Taking the plunge, maybe

So. Heute war ich also wieder bei meinem Thera. Ich habe vorher ganz schön am Rad gedreht, auch weil der Tag insgesamt so stressig war. Das heißt, mein Anspannungsniveau war eh schon ziemlich hoch, gepaart mit der Nervosität wegen der Sitzung… oh je.

Während der Sitzung habe ich die ganze Zeit mit den Tränen gekämpft und ich glaub mein Thera hat mitbekommen, dass es gerade echt gar nicht gut geht. Aber die Sitzung war hilfreich. Ich konnte darüber reden, wie sehr ich meine derzeitige Situation als „lose-lose“ Situation empfinde und dass ich daran langsam aber sicher zerbreche. Die Angst, die ich habe, dass ich vielleicht nie ein Leben haben werde, was vielleicht wenigstens einigermaßen OK ist – dass ich es vielleicht nicht schaffen ein bisschen Frieden mit mir selbst und meinem Körper zu machen.

Und wir sind noch mal alle Möglichkeiten durchgegangen, die ich momentan habe, um meine Situation zu verändern.

  1. Ich kann mit meinem Mann reden und dann in den Alltagstest gehen.
  2. Ich könnte in den Alltagstest gehen, ohne es meinem Mann zu sagen.
  3. Ich könnte so weiter machen, wie bisher.
  4. Ich könnte das ganze Genderthema zurückstellen und an andere Baustellen gehen, die ich auch noch habe, und über die ich eventuell eine Verbesserung meiner Lebensqualität erreichen könnte.

2.-4. sind keine Optionen. Ich kann nicht so weitermachen. Wenn ich das versuche, fahre ich komplett vor die Wand. Und ich weiß zwar, dass es Baustellen gibt, an denen wir noch weiter arbeiten könnten, aber der Kampf, den ich jeden Tag gegen mich selbst führe, die ganze angespannte soziale Situation, die durch meine Transidentität entsteht, lassen mir zu wenig Ressourcen dafür. Ich glaube auch nicht, dass ich dadurch eine wirklich wesentliche Verbesserung meiner Situation erreichen kann. Das „Genderthema“ nimmt zu viel Raum ein.

Den Alltagstest zu beginnen, ohne mit meinem Mann zu reden wäre eine reine Vermeidungsstrategie. Denn mit ihm zu reden ist das, wovor ich die größte Angst habe (bzw. vor den Konsequenzen, die ein solches Gespräch haben wird). Außerdem fände ich es unehrlich und unfair ihm gegenüber. Ich finde, er hat das Recht, von einem so wichtigen Schritt zu wissen, bevor ich ihn gehe. Ich könnte auch mit dem Gefühl, dass ich ihn hintergehe, nicht umgehen. Ich liebe diesen Menschen und ich möchte ehrlich zu ihm sein.

Bleibt Variante 1. Das war mir vorher klar, aber es war trotzdem gut, diese anderen Szenarien noch mal durchzugehen. Szenario 1 ist aber das, was mir unendlich viel Angst macht. Die Idee ist jetzt, in der nächsten Sitzung das „worst case scenario“ (also die Konsequenzen, die ich befürchte) durchzusprechen und zu überlegen, wie ich damit umgehe, wenn es eintrifft. Ich brauche einen Plan, der ausbuchstabiert, wo ich mir Unterstützung und Halt hole, wenn es so kommt, wie ich befürchte.

Mein Thera hat mich heute gefragt, ob ich leben will. Ich hab ja gesagt.

Aber ich habe Angst.

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5 Gedanken zu „Taking the plunge, maybe“

  1. Hm,
    ich habe jetzt hier nur mal kurz reingelesen, von daher vielleicht nicht übermäßig qualifiziert, mein Kommentar.

    Wenn du deinen Weg weitergehen willst, wirst du doch davon auch eine (relativ) genaue Vorstellung davon haben, welche Stationen du durchlaufen willst, was alles auf dem Weg auf dich zukommt. Und vielleicht hast du auch eine Vorstellung davon, welche Rolle dein jetziger Mann darin spielen soll/wird.

    Weiß er das denn, was du für Vorstellungen hast? Hast du mit ihm mal darüber geredet (sorry, wenn du das schon geschrieben hast, habe den Blog jetzt nicht rückwärts gelesen bis zum Anfang)?

    Und andererseits: ich kann deinen Mann verstehen, wenn er dann ab dem Moment deiner Wandlung nicht mehr mit dir zusammenleben will. Ich meine, sein Lebensentwurf ist/war, mit einer Frau glücklich zu werden, Familie zu grüden, was-auch-immer. Nun plötzlich einen Mann (der bist du ja dann am Ende) an seiner Seite zu haben, dürfte seinen Lebensetnwurf konterkarieren oder zumindest diametral entgegenstehen. Finde ich verständlich, vielleicht kannst du dir das ja umgekehrt vorstellen (wobei das schwieriger sein dürfte). So ist eine Trennung seinerseits das Mittel, das ich auch anweden würde, ganz klar.

    Allerdings scheinst du jemanden zu brauchen (auch verständlich in der Situation), der dich stützt. Da wirst du sicher Leute finden, die dich stützen (können), vielleicht auch schon mal ähnliches/gleiches durchgemacht haben. Und vielleicht ist das auch eine Basis für eine Freundschaft zu deinem bisherigen Mann. Eben auf einer anderen Basis, eben (unter-)stützend.

