Still right here, still fighting

Content note: erwähnt Sport und Essen als Mittel, Kontrolle über sich selbst auszuüben

Nee, ich hab die Kurve immer noch nicht gekriegt und hab fast ein schlechtes Gewissen, hier auf dem Blog weiterhin Trübsal zu blasen. Aber dann erinnere ich mich daran, dass das hier ja meine Party ist und Schreiben mir hilft, Dinge zu be- oder verarbeiten. Da müsst ihr jetzt also durch.

Ich hab das, was das Spiegelkabinett letzte Woche ausgelöst hat, immer noch nicht hinter mir gelassen. Ich hasse gerade so ziemlich alles an mir und meinem Körper und ich bin wütend und traurig darüber, dass ich mich dem nicht entziehen kann und dass ich immer noch keine gute Strategie habe, mit diesen Gefühle irgendwie umzugehen. Ich wünsche mir so, mich irgendwann einfach nur OK finden zu können und ich habe keine Ahnung, ob ich das jemals haben werde.

Mir ist klar, dass ich mich selbst anders sehe, als die anderen mich – aber wie kann ich lernen meinen Blick zu verändern? Die Strategie, die ich meistens fahre ist, einfach nicht hinzusehen. Aber das ist halt nicht wirklich eine gute Lösung. Ich weiß (und wusste das auch vor Beginn der Hormontherapie), dass Testo dieses Problem nicht lösen würde. Ich mag alle Veränderungen, die es bis jetzt bewirkt hat und diese Veränderungen haben dazu geführt, dass ich bestimmte Aspekte meines Körpers besser aushalten kann, aber es wird einfach nicht mal annähernd alle meine grundsätzlichen Probleme mit mir selbst lösen.

Ich bin diese Scheiße (pardon) so leid. Ich merke, wie Verhaltensweisen und Denkmuster wieder akuter werden von denen ich weiß, dass sie nicht hilfreich sind – weil sie das Problem nicht lösen und weil sie mich, wenn es schlecht läuft, weiter runterziehen. Einige davon haben damit zu tun, dass ich versuche mehr Kontrolle über meinen Körper zu bekommen, vor allem über Sport oder Essen. Dahinter steht, glaube ich, irgendwie ein Wunsch nach Anerkennung, denn dieses „sich beherrschen“ ist ja eine Verhaltensweise_Eigenschaft, die in unserer Gesellschaft positiv belegt ist.

Mich selber „voraussetzunglos“ wertschätzen kann ich nicht. Also versuche ich es mit dieser Krücke, über den Blick der anderen.

Funktioniert übrigens nicht.

Irgendwie passend dazu hat Twitter gestern die Helden in meine Timeline gespült und ich habe mich an „Alles“ erinnert.

Würde ich tanzen? Ich glaube ja.

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2 Gedanken zu „Still right here, still fighting“

  1. Du schreibst, dass du dich selbst nicht voraussetzungslos wertschätzen kannst. Das tut mir zu aller erst mal sehr leid für dich. Aber Mitleid hilft dir auch nicht weiter, deshalb möchte ich dir von etwas erzählen, was ich letztlich beim Lesen gefunden habe: ein Team aus dänischen Psycholog*innen (u.a. Jesper Juul, Helle Jensen) haben erklärt, dass jeder Mensch den Kontakt zu sich selbst trainieren kann über die fünf Bereiche Herz, Atmung, Bewusstsein, Kreativität und Körper. Außerdem basiert das Training auf angeborenen Fähigkeiten, die wir [die*der eine] mehr oder [der*die andere] weniger unterdrücken, und niemand muss etwas Neues lernen. Das ist jetzt eine ganz mega knappe Kurzzusammenfassung… Wenn du mehr darüber wissen möchtest, dann schau doch mal hier: http://www.ddif.de/seminare/liste („Die Intelligenz des Herzens“) oder in den dort angegebenen Büchern von Jensen/Juul.

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  2. Danke, ich werde mich mal damit beschäftigen!
    Ich hab in der Zeit, in der es mir körperlich schon sehr schlecht ging, in der ich aber noch nicht verstanden hatte, dass ich trans* bin, ein MBSR Seminar besucht (Mindful Based Stress Reduction). Wir haben viel mit Achtsamkeit und Meditation gearbeitet und ich konnte mich wirklich null drauf einlassen. Ich hab es nicht ertragen so mit mir/bei mir zu sein. Das ging so weit, dass ich bei manchen Übungen regelrechte Panikattacken hatte, weil ich das Gefühl hatte, da in mir drin lauert irgendwas, das mir unglaublich Angst macht. Es wäre sicherlich interessant zu schauen, ob sich da jetzt durch mein inneres coming out was geändert hat.

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