Pläne

Content note: Depression, Erschöpfung, Sport

Ich bin ohne Vorsätze ins neue Jahr gestartet. Wenn ich eins nicht brauche, dann ist es vermutlich mir mit so etwas noch mehr Druck zu machen, als sowieso schon. Aber ich bin auch ziemlich ohne Halt ins neue Jahr gestartet und das Gefühl, dass ich von diesem Leben nichts mehr „will“ uns nichts erwarte ist gerade übermächtig.

Aber: eins will ich doch. Es gibt eine Passstraße in Südtirol, die ich noch mal mit meinem Rennrad hochfahren möchte. Ich war dort zuletzt 2012 mit meinem Mann (diese Erinnerung ist glaube ich mit der schwierigste Teil des Unterfangens). Das war, kurz bevor mein Körper anfing zu rebellieren – ein halbes, dreiviertel Jahr, bevor gar nichts mehr ging vor lauter Erschöpfung.

Ich war auch da schon nicht besonders fit, hab mit mir (und gegen meinen Körper) gekämpft, der damals schon komische Sachen machte die ich aber nicht zuordnen konnte. Ich war so stolz, es diesen Pass hochgeschafft zu haben – es war fast egal, wie lange ich gebraucht hab. Ich träume davon, da noch mal hochzufahren und also habe ich entschieden, das diesen Sommer zu machen. Damit ich ein Ziel habe. Etwas, das mich motiviert morgens aufzustehen und mich nachmittags oder abends noch aufs Rad zu setzen. Etwas, das mir hilft meinem Alltag eine Struktur zu geben.

Dieses Ziel zu haben bedeutet gerade, dass ich motiviert bin eine Trainingsroutine zu entwickeln. Jetzt eine Trainingsroutine zu haben bedeutet auch, dass ich im Frühjahr vielleicht fit genug bin, mit der Radgruppe die ich mir gesucht habe Touren zu fahren. Das würde meine Wochenenden so viel besser machen.

Ich habe heute Urlaub den eingereicht und eine Anzahlung auf eine Ferienwohnung überwiesen. Ferien auf dem Bauernhof. Der hat den winzigkleinen Haken, dass ich nach jeder Tour noch 3,5 km ud 300 Höhenmeter hochfahren muss. Oder schieben ;-). Aber ich habe einen Balkon und Aussicht übers Vinschgau. Und es gibt tatsächlich etwas, auf das ich mich ein bisschen freue in meinem Leben.

 

 

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See you on the other side

Eigentlich möchte ich laut rufen: Tschüß 2017, du warst ein ziemliches Arschloch. Du hast mich müde gemacht und mürbe. Aber jetzt bist du bald vorbei!

Diesen einen, letzten Tag kriege ich auch noch rum. Wahrscheinlich nicht ganz ohne Tränen, und auch nicht mit allzu viel Versöhnlichkeit. Ich wünsche mir, dass ich ein paar Sachen im alten Jahr lassen kann, fertig. Ich geh rüber nach 2018 mit so viel weniger Baustellen als letztes Silvester, aber die ganz große Baustelle, die die ich selber bin, nehme ich mit.

Na, aber wir sehen, schreiben und lesen uns drüben. Und das ist schon mal ziemlich gut!

Das geht so nicht

Was nicht geht ist das mit mir und der Gruppentherapie. Glaube ich. Ich hatte mich ja entgegen meiner anfänglichen Skepsis bewusst entschieden es auszuprobieren. Jetzt läuft dieses Experiment schon eine ganze Weile – etwa ein halbes Jahr – aber der Funke springt bei mir nicht über. Ich versuche zu verstehen woran es liegt.

Es hat mit der Ermüdung darüber zu tun, mich jedes Mal wenn eine neues Gruppenmitglied dazu kommt wieder outen zu müssen. Ich muss das natürlich nicht, aber wenn ich über meine Themen reden will, kann ich es nicht verschweigen. Und jedes Mal wieder im Mittelpunkt stehen, die suchenden Blicke aushalten – na, da findet sich doch bestimmt noch was Weibliches! – und erklärbären. Das Spiel hab ich jetzt zweimal gemacht, ist noch gar nicht so oft, aber es ist absehbar, dass es so weitergeht. Und in der Regel ist das Thema nicht nach einer Sitzung vom Tisch, sondern flackert immer wieder auf.

