Lo and behold

Ich war gestern beim Friseur. Endlich! Haare sind ein ziemlich großes Ding für mich. Ich hab Friseur_innenbesuche gehasst, seit ich denken kann. Nie war ich zufrieden mit dem, was dabei rauskam. Nie hab ich „richtig“ ausgesehen hinterher. Naja. Heute habe ich eine Idee, warum das so war – aber vielleicht waren es auch einfach alles keine guten Friseur_innen ;-).

Vor über 10 Jahren (o.O) hab ich meinen jetzigen Friseur gefunden und seitdem gab es tatsächlich nicht ein einziges Mal den Fall, dass ich einen Haarschnitt nicht mochte (außer in der Übergangszeit zwischen zwei Frisuren vielleicht). Ich glaube, in dieser Zeit sind Haare/Frisur so wichtig für mich geworden, weil sie vielleicht das einzige an meinem Körper waren, das ich so gestalten konnte, dass ich es gut fand.

Nach fast sechs Wochen sind gestern gefühlt 800g Haare runtergekommen und ich hab mich hinterher großartig gefühlt. Ich habe mich glaube ich lange nicht mehr so über einen Haarschnitt gefreut. Als ich dann auf die S-Bahn wartete um nach Hause zu fahren habe ich mit dem Handy ein Foto von mir gemacht. Das ist schon ziemlich ungewöhnlich, weil ich das aus bekannten Gründen echt selten mache – nur so als Maßstab dafür, wie gut dieses frisch-geschoren-Gefühl war :-).

Zu Hause hab ich mir das Bild angeschaut und darauf einen stillen, reserviert blickenden Menschen gesehen. Alles wie immer eigentlich, aber ich fand es schon bemerkenswert, wie groß die Diskrepanz zwischen dem Innen und dem, was man sehen konnte war. Es ist, als würde ich eine unbewegliche Maske tragen.

Ich musste in diesem Moment wieder daran denken, dass der Fotograf mich gefragt hat, was ich mir von dem Fotoprojekt wünsche und was aus meiner Sicht das Ziel des Projekts wäre. Ich fand und finde die Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Klar, es geht irgendwie darum, Veränderungen zu dokumentieren. Aber welche eigentlich? Ich glaube, dass es mir nicht nur darum geht das sichtbar zu machen, was sich körperlich, an der Oberfläche verändert – durch die Hormone und mögliche OPs.

Natürlich ist das kein unwichtiger Aspekt: Fotografien ermöglichen es Veränderungen sichtbar zu machen, die sich so langsam und graduell vollziehen, dass sie gerade für mich – als die Person, die sie durchläuft – nur schwer sichtbar und greifbar sein werden. In diesem Sinne dienen die Bilder sicherlich irgendwie auch einer Selbstvergewisserung. Vielleicht will ich sehen können, dass ich wirklich auf dem Weg bin.

Aber was ist mit den Dingen, die sich „unter der Oberfläche“ vollziehen und die sich noch unglaublich viel schwerer greifen lassen, als die körperlichen Veränderungen? Kann man auf Bildern sehen, wie ich mich fühle – mit mir, meinem Körper? Ob ich mich selbstsicherer fühle, gelassener? Ob ich mich selber vielleicht ein ganz kleines bisschen besser annehmen und mögen kann?

Es wäre spannend, wenn sich das auf den Fotos einfangen ließe. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass ich vielleicht gelernt habe, ein wenig von dem nach Außen zu lassen, was sich so in meinem Innen abspielt.

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