Klarkommen

Ich hab diese Woche ja auch noch Urlaub und bin eigentlich ganz froh darüber – wobei das Zusammenleben mit meinem Mann, der ja nun auch wieder da ist, anstrengend ist. Ich versuche, noch einige Arzttermine und Erledigungen unterzubringen, bevor ich nächste Woche wieder voll durchstarten muss.

Montag war ich bei meinem Therapeuten. Ich hab ihn bezüglich der Mastektomie und der Pläne zur Personenstandsänderung auf den neuesten Stand gebracht. Hab ihn gebeten zu überlegen, ob ich ihn als zweiten Gutachter für die PÄ nennen kann. Habe von den Erfahrungen im Urlaub erzählt und was der aktuelle Stand bezüglich der Trennung ist. Und er hat natürlich genau gemerkt, dass es eigentlich ein anderes großes Thema gibt und ich nur um den heißen Brei rumrede. Ich hab es geschafft, es auszuspucken.

Ich muss an das Thema (gestörtes) Körperbild ran und ich will nicht. Es macht mich fertig, wenn ich nur dran denke und es kostet mich so viel Mut_Kraft überhaupt darüber zu schreiben oder zu sprechen – weil ich immer denke, andere können es nicht verstehen, finden es lächerlich, nehmen mich nicht ernst.

Ich weiß, dass andere nicht das sehen, was ich sehe, wenn ich in den Spiegel schaue oder mich auf Fotos sehe. Irgendwie muss ich meinen Blick gerade rücken – und ich muss lernen mit dem, was ich da sehe, klarzukommen ohne extreme negative Reaktionen. Ich hab am Wochenende den Fehler gemacht, mir die Fotos anzusehen, die ich vom Reiseveranstalter bekommen habe. Da bin ich auch zu sehen, auf dem Rad, in den engen Radklamotten und es hat wieder so viel Selbsthass und Verzweiflung losgetreten. Sofort gehen mein Denken und Planen wieder in Bahnen, von denen ich weiß, dass sie mir nicht gut tun – und dass sie das eigentliche Problem nicht lösen.

Aber all das sind Dinge, über die ich nicht gut mit anderen reden kann – weil ich mich dafür schäme überhaupt diese Gedanken und Gefühle zu haben, und weil niemand sonst das sieht, was ich sehe und entsprechend auch gar nicht nachvollziehen kann, was so schlimm ist.

Und frage ich mich auch, warum es mir so wichtig ist, wie ich aussehe – wenn es mir bei anderen doch völlig egal ist, ob sie jetzt einen „Normkörper“ haben oder nicht. Weil doch ihr Wert überhaupt nicht davon abhängt, wie sie aussehen. Und weil es eine Schönheit jenseits der Norm gibt, die viel reichhaltiger, vielfältiger, interessanter – und schöner – ist, als diese vermeintlichen Idealbilder.

Warum gilt das für andere, aber für mich selbst nicht?

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