Still here!

Bin noch hier. Aber es gibt so viel zu tun, dass ich es gerade mit dem bloggen nicht so hinbekomme. Dabei gäbe es einiges, worüber ich schreiben könnte und gerne würde. Trauer und Wut. Mich einsam fühlen. Musik die mir nicht gut tut. Fotos. Mastekheilungsupdate. Aber mit fehlt die Ruhe gerade.

Ich bin im vollen Umzugsvorbereitungsmodus. 12 Tage sind es noch und es gibt noch so viel zu organisieren und zu tun. Meine Bücher habe ich zu 99% gepackt. Den Schrank im Arbeitszimmer habe ich ausgemistet und den Rest eingepackt. Kleiderschrank ausgemistet. Zwei große Müllsäcke Klamotten kommen in die Tonne und einen großen Koffer mit noch guten Sachen habe ich schon zum fairstore gebracht. Kommode im Schlafzimmer ausgemistet. Ablage gemacht, damit ich nicht mit losen Zetteln umziehen muss. Jetzt muss ich mich  noch um den Keller kümmern, das wird noch mal ein ziemlicher Akt. Da warten neben viel Kram, u.a. auch unsere CDs und DVDs, die ich jetzt wieder auseinanderwurschteln darf. Und dann muss ich noch die digitalen Daten von unserer NAS laden und umziehen.

Eine Woche werde ich ohne Küche auskommen müssen, aber das ist ja ein überschaubarer Zeitraum. Die Waschmaschine kam gestern. Der Kühlschrank hoffentlich nächste Woche. Die meisten Möbel kommen erst nach und nach im Oktober bis November. Naja, Bett und Tisch hab ich ;-).

Seit mein Mann aus dem Urlaub zurück ist, schlafe ich total schlecht und bin entsprechend gerädert. Wenn ich schlafe, träume ich viel über Trennungskram. Heute Nacht wollte mein Mann mir die ganze Zeit zeigen, wie schön er sich Haus und Garten hergerichtet hat und ich war einfach nur traurig und wütend, weil ich mein zu Hause verliere und er es sich nett macht. Naja, da muss man nicht viel ruminterpretieren, ne?

Ab nächster Woche habe ich Urlaub… da kann ich halbwegs in Ruhe den Umzug fertig vorbereiten. Ach ja – und das Internet soll nächste Woche geschaltet werden. Ich hoffe sehr, dass das klappt. Dass ich da erstmal ziemlich ohne Möbel sitze ist das eine – aber ohne Internet wäre wirklich sehr schlimm o__O.

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Huch!

Bei mir im Kopf dreht sich alles. Welche überraschende Wendungen das Leben manchmal nimmt o.O

Ich bin ja unseren Nachbar*innen weitgehend aus dem Weg gegangen, weil ich in dem Konflikt war ihnen erzählen zu müssen, was los ist, aber eben auch zu wissen, dass mein Mann das nicht möchte und es ihm unangenehm ist. Und natürlich sollte mich das vielleicht eigentlich nicht kümmern, aber so ticke ich halt nicht und schließlich bleibt er ja hier und ich gehe.

Ich habe gestern Abend noch Sachen für den Umzug erledigt. Als ich zurück kam, sprach meine direkte Nachbarin mich an und wir haben uns ein bisschen unterhalten. Eins gab das andere und ich hab ihr erzählt, dass ich bald ausziehe. Und naja… natürlich hatte sie mitbekommen was mit mir los ist und was da passiert, aber sie wusste nicht wie sie mich drauf ansprechen sollte. Es war für mich so erleichternd, dass das jetzt endlich alles raus ist.

Und dann sagte mir meine Nachbarin, dass ein Elter aus der Siedlung in der ich lebe sehr gerne mit mir sprechen würde, sich aber nicht getraut hat mich anzusprechen. So habe ich erfahren, dass es hier ganz in meiner Nähe eine jugendliche Person gibt, die auch trans* ist und am Anfang des Weges steht. Ich stand da wie vom Donner gerührt und bin immer noch völlig baff und irgendwie auch aufgedreht. Ich hab mir manchmal ausgemalt, wie es wohl wäre wenn ich hier nicht die einzige trans* Person wäre und vor allem was wäre, wenn hier eins der Kinder auch trans* ist und ob ich vielleicht Rat geben und unterstützen könnte. Aber ich hätte nie für möglich gehalten, dass das wirklich passieren könnte. Und jetzt ist es irgendwie doch eingetreten. Ich hoffe so sehr, dass diese junge Person einen guten Weg für sich findet und dass ich vielleicht ein bisschen Unterstützung geben kann, wenn das gewünscht wird.