Aber schlimmer ist für mich, dass ich es nicht hinbekomme über die Themen zu sprechen, die mich beschäftigen (also selbst die, die nicht unmittelbar etwas mit dem trans* sein zu tun haben). Je besser ich Menschen kennenlerne, desto schwerer fällt es mir über „schwere“ Dinge zu reden. Das ist in diesem Gruppensetting leider genauso. Möglich war mir das in der Vergangenheit eher in einem 1 zu 1 Setting und vor allem wenn mein Gegenüber jemand war, die*der professionelle Distanz wahren konnte. Das funktioniert in der Gruppe logischerweise nicht.

Was auch ein Faktor ist, dass es – vor allem, weil es ein psychoanalytisches Setting ist – absolut „sprunghaft“ von einem Thema zum nächsten geht. Ich sitze meistens nur da und höre zu oder drifte ab, weil ich mich nicht durchringen kann meine Sachen einzubringen. Jetzt könnte ich versuchen da eine Lernerfahrung draus zu machen. Aber ich mag nicht. Ich habe versucht, mich drauf einzulassen, aber irgendwie funktioniert es nicht. Und jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll. Ich werde auf jeden Fall mit dem Therapeuten mal einen Einzeltermin vereinbaren und drüber sprechen, aber im Moment ist ein Abbruch der Therapie etwas, worüber die ich ernsthaft nachdenke. Ein Wechsel in eine Einzeltherapie wird vermutlich schwer – zum einen wegen der Krankenkasse, aber auch weil in der Psychoanalyse die Sitzungsfrequenz zu hoch ist als dass ich das wirklich mit meinem Job unter einen Hut bekommen könnte.

Murks das.

 

Aufreger der Woche

Content note: Sexismus, (Inszenierung von) Voyeurismus, Sexualisierung von Kindern, Heteronormativität

Zugegeben, so einen Beitrag könnte ich jeden Tag schreiben, aber in der letzten Woche hat mich eine Begebenheit besonders aufgeregt. Ich habe eine Lieblingskaffeebude. Dort halte ich eigentlich immer am Ende meiner Rad-Ausfahrten an, trinke einen Kaffee und genieße die Aussicht die man dort hat. Die „Bude“ ist so ein kleiner Wagen und wird als Ein-Mann*-Betrieb bewirtschaftet.

Vorletzte Woche oder so war ich da und bekam mit, wie eine Karnevals-Tanz-Gruppe Fotos machte. „Tanzmariechen“ heißen die hier und die Kostüme bestehen aus Hut, einer Art Uniformjacke, kurzen Röcken und hohen Stiefeln. Eine Woche später dann postete der Betreiber* des Kaffeewagens ein Foto von der Gruppe auf Facebook: fünf oder sechs Gruppenmitglieder standen in einer Reihe an der Theke des Kaffeewagens, leicht nach vorne in Richtung Theke gebeugt. Das Foto war aus einer mäßigen Entfernung (andere Straßenseite) von unten aufgenommen – Blick unter die Röcke inklusive. Im Vordergrund des Bilds sah man, ebenfalls von hinten, ein kleines Kind mit seinem Roller, blau gekleidet, das zu der Gruppe die da am Tresen stand, rüberschaute. Der Blickwinkel war der gleiche, wie der der Kamera.

Ich hätte kotzen können echt. Zum einen der voyeuristische Blick(winkel), den die fotografierende Person da eingenommen, inszeniert und mit der Veröffentlichung des Fotos legitimiert hat. Dazu die bewusste Reduzierung der abgebildeten Personen auf ein Körperteil. Mag sein, dass zumindest die Mitglieder der Tanzgruppe ihr Einverständnis für das Foto und die Veröffentlichung gegeben haben – aber das ist aus dem Kontext in dem das Bild veröffentlicht wurde nicht mehr herzuleiten. Es könnte genauso gut ein zufälliger Schnappschuss sein, der unbeobachtet aufgenommen wurde.

