in trans*it

in transitIm Moment hab ich das Gefühl, in einem Transitbereich zu leben. Nicht mehr „hier“ (zum Glück), aber auch noch nicht „dort“ – wo auch immer das sein mag. Das ist eine 200-prozentige Verbesserung zu vorher. Da gab es kein Dort, da gab es nur rock bottom und vor mir nichts, vor allem keine Aussicht auf „Besserung“. Man hört immer, wir sollen mehr im Jetzt leben. Aber wenn das Jetzt ein tiefes Loch ohne Boden ist und all deine Kraft dafür draufgeht irgendwie durch den Tag zu kommen, ist das „im Hier und Jetzt sein“ absolut überbewertet.

Es gibt Tage, an denen denke ich, vielleicht wäre es OK einfach so weiterzuleben, irgendwie — ohne Transition, dafür mit meinem Mann an meiner Seite, in unserem gemeinsamen Zuhause. Es schmerzt so sehr, sich für das eine oder das andere entscheiden zu müssen. Aber jedes Mal, wenn ich versuche mir vorzustellen, wie es wäre so weiterzumachen noch ein, zwei, drei Jahre, schlagen die Wogen über mir zusammen und ich fühle wieder, wie es ist, in dem schwarzen Loch zu sitzen. Ich versuche irgendwie, den Zeitpunkt hinauszuzögern, an dem es los geht. Noch einen letzten gemeinsamen Urlaub. Noch ein paar Wochen, Monate Normalität, auch wenn sie von uns beiden ohnehin nur gespielt ist. Aber gleichzeitig weiß ich genau, dass ich das Hier/Jetzt nur aushalte, weil ich weiß, dass es ein Dort/Bald/Morgen gibt. Jedes Mal, wenn der Zeitplan, der langsam in meinem Kopf Gestalt annimmt, infrage gestellt wird, ist sie dahin meine Gelassenheit. Zum Beispiel jetzt, wo die Krankenkasse die Therapie bei meinem Therapeuten nicht weiterbewilligt hat. Das sind die Momente, in denen ich merke, dass dieses scheinbare Equilibrium in Wirklichkeit nur ein Jota von einem chaotischen System entfernt ist. Also mache ich weiter, denn im Transit ist es hundert Mal besser, als im Dock.

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