Ich wusste schon, dass ich hier in diesem Stadtteil (der aber nicht besonders klein ist) nicht die einzige trans* Person bin, aber dass nun in meinem unmittelbaren Umfeld noch jemand ist hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich glaub ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie aufgewühlt ich gerade deswegen bin. Dagegen ist jetzt gerade Umzugskram etwas in den Hintergrund getreten.

Wobei: gestern konnte ich einen Haken unter das Thema „Waschmaschine“ machen, natürlich nicht ohne einen kleinen trans* plot twist :D. Ich bin mit den Preisen, die ich im Internet gefunden habe in unser Vor-Ort-Multifunktionsgeschäft gegangen um zu fragen was sie mir anbieten können. Ich hab die Maschine dann gestern dort bestellt und die Verkaufsperson gab meinen Nachnamen in das System ein. Es gab schon drei Kund*inneneinträge unter dem Namen und die Person zeigte mir die Einträge (das ist übrigens glaube ich NICHT datenschutzkonform) weil ich gucken sollte, ob einer davon zu mir gehört. Ja. Einer davon gehörte zu mir, aber war unter dem alten Vornamen. Mit gleicher Adresse natürlich. Ich bekam einen roten Kopf und versuchte eine gute Antwort zu finden. Aaaaaahh. Ich meinte dann nur, dass ich unter der Adresse, die gezeigt wurde, wohne. Ich dachte mir, die Verkaufsperson denkt dann, das andere ist meine Frau.

Fast.

„Ah, das ist dann ihre Mutter?“

Knallroter Kopf. „Äääh, ja“.

Ich hab hinterher ziemlich in mich reingelacht. Es war dann also mal wieder so, dass die Person mich wohl für deutlich jünger geschätzt hat als ich bin und dachte, ich ziehe gerade von zu Hause aus. Das ist mir jetzt schon öfter passiert. Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht mein Geburtsdatum angeben und diese Illusion zerstören musste ;D.

 

 

 

 

 

Updates

Hallo. Ich bin’s. Der Tomi. Kennt Ihr mich noch?

Ja, der letzte Beitrag ist ein bisschen her. Es war turbulent…emotional und auch sonst. Das letzte Wochenende war so richtig schlimm. Am Samstag war die Wohnungsübergabe. Eigentlich bin ich ja froh, dass es endlich weitergeht. Aber es war auch irgendwie klar, dass das nicht ganz ohne Emotionsachterbahn gehen würde und leider hat es mir noch mehr den Boden unter den Füßen weggezogen, als ich erwartet hatte. Haha, Boden. Der hat vielleicht auch eine Rolle gespielt. Es stellte sich nämlich am Tag der Übergabe raus, dass das Parkett, das in der Wohnung liegt (also mittlerweile: lag) raus muss. Das war nicht eingeplant – weder finanziell noch mit Blick auf die Zeit. Ich musste unter ziemlichen Zeitdruck (innerhalb von 24 Stunden) eine Entscheidung treffen, was ich mache und das hat mir glaube ich den Rest gegeben.

Es war plötzlich so extrem präsent und greifbar, was ich alles hier im Haus zurücklassen muss. Von den Möbeln, die wir mit so viel Zeitaufwand und Überlegung ausgesucht haben damals, kann ich praktisch nichts mitnehmen. Es passt alles nicht von den Maßen her. Mit wenigen Ausnahmen werde ich nur meine eigenen, alten Sachen mitnehmen können. Den Rest muss ich neu kaufen. Und ich liebe den Boden bei uns im Haus…den kann ich auch schlecht mitnehmen. Ein Bücherregal, das ich hätte mitnehmen wollen ist 8 cm zu hoch…. Kein Standardmaß. Kürzen ist nicht. Uff. Ich hab das Wochende durchgeheult.