Und dann dieses Kind da im Vordergrund, da läuft es mir richtig kalt den Rücken runter. Das Bild suggeriert, dass das Kind (das durch die blaue Kleidung unter Garantie von der Mehrzahl der Betrachter*innen  als männlich gelesen wird) den gleichen Blick einnimmt wie die fotografierende Person. Ich finde das gruselig, wie da über die Perspektive das Schauen des Kindes mit einer Bedeutung aufgeladen wird, die da einfach nichts zu suchen hat.

Aber wehe, jemand möchte Kinder über andere sexuelle Orientierungen als Heterosexualität aufklären. Dann heißt das plötzlich „Frühsexualisierung“. Aber Normalisierung von Heterosexualität ist natürlich völlig okay. DAS ist ja natürlich, ne?

Jetzt reg ich mich schon wieder auf.

Ach ja, ich hab zu dem Bild einen Kommentar hinterlassen und es wurde später tatsächlich gelöscht. Aber um den Kaffeeladen habe ich jetzt trotzdem erst Mal einen Bogen gemacht. Mir ist schon klar, dass das keine „böse Absicht“ war, sondern vermutlich einfach unreflektiert. Aber sich diese Unreflektiertheit bewahren zu können – in Zeiten in denen u.a. #metoo gerade überall diskutiert wird… Das ist Ausdruck eines ganzen Korbs voller Privilegien und unter Umständen auch einer Haltung des „Was hat das denn mit mir zu tun, ich bin ja gar nicht sexistisch“.

Grrrrrr!

 

Hello. Und Mystery Blogger Award

Irgendwie ist es im Moment mal wieder ruhig hier. Mir macht konkret der Herbst zu schaffen, vor allem das fehlende Tageslicht, aber auch das politische / gesellschaftliche Klima in Deutschland und der Welt insgesamt. Ich fühle mich zu „machtlos“, um irgendwelche gesellschaftlichen Veränderungen mitzugestalten und insgesamt ist bei mir stimmungsmäßig gerade alles eher gedämpft. Mir geht es nicht unbedingt „schlecht“, es gibt gerade insgesamt sehr wenige Emotionen, weder positive noch negative. Das heißt leider auch, dass mir gewaltig Antrieb fehlt und ich mich wenig über eigentlich positive Dinge freuen kann.

Ähm, wie kriege ich die Überleitung zum Thema „Awards“ hin :D.

Ich habe in den letzten Monaten die eine oder andere Blog Award-Nominierung erhalten und hab schändlicherweise auf keine reagiert bis jetzt! Aber heute fange ich mal damit an und das Gute daran ist, dass ich mir kein „schweres“ Thema vornehmen muss (was ich glaube ich gerade nicht so gut hinbekäme), sondern einfach ein paar random Dinge über mich erzählen darf :-). Heute fange ich mit den beiden „Mystery Blogger Award“-Nominierungen an. Nominiert wurde ich vom „Stark bleiben“ und vom „Untertauchen“ Blog – vielen Dank an Euch für die Nominierungen und Eure Fragen!

(Es gibt auch noch eine Nominierung von Mrs Tinguely, etwas zum Thema „Liebe“ zu schreiben und von M und K von Mama-Mama-Kind habe ich tolle Fragen zum Thema „Tipps für/Wünsche an Eltern aus trans* Sicht“ bekommen. Ist beides noch auf meiner Liste :-)).

So, hier jetzt aber erst einmal Mystery Blogger Award, der von Okoto Enigma ins Leben gerufen wurde.

mysterybloggeraward

Die Regeln:

  • Stelle das Logo auf deinen Blog
  • Liste die Regeln auf
  • Danke der Person, die dich nominiert hat, und füge einen Link zu ihrem Blog bei
  • Nenne die Urheberin des Awards und füge ebenfalls einen Link bei
  • Erzähle den Lesern drei Dinge über dich
  • Beantworte die fünf Fragen an dich
  • Nominiere 10 bis 20 Personen
  • Informiere die Nominierten, indem du in ihrem Blog kommentierst
  • Stelle den Nominierten fünf Fragen deiner Wahl; eine davon sollte seltsam oder lustig sein
  • Teile einen Link zu deinen besten Post

