Bild: cc0 (Pixabay)

Loslassen

Fange ich mit einer Plattitüde an? OK. Manchmal muss man loslassen können.

Nun gehört aber Loslassen zu den Dingen, die ich nicht besonders gut kann. Ganz besonders, wenn es um „Verantwortung“ geht. Seit über einem Jahr trage ich (in meiner Wahrnehmung) die Verantwortung dafür, dass meine Beziehung (nicht) kaputt geht. Aus dieser Perspektive, von der ich mich nur schwer lösen kann, bin ich der Verursacher der Krise, die wir erleben:

Ich bin derjenige, dessen Gesundheit unser Zusammenleben jahrelang beeinträchtigt hat. Ich bin derjenige, der durch sein Coming Out, seine „Unfähigkeit“ mit seiner Transidentität anders fertig zu werden, diese Beziehungen in ihren Grundfesten erschüttert hat.

Seitdem versuche ich, diese „Schuld“, die da entstanden ist, irgendwie abzugelten. Ich fühle mich in der Verantwortung dafür, diese Beziehung zu retten.

Ich weiß natürlich, dass ich eigentlich nicht Schuld bin und dass einer alleine eine Beziehung nicht retten kann. Ich weiß auch, dass ich den Karren nicht alleine in den Dreck geritten habe… Aber etwas wissen und es annehmen sind zwei verschiedene Dinge. Seit ein paar Tagen habe ich das Gefühl, ich bin dem „Annehmen“ ein Stück näher gekommen und bin bereit, diese Verantwortung mal abzugeben. Natürlich ist da niemand, der sie von mir übernimmt, aber das ist OK.

Im letzten Jahr habe ich versucht, meinem Mann jede (mir) mögliche Brücke zu bauen. Ich habe versucht, die Kommunikation irgendwie wieder ans Laufen zu bringen. Habe versucht zu erfahren, was seine Ängste und Gefühle sind, was ihn bewegt. Ich habe versucht, ihm Nähe zu geben und Raum. Aber was ich auch mache, er wahrt seine Distanz und bewegt sich (aus meiner Sicht) nicht einen Millimeter. Er spricht mit mir über Belangloses, bleibt auf neutralem Boden. Er äußert keine Gefühle, es gibt keine liebevollen Gesten. Ich kratze an der Tür, aber er lässt mich nicht rein. Und ich habe entschieden, dass es jetzt gut ist. Das heißt nicht, dass ich unsere Beziehung aufgebe — falls sich irgendwie doch noch mal eine Tür öffnet, gehe ich durch. Aber ich höre auf, sie um jeden Preis aufstoßen zu wollen.

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