Soon now

So, zur Abwechslung mal etwas Positives: der Weg zur Umstellung meines Namens auf der Arbeit nimmt langsam Gestalt an. Es wird wohl Mitte Januar losgehen.

Eine für mich große Hürde war das Outing beim Chef der Verwaltung, weil es per Telefon passieren musste und ich ihn überhaupt nicht kenne, aber es lief trotzdem gut (ich bin echt nicht gut im telefonieren und mit mir fremden Menschen ist es extraschwer). Bin mir nicht sicher, wieviel dummes Zeug ich geredet habe, aber er hat sehr nett reagiert.

Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, mich nicht als „transsexuell“ oder „transident“ oder „transgender“ zu outen, sondern einfach zu sagen, dass ich im nächsten Jahr den Wechsel_die Transition von der weiblichen in die männliche Geschlechterrolle vollziehe. Das ist für mich Beschreibung, mit der ich gut klarkomme und die ich für mich persönlich relativ OK finde:

  • Ich muss nicht die „im falschen Körper“-Formulierung bemühen, die ich für mich nicht passend finde.
  • Ich muss auch nicht behaupten, ich würde mein „Geschlecht ändern“, von Frau zu Mann. Denn ich ändere ja tatsächlich mein Geschlecht nicht, sondern versuche eine Änderung darin zu erwirken, wie andere mich wahrnehmen und mit mir umgehen.
  • Ich muss keine Begriffe verwenden, die ich falsch und irreführend finde („transsexuell“) oder von denen ich nicht sicher bin, dass mein Gegenüber sie wirklich versteht („transident“, „transgender“).

Natürlich vereinfacht auch diese Umschreibung bestimmte Dinge. Denn in meiner Wahrnehmung muss ich eigentlich auch keine Rolle wechseln, denn ich bin der, der ich bin. Aber so eine Coming Out-Situation will ich auch nicht überfrachten – schon in meinem eigenen Interesse. Ich will, dass mein Gegenüber schnell versteht worum es geht. Die Details kann man später immer noch klarstellen, wenn nötig.

Jetzt werde ich jedenfalls mit meinen unmittelbaren Vorgesetzten klären, wie wir weiter vorgehen. Die beiden, sowie drei Kolleginnen, wissen schon Bescheid. Aber ich arbeite in einer nicht ganz kleinen Firma, die mehrere Standorte hat und schon die Abteilung in der ich arbeite ist so groß, dass ich nicht alle wirklich persönlich kenne.

Parallel muss ich mir jetzt wohl auch mal überlegen, wie ich meinen weiteren Bekanntenkreis informiere. Alle, denen ich es persönlich sagen wollte, wissen Bescheid. Ich bin geneigt, den Rest einfach über soziale Medien zu „informieren“, indem ich dort endlich meinen Namen ändere ;-).

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4 Gedanken zu „Soon now“

    1. Ja, Anrede und Vornamen werden jetzt erst einmal im privaten und Arbeitsumfeld geändert. Das ist quasi der „Testlauf“, ob ich das wirklich, wirklich will.

      Bevor ich den Namen und den Personenstand dann in offiziellen Dokumenten ändern kann, muss ich mich dann einer Begutachtung durch zwei vom Gericht bestellte Gutachter_innen unterziehen. Weil (Vorsicht, Ironie) es könnte ja sein, dass ich mir nur einen dummen Scherz erlaube. Da muss der Staat noch mal ordentlich nachgucken, ob ich auch WIRKLICH trans bin und einfach meinen Namen und das Geschlecht ändern darf. Und weil es ja „meine Party“ ist, darf ich die Gutachten auch noch selber bezahlen.
      So genau wolltest Du es wahrscheinlich nicht wissen ;-). Das Thema macht mich ziemlich wütend, wie Du vielleicht merkst. Dazu wollte ich bald noch mal einen eigenen Post schreiben.

      Bei Banken, der Krankenkasse, Versicherungen etc. kann ich den Namen in der Regel nur ändern lassen, wenn ich das gesetzliche Verfahren für die Namensänderung durchlaufen habe. Und die Anrede wird dann oft erst mit der sogenannten Personenstandsänderung angepasst – also, wenn auch der Geschlechtseintrag offiziell nach einer Begutachtung geändert wurde.

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      1. Je genauer, desto besser ;)

        Das bedeutet dann, dass dein Arbeitgeber dich einmal für „intern“ mit neuem Vornamen und Anrede speichert und für extern – also Kommunikation mit Krankenkasse, RV etc – dann noch deine alten Daten benutzt/benutzen muß? Das find ich umständlich.

        Und klar, irgendwie schon verständlich – könnte ja sonst jeder kommen und ne Namensänderung nach irgendeinem Anschlag durchführen wollen …
        Gut, die Hürden werden irgendwelche historischen Gründe haben. Man sollte sich vielleicht nicht drüber ärgern, sondern das dann eher standardisieren. Denn der Check, den die Gutachter machen, wird ja auch einem Ablauf folgen. Und dann macht man da einen Standard für und deckelt die Kosten – oder setzt sie eben fest. Denn so klingt das nach teuer …

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      2. Ja, erst einmal wird jetzt im Betrieb der neue Name etc kommuniziert. Meine Emailadresse und auch alles, was nach außen geht („Kundenkontakt“) wird geändert.
        Ein Problem mit den Gutachten ist, dass es zwar auch Gutachter_innen gibt, die OK sind – leider ist aber auch viel Willkür dabei und ganz viele antiquierte Vorstellungen. Die Kosten werden sich so auf 800-1200€ belaufen, soweit ich weiß. Es gibt halt keinen Standard. Es liegt vollkommen im Ermessen der Gutachter_innen – wie lange sie fragen, was sie fragen, etc.

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