#notjustsad

Ich sehe immer noch kein Land. Sobald ich alleine bin, heule ich eigentlich nur – ich hasse es, alles. Ich frage mich, was ich tun kann, um mal wieder ein Minimum an Handlungsfähigkeit zurückzuerlangen. Ich fühle mich komplett gelähmt. Ich verstehe, dass das wahrscheinlich auch ein Symptom von etwas ist, aber ich weiß nicht, wie ich es durchbrechen soll, bzw. welche Art von Hilfe ich dafür benötigen würde. Mein Kopf funktioniert ganz hervorragend und ich sehe sehr genau, was ich eigentlich tun müsste. Ich zerbreche an einem Wollen aber nicht Können, das wahrscheinlich niemand nachvollziehen kann, der das nicht selbst schon mal erlebt hat.

Ich wünsche mir manchmal, ich könnte es mir zugestehen, einfach mal eine Weile zu verschwinden und die ganzen Zwänge meiner aktuellen Lebenssituation hinter mir zu lassen. Einfach zu gehen, ohne das Gefühl haben zu müssen, mich vor anderen dafür rechtfertigen und erklären zu müssen. Ohne das Bewusstsein, dass andere sich dann um mich sorgen würden.

* * * * * * *

Eigentlich habe ich mir vorgenommen aufzuschreiben, was ich meinem Mann alles gerne sagen würde. Also: ich würde ihm gerne sagen,

  • dass ich ihn liebe und dass er mir wichtig ist;
  • dass ich nicht mehr kann;
  • dass ich darunter leide, dass wir es nicht geschafft haben, eine gute Art und Weise zu finden, über das Thema Transidentität zu sprechen, und was es für ihn_uns bedeutet;
  • dass ich mich von ihm nicht gesehen und akzeptiert fühle;
  • dass es mich fertig macht, mich zu Hause verstellen zu müssen – so tun zu müssen, als wäre alles OK, als wäre ich nicht kurz vorm Kollaps;
  • dass ich den Eindruck habe, er ist nur noch aus Pflichtgefühl mit mir zusammen;
  • dass ich über ein Jahr versucht habe klar zu kommen, aber dass es nicht mehr geht;
  • dass ich mein zu Hause nicht verlieren will;
  • dass ich vermute, dass es ihm auch nicht gut geht, er das aber nicht sagen kann;
  • dass meine größte Angst ist, dass er sich wieder komplett zurück zieht, wenn ich ihm sage, dass ich den Alltagstest brauche um entscheiden zu können wie es weiter geht;
  • dass ich gerne mit ihm alt geworden wäre;
  • dass ich nicht mit ihm leben kann, wenn er mich wieder ignoriert und mir aus dem Weg geht, mich nicht mehr anschaut, nicht mehr mit mir spricht;
  • dass ich nicht mit ihm leben kann, wenn er mich nicht so liebt, wie ich bin und das 100 Prozent akzeptiert;
  • dass er nicht aus Pflichtgefühl seine eigenen Bedürfnisse vernachlässigen soll;
  • dass ich Angst habe, es nicht zu schaffen.
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2 Gedanken zu „#notjustsad“

  1. Das ist doch schon eine lange Liste. Und hast du es ihm schon gesagt? Ich mein -und du weißt das – weiter kommst du nur, wenn du Schritte machst. Ansonsten verharrst du auf der Stelle …

    Ich finde es gut, dass du dir schon soviele Gedanken gemacht hast. Ich verstehe auch das „nicht handeln können“. Meistens liegt das bei mir in der noch nciht 100%igen Sicherheit der Entscheidung. Die mußt du finden – oder eben akzeptieren, dass es keine höhere Sicherheit des „Richtigseins“ oder des „Gelingens“ gibt als die, die du schon hast. Und dann umsetzen.

    Vielleicht bittest du ihn ganz explizit um einen Termin für ein Gespräch, dass dir wichtig ist und für das er sich dann auch Zeit nehmen kann. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dir überhaupt nicht wohl ist bei dem Gedanken, zumal der jeweilige Ausgang des Gesprächs ja nicht vorhersehbar ist. Man muß doch aber in dem Gespräch auch nicht alle Punkte/Entscheidungen gleich treffen. Es reicht doch fürs erste, überhaupt erstmal die Ansichten auszutauschen – deine ihm gegenüber, seine dir gegenüber. Damit ihr beide überhaupt erst einmal Klarheit habt.

    Und dann kann man doch in einem weiteren Gespräch, ggf. mit externer Hilfe, gucken, wie man für einzelne Punkte entscheidet. Ich vermute mal, dass sich wahrscheinlich nicht alles so umsetzen läßt, wie du es gerne hättest, denke aber, dass sich sicher vernünftige Kompromisse finden werden. Denn schließlich wollt ihr beide ja irgendwie Klarheit. Von daher denke ich, das wird schon.

    Es muß halt jetzt die Umsetzung folgen. Also ran an den Speck!

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    1. Tja, so „einfach“ (hinsetzen und reden) wird es wohl nicht werden. Das ist in der Vergangenheit schon ziemlich in die Hose gegangen. Ich werd es wohl aufschreiben, bzw. habe es schon. Aber ich brauche ein Sicherheitsnetz für das worst case scenario. Fühle mich wirklich nicht stabil genug für irgendwelche Experimente.

      Letztlich sind die Positionen auch klar. Die Frage ist, ob sich bei meinem Mann da noch etwas geändert hat zu seinen letzten Aussagen. Werde es wohl demnächst rausfinden :(.

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