Augenhöhe

Mir ist schlecht. Erstmal Kaffee. Das hat gestern schon super funktioniert. Ironie aus.

Gestern hing ich ziemlich in den Seilen. Das ist das, was mein Körper macht, wenn ich nicht auf ihn achte. Einfach mal dicht. Eigentlich war der Tag voll mit Dingen, die ich hätte machen wollen_sollen, aber gut, dann eben nicht.

Am späten Nachmittag hatten wir den Termin bei dem „Paarberater“. Ich war zu früh, hab im Treppenhaus gesessen und gewartet mit dem vorherrschenden Gefühl „Ich will hier nicht sein“. Super Voraussetzungen.

Mein Mann kam Punkt 5, fragte nach zwei Euro für die Parkuhr und verschwand erstmal wieder. Der Therapeut hatte die Sitzung vorher überzogen und brauchte auch noch ein paar Minuten. Also saß ich im Wartebereich und dachte immer noch „Ich will hier nicht sein“. Der Gedanke, mit meinem Mann reden zu müssen, ihm zuhören zu müssen ist mittlerweile schrecklich für mich. Ich fühle mich nicht gehört und nicht gesehen. Unverstanden. Ich habe mir so lange seine Sicht der Dinge angehört, wollte sie hören, habe versucht Verständnis zu signalisieren – alles, ohne dass es eine Annäherung gegeben hätte. (Und mir ist klar, dass mein Mann wahrscheinlich genauso denkt, nur andersrum).

Ich mag einfach nicht mehr.

Ich lasse meinen Mann reden, hab das Gefühl dass es ohnehin keinen Versuch wert ist, von ihm irgendeine Form von Anerkennung (im Sinne eines „ich sehe dich“) zu bekommen. Er redet über mich. Direkt im zweiten Satz zögert er, weiß offenbar nicht, wie er mich denn nun bezeichnen soll. „Meine Frau“. Diese Worte werden noch gefühlt 100 Mal fallen in diesen 90 Minuten, ich zucke jedesmal innerlich zusammen und verabschiede mich ein bisschen mehr aus diesem Raum, den ich da mit ihm teilen muss.

Einmal explodiere ich ein bisschen, nachdem er behauptet, er hätte mir verschiedene Vorschläge zur Wohnsituation gemacht und dann wieder sagt, ich habe ja auch alles entschieden, ohne ihn einzubeziehen. Da bricht ein bisschen was aus mir raus und ich kotze es ihm alles vor die Füße. Er hört es sich an, immerhin. Ich glaube nicht, dass er wirklich versteht, worum es mir geht oder was ich sagen will.

Der Berater schlägt sich in diesem Moment für mein Gefühl auf die Seite meines Mannes. Es klingt so, als wolle er sagen: Mein Mann hat gute Gründe für sein Verhalten, also darf ich ihm das auch nicht vorwerfen, mich davon nicht verletzt fühlen. Ich fühle mich allein gelassen. Dass er sich gegen Ende der 90 Minuten in kruden Betrachtungen zu „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ ergeht, macht es nicht besser. Ich glaube er merkt, dass er mich abgehängt hat, thematisiert das am Ende. Erklärt, warum er der Seite meines Mannes so viel Raum gegeben hat. Er hofft, ich fühle mich dadurch nicht verletzt oder missverstanden, ich solle das sonst sagen. Doch, tue ich. Aber sagen kann ich es trotzdem nicht und lasse auch das irgendwie nur noch über mich rüberschwappen.

Ich hab es aufgegeben, von meinem Mann noch mal eine Akzeptanz zu erfahren, die bedeutet, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen können.

 

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4 Gedanken zu „Augenhöhe“

  1. Immer wieder wenn ich dich von denem Mann schreiben lese, lese ich davon, was er von dir erwartet.
    Was er von dir will, erhofft, was wie sein soll, was Du tun sollst; dass Du ihn verletzt; ihn leiden ließest; und dass es ihm schwer fällt, dich als Mann anzuerkennen.

    Immer wieder habe ich das Gefühl, dein Mann geht davon aus, dass Liebe ERWARTET.

    Ich selbst weiß noch nicht allzuviel von der Liebe und dem Fühlen.
    Aber eines habe ich früher wohl oft gelesen – und nun mit 46 darf ich es auch erleben.
    Liebe GIBT.

    Zugegeben – da ich selbst noch nicht frei bin von meinem Trauma, verlaufe ich mich noch ab und zu und erwarte oder erwünsche dennoch.
    Aber ich fühle heute, dass schenkende Liebe wahrhaft Liebe ist.
    Die einzige Liebe, welche BEIDE Seelen beglückt.
    Und alle Erwartungen die man an eine Liebe stellt nichts weiter sind, als seelische Verletzungen; alte Gefühle; Traurigkeit oder Defizite.
    – aber nicht Liebe.

    Ich sehe, wie schwer Du dich damit tust, Bekanntes, Vertrautes los zu lassen. Das ist wohl menschlich. Aber mach dich frei davon zu glauben, Du würdest die Liebe verlieren.
    Dir viel Kraft.

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      1. Ich drücke dir die Daumen, dass es nicht mehr zu lange dauert und schicke dir Kraft.
        Oft hat man unsagbar Angst vor einem Ende; einem Abschied.
        Meist nur deshalb, weil man vergessen hat, dass es in Wahrheit ein Anfang ist und dass nach allem Unguten auch wieder etwas Gutes kommt :)

        Gefällt 1 Person

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