Ansonsten kümmere ich mich um zweitausend Sachen wegen des Umzugs, während mein Mann nun im Urlaub ist. Das hat mich irgendwie wütend gemacht – mir ist noch mal klar geworden, wie sehr er sich bei dieser Trennung einfach zurücklehnt. Die ganze Last Dinge zu organisieren liegt bei mir. Ich hab mir über ein halbes Jahr mit Wohnungssuche um die Ohren geschlagen. Ich bin derjenige, der sich jetzt um alles kümmern muss – weil ich es ja bin, der auszieht. Neue Möbel, Versicherungen, Umzug organisieren. „Nebenher“ arbeiten. Allein der ganze Transitionsscheiß, den ich über das letzte Jahr managen musste wäre eigentlich schon genug gewesen. Mein Jahres-„Urlaub“ wird dem Umzug gewidmet. Ich bin gerade mal wieder so am Limit.

Und weil das noch nicht genug war, gab es noch ein Revival der Situation von vor zwei Wochen: vorgestern ist die OP-Narbe an der gleichen Stelle wie letztes Mal wieder aufgegangen. Es ist immer noch nur eine Ministelle (also wirklich mini: wir reden über 2 Stecknadelköpfe vielleicht), aber dieser Mist muss trotzdem nicht sein :/. Ich hatte echt gedacht, 5 Wochen nach der OP sollte langsam alles „stabil“ sein, aber das scheint die Sollbruchstelle zu sein. Es sah tiefer und irgendwie „gefährlicher“ aus, als beim letzten Mal und ich habe daher entschieden, dass es besser wäre jemanden draufgucken zu lassen. Ich habe erstmal in der Klinik angerufen – sie haben angeboten, dass ich vorbeikomme aber das war mir zu viel Fahrerei. Also bin ich heute in die freie Sprechstunde bei meiner „Frauen“ärzt_innenpraxis gegangen. Die sehen OP-Narben im Brustbereich auf jeden Fall ja des öfteren und daher dachte ich mir, dass das die bessere Wahl ist als meine Hausärztin.

Leider war heute nur eine Ärztin* da, die mich und meine Geschichte noch nicht kannte. Aber sie war total nett und die Situation war überhaupt nicht komisch. Mit den Praxismitarbeiter*innen an der Theke habe ich mich auch noch nett unterhalten über meinen Ärger mit der Krankenkasse und die Hürden, die trans* Personen im Gesundheitssystem allgemein überwinden müssen. Ich erfuhr, dass meine Kasse momentan grundsätzlich nicht besonders patient*innenfreundlich unterwegs zu sein scheint – nicht nur in Bezuf auf meinen Transitionskram

Die Ärztin* hat ein Ultraschall gemacht – es gibt keine Flüssigkeitsansammlung und die offene Stelle ist relativ „oberflächlich“. Ich soll mit Betaisodonasalbe und Pflaster arbeiten für ein paar Tage und es dann „trocken abheilen“ lassen. Ich hoffe, dass es dieses Mal so funktioniert… das letzte Mal hat ja nicht so gut geklappt. Ansonsten hat sie mich ermutigt, mit Blick auf die Narben langsam mal vom „Schongang“ in den „Normalmodus“ zu wechseln. Leichter gesagt als getan…aber ich geb mir Mühe. Fällt mir aber nicht leicht, weil an den Narben die Haut immer noch auf den Rippen „klebt“ und das bei jedem Strecken halt zieht.

#Mastek, die vierte

Content note: Operation, Narben. Nach den **** schreibe ich etwas plastischer/detaillierter über die Wundheilung und wie die Narben aussehen

Übermorgen ist die Operation vier Wochen her. Heute Nacht habe ich geträumt, es wäre wieder alles wie vor der OP… Hilfe, kein schöner Traum.

Nee, da hin möchte ich auf keinen Fall wieder zurück. Trotzdem kann ich allerdings nicht sagen, dass ich irgendeine Euphorie oder Begeisterung darüber spüre, wie es jetzt ist. Das, was jetzt ist, ist in jeder Hinsicht ein Kompromiss. Es ist vermutlich der best-mögliche Kompromiss und es ist in Ordnung so wie es jetzt ist – aber mehr kann ich dazu gerade (noch?) nicht fühlen. Das ist okay, ich hatte eine Ahnung dass es so sein würde und ich bin zum Glück auch nicht die einzige Person, die so empfindet.

