Premiere, Bebi!

Gestern war es soweit: unser Theaterstück zum Thema Trans* hatte Premiere! Es war schön und aufregend und es ist für mich sehr spannend zu sehen, dass das Stück (für mich zumindest) wirklich erst mit dem Publikum von einer Ansammlung von Szenen zu einem „Ganzen“ geworden ist.

Die letzte Woche vor der Erstaufführung war sehr fordernd und anstrengend, weil wir jeden Abend geprobt haben und in der Anspannung natürlich auch Konflikte auftreten. Es gab schon einige schwierige Momente. Es waren Momente, in denen mir bewusst geworden ist, dass der Grat zwischen „eine Bühne bieten“ und „zur Schau stellen“ wirklich sehr schmal ist; und dass eben auch so ein kreatives Projekt irgendwann in einem „verwertbaren“ Produkt münden muss.

Es ist gerade in dieser letzten Phase noch einmal deutlich geworden, wie schwer es ist, die Balance zu finden zwischen den individuellen Bedürfnissen der Beteiligten und den Anforderungen des „Marktes“ (sprich: einem Publikum, dass größtenteils wohl nicht queerfeministisch geprägt ist). Mit dem Druck, zur Premiere ein fertiges Produkt zu haben nahm natürlich die Möglichkeit ab, Dinge im Stück anzupassen.

Da wir „Expert*innen“ die Szenen, die von den professionellen Schauspieler*innen und Tänzer*innen erarbeitet wurden tatsächlich erst sehr spät in diesem Prozess das erste Mal sehen konnten (v.a. aufgrund der unterschiedlichen Probenzeiten) gab es da keine Möglichkeit, Grundsätzliches zu diskutieren – was ich an manchen Stellen gerne getan hätte, vor allem um Dichotomien, das Denken in binären Gegensätzen ein wenig aufzubrechen, das sich doch immer wieder eingeschlichen hat. Es gab glücklicherweise bis zum Schluss immerhin die Möglichkeit, an Details zu arbeiten und bestimmte Aussagen zu verändern oder ironisch zu brechen. Gleichzeitig waren aber gerade das Situationen, in denen (teils unreflektierte) Privilegien und Machtstrukturen plötzlich sehr greifbar und unmittelbar erfahrbar wurden**.

Mit der Premiere ist dann etwas sehr Schönes passiert: in dem Moment, in dem wir unser Stück vor dieses zuvor so abstrakte Publikum gebracht haben sind diese Details – die für mich teilweise sehr stark im Vordergrund standen und den Gesamteindruck etwas getrübt haben – plötzlich in den Hintergrund getreten. Und ich habe es zum ersten Mal geschafft, das Stück als ein Gesamtes, einen Teppich aus vielen Stimmen und Sichtweisen wahrzunehmen, in dem nicht eine Stimme mehr Gewicht hat, als die anderen. Ich hoffe sehr, dass es beim Publikum auch so angekommen ist – die Rückmeldungen, die wir unmittelbar nach der Vorstellung bekommen haben, deuten das zumindest an.

Ich freue mich jedenfalls auf Runde zwei heute Abend. Und die Runden 3-9, die dann auch noch kommen. Köln, Berlin, Dortmund und Moers – here we come! :D

 

 

**Das sind Themen, die ich sicherlich auch noch einmal ansprechen werde, wenn das Projekt sich dem Ende nähert. Und das Schöne ist, dass ich das ich auch das Gefühl habe, dass es möglich und erwünscht ist, diese Dinge anzusprechen und darüber zu diskutieren.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Premiere, Bebi!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s