I am not an apology

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: seit meinem „Coming Out“ spiele ich ein Versteckspiel. Der Umstand, dass ich etwas von mir preisgegeben habe, was vorher niemand sehen konnte, führt jetzt dazu, dass ich diesen Teil meiner Identität umso vehementer verstecke und zensiere. Und zwar an dem Ort, an dem ich mich eigentlich geschützt und aufgehoben fühlen sollte — meinem „Heim“.

Vor meiner Selbsterkenntnis war dieser Prozess des Versteckens und Zensierens wohl eher ein unbewusster. „Ich“ habe „mich“ ziemlich erfolgreich vor mir selbst versteckt — vielleicht auch aufgrund von Erfahrungen in meiner Kindheit und Bloßstellungen, die ich in meiner Jugend erlebt habe.

Jetzt habe ich eine Identität gefunden in der ich mich endlich „richtig“ und aufgehoben fühle und muss erfahren, dass diese Identität für den wichtigsten Menschen in meinem Leben ein Affront ist — eine Wunde, die ihm so große Schmerzen bereitet, dass es für mich unerträglich ist. Also trage ich wieder einen Kampf mit mir selbst aus.

Einerseits will ich in die Welt hinausschreien „Guckt mal, hier bin ich“. Ich möchte meine Freude darüber, dass ich endlich eine Möglichkeit sehe, „mir selbst“ näher zu kommen, mit anderen teilen. Ich wünsche mir, dass sie sich mit mir freuen. Ich will „draussen“ sein, anderen helfen, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind. Mich nicht mehr verstecken. Aber jeder noch so kleine Hinweis darauf, wer ich bin und sein möchte, verletzt den Menschen, mit dem ich eigentlich alles teilen wollte. Das ist schwer zu ertragen.

Ich möchte kein Affront, keine Verletzung sein, mich nicht mehr dafür entschuldigen müssen wer ich bin und welche Entscheidungen ich treffe. Ich möchte einfach nur ich sein.

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