Ich vermute, dass es besser werden wird wenn ich nicht mehr das Gefühl habe das mein Oberkörper eine große Wunde ist, die ich pflegen muss, um die ich mich kümmern muss. Und wenn ich nicht mehr bei jeder Bewegung daran erinnert werde, dass es so ist. Wenn ich nicht mehr ständig in mich reinhorche, ob da etwas mehr oder anders zieht, als sonst. Dass es noch Wochen oder Monate dauert bis sich das hoffentlich wieder etwas reduziert, macht mir zu schaffen.

*****Letztes Wochenende habe ich festgestellt, dass sich eine Naht an einer (sehr kleinen) Stelle etwas aufgezogen hatte und gerötet war. Das fehlte noch. Damit war mein Plan/Wunsch, mich einfach nach dem zu richten was das Krankenhaus mir mit auf den Weg gegeben hatte hinfällig.

Mein Wunsch war und ist es eigentlich, mich möglichst wenig mit dem ganzen Wundheilungskram, den drölfiztausend verschiedenen Möglichkeiten, die Narben zu pflegen und zu schützen auseinandersetzen zu müssen. Es war genauso mit der Wahl des Operationsteams. Ich wollte nicht akribisch jedes Pro und Contra ausarbeiten, zum Spezialisten für alles werden, um dann eine Entscheidung zu treffen, die trotzdem „die falsche“ sein könnte – weil man halt ohnehin nie alle Faktoren, die das Ergebnis letztlich bestimmen, beinflussen kann. Ebenso mit dem Narbenkram.

Es gibt viele unterschiedliche Philosophien dazu, wie man sich nach der OP verhalten soll. Ob Kompressionsweste oder nicht. Ob die Narben gecremt oder ob mit Silikonpflastern gearbeitet werden soll. Massieren ja oder nein. Und so weiter. Die Devise „meiner“  Klinik ist: Kompression, Narbe cremen/ölen, nicht abkleben. Letzteres bedeutet eben auch: keine Entlastung der Wundränder durch Tape oder Pflaster, um sie gegen Querzug zu schützen. Hätte ich etwas zur Zugentlastung über den Narben kleben gehabt, hätte die Haut sich an der einen Stelle vielleicht nicht aueinandergezogen. Es war nicht viel und nicht schlimm, aber ich hatte trotzdem ziemliche Sorge dass es sich mehr/breiter aufziehen könnte oder dass es sich entzündet.

Nach Recherche und vor allem Input mehrerer Personen habe ich mich entschieden, die Narben zunächst noch mal mit einem hypoallergenen Vliestape abzukleben (das wird zu diesem Zweck öfter genutzt und ich hatte es zum Glück zu Hause, weil das Krankenhaus mir das zum Kompressen-Fixieren mitgegeben hatte). Die offene Stelle habe ich mit einer Wundabdeckung und Bepanthen geschützt, denn darauf wollte ich nicht direkt irgendwas kleben o_O.

Dann habe ich mir so genanntes „Gitter Tape“ (cross tape) bestellt – das sind so selbstklebende „Netze“, wie Pflaster mit Löchern ;). Die sind für die Zugentlastung ganz gut. Ich habe sie nicht über die gesamte Breite der Narben geklebt, sondern auf jeder Seite nur ca. je 10 cm von der Mitte des Brustkorbs ausgehend. Dort ist der Zug auf den Narben am größten und die Verklebungen im Gewebe noch am stärksten spürbar. Sobald ich mich zu sehr strecke oder aufrichte, merke ich wie es spannt. Um das zu lösen, müsste ich eingentlich die Narben massieren (was nicht geht, wenn was draufklebt). Ich werde mir jetzt so einen Rhythmus aus 2-3 Tage kleben und dann 1-2 Tage ölen/massieren suchen, damit ich beides habe. Ich will die Tapes nicht ständig rauf und runter machen, da das die Haut ja auch reizt.

