Friss oder stirb

Ich merke, dass ich immer noch darauf warte, dass sich „irgendetwas“ tut. Etwas, das eine Kehrtwende für unsere Beziehung bedeuten könnte. Irgendein Impuls. Aber ich mache mir etwas vor. Ich habe alles gesagt, was ich zu sagen habe. Ich habe versucht, meinen Mann an meinen Gefühlen teilhaben zu lassen, ihm mein Erleben verständlich zu machen. Ich habe ihm auf 1001 Weise zu verstehen gegeben, dass ich ihn liebe, egal was. Nichts davon hatte irgendeinen positiven Effekt und nichts davon hat er erwidert seit über einem Jahr. Seine Unfähigkeit anders zu reagieren als mit Schweigen und Rückzug, mit Verhaltensweisen, die ich als ablehnend und Zurückweisung empfinde – das ist das, was uns als Paar den Rest gibt (oder vielleicht sollte ich schreiben: den Rest gegeben hat, denn wir sind kein Paar mehr). Es nimmt uns jede Chance noch mal zu einem besseren, anderen Verhältnis zueinander zu kommen oder diese Beziehung zumindest mit den geringstmöglichen Kollateralschäden zu beenden.

Ich kann mich dem nicht weiter aussetzen. Selbst wenn es von ihm nicht als „Zurückweisung“ gemeint sein sollte – ich habe ihm geschrieben, dass sein Verhalten sich genau so für mich anfühlt. Er versteht offenbar auch nicht, dass das jetzt und in der Vergangenheit ein ganz großer Faktor in der „Schwere“ meiner Suizidgedanken ist und war. Er nimmt es nicht wahr oder nicht Ernst. Und beides kann ich gerade nicht verkraften.

Was mir fast am meisten weh tut gerade ist, dass er mir jetzt wieder die ganzen kleinen, eigentlich belanglosen Gesten verwehrt, die wir sonst geteilt haben. Rituale, z.B. beim SMS schreiben oder bei der Begrüßung. Alles, was in irgendeiner Form Vertrautheit ausdrücken könnte.

Und sorry: aber ich möchte jetzt nicht hören, dass man das doch auch verstehen muss. Dass es ihm ja auch schlecht geht. Das sehe ich selbst und das respektiere ich auch. Jede_r hat eigene Wege mit Schmerz und Verletzungen umzugehen. Aber ich glaube auch, dass wir eine gewisse Verantwortung füreinander und für diese Beziehung haben. Und diese ganze Verantwortung schiebt er mir zu. Ich hab ihm so viele Angebote gemacht, kleine Finger und ganze Hände gereicht – und er schiebt alles immer nur einfach weg. Und anstatt dann zumindest die Konsequenzen zu ziehen und sich zu trennen überlässt er das eben auch noch mir. Ich kann gehen oder dabei zusehen, wie er mich am ausgestreckten Arm verhungern lässt. Das macht mich wütend, aber leider wahrscheinlich immer noch nicht wütend genug, um daraus genug Willenskraft zu ziehen, endlich meinen Weg zu gehen.

Ich wünsche mir mehr Wut und weniger Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit.

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3 Gedanken zu „Friss oder stirb“

  1. Das ist schade, wenn sich das so entwickelt. Du kannst halt nur immer begrenzt Einfluß nehmen (Gott sei Dank, wäre ja nicht auszudenken, wenn einer auf alle Einfluß hätte), ein Teil seines Verhaltens ist ja dann auch seine ureigene Art, genau wie bei jedem anderen auch.

    Wenn dich dieses Verhalten nicht weiterbringt von ihm, sondern eher noch herunterzieht, dann mußt du definitiv die Situation ändern. Und wenn er das nicht will/kann, dann mußt eben du aktiv werden. Gibt ihm dann später natürlich die Möglichkeit zu sagen „Ich habe es ja so nicht gewollt, das kam ja von dir“ – also quasi ein Reinwaschen seiner Hände. Vielleicht hat er auch genau das vor, vielleicht will er sich da irgendwelche Vorteil verschaffen oder sichern (bspw. bei einer Scheidung, die ja sicherlich auch noch kommen wird – da gibt es ja viele Möglichkeiten).

    Bevor du da jetzt aber aus Wut (oder einem anderen Grund) irgendetwas übers Knie brichst, mach dich doch mal genau dahingehend – also bzgl. der rechtlichen Dinge – schlau. Vielleicht läuft seine Aktion ja wirklich genau in die Richtung. Dann solltest du zumindest wissen, was es da an möglichen Manövern deinerseits gibt, um die Situation – von der rechtlichen Seite – in deinem Sinne zu beeinflussen.

    Und unabhängig davon – solltest du dich nach einer kleinen Wohnung umsehen. Vielleicht ein paar Kilometer näher an deiner Arbeitsstelle, dann kannst du einen Umzug auch steuerlich absetzen …

    Viel Erfolg.

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    1. Ganz ehrlich: diese ganze rechtliche Seite, da hab ich gerade keine Kraft mehr für. Ich verlier sowieso alles, was mir wichtig ist im Leben. Ist wahrscheinlich aus Sicht anderer ein Fehler, aber das ganze Finanzielle ist mir gerade so egal. Ich verliere den Menschen, der mir alles bedehtet.

