Mirror, mirror

Gestern ging es weiter mit den Theaterproben. Ich wollte ja meine Grenzen austesten und erleben, was das mit mir macht – gestern hab ich dann das erste Mal eine Idee davon bekommen, was das genau heißen könnte und wie sich das anfühlt (/o\).

Wir waren dieses Mal eine etwas größere Gruppe (ca. 10 Personen), haben einige „Schauspiel-Übungen“ gemacht aber auch ein paar Szenen ausprobiert. Mir fällt das alles nicht leicht, aber das wusste ich ja. Ich bin im direkten Kontakt mit anderen echt sehr gehemmt – jedenfalls sobald ich mich auf neue Register, Protokolle und Rollen einlassen muss. Ich bin überhaupt nicht spontan in solchen neuen Kontexten und entsprechend bin ich vor allem bei den Übungen, in denen es darum geht im „Dialog“ etwas mit anderen zu improvisieren, nicht wirklich gut.

Darauf war ich vorbereitet, aber ich fange trotzdem an mich mit anderen zu vergleichen, die das offensichtlich „besser können“ als ich. Das ist so der Aspekt, mit dem ich gerade versuche  umzugehen. Was mir da sehr hilft ist das Bewusstsein, dass dieses Unbeholfene eben Teil dieser Person ist, die ich da auf die Bühne bringe. Ich versuche, mir das immer wieder zu vergegenwärtigen und das ist hilfreich bei bei der Akzeptanz. Hilfreich war auch, das von der Regisseurin auch noch mal gesagt zu bekommen. Ich meinte zu ihr, dass ich mich mit meinem Körper in diesen Situationen sehr „falsch“ fühle. Sie meinte, das ist OK und darf dort auch so sein – eben weil es Teil dessen ist, worum es in dem Stück geht.

Was mich aber gestern sehr aus der Bahn geworfen hat war eine kleine, eigentlich ganz harmlos klingende Szene. Wir sollten uns in einem kleinen Handspiegel betrachten, über einen Zeitraum von mehreren Minuten. No big deal, right? Puh. Die negativen Emotionen und die Trauer, die da hochkamen bei mir, hatte ich ganz schön unterschätzt. Es ist tatsächlich so (und das ist mir aber auch erst gestern wieder so richtig bewusst geworden), dass ich im „richtigen Leben“ nicht in Spiegel gucke. Und wenn ich muss, dann fokussiere ich auf so ganz, ganz kleine Details, um bloß das Gesicht oder den Körper als Ganzes nicht sehen zu müssen, oder gucke möglichst an mir selber vorbei. Das ist so etwas, das mir schon so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass ich das bis gestern kaum mehr bewusst wahrgenommen habe.

Das Gute an der Situation war, dass ich es hinterher thematisieren konnte und dass ich mehr Input bekommen habe, als nur ein „Ist doch OK, dann musst Du die Szene nicht machen“ (was durchaus eine Option wäre). Die professionellen (cis-)Schauspieler_innen erzählten dann nämlich darüber, wie es ihnen oft auf der beim Erarbeiten und Darstellen von Rollen geht – dass dort sehr viele Emotionen mit reinspielen und dass sie eigentlich nur gut spielen können, wenn sie emotional involviert sind. Und wie wichtig es für sie in dieser Situation auch ist, die eigenen Grenzen zu erkennen, zu achten und sorgsam mit sich umzugehen. Mir liefen zwar immer noch (oder erst recht) die Tränen, als sie das erzählten, aber das war ein sehr toller Moment. Ich hatte ein bisschen das Gefühl dass, auch wenn unsere Erfahrungswelten ja sehr sehr unterschiedlich sind, da trotzdem Gemeinsamkeiten sind. Und die beiden haben es geschafft das rüberzubringen, ohne dass ich das Gefühl hatte, da will mir jetzt jemand meine Emotionen oder den besten™ Umgang damit splainen erklären.

Diese Situation, so schwer sie für mich war (ich habe da tatsächlich heute noch dran zu knabbern, an diesem Spiegelding), hat mir so ein bisschen gezeigt, was ich für mich aus dem Projekt werde mitnehmen können.

Morgen werde ich dann mein gekürztes Interview einsprechen. Da wartet dann wahrscheinlich der nächste Trigger auf mich…. meine Stimme. Auf Band o_O. Aber da bin ich besser drauf vorbereitet, glaube ich.

Advertisements

2 Gedanken zu „Mirror, mirror“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s