Schön aussehen tut bei den Quernarben leider noch nichts. Die Narben sind dunkelrot. Auf dem Brustbein hart-knubbelig und ziemlich faltig. Bügelfalten quasi. Unter den Armen, wo die Drainagen waren, sind ebenfalls Falten und Beulen. Letztere sind immer noch so unangenehm-knubbelig, dass ich nicht gut auf der Seite schlafen kann. Schmerzen habe ich sonst keine, es zieht und ziept halt nur. In der Beweglichkeit bin ich entsprechend auch noch eingeschränkt – wenn ich merke, das eine Bewegung die Narben spannt, dann forcier ich das nicht. Das wird besser werden, wenn die verklebten Gewebeschichten wieder etwas gelöst sind und nicht aneinander festhängen.

So, genug der gory details jetzt ;-). Ich hoffe mal, dass ich demnächst wieder etwas mobiler und bügelfaltenärmer daherkomme.

 

Allesmist

Das war ein ziemlich mieses Wochenende. Es hat mich dran erinnert, dass die meisten Wochenenden mit gutem Wetter an denen ich mich nicht mit Radfahren ablenken kann, mies sind.

Alles Mist gerade. Wohnungsübernahmemist. (Ex-)Beziehungsmist. Heilungsmist. Alleingelassenfühlenmist.

Vor allem der Heilungmist nervt mich so sehr. Es frisst zuviel Zeit und Kraft. Zu viel Aufmerksamkeit für einen Körper, den ich ja routinemäßig lieber ignoriere. Jetzt muss ich mich kümmern und mache mir ständig Sorgen um Kram, bin unsicher.

Und jetzt geh ich mir wieder die Decke über den Kopf ziehen und warte, das Montag ist. Beim Arbeiten bin ich wenigstens abgelenkt.

Wundersame Wandlungen

In den Kommentaren zu meinem „Menschen hautnah“ Artikel warf Goldtopf die Frage auf, welche besseren Alternativen es zu den von mir kritisierten Formulierungen „wurde als Junge/Mädchen geboren und ist jetzt…“ oder „wurde mit einem Jungen-/Mädchenkörper geboren“ gibt. Das sind Formulierungen, die praktisch in jedem Medienbeitrag zum Thema trans* zu finden sind und die auch sonst im Alltag ziemlich oft reproduziert werden.

Vorab muss ich sagen, dass alles was ich hier jetzt dazu schreibe meine Sicht ist und dass sicherlich nicht alle trans* Personen diese so teilen. Formulierungen, die ich schlimm finde, sind für andere völlig in Ordnung. Und grundsätzlich gilt sowieso, dass Selbstschreibungen anderer trans* Personen zu respektieren sind. Punkt. D.h. wenn eine trans* Person eine der oben beispielhaft genannten Formulierungen für sich als passend erachtet, dann ist das so. Unsere Erfahrungen und Empfindungen diesbezüglich sind sehr unterschiedlich und von ganz vielen Faktoren geprägt. Deutungshoheit haben wir nur über uns selbst, nicht aber über die (sehr heterogene) Gruppe aller trans* Personen. Was ich aber speziell in den Medien vermisse ist ein Bewusstsein genau dafür: dass Formulierungen, die *eine* Person als Selbstbeschreibung nutzt eben nicht notwendig für alle trans* Personen okay oder passend ist. (Naja. Und wenn wir ehrlich sind, dann schaffen Medien ist ganz oft noch nicht mal, die ziemlich konsensfähigen Basics zu beachten).

So. Was stört mich an den Formulierungen, die da oben stehen? Und was könnte man stattdessen sagen?

„War mal….ist jetzt“. Ich glaube tatsächlich die allermeisten trans* Personen würden von sich sagen, dass sie schon immer das Geschlecht hatten/waren von dem sie (heute) wissen dass es ihr richtiges ist. Also in meinem Fall: ich war tatsächlich nie Mädchen/Frau sondern immer schon Junge/Mann, auch wenn ich lange nicht die Worte hatte das auszudrücken. Die Kategorie „Mädchen/Frau“ ist etwas, das mir aufgrund körperlicher Merkmale übergestülpt wurde. Zu sagen, ich sei früher Mädchen gewesen und jetzt auf wundersame Weise zum Jungen/Mann geworden ist schlichtweg falsch.

