Sturmauge

Oha, 17 Tage ist mein letzter Post schon her sagt WordPress. Wie geht es weiter in meiner persönlichen Seifenoper from hell?

Langsam, unglaublich langsam. Gefühlt mache ich für jeden Schritt nach vorne mindestens einen zurück.

Nach vorn: mir eine Wohnung anschauen.

Zurück: mich nicht dazu durchringen können, sie zu nehmen.

Nach vorn: mit meinem Mann reden, dass ich nicht mehr kann, dass ich ausziehen will.

Zurück: mir von ihm (unter Tränen) anhören, dass er nicht will dass ich ausziehe und wieder ein Fünkchen Hoffnung schöpfen, dass es irgendwie doch noch einen Weg gibt.

Nach vorn: mich getraut, mir einen Brief an meinen neuen Namen adressiert nach Hause schicken zu lassen und seine (negative) Reaktion darauf ausgehalten.

Zurück? Da sind wir noch nicht.

Wir haben, mal wieder getriggert durch Dinge, die er von seiner „Therapeutin“ (die er nicht so nennen mag und die mir unbekannterweise schon sehr unsympathisch geworden ist) mitgebracht hat, geredet. Immerhin. Sehr offen. Aber auch sehr schmerzhaft. Er hat glaube ich das erste Mal eine Idee davon bekommen, wie schlimm und drastisch und zerstörerisch meine Schuldgefühle sind, die ich mit mir rumschleppe.

Er hat mich gefragt, was wäre, wenn er mir sagen würde, dass ich keine Schuldgefühle haben müsste falls ich mich für die Hormontherapie entscheide. Im ersten Moment dachte ich, das ändert nichts an meinen Gefühlen (und tatsächlich wusste ich ja schon, dass er mir keine Vorwürfe macht und dass natürlich niemand schuld ist). Aber irgendwas hat es doch bewirkt. Ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben – es ist ein gewisses „leichter sein“ (Erleichterung mag ich es noch nicht nennen). Mal schauen, was daraus wird. Ich denke, ich bin aber wieder einen winzigen Schritt näher an der Entscheidung für die Hormontherapie.

Ich verstehe, dass die Langsamkeit, mit der sich dieser Prozess vollzieht nicht nur für mich, sondern auch für die, die nur zusehen können, quälend ist. Nicht nachvollziehbar. Ich kann nur sagen, dass (von mir so wahrgenommener) Druck nur dazu führt, dass ich mich noch tiefer in negativen Gefühlen verstricke – ich verstehe selbst kaum, wie man so unfähig sein kann, eine Entscheidung umzusetzen, die eh schon getroffen ist. Aber diese wahrgenommene „Unfähigkeit“ ist für mich nur wieder ein Grund mehr, mich selber abzuwerten – als unfähig und schwach. Das bringt mich nicht weiter, sondern tiefer in die Spirale negativer Gefühle. Insofern hilft es mir gerade am meisten, wenn Menschen einfach da sind und mit mir zusammen aushalten, was sich da so langsam vollzieht <3.

Irgendwann bin hoffentlich auch ich durch durch dieses Nadelöhr.

 

 

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5 Gedanken zu „Sturmauge“

  1. Hi,
    einen vor und einen zurück – bedeutet Stillstand. Wenn die Schritte gleich groß sind. Vielleicht gehst du aber nur ein Stück zurück, um Anlauf zu holen. Und der Schritt nach vorne wird dann wieder größer …

    Es ist dein Leben, deine Entscheidung und dein Ding, damit umzugehen, wie dir gut tut. Egal, ob das schnell oder langsam ist. Du gibst das Tempo vor, denn für dich soll es passen. Und nach einem Stau (Nadelöhr) geht es in aller Regel wieder flott weiter …

    OT:
    Landen Kommentare von mir im Spam? Oder sind einige zu, hm, kritisch, dass sie nicht veröffentlicht werden?

    Gefällt 1 Person

    1. Hi,
      manche Deiner Kommentare waren für mich belastend oder triggernd, sodass ich entschieden habe, sie nicht freizuschalten. Der Blog ist halt hauptsächlich mein „Raum“ und ich möchte ihn so gestalten, dass ich mich dort wohlfühlen kann.
      LG

      Gefällt mir

  2. Mein Thema ist ein völlig anderes, als deins.
    Und dennoch kann ich diesen Weg von Entwicklung gut nachvollziehen, denn auch mein Leben hat sich völlig verändert, bzw. ist noch im Begriff, dies zu tun.

    Ich denke dann immer wieder dran, dass Menschen sich halt nunmal nur durch Schmerz verändern. Ohne Schmerz gibt es hierfür keinen Grund – es scheint ja alles gut zu sein.

    Der Schmerz zwingt uns zu handeln und er ist ein lautes Signal dafür, dass wir unser Leben anders angehen müssen.
    Aber Veränderung ist für mich immer eine Art Schwangerschaft mit Wachstum, Dehnungsschmerzen, Senkwehen – und irgendwann der Geburt des anderen Ichs.

    Es braucht Zeit.
    Braucht.
    Geht nicht anders.

    Von daher sehe ich persönlich dein immer wieder Zögern als Dehnungsschmerz. Und natürlichen Prozess.
    Du entscheidest etwas Existentielles. Du entscheidest dich für dich selbst.
    Ich wünsche dir viel Kraft und auch Geduld mit dir selbst.

    Gefällt 1 Person

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