Blurred

Ich habe gerade das Gefühl, dass mir alles durch die Hände rinnt. Es fühlt sich an, als ob meine „wahre“ Identität, die ich jeden Tag verleugne und versuche zurückzustellen, immer weniger greifbar wird. Sie ist für mich kaum fassbar, solange ich in meine weibliche Rolle gezwungen bin (oder mich selbst dort hineinzwinge bzw. hineingezwungen fühle). Aber wenn ich meine männliche Identität nicht mehr fassen kann, mir nicht mal mehr vorstellen kann, wie es sein wird, endlich als Mann zu leben, dann geht mir auch alle Hoffnung für mein Leben flöten. Denn alles „nach vorne blicken“, alle Hoffnung ist an diese männliche Identität geknüpft.

Ich trete seit Monaten auf der Stelle, weil ich es nicht schaffe, den nächsten Schritt nach vorne zu gehen. Aber ohne den nächsten Schritt finden auch die darauffolgenden gefühlt 200.000 Schritte nicht statt. Und wenn ich die aus dem Blick verliere, weiß ich auch nicht mehr, warum ich diesen nächsten Schritt machen soll.

Mein Therapeut hat noch einen oben drauf gesetzt, indem er mich am Telefon gerade mal wieder mit „Frau Tomi“ angesprochen hat. Das ist so entmutigend und gibt mir noch mehr das Gefühl, dass meine Identität keine Berechtigung hat. Ich hab es ihm schon bestimmt vier Mal gesagt, dass ich so nicht mehr angesprochen werden möchte. Aber scheint echt zu schwierig zu sein. Ich empfinde es als Geringschätzung.

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