Entsprechend sage ich von mir auch nicht „ich wurde als Mädchen geboren“, sondern: „mir wurde bei Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen“. Das ist jetzt sicher eine Formulierung, die in der Alltagssprache nicht allen so flüssig über die Lippen geht oder ohne weiteres beim Gegenüber verstanden wird. Eine etwas weniger voraussetzungvolle Alternative könnte zum Beispiel sein: „Hat früher als Mädchen/Frau/Junge/Mann gelebt und lebt heute im richtigen Geschlecht als …“. Der TriQ-Leitfaden für Journalist*innen (PDF) schlägt als Alternative auch Formulierungen vor, die ausdrücken dass eine trans* Person ihre männliche/weibliche/nichtbinäre/etc. Geschlechtsidentität nun „auch nach außen lebt“ (siehe S. 8). Das finde ich auch ganz gut!

Diese Idee man sei früher das eine und heute das andere Geschlecht drückt sich auch in dem unsäglichen (und leider sehr schwer in Vergessenheit zu bringenden) Begriff der „Geschlechtsumwandlung“ aus. Dem wiederum liegt sehr stark die Vorstellung zugrunde, wir alle hätten ein „wahres“ biologisches/körperliches Geschlecht, das trans* Personen durch medizinische Eingriffe dann so ab- oder umwandeln, dass es nicht mehr sichtbar ist. Und nur, wenn man körperlich nicht mehr als „altes Geschlecht“ erkennbar ist, hat man den Weg ins „neue Geschlecht“ endlich geschafft. (Au weia, mir rollen sich die Zehennägel auf, wenn ich das so schreibe). Was mich zu „wurde in einem Jungen-/Mädchenkörper geboren“ bringt.

Das ist eine Formulierung, die eng verknüpft ist mit der Aussage eine trans* Person sei „im falschen Körper“ geboren. Das ist etwas, das man auch ganz oft als Selbstbeschreibung hört und es ist als solche selbstverständlich zu respektieren – denn es drückt dann eben aus wie die Person ihr Verhältnis zu ihrem Körper empfindet. Dennoch würde ich mir wünschen, dass diese Aussage nicht so benutzt wird, als würde sie das Erleben aller trans* Personen adäquat beschreiben.

Für mich(!) knüpft diese Aussage viel zu sehr an die von mir abgelehnte Idee an, es gebe ein unhintergehbares und für immer festgeschriebenes „natürliches“ körperliches Geschlecht. Es ist gesellschaftliche Konvention, dass wir bestimmte körperliche Merkmale mit einem bestimmten Geschlecht verknüpfen, nicht Biologie. Im Rahmen dieser Konvention ist mein Körper ein „Frauenkörper“. Am Arsch! Ich wehre mich dagegen. Und so würde ich über mich sagen: genauso, wie ich schon immer Junge/Mann war, war auch mein Körper schon immer männlich, auch wenn er vom Rest der Gesellschaft nicht als solcher (an)erkannt wurde/wird. Entsprechend wünsche ich mir für mich, dass einfach darauf verzichtet wird zu sagen, ich sei in einem Mädchenkörper geboren. Stattdessen würde ich dann wieder eine Formulierung wählen die zeigt, dass mir bei Geburt leider aufgrund meiner körperlichen Merkmale ein falsches Geschlecht zugewiesen wurde.

Zum Abschluss vielleicht noch etwas Grundsätzliches: wichtig finde ich auch, dass gewählte Formulierungen klar zum Ausdruck bringen dass trans* Personen einfach ihr Geschlecht _sind_. So wie cis Personen eben auch einfach Mann oder Frau sind. Häufig liest oder hört man nämlich dann so Aussagen wie „xy identifiziert sich als Mann/Frau/nichtbinär/agender…“ oder „empfindet sich als“. Davon bin ich selbst auch nicht frei! Aber es impliziert immer so hintenrum, dass es einen Unterschied zwischen (körperlichem) Geschlecht und Geschlechtsidentität gebe und dass der nicht zu markierende Norm(al)zustand ja sei, dass beides irgendwie deckungsgleich ist. Wenn cis Personen „sind“, trans* Personen sich aber nur „identifizieren als“, dann klingt das ein bisschen so, als würden wir uns in einem willentlichen Akt ein bestimmtes Geschlecht geben. Das läuft dem Erleben und Empfinden vieler trans* Personen entgegen, die sich wünschen „einfach so“ als ihr Geschlecht anerkannt zu werden. Insofern gilt auch hier: auch wenn dies für manche Personen eine passende Selbstbeschreibung ist, lässt sich das nicht verallgemeinern und entsprechend versuche ich mittlerweile, solche Formulierungen zu vermeiden (und freue mich, wenn andere das auch versuchen :-)).

