Out!

Was für eine Woche! Es war die Woche mit „Tag x“ – Namensänderung und komplettes coming out auf der Arbeit. Es war ja alles von langer Hand geplant und los ging es schon vorletzte Woche mit der Information der Teamleiter_innen durch die Abteilungsleitung. Ab da war „es“ dann zumindest kein wirkliches Geheimnis mehr, denn es wurde kein Stillschweigen vereinbart. Da war ich das erste Mal ziemlich nervös o_O. Völlig unbegründet eigentlich. Ein Kollege kam vorbei und fragte nur, ob er den neuen Namen ab sofort benutzen soll (Ja, bitte :D). Eine Kollegin hat mich beglückwünscht, mehr passierte erstmal nicht.

Am Montag bekam der Flurfunk dann etwas mehr Futter – da wurde die Namensänderung in einer Teamsitzung kommuniziert. Gleichzeitig hat die Gleichstellung die Abteilungsleiter_innen der anderen Abteilungen informiert. Im Nachgang bekam ich ein, zwei nette Emails. Dienstag sollte dann die Umstellung der Emailadresse etc. stattfinden. Ab 8 Uhr saß ich hibbelig am Schreibtisch. Und saß… und saß… und es passierte: nix. Gegen mittag habe ich versucht, die IT zu erreichen, um mal nachzufragen. Keiner ging dran. Aaaaahhhhh!

Am frühen Nachmittag war es denn endlich (ENDLICH) soweit: der Name war von der IT geändert worden und die Änderung tröpfelte langsam – seeeeehr langsam – durch die ganzen Systeme und Webseiten. Aber egal, die Emailadresse funktionierte. Es folgten eine Mail der Abteilungsleitung, dann eine von mir – jeweils nur an die Kolleg_innen in der Abteilung. Zum Schluss dann noch eine Mitteilung der Verwaltung an die weiteren Kolleg_innen an diesem Standort.

Puh! Es folgten viele sehr nette Mails an diesem und dem nächsten Tag und im großen und ganzen lief die Woche wirklich gut. Es gab wenige Ausrutscher (in meinem Beisein zumindest) und nur zwei Kolleg_innen haben aus meiner Sicht eher unangebrachte Fragen gestellt. Eine Kollegin geht mir seit Dienstag aus dem Weg, aber das tangiert mich ehrlich gesagt nicht besonders. Ich vermute, sie weiß nicht, wie sie mit der Situation umgehen soll und/oder hat Angst, etwas falsch zu machen.

Wie fühlt sich das jetzt an? Komisch. Nicht so erleichternd, wie ich mir gedacht hatte, aber auf jeden Fall viel besser als vorher. Ich glaube, dadurch dass die „Friktion“, unter der ich im Sozialen immer gelitten habe (also, dass ich mich falsch angesprochen fühlte) jetzt weniger geworden ist, rückt leider das Körperliche mehr in den Vordergrund. Die Tatsache, dass mir völlig klar ist, dass die anderen mich eigentlich als Frau lesen belastet mich natürlich nach wie vor – es war aber auch nicht zu erwarten, dass das verschwindet. Ich hab immer noch das Gefühl, den anderen zu viel zuzumuten und dass ich eigentlich kein Recht habe, diese männliche Rolle für mich zu reklamieren. Ich hoffe, ein bisschen mehr Normalität zumindest bei uns im Betrieb hilft, das ein bisschen abzumildern.

Problem Nr. 2 – ihr ahnt es schon: DIE TOILETTEN-SITUATION /o\. Der Plan war eigentlich, direkt auf die Männertoilette zu wechseln. Aber es kostet mich echt Überwindung – vor allem, weil ich das Gefühl habe, die anderen denken, ich gehöre da nicht hin. Ich sterbe gerade bei dem Gedanken, da jemanden zu treffen. Eigentlich total albern. Ich werde aber nächsten Monat auf einen anderen Flur ziehen – ich hoffe, dass ich den Sprung dann schaffe ;-). Und vorher muss ich noch jemanden zur WC-Etikette interviewen :’D.

Gestern habe ich mich dann kurzerhand noch bei meiner Schwimmgruppe geoutet – sie haben es besser aufgenommen, als ich vermutet hätte. Es gibt da die eine oder andere Person mit eher „verkrusteten“ Ansichten zum Thema gender (und anderen Themen) – viel „mansplaining“ und „cisplaining“. Mein Lieblingskandidat wollte mir z.B: direkt erklären, warum aus seiner Sicht „Geschlechtsumwandlung“ der richtige Begriff ist (meine Meinung zu dem Thema hab ich hier schon mal aufgeschrieben). So halt. Aber dabei blieb es im Wesentlichen auch. Nach wie vor scheint die für viele Menschen die brennendste Frage zu sein, was meine sexuelle Orientierung ist und auf welche Toilette ich gehe.

So. Mal schauen, was die neue Woche bringt. Gedanklich bin ich schon beim nächsten Schritt: Hormonersatztherapie. Ich war letzte Woche zu einem Infogespräch in einer urologischen Praxis, die Trans*personen behandelt. Das hat sich gut und richtig angefühlt!

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