Störgefühle

Mir wabern gerade sehr viele Themen und Gedanken im Kopf rum, auch schwere. Aber ich dachte, ich schreibe mal über was „Unbelastetes“ (für mehr reichen meine Ressourcen auch gerade nicht).

Mittlerweile ist nämlich das Theaterprojekt gestartet, von dem ich schon mal berichtet habe. Bislang macht es mir richtig Spaß – es ist eine sehr nette Truppe und die beteiligten (cis) Profis haben sich toll vorbereitet und gehen sehr umsichtig und respektvoll mit dem Thema und uns um.

Heute hatte ich die erste richtige Probe, bei ich auch etwas „darstellen“ durfte (vorher waren es mehr Gespräche, Interviews). In der einen Szene habe ich mit einem anderen Transmann abwechselnd etwas gesprochen. Das war eher „unkörperlich“ – wenig Bewegung, hauptsächlich Stimme. Die ist ja eins der Dinge, die ich nicht gut aushalten kann und gerade im Vergleich mit der tiefen Stimme meines Partners fand ich es zunächst schwer, mich da nicht so drauf zu konzentrieren.

In der zweiten Szene ging es dann darum, dass ich ohne zu reden eine alltägliche Situation darstelle. Das heißt, ich musste schon viel meinen Körper einsetzen. Nicht so, dass ich jetzt sehr expressiv oder übertrieben schauspielern musste, aber ich musste mich irgendwie auf der Bühne „verhalten“ und schon das fiel mir (wie erwartet) gar nicht mal so leicht.

Das Wort, das glaube ich am besten beschreibt, wie ich mich dabei fühle ist „linkisch“. Ich habe immer so ein bisschen das Gefühl, als wären meine Gliedmaßen viel zu lang, als hätte ich keine volle Kontrolle über diesen Köper, als wäre er ziemlich staksig und hölzern in seinen Bewegungen. Die Bühnensituation fühlt sich sehr unnatürlich an, ich weiß nicht wohin mit mir und meinen Bewegungen. Wohin soll ich schauen, wie halte ich die Arme?

Das ist ungefähr das, was ich auch erwartet habe. Ein Teil von mir hat natürlich Angst zu versagen und den Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. Aber ein anderer (in diesem Fall präsenterer) Teil ist einfach neugierig, wie sich das weiter entwickelt. Letztlich begleiten mich diese Gefühle und Empfindungen des „Falsch-Seins“, nicht hingehören, nicht mit mir selbst verbunden sein, ja jeden Tag. Nur sind sie in dieser Bühnensituation gesteigert und „verstärkt“. Ich bin sehr gespannt, ob sich da mein Empfinden verändert, ob ich eine größere Selbstverständlichkeit erreichen kann und wie sich das auch auf mein alltägliches Erleben auswirkt.

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3 Gedanken zu „Störgefühle“

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