So. Das war jetzt sehr viel über Tomi und wie er die Welt sah ;-). Falls Ihr andere gute Alternativen zu „war mal, ist jetzt“ habt, teilt sie gerne in den Kommentaren!

Nachgetragen

So. Ich wollte heute aber noch was raushauen, das passte nur thematisch nicht so richtig zu dem vorigen Post und so mache ich lieber zwei Beiträge draus. Ich wollte noch dieses und jenes zu meinem „Menschen hautnah“ Post nachtragen. Den habe ich, wie unschwer zu bemerken war, mit ziemlicher Wut im Bauch geschrieben. Ich habe oft das Gefühl, nach einer so emotional vorgetragenen Kritik wieder „zurückrudern“ und relativieren zu müssen. Habe ich wirklich das Recht wütend zu sein? Bin ich zu undankbar? Internalisiertes tone policing – kann ich!

Wie auch immer – ich stehe weiter zu meiner Wut und Enttäuschung und meine Kritik an der Dokumentation steht auch weiterhin. Aber.

Ja, es gibt ein „aber“ :D.

Ich möchte ein paar Dinge nachtragen.

Erstens. Über meinen Ärger und meine Kritik habe ich natürlich hauptsächlich auf negative Aspekte der Dokumentation hingewiesen. Das Positive ist dabei in den Hintergrund getreten. Ich will deswegen noch mal sagen dass ich die Geschichten der portraitierten trans* Personen berührend und sowohl mut- als auch traurigmachend fand. Und so schade ich es finde, dass der voice- over Kommentar für mein Gefühl viel zu stark deutend und „vereindeutigend/vereinfachend“ eingegriffen hat – die so offen geäußerten Gedanken und Erfahrungen der Protagonist*innen  waren eben doch ein großes, gutes Gegengewicht dazu. Und mir wurde von einigen Freund*innen und Bekannten mittlerweile gesagt, dass ihnen vor allem das im Gedächtnis geblieben ist und sie berührt hat – nicht der darübergesprochene Kommentar. Das hat mich etwas versöhnt :).

Zweitens. Ebenfalls ein bisschen versöhnt hat mich, dass das Redaktionsteam auf die von mir und anderen formulierte Kritik am Umgang mit Sophia _überhaupt_ reagiert hat. Das ist durchaus nicht üblich.
Sie haben mir mitgeteilt, dass alle Personen ihre Einwilligung in die Nennung der alten Namen gegeben haben („Sophia und ihre Eltern eingeschlossen“). Dazu muss ich sagen, dass ich weiterhin skeptisch bin inwieweit es Sophia möglich gewesen wäre hier gegen einen möglichen Wunsch oder Vorschlag der Eltern zu entscheiden. Das ist von außen aber schlichtweg nicht zu beurteilen und es ist müßig weiter darüber zu spekulieren. Das Redaktionsteam hat aber erstens erkannt, dass sie transparenter hätten machen sollen dass die Einwilligung aller Personen vorlag; zweitens – und das finde ich wirklich gut – haben sie Sophias alten Namen aus dem Infotext in der Mediathek entfernt. Man erfährt ihn jetzt wirklich nur noch, wenn man die Doku anschaut.

Drittens wollte ich jetzt eigentlich noch was zur Frage von Goldtopf schreiben – nämlich was denn bessere Formulierungen als „wurde als Junge/Mädchen geboren und ist jetzt…“ wären – aber ich glaube da muss ich doch weiter ausholen und mache das besser morgen! Stay tuned!