beim Flughafen Hamburg eingeholten Infos haben mich nicht wirklich beruhigt. Das worst case scenario wäre, dass der Packer als Gegenstand erkannt wird und man dann erklären muss, warum man einen Silikonpenis in der Hose hat. Naja – das allein fänd ich vielleicht nicht sooo schlimm, aber die Vorstellung dann in der Kabine das gute Stück begutachten zu lassen war mir doch eher zu viel :’D. Kurzentschlossen habe ich  mich also gegen Packer und für die gute alte Socke entschieden – ich dachte mir, wenn die auffällt muss ich wenigstens nicht den Packer auspacken o__O.

Die Socke ist jedenfalls nicht aufgefallen, weder beim Hinflug (Körperscanner), noch mein Rückflug. Dafür wurde das erste Mal ever meine Händesinfektion einkassiert, weil die Flasche 150 statt den erlaubten 100 ml hatte.

Die Flugreise ging zu einem Projektabschlusstreffen. Ich hatte einige Personen dort seit etwa 1.5 Jahren nicht mehr gesehen. Einen anderen Teil kannte ich nur von der Kommunikationsplattform, wo ich auch ein (etwas älteres) Foto von mir eingestellt hab. Es war irgendwie sehr lustig, dass mich einerseits die Leute die mich nur online kannten ansprachen: „Ah DU bist Tomi, endlich lernen wir uns mal persönlich kennen“ und andererseits Personen, die mich schon kannten aber länger nicht gesehen hatten nicht erkannten. Also gar nicht. Zu einer bin ich hingegangen und hab sie begrüßt und sie guckte irritiert auf mein Namensschild und erkundigte sich, von welcher Organisation ich komme *kicher*. Das ist ein paar Mal passiert und es hat mich sehr amüsiert.

Die unendlich lange Woche endete Freitagabend gegen 22:00 und dann kam das Wochenende, von dem Vergangenheits-Ich dachte, ich würde bestimmt Ablenkung brauchen (wegen Trennung und Umzug und so). Jedenfalls hatte Vergangenheits-Ich mich zu einem VHS-Kurs „Plastisches Gestalten“ angemeldet, der Samstag und Sonntag von 10-16 Uhr ging. Uff. Eigentlich hätte ich lieber auf der Couch rumgehangen (ICH HAB SEIT LETZTER WOCHE EINE COUCH!), bin aber doch hingegangen und hab alles andere – Einkaufen, Regale aufbauen (ICH HAB SEIT LETZTER WOCHE AUCH REGALE!) auf den Abend verschoben. Der Samstag war dementsprechend auch erst um 22 Uhr zu Ende – bis dahin war ich beschäftigt. Mein Noch-aber-bald-ex-Mann hat mir bei den Regalen zum Glück geholfen und es war eigentlich ganz okay.

Und jetzt hab ich also eine Couch, Regale, eine Tentakel aus Leichtmörtel und einen blauen Gipsklotz.

Aber immer noch keinen Kühlschrank.