Einschreibungen

Im Theaterprojekt haben wir letztens über wissenschaftliche Theorien zum Thema Transidentität diskutiert. Das Team – insbesondere die Regisseurin und der Dramaturg – scheint da ganz schön tief eingestiegen zu sein und das Thema wird auch im Stück aufgegriffen werden.

Da gibt es einerseits Versuche, die Entstehung von Transidentität zu erklären – z.B. gilt der Hormonspiegel der Person, die das Kind austrägt, als möglicher Entstehungsfaktor. Andererseits gibt es immer wieder Studien, die nach körperlichen Indikatoren für Transidentität suchen. Da wird dann zum Beispiel überprüft, ob eine transidente Frau nicht auch ein „weibliches Gehirn“ hat und entsprechende Hirnströme zeigt, etc.

Mir ist bewusst, dass es viele trans*Menschen gibt, die gerne wüssten, warum sie so sind wie sie sind und das ist natürlich vollkommen in Ordnung so.

Ich habe aber mal wieder gemerkt, was für ein massives Unbehagen mir solche Versuche bereiten, Transidentität körperlich messbar und nachweisbar zu machen. Ich denke, das hat damit zu tun, dass solche Studien aus meiner Sicht auf der Idee beruhen, es gebe ein „biologisches Geschlecht“, das am besten auch noch binär ist. Also: „Es gibt ‚biologische‘ Männer und ‚biologische‘ Frauen – und Körper lassen sich eindeutig in die eine oder in die andere Kategorie einordnen. Und wenn jetzt jemand daher kommt und meint, er_sie habe ein anderes Geschlecht, als bei Geburt zugewiesen, dann muss es dafür ja notwendig körperliche Indikatoren geben“.

Da zieht sich mir innerlich alles zusammen. Die Vorstellung vom binären „biologischen Geschlecht“ ist ein sozial konstruierter Mythos. (Wer da ein bisschen drüber lesen möchte, kann dies bei Heinz-Jürgen Voß tun). Aus meiner Sicht können wir nur gewinnen, wenn wir uns ein für allemal davon verabschieden Körper nach Augenschein in vorgefertigte Geschlechterkisten einzusortieren. Es führt doch nur wieder zu weiteren Normierungen und zu einer Abwertung und Stigmatisierung von Menschen, die nicht in die Norm passen.

Für mich bedeutet dieser Drang das Geschlecht einer trans*Person „messen“ zu wollen auch, dass es wieder einmal nicht genug ist, dass ich doch weiß welches Geschlecht ich habe. Mein Geschlecht ist nach Meinung der Wissenschaft offenbar nur dann valide und „natürlich“, wenn es auch körperlich „eingeschrieben“ ist. Dagegen wehre ich mich.

 

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