Rauskommen, rauskommen

Ich war die letzten zwei Wochen ja fleißig und habe mein coming out auf der Arbeit vorangetrieben. Der Plan für die Umstellung des Namens im Januar steht und ist mit allen relevanten Personen abgestimmt. Nach diesem „Pflichtteil“ habe ich die letzten Tage vor meinem Urlaub noch für die „Kür“ genutzt und ein paar Menschen „vorgewarnt“, damit sie nicht im Januar nicht aus allen Wolken fallen ;-).

Von den Reaktionen her ist es eigentlich überall neutral bis positiv gewesen. Ich denke aber, dass das Thema bei einigen erstmal sacken muss und es wird sich erst im Laufe der Zeit rausstellen, wie gut oder schlecht sie damit (bzw. mit mir) im Alltag dann klarkommen.

Meistens lief es irgendwie so (face to face oder am Telefon):

Ich: „Ich wollte noch Bescheid sagen, dass sich bei mir im nächsten Jahr was ändert“ (An dieser Stelle <3 für den Kollegen der entsetzt aufstöhnte, weil er dachte, ich hätte gekündigt und dann ganz erleichtert wirkte, als ich ihm sagte, worum es geht).

Mein Gegenüber: „Respekt“, „Herzlichen Glückwunsch zu der Entscheidung“, „Ach, spannend“ (von diesen Varianten finde ich die Glückwünsche übrigens noch am angemessensten ;-))

Dann kamen meist ein paar Fragen vom Gegenüber, Erläuterungen von mir. Ich musste mehrfach erklären, dass man in Deutschland natürlich nicht einfach seinen Geschlechtseintrag in amtlichen Dokumenten ändern lassen kann, sondern sich einer psychologischen Begutachtung unterziehen muss. Schlucken musste ich darüber, dass die meisten meiner Gegenüber das erstmal ganz einleuchtend fanden („Ach ja, klar“). Das ist ja echt so ein Thema, bei dem ich mich bremsen muss, weil es mich so wütend macht. Wenn ich aber erkläre, warum ich dieses System nicht OK finde, fangen meine Gesprächspartner_innen durchaus auch manchmal an zu überlegen. Das finde ich ganz gut.

Ein bisschen Bammel hatte ich vor dem Telefonat mit einem bestimmten Kollegen, den ich wirklich sehr mag und schätze, mit dem ich aber ein manchmal etwas schwieriges Verhältnis habe. Ich bin mir nicht wirklich sicher, was er von mir hält und seine Reaktion konnte ich nicht gut einschätzen. Ich habe ihm also eröffnet, dass sich mein Name nächstes Jahr ändert und ich meine Transition beginne.

Geschocktes Schweigen am anderen Ende.

Dann er so, etwas erschüttert: „Aber warum denn <neuer Name>? Das ist doch ungefähr so wie <nennt einen relativ stigmatisierten Mädchennamen>“.

*Hust*

Wir hatten dann noch eine längeres Gespräch bezüglich des Namens. Es war in Ordnung und ich habe keinen großen seelischen Schaden genommen ;-). Aber das war schon so ein Angstszenario von mir, das es mir besonders schwer gemacht hat, mich für einen Namen zu entscheiden und ihn dann auch anderen Menschen zu sagen. Die Vorstellung, dass jemand (vor allem jemand, der mir wichtig ist) den Namen nicht mögen könnte war und ist für mich gar nicht so leicht auszuhalten. Das liegt sicher auch daran, dass ich insgesamt schlecht damit klarkomme wenn ich das Gefühl habe, jemand mag mich nicht und findet mich unsympathisch. Da werden bei mir direkt die vielen schlimmen Erlebnisse in Sachen „Mobbing“ wieder wach, die sich durch meine ganze Schulzeit gezogen haben.

Insofern liebe Cis- (= nicht-trans*)-Menschen. Wenn eine Trans*person Euch den neuen, gewählten Namen mitteilt, hinterfragt ihn einfach mal nicht, auch wenn er Euch nicht gefällt. Für die meisten von uns ist dieser Name ein großes Ding. Er ist in gewisser Weise ein Befreiungsschlag und dieses „sich selbst einen Namen aussuchen_geben“ ist ein wichtiger Schritt in der Identitätsfindung bzw. Selbstbehauptung im richtigen Geschlecht.

Und dann müssen wir an so vielen Stellen darum kämpfen, dass wir diesen Namen auch tragen dürfen. Wir werden ständig mit der Frage nach unserem „richtigen“ Namen konfrontiert (in der Vorstellung vieler cis-Menschen ist das unser Geburtsname), wenn wir uns mit einem Namen vorstellen, der aus Sicht unseres Gegenübers nicht zu uns passt. Also, springt da mal über Euren Schatten und sagt uns einfach „Schöner Name, passt zu Dir!“.

 

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2 Gedanken zu „Rauskommen, rauskommen“

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