    Weiß er denn, wie du darüber denkst und was du für Befürchtungen/Ängste hast? Wenn nein, solltest du versuchen, mit ihm darüber zu sprechen. Wenn du ihm klar machst, dass er zu nichts verpflichtet ist, läuft das Gespräch vielleicht etwas besser.

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    1. Ich mache meinem Mann keine Vorwürfe. Aber dass er das Thema einfach totschweigt und jeden Versuch, drüber zu reden mit „Liebesentzug“ straft ist schon nicht einfach. Klar hat er sich sein Leben anders vorgestellt. Ich auch. Wir sind beide totale Einzelgänger, Freunde hat er so nicht. Insofern wird es so etwas wohl auch zwischen uns nicht geben. Will ich auch nicht, wenn ich so drüber nachdenke.

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      1. Will ich auch nicht, …
        – na, immerhin, das weißt du ja schon recht konkret. Ein guter Anfang.

        Was willst du denn noch alles? Und was nicht? Und was genau erwartetst du, wie dein Mann reagieren sollte?

        Wenn du von seiner Reaktion eine Vorstellung hast, kannst du mit ihm ja genau darüber reden. Ich will hier keine Lanze für deinen Mann brechen – aber seine Art dürfte eine der sein, die oft genutzt werden. Einerseits verdrängen des Problems, andererseits verweigern. Das sehe ich übrigens nicht als Bestrafung deinerseits, sondern eher einfach nur als „Ablehnung“ seinerseits, mit einem Mann zusammenzusein (was du ja anstrebst, also die Wandlung zum Mann). Ich glaube nicht, dass er das als Bestrafung deinerseits anwendet, sondern eher seine Art der Ablehnung zeigt.

        Und ja, natürlich zieht dein Schritt viele Konsequenzen nach sich. Was hast du denn diesbezüglich erwartet? Das du wandelst und alles andere so bleibt? Du veränderst dich, damit die Reaktionen auf dich (was ja auch positive Reaktionen nach sich ziehen kann) und dein Umfeld. Das bleibt nicht aus.

        Vielleicht solltest du nicht damit hadern, das ist unnütz vertane Zeit. Schau lieber, wie du das so geregelt bekommst, wie du es willst. Gucke, was du willst, ob es erreichbar ist und wie es machbar ist. Denn schließlich willst du den Schritt ja gehen.

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      2. Ja, ach ja, natürlich hast Du Recht mit dem hadern. Wenn ich die Situation von außen betrachte, sehe ich das auch so. Aber eine 15-jährige Partnerschaft für etwas aufgeben, von dem ich letztlich auch nicht weißt, ob es mein Leben vielleicht wieder lebenswert macht ist schon schwer. Aber jetzt ist es halt auch nicht lebenswert. Ich denke oft, egal was ich mache, es ist eh bald vorbei. Das macht es nicht leichter, rationale Handlungsfähigkeit an den Tag zu legen.

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      3. Oh,
        da hat er wohl oben mein blockquote nicht gefunden oder ich habe es falsch geschrieben. Sollte natürlich nicht alles ein Zitat sein ;)

        Du schreibst es ja eigentlich schon selbst: „Aber jetzt ist es halt auch nicht lebenswert.“ Das ist doch genau der Punkt. Du bist momentan unglücklich und denkst, die Änderung, die dir vorschwebt (Wandlung), wird es besser machen. Das findest du aber nur dann heraus, wenn du das auch probierst. Denn so wie momentan willst du doch nicht weiterleben – also muß es eine Änderung geben, egal wohin. Und das sollte doch dann besser werden. Zumindest wirst du dann zufriedener sein, weil du eine Änderung angestoßen hast. Ob du dann am Ende so glücklich/froh/zufrieden bist, wie du dir das wünscht, das weiß niemand. Das sieht man dann eben erst, wenn es soweit ist. Und bist du dann nicht so glücklich und zufrieden wie du dir das vorstellst – was steht dann einer weiteren Änderung im Wege? Nichts! Auch dann kannst du immer noch an diversen Rädchen drehen.

        In erster Linie geht es doch darum, dass du zufrieden bist/wirst. Denn nur dann kann auch dein Umfeld zufrieden(er) mit dir sein. Und klar, 15 Jahre Partnerschaft sind schon was (ich weiß nicht, ob Kinder auch involviert sind) – doch du hast doch für dich schon entschieden, dass es so nicht weitergeht.

        Bleibt für mich nur die Möglichkeit zu gucken, ob es noch andere Alternativen als die von dir angestrebte gibt. Da kannst du gucken. Und wenn du meinst, es gibt keine, dann bleibt doch nur der von dir ausgewählte Weg.

        Und selbst wenn es bald mit dir zu Ende gehen sollte (was ich mal nicht vermute) – auch dann willst du doch zufrieden ankommen. Ergo: guck, was du für Möglichkeiten hast, glücklich(er) zu werden. Ist die von dir ausgewählte Möglichkeit die einzige, dann nimm den Weg, wenn du davon überzeugt bist, damit glücklicher zu werden. Und wenn dein Umfeld das nicht versteht (wofür ich Verständnis habe), bleibt dir nur die Möglichkeit, es verständlich(er) zu machen. Hilft das nicht, müssen sie es akzeptieren. Was dann natürlich zu einem Abwenden dererseits führen kannst. Wenn du offen bleibst für dein jetziges Umfeld, kann sich das immer noch zum Positiven wandeln. Wenn nicht, hak‘ es ab. Und bau dir ein neues Umfeld auf.

        Entscheidungen fällen bedeutet eben auch, Änderungen akzeptieren zu müssen. Eben mit allen Konsequenzen.

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