3 Dinge über mich

  1. Ich trage fast ausschließlich schwarze und dunkelgraue Klamotten, aber immer ziemlich bunte Socken. Es gibt glaube ich de fakto nur ein „buntes“ T-Shirt in meinem Kleiderschrank – das ist blau mit Walflossen drauf ;).
  2. Ich liebe Essen, das man mit den Fingern essen kann. Besteck ist wirklich total überbewertet!
  3. In meiner neuen Wohnung gibt es außer im Badezimmer keinen Spiegel. Es hat mein Leben enorm verbessert nicht ständig meinem Spiegelbild zu begegnen.

 

Sb’s Fragen

1. Wer ist dein Vorbild und warum?

Ich kann nicht sagen, dass ich ein bestimmtes Vorbild hätte – also eine Person von der ich sage „ich will genau so sein/werden wie sie*er“. Tatsächlich stellt sich, wenn ich darüber nachdenke, direkt so ein Gefühl von Druck und Unzulänglichkeit ein – es gibt Menschen, zu denen ich aufsehe, aber ich habe gleichzeitig immer das Gefühl dass es mir selbst an Stärke/Mut/Konsequenz mangelt, um diesen Personen irgendwie „ähnlicher“ zu werden.

2. Welches Lied nimmt dich mit in eine andere Welt?

Hmm, viel zu viele Lieder in viel zu dunkle Welten gerade. Aber (auch wenn nach diesem Genre nicht gefragt wurde): die Harry Potter Hörbücher von Stephen Fry gelesen sind im übertragenen Sinne meine Deckenhöhle und lenken mich super ab, wenn es mir nicht gut geht und ich einfach vom Hier und Jetzt nicht so viel mitbekommen möchte.

3. Auf was bist du besonders stolz?

Dass ich es bis hierhin geschafft habe (also, an diesen Punkt in meinem Leben – nicht bis zu dieser Frage ;-)).

4. Was ist dein Ziel im Leben bzw. deine Lebensaufgabe?

Im Moment erscheint mir das wichtigste Ziel, mit meinem Leben halbwegs auf der jetzt erreichten Bahn zu bleiben und nicht in der nächsten Kurve aus derselben zu fliegen (im übertragenen Sinn).

5. Dein allergrößter Wunsch

Kurzfristig (anschließend an 4.): dass es jetzt mal eine Weile einfach geradeaus geht. Und langfristig? Dass ich nicht für den Rest meines Lebens allein bin (im Sinne von Partnerschaft). Aber das ist ein großes und Angst auslösendes Thema und deswegen bleibe ich erstmal bei meinem Wunsch nach dem Geradeaus-Fahren.

Ut’s Fragen

1. Stell dir vor eines Nachts geschieht ein Wunder, durch das alles in deinem Leben wieder gut ist. Am nächsten Morgen weisst du nicht, dass das Wunder geschehen ist, da du ja geschlafen hast. Woran würdest du merken, dass ein Wunder geschehen ist?

Ich wache erholt und ausgeschlafen auf. Das ist im Moment völlig unvorstellbar und ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern ob/wann es jemals so war, dass ich gut geschlafen habe.

2. Was würdest du mit deinem Leben tun, wenn du frei entscheiden könntest?

Wenn ich ohne ökonomische Zwänge entscheiden könnte (und insgesamt etwas mutiger und risikofreudiger wäre), dann würde ich meinen Job aufgeben und irgendwo, wo es wärmer und sonniger auf einem Hof mit einer Alpaca-Herde leben :-).

3. Wie kommt ein Eisbär in die Antarktis?

Er wird als hochbezahlter Robben- und Pinguinexperte mit der Polarstern dorthin geschippert :-).

4. Du reist einmal um die Erde… wie würde deine Route aussehen?

Es wäre ein ziemlicher Zickzackkurs – denn ich glaube als schwule trans Person müsste ich ziemlich viele Länder und Gegenden auslassen, weil ich dort nicht sicher wäre.

5. Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

*guckt schuldbewusst auf den Stapel angefangener aber nicht fertig gelesener Bücher*

Fertiggelesen habe ich zuletzt glaube ich „The Magicians“ von Lev Grossman. Es wurde mir als eine Art „Harry Potter für Erwachsene“ empfohlen, was ich irgendwie nicht so empfunden hab beim Lesen (und wer sagt denn bitte, dass Harry Potter nichts für Erwachsene ist, hallo?). Es geht um ein Zaubereicollege, wo junge Erwachsene ausgebildet werden und um einen Protagonisten, der den Weg in eine Welt/Dimension findet, über die er als Kind immer Bücher gelesen hat. Stimmt schon, es ist insgesamt weniger „verspielt“ und „kindlich“ als die ersten Harry Potter-Bände. Aber so richtig gepackt hat die Story mich nicht. Das wurde aus als Serie verfilmt, vielleicht geb ich der irgendwann mal eine Chance.

* * *

So. Jetzt ein Link zu einem Beitrag von mir? Ich weiß ja nicht. Okay. Ein Beitrag, den ich immer noch mag ist der hier: Be_bilder_ungen.

* * *

In Sachen Nominierung bin ich ja immer eher zurückhaltend – ich glaube, weil es bei mir eher unangenehme „Kettenbrief“-Erinnerungen hervorruft. Ja, ich bin so alt dass ich tatsächlich noch postalische Kettenbriefe bekam als Jugendlicher :D.

Aber nichtsdestotrotz – auch ohne formale „Nominierung“ – möchte ich Euch zu drei lesenwerten trans* Blogs weiterschicken, denen ich folge:

Vielleicht habt Ihr ja Lust, dort mal reinzulesen!

Und an die dort bloggenden Personen: falls Ihr Lust habt Fragen zu beantworten, sagt einfach kurz Bescheid – ich stelle sehr, sehr gerne welche :-).

 

 

Reblog: Offizieller nichtbinärer Geschlechtseintrag

Ihr habt es wahrscheinlich heute in den Medien mitbekommen: das Bundesverfassungsgericht hat heute der Klage von Vanja (http://dritte-option.de/) auf einen dritten Geschlechtseintrag „inter*/divers“ neben männlich und weiblich stattgegeben. Das ist der Hammer und ich freue mich unglaublich!!!

Das könnte bedeuten, dass neben inter* Personen auch nichtbinäre trans* Personen in Zukunft einen „positiven“ Geschlechtseintrag haben können – bislang war ein leerer Geschlechtseintrag nämlich das maximal mögliche.  Ihr könnt auf dem geschlechtsneutral Blog nachlesen, was das jetzt bedeutet :-).

Die Neuigkeit gleich vorneweg: Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass in Deutschland ein 3. Geschlechtseintrag geschaffen werden muss! Und jetzt der Reihe nach, wie es dazu kam: Bis vor vier Jahren gab es in Deutschland für amtliche Dokumente nur die 2 Geschlechts-Optionen „männlich“ und „weiblich“. Mit Hilfe des Transsexuellengesetzes war es auf sehr mühsame Art möglich, […]

über Offizieller nichtbinärer Geschlechtseintrag — geschlechtsneutral Ø

Wiederzuhausesadness

Samstagabend bin ich aus dem Urlaub zurück gekommen. Jetzt weine ich den Bergen, dem Meer und der Sonne hinterher. Es war (trotz der geschilderten Nervfaktoren) eine wirklich schöne Zeit und gerade die letzten beiden Tage nach dem letzten Eintrag haben es irgendwie noch mal richtig rausgerissen. Das lag nicht unwesentlich an der Person, mit der ich an diesen beiden Tagen radfahren durfte. Es war die gleiche Person, mit der ich auch Anfang der Woche schon eine Tour gefahren war – allerdings war die auf sozialer Ebene etwas anstrengend und aufreibend, weil es Konflikte zwischen dem Guide und zwei anderen Gästen gab (die sich total daneben benommen haben). Ich stand nur daneben und war nicht unmittelbar betroffen, aber es war trotzdem nicht so schön. Naja. Fast forward zum Ende der Woche.

