Iceberg

Meine Aufgabe bis zur nächsten Sitzung mit meinem Therapeuten (die leider_zum Glück schon nächste Woche ist): rausfinden, welche Unterstützung ich mir hole, wenn das „worst case scenario“ in Bezug auf meinen Mann eintritt.

Ich weiß, dass es mir in dem Fall ziemlich schlecht gehen wird und mein Thera wird mich ohne einen vernünftigen Plan diesen Schritt – mit meinem Mann zu reden (bzw. ihm den Brief zu geben) – wahrscheinlich nicht gehen lassen (also, er kann es natürlich nicht verhindern, aber ich will ja auch, dass es nicht eskaliert).

Wie würde Hilfe aussehen? Ich habe Freunde_Freundinnen und Familie, bei denen ich zumindest kurzzeitig bleiben könnte; die auch versuchen würden, mich zu „trösten“ oder zumindest bei mir zu sein. Mein Problem ist, dass ich mich so schwer damit tue das zuzulassen. Ich war noch nie ein Mensch, der Nähe gut ertragen konnte (körperlich wie emotional). Das ist in den letzten Jahren, in denen ich so mit mir beschäftigt war, noch mal deutlich ausgeprägter geworden. Ich halte Menschen grundsätzlich auf Abstand. Auch die, denen ich mich sehr verbunden fühle, die ich mag und die mir wichtig sind. Und ich habe die Tendenz, mich umso stärker abzuschotten, je schlechter es mir geht. Das heißt aber auch, dass es mir in Momenten, in denen ich mich besonders schlecht fühle, kaum möglich ist, mir Hilfe zu holen.

Ich vermute, das hat auch viel damit zu tun, dass ich vor anderen nicht preisgeben will, wie schlecht es mir wirklich geht. Und das in Worte zu formulieren (was ich gegenüber meinen Freund_innen durchaus tue) ist noch mal etwas ganz anderes, als sie erleben zu lassen, was das heißt. Selbst mein Therapeut, der da gerade sehr nah dran ist, erlebt letztlich nur die Spitze des Eisbergs. Aber bei ihm kann ich das irgendwie zulassen, weil ich darauf vertraue, dass es ihm gelingt einen professionellen Abstand zu mir, meinen Emotionen zu halten. Er ist involviert und er ist nicht anteillos, aber er hat (in meiner Wahrnehmung) trotzdem die nötige Distanz.

Ich werde irgendwie schaffen müssen, Kontakt zuzulassen zu Menschen. Ich schätze, ich sollte mit meinen Freund_innen drüber reden, aber auch das ist sehr schwer. Am leichtesten fällt es mir gerade übers Internet. Da können Menschen sich in mein Leben ein- oder auch wieder ausklinken, wenn ihnen danach ist; das zu wissen macht es mir leichter, in Kontakt zu treten.

Ein Plan. Ein König_innenreich für einen Plan.

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3 Gedanken zu „Iceberg“

  1. Nun ja,
    vielleicht hast du ja noch eine andere Idee. Meiner Meinung nach allerdings sind die Möglichkeiten ja begrenzt – entweder man nimmt Hilfe von anderen an ich einer Situation, in der es einem schlecht geht – oder eben nicht. Mehr Möglichkeiten seh ich nicht, gibt irgendwie kein Mittelding.

    Das heißt, ein bißchen vielleicht – indem man bestimmt, wieviel Hilfe von wem man auf welche Art annimmt. Aber das klärst du ja quasi schon im Vorfeld.

    Vielleicht bist du auch so ein Typ, der das gerne alles alleine schaffen will, „schließlich ist es ja mein Problem!“ – oder so. Sieh es doch aber mal so: wenn du Hilfe annimmst, wird es leichter für dich. Du kannst erzählen, was dich bewegt, du kannst dich mehr um dich kümmern, wenn du noch Halt von anderen bekommst. Und du fühlst dich nicht allein gelassen.

    Und zu deinem Mann: ich versuche mir gerade, so eine Situation vorzustellen, fällt mir aber ziemlich schwer. Kann man wahrscheinlich auch nicht, wenn man es nicht selbst erlebt, vermute ich. Vielleicht ist er genauso unsicher wie du und weiß genauso wenig, wie er sich zukünftig verhalten soll, welche Rolle er in deinem (zukünftigen) Leben (noch) spielt. Und wie du dir das vorstellst, auch das wird er nicht wissen.

    Sieh das Ganze doch als Chance, eure Beziehung neu zu definieren. Du hast gewissen Erwartungen an ihn, er vielleicht an dich. Natürlich spielt auch immer das Materielle und Finanzielle mit, auch dafür sollte es eine Lösung geben. Doch zu allererst geht es doch mal um euch beide. Was für Befürchtungen hast du, welche hat er (z. B. bei ihm könnte ich mir vorstellen, dass er befürchtet, sein „Ruf“ leidet). Und wie wollt ihr diesen Befürchtungen – auch denen von eurem Umfeld – entgegen treten, was wäre da das Sinnvollste (da kann dir dein Thera vielleicht noch Lösungsvorschläge machen oder anstoßen)?

    Ich denke, momentan verharrst du eher darauf, eine „Entscheidung“ von ihm zu bekommen und er weiß gar nicht, wie es dir geht, du nicht, wie es ihm geht und wie ihr euch verhalten sollt. Sprecht euch doch mal an einem neutralen Ort aus. Nehmt euch Zeit dafür und arbeitet das mal ein paar Stunden auf.

    Und wenn da erstmal eine grundsätzliche Klärung der Positionen und des weiteren Weges eines jeden Einzelnen von euch beiden aufgezeigt ist, dann habt ihr doch eine vernünftige Basis, auf der ihr arbeiten könnt. Entweder stehst du dann ganz ohne ihn da und mußt dir dafür eine Lösung suchen oder du hast – in neuer Form – einen Rückhalt durch ihn, der euch beide, zumindest ein Stück weit gemeinsam, voran bringt.

    Ich stell mir das weder für ihn noch für dich einfach vor – doch nur herumeiern bringt dich definitiv nicht weiter. Und ihr könnt eine Klärung euer Ängste, Befürchtungen und Vorstellungen nur in einem gemeinsamen Gespräch bewirken.

    Gefällt 1 Person

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