Check in

Ich wollte Euch ein kleines Überlebenszeichen geben.

Mein Mann hat heute den Brief gelesen. Ich habe ihm darin viel darüber geschrieben, was ich für ihn empfinde, wie wichtig er mir ist. Aber eben auch, wie sehr ich unter der derzeitigen Situation (sowohl zwischen uns, als auch da draußen in der Welt) leide. Und dass ich mich für den sogenannten „Alltagstest“ entschieden habe, in dem ich beginnen werde in der männlichen Rolle zu leben. Ich habe ihm auch ehrlich geschrieben, dass ich die endgültige Entscheidung für oder gegen die Hormontherapie erst auf Grundlage dieser Alltagserfahrung treffen kann – auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass ich mich dafür entscheide.

Ich habe ihm den Brief hingelegt, wo er ihn nach der Arbeit finden würde, und habe mit ein paar Klamotten das Haus verlassen (für den Fall, dass ich hätte woanders übernachten müssen). Ich war noch bei meinem Therapeuten und bei meinen Eltern. Dort hat mein Mann mich angerufen und gebeten nach Hause zu kommen.

Wir haben gesprochen, aber ich habe das Gefühl, das wir in genau die gleiche Sackgassensituation geraten sind, wie bei unseren letzten Gesprächen Anfang des Jahres. Er empfindet das, was ich mache, als Salamitaktik. Ich kann ihm das nicht verübeln, denn es ist de fakto so, dass ich nicht in der Lage bin meinen Weg von vornherein von A bis Z durchzuplanen und dann so „abzuarbeiten“. Eine Entscheidung/ein Schritt ermöglicht es mir erst, mir über den nächsten wirklich klar zu werden. Ich versuche, ihm so viele „sichere“ Entscheidungen zu geben, wie ich kann, aber mehr geht nicht.

Er will sich erst entscheiden, wenn ein bestimmter Schritt eingetreten ist. Das ist einerseits natürlich OK und ich erwarte von ihm nicht, dass er sich jetzt ad hoc entscheidet. Das große Problem das ich habe ist: ich finde es wichtig, auf dem Weg zu diesen „Meilensteinen“, wie er es nannte, miteinander zu reden und im Dialog zu bleiben. Genau das ist uns das letzte Mal nicht gelungen. Ohne Kommunikation wird es nicht gehen und ich auch sicher: alleine schaffen wir das nicht. Ich bin skeptisch, ob er sich noch Mal auf eine_n „Moderator_in“ einlässt. Ich glaube, das wäre die einzige Chance, die wir hätten, die Kommunikation zu strukturieren und am laufen zu halten. Die Sprachlosigkeit ist unser größter Feind.

Er hat viele Sachen gesagt, die mich traurig machen. Dass er denkt, dass wir mit meiner Transition immer weniger Gemeinsamkeiten haben werden zum Beispiel. Ich habe noch mal versucht ihm zu erklären, dass die Person, die ich bin und die ihn ohne wenn und aber liebt, ja nicht plötzlich weg ist. Die Dinge, die wir jetzt gemeinsam haben, bleiben ja. Aber er sieht es offenbar nicht so und das macht mir wenig Hoffnung dafür, dass wir es irgendwie schaffen können. Ich denke, die Art und Weise auf die er mich liebt (wenn er mich denn noch liebt) lässt nicht zu, dass ich mich auf diese Weise verändere.

Ich versuche jetzt, zwar meine Trauer zuzulassen, aber meine Schuldgefühle und das mich selbst Fertigmachen dafür, was ich ihm „antue“ irgendwie mal auf „stumm“ (oder zumindest „leise“) zu schalten. Ist sehr schwer.

Aber ich bin sehr froh und dankbar für die Unterstützung, die ich erhalte, virtuell und in real life.

Danke Euch <3.

 

 

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Ein Gedanke zu „Check in“

  1. Ah,
    endlich Nachricht ;)

    Also ich hätte es nicht anders erwartet – denn klar, er liebt die Frau, die er geheiratet hat, nicht einen Mann. Klingt hart, wäre sicher aber mein Argument in so einer Situation. Heißt aber natürlich nicht, dass ich da keinen Respekt mehr vor der Person oder überhaupt deren Schritt hätte – nur es wäre halt für mich eine wesentliche Situationsänderung eingetreten. Für die neue Situation braucht es dann eine neue Beziehungsdefinition. Ehe oder eheähnlich würde ich es nicht mehr empfinden.

    Und klar, du veränderst dich doch – das ist ja auch dein Ziel. Finde ich von daher legitim. Wie du diesen Weg gehst, bzw. wie schnell, das muß sicher dir überlassen bleiben. Du läufst ja auch im RL nur gezielt – und wenn du auf dem Weg was erreichen willst, bestimmst du das Tempo.

    Die Bewältigung der Transition bzw. die Teilhabe deines Mannes – ja, ich denke, da werden viele Gespräche nötig sein. Zumal du ja noch denkst, dass du dir sicher bist und diesen Weg gehen willst (warum überhaupt diese Unsicherheit?) Ich hoffe, ihr findet da eine Möglichkeit und laßt das nicht versanden.

    Aber immerhin – er hat angerufen und zum Gespräch gebeten. Ist doch auch schon was. Dranbleiben und Gespräche aufrecht erhalten – ist zu meistern.

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