Donnerstag war „Marathontag“. Also: höchste Kilometer- und Höhenmeterleistung der ganzen Woche. Ich bin letztes Jahr ein Leistungslevel höher gefahren und war hinterher völlig. am. Ende. Der Marathon war ein Grund warum ich versucht habe, mein Pulver über die Woche nicht komplett zu verschießen, sondern noch ein paar Reserven zu haben. Nun gab es zwar keine Gruppe mit der ich mithalten hätte müssen, aber ich hatte trotzdem einen ordentlichen Respekt vor dem Tag (und Angst davor, nicht durchzuhalten). Der Guide, P, war auf eine angenehme „scheiß auf Leistung“-Art völlig entspannt. Und er* war sich sicher, dass ich das schaffe. Irgendwie hat er es geschafft, von Anfang an Druck rauszunehmen und sich so auf mein Niveau einzustellen, dass es rund lief, die ganze Zeit. Ich kannte ihn schon ein bisschen vom letzten Jahr und er ist von der Fahrtechnik her einfach unglaublich gut. Und präzise wie ein Uhrwerk.

Das energieeffizienteste und kraftsparendste beim Rennradfahren ist eigentlich, mit wenig Widerstand aber hoher Trittfrequenz zu arbeiten. Da es bei mir mit der Muskulatur nicht soooo weit her ist (und schon mal gar nicht nach diesem Jahr), fahre ich mit hoher Frequenz anstatt mich mit hohen Gängen über die Steigungen zu drücken, wie viele andere das machen. P hätte ohne weiteres hohe Gänge drücken können, hat es aber gelassen und so sind wir irgendwie sehr synchron gefahren die ganze Zeit, es hat so gut gepasst. Ich komme mir, wenn ich mit anderen fahre, ganz oft vor wie „the odd one out“ weil ich aufgrund der Fahrweise relativ viel schalte: jedesmal, wenn die Steigung sich ändert und ich meine Frequenz nicht mehr treten kann – während andere, die mehr über Kraft fahren halt nicht schalten, sondern einfach mit mehr oder weniger Druck auf den Pedalen fahren. P hat quasi immer gleichzeitig mit mir geschaltet und es war ein totales Flow-Gefühl. Dazu habe ich erlebt, dass meine Kraftreserven ausreichen. Am Ende des Tages – nach immerhin 93 km und rund 1700 Höhenmetern – war ich alle, aber nicht bodenlos erschöpft. Und auch auf der „sozialen“ Ebene war es gut. Wir haben relativ wenig geredet, aber es war angenehm so. Ansonsten viele „auf einer Wellenlänge“ Vibes. P hat Andeutungen gemacht die darauf schließen lassen, dass er auch Erfahrung mit Depression und/oder psychosomatischen Beschwerden hat und auch wenn wir das beide nicht so ausgesprochen haben, glaube ich schon dass er verstanden hat dass ich diese Erfahrungen auch habe. Und irgendwie habe ich mich im Gesamtpaket sehr „angenommen“ und „okay“ gefühlt. Am Freitag lief es genauso und es war schön – diese Art zu fahren hat es mir ermöglicht, meine Grenzen zu achten ohne mich unzulänglich zu fühlen.

Und nun bin ich einerseits total dankbar, dass ich das so erfahren durfte, aber sehr traurig dass es vorbei ist. Traurig auch, weil mir da eine Person begegnet ist, die ich gerne besser kennengelernt hätte und die ich wohl in absehbarer Zeit nicht wiedertreffen werde – wenn überhaupt noch mal. Ich versuche gerade zu verstehen, warum ich mich dieser Person nach so kurzer Zeit so verbunden fühle – naja, und ich glaube dieser Beitrag ist ein Teil der Antwort. Ich denke, es geht um das gemeinsame Fahrerlebnis und das kurze mich selbst als „okay“ erleben, das es mir ermöglicht hat. Gleichzeitig mit dem dankbar drüber sein bin ich leider auch wütend auf mich – dafür dass ich es zugelassen habe, dass jemand plötzlich auf diese Art wichtig für mich geworden ist, denn es macht mich verletzlich. Grund 543269 warum es schwer ist für mich, Menschen an mich ranzulassen.

Jetzt hat der Alltag mich wieder und ich versuche irgendwie, wieder in den Tritt zu kommen.