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      1. Hey,
        ruhig bleiben. Bringt nix, wenn du dich in „Ist mir sowieso alles sch*iß egal“ flüchtest. Denn das hält dir den Ärger nicht ab, der kommt. Dann eben später – und umso doller.

        Also:
        Du verlierst den Menschen, der dir alles bedeutet. Ja, ist schwer, da geb ich dir Recht. Aber was willst du machen? Willst du auf eine Transition, die du – entschuldige, ich hab den Blog noch nicht von Anfang an gelesen – sicher sehr lange möchtest, verzichten? Den ganzen Streß ad acta legen, den du sicher schon Jahre hast, nur um den Menschen zu behalten? Letztlich dein Leben nach ihm ausrichten, nur weil er so wichtig ist? Willst du das?

        Ich vermute mal, deine Antwort ist „Nein!“. Und zwar ein entschiedenes. Dann ist das aber eine mögliche Folge deines Handelns, die du akzeptieren solltest. Vorerst. Ich bin immer noch der Meinung, dass irgendwann später vielleicht auf anderer Ebene eine Annäherung möglich ist. Und wenn wirklich nicht – nun gut, akzeptiere es als harten Schnitt, der dazugehört auf deinem Wege. Es geht doch auch – oder eigentlich nur – darum, dass auch du glücklich wirst und bist. Und ist das eben dein möglich gangbarer Weg, dann ist das eben der. Zu bestimmten (Teil-)Zielen gibt es eben manchmal nur einen Weg. Wenn du zwischen 2 Städten nur mit dem Auto vorwärts kommst, weil es keinen Bus und keine Bahn gibt, dann ist das eben so. Vielleicht kannst du dann auf ein Taxi ausweichen – aber es gibt eben nur die eine Straße.

        Bedeutet aber auch, dir sind manche Menschen wirklich wichtig, die du ggf. nicht verlieren willst. Du kannst deren Meinung nur in gewissem Maße beeinflussen – entscheiden tun sie selbst. Da kannst du dann nichts mehr dran ändern, das kannst du nur noch akzeptieren. Behalte die Menschen in deinem Herzen und sieh es so, dass sie eben mit einer solchen Situation überfordert sind (muß man halt akzeptieren). Und halte Ausschau nach Weggefährten, die dich stützen. Du wirst sicher auf neue treffen und wahrscheinlich auch auf einige, denen du voll und ganz vertrauen kannst. Suche nicht nach Ersatz, denn Menschen sind einzigartig. Suche weiter nach neuen, interessanten Freunden.

        Und zum REchtlichen: ich halte es für wichtig. Ja, da mußt du ran. Aber nicht alleine. Es wird sicher Beratungsstellen für so etwas geben, dein Fall ist ja nicht einzigartig. Ich weiß nicht, wie weit die nächst größere Stadt weg ist – schau nach solchen Stellen. Du wirst sicher auch während und nach deiner Transition immer mal wieder in dem ein oder anderen Ding Hilfe brauchen. Such dir Leute, die das tagtäglich händeln. Die haben Routine und Erfahrung, können dir Tips geben und dich ggf. weiterverweisen. Das.ist.wichtig! Also mach dich da ran. Und auch wenn du deinem Mann dies oder jenes noch nicht zutraust – er wird sich ja sicher einen Anwalt nehmen, vermute ich. Ganz besonders, wenn er erfährt dass er dir gegenüber dieses oder jenes (finanziell) leisten muß/soll. Und der Anwalt wird gewitzt sein und versuchen, deine Lage und deine Situation bzw. emotionale Fassung auszunutzen. Also wirst du Hilfe und ggf. einen Anwalt/Anwältin brauchen. Kümmer dich drum, du wirst dich sonst später nur ärgern. Und du willst ja nicht „dein neues Leben“ gleich schon wieder mit Ärger beginnen, oder? Also auch da: ran! Du mußt da nichts überstürzen, geh es aber an. Baldmöglichst.

        Und bzgl. deiner Stimmung:
        Sieh es doch mal so – du hast jetzt (endlich) eine Entscheidung getroffen. Du willst es durchziehen. Dann mach das – und laß dich nicht davon abhalten durch Beziehungen, die in die Brüche gehen. Stell dir vor, du bist eine Flußinsel, jeder Freund eine Brücke zu dir. Und du veränderst jetzt als Flußinsel deine Form, die Brücken müssen daraufhin neu gebaut werden. Manche mit großen Verändrungen, manche nur mit kleinen. Bei einem Neubau kann man dann gleich ganz vieles ändern – wenn man denn will. Manchmal will man eben keinen Neubau. Dafür ergibt sich an anderer Stelle die Möglichkeit, eine neue Brücke zu bauen.

        Oder so.
        Ein schönes WE. Und nicht in Grübeleien verfallen. Geh raus und genieß die Vorweihnachtszeit, trink einen Glühwein aufs neue Leben und deine Entscheidung.

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