Abschiednehmen

Ich hab so lange so viele Ressourcen dafür aufgewendet, irgendwie, um jeden Preis die Beziehung zu meinem Mann zu stabilisieren (mit dem einzigen Ergebnis, dass sie stabil-schlecht war). Es sieht so aus, als müsste ich jetzt die gleiche Menge Energie noch mal aufwenden, um mich aus dieser Beziehung zu befreien.

Morgen fährt mein Mann in den Urlaub und ich bin so froh, dass ich ihn jetzt für über drei Wochen nicht sehen muss. Vorher wollte er leider noch mal reden. Alle Gespräche, die wir in den letzten 2 Jahren geführt haben, endeten damit, dass ich mich schlechter gefühlt habe, als vorher und ich habe tatsächlich keine Lust mehr. Entsprechend „begeistert“ bin ich auf seinen Vorschlag eingegangen.

Highlight dieses Gesprächs: mein Mann wirft mir vor, ich würde immer sofort gereizt auf das reagieren, was er sagt. Stimmt. Meinen Versuch, ihm zu sagen, dass das vielleicht auch daran liegt, dass er sich die letzten beiden Jahre über weite Strecken mir gegenüber ziemlich mies verhalten hat, lässt er mit einem „NEIN! DAS IST DEINE ART“ an sich abperlen.

Ich mag nicht mehr.

Und wieder fing er davon an, dass wir zusammen in dem Haus wohnen bleiben können. Ich hab es geschafft, ihm zu sagen, dass ich nicht mit jemandem leben kann, der mich nicht 100% akzeptiert und voll und ganz hinter mir steht. Dass ich nicht mit jemandem unter einem Dach wohnen werde, der von mir erwartet, dass ich mich weiterhin verstecke – vor den Nachbar*innen zum Beispiel, die als einzige Menschen in meinem Leben bislang nicht Bescheid wissen – ihm zuliebe.

Ja…nein…das kann er sich nicht vorstellen.

Überraschung.

Er stellt sich also ernsthaft vor, dass ich hier weiter als „Frau“ lebe.

Das Gespräch dreht sich im Kreis. Weil ich nicht mit ihm reden mag. Weil es einfach nichts bringt. Und ich ärgere mich darüber – weil wir jetzt in der Tat eine Situation haben, in der er mir vorwerfen kann, ich würde nicht genug kommunizieren und ihn nicht mitnehmen. Und es macht mich wütend, weil ich so lange versucht habe, eine Brücke zu bauen und immer an ihm abgeprallt bin.

Das Schlimme ist, tief in mir drin, irgendwo versteckt in der hintersten Ecke, habe ich immer noch ganz viel Liebe für diesen Menschen. Und jedesmal wenn mir das bewusst wird, wenn ich wieder daran erinnert werde, dass er auch ganz andere Seiten hat, macht mich das so abgrundtief traurig. Und ich denke wieder, dass es meine Schuld ist, dass er mir diese Seiten nicht mehr zeigen kann.

Ein Ergebnis hat das Gespräch doch noch gebracht. Die Erkenntnis, dass es nichts bringt, wenn wir unter vier Augen sprechen. Wir machen einen neuen Anlauf mit einer Person, die unsere Gespräche begleiten und moderieren kann – in der Hoffnung, dass wir so doch noch einen guten Weg durch diese Trennung finden.

Vor einer Stunde ist er ins Bett gegangen. Morgen um vier geht sein Wecker. „Gute Nacht“, sagt er. Steht da, ziemlich verloren plötzlich. „Soll ich mich vielleicht doch morgen noch verabschieden?“ Ich kann nichts sagen. Nur traurig sein.

Ab morgen kann ich das mit dem Alleinsein proben.

Wilde Parties und so.

Ihr kommt dann alle vorbei, abgemacht?

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