Sonnenschein

Nach Luises Kommentar denke ich mal wieder über diesen Impuls nach, den ich immer habe: mich dafür zu entschuldigen, wenn es mir schlecht geht und Besserung in Aussicht zu stellen  – wesentlich getrieben durch die Angst, dass Menschen mir den Rücken zukehren, dass ich sie vergraule, wenn sie mitbekommen, wie schlecht es mir geht. Weil ich zu schwierig bin, zu kompliziert und zu kaputt, als dass es für sie erträglich wäre. Weil ich anderen Menschen Kraft rauben könnte, was angesichts der eigenen Angst, nicht genug Kraft für mein Leben zu haben, ziemlich schwer wiegt.

Das ist ein Grund, warum ich es im analogen Leben meist vermeide „so richtig“ durchblicken zu lassen, wie ich mich fühle. Ein Mensch, in den ich irgendwann genug Vertrauen gefasst hatte, um zu glauben, dass er das aushalten kann war mein Mann. Das war in der Zeit, in der es mir körperlich und psychisch durch die Nahrungsmittelunverträglichkeiten und die Erschöpfung schlecht ging. Auch da hatte ich immer diese Angst, ihn zu überfordern. Auch da war immer dieser Gedanke er habe „was besseres verdient“ als mich. Aber er war immer da. Gute und schlechte Zeiten und so.

Und nun halt doch nicht mehr. Ich glaube, das hat mich nochmal mehr erschüttert, als nach so langer Beziehung ohnehin zu Erwarten gewesen wäre – weil ich bei dem einen Menschen, bei dem ich mich getraut habe, meine Deckung komplett fallen lassen, nun doch erlebe, dass ich „zu viel“, „zu schwierig“ bin, um es noch aushalten zu können. (Ich weiß, dass ich damit Tatsachen verdrehe, weil es bei der Trennung im Kern nicht um „zu schwierig“ geht, sondern halt um Fragen von Geschlecht und sexueller Orientierung).

Diese Angst, dieses Gefühl, dass ich Leute überfordere sitzt so tief. Und entsprechend gibt es eine Stimme in mir, die mich anschreit und sagt „get a fucking grip“, wenn es mir schlecht geht. Halt auch, weil ich denke, dass es das ist, was die anderen insgeheim denken oder mir sagen würden, wenn sie wüssten, wie ich mich fühle.

Und weil ich das alles eben in der nicht-virtuellen Welt fast gar nicht kommunizieren kann, ist diese virtuelle Raum umso wichtiger für mich.

Note to self:

It’s my party, and I’ll cry if I want to.

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Ein Gedanke zu „Sonnenschein“

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