Danke für nix

Content note: Erwähnt im zweiten Teil (nach den ***) Suizidgedanken und (Gedanken an) Selbstverletzung

Scheiße. Ich bin so wütend. Unter den beschissenen Sitzungen, die ich bei meinem Therapeuten schon hatte, rangiert die von heute glaube ich sehr weit oben (naja, nix toppt diese hier glaube ich).

Sein Eröffnungsschachzug war mir zu sagen, dass er nicht als Gutachter für das Gerichtsverfahren meiner Personenstandsänderung zur Verfügung steht. Er befürchtet einen zu großen Aufwand, weil er sich mit diesen Gutachten nicht auskennt. Mir war bewusst, als ich ihn gefragt habe vor vier Wochen, dass er möglicherweise „nein“ sagen würde. Trotzdem fühlte es sich gerade an, als wäre ich in ein offenes Messer gerannt. Ich fühle mich im Stich gelassen. Es wäre meine Chance gewesen, dieses ganze scheiß-demütigende und pathologisierende Verfahren wenigstens an einer Stelle etwas weniger schlimm zu gestalten.

Dieses Wissen, dass fremde Menschen mich beurteilen und „bewerten“ werden tritt solche schlimmen Gefühle und Ängste in mir los, ich kann damit kaum umgehen. Und es geht nicht darum, dass ich Sorge habe, die Gutachten könnte nachher vielleicht negativ ausfallen. Es geht um den Akt des Begutachtens, der irgendwie Erinnerungen an frühere Situationen und damit verknüpfte schlimme, negative Gefühle aufruft.

Ich hätte meinen Therapeuten gar nicht erst nach dem Gutachten fragen sollen. Jetzt hat mein Vertrauen in ihn mal wieder einen Knacks bekommen. Das ist nicht unbedingt rational begründbar, aber „(Angst vor) Zurückweisung“ ist ein so großes Thema bei mir, es ist für mich schwer, damit „rational“ umzugehen.

*************************

In seinem desaströsen zweiten Schachzug hat er dann so plump und unvermittelt auf das Thema Körper-/Selbstbild übergeleitet, das ja auf unserer Agenda steht, dass ich mental komplett ausgestiegen bin. Das hat in dieser Situation, in der ich mich ohnehin schon verletzt gefühlt habe, so schlimme Gefühle und Gedanken hervorgerufen, dass ich nur noch erstarrt und unfähig zu sprechen da gesessen habe. Rauschen in den Ohren, Kreislauf am Boden.

Er hat irgendwas geredet, ich weiß nicht mehr was, es hat mich nicht erreicht. Es ist einfach alles über mich rübergewaschen. Er hat da einen Stöpsel bei mir gezogen und schwupps war die Büchse der Pandora offen, randvoll mit Gedanken an Suizid und Selbstverletzung. Irgendwann hab ich es geschafft ihn zu bitten, das Thema für heute wieder zuzumachen, weil es gerade zu schlimm ist und ich nicht weiß, wie ich da gleich alleine zu Hause mit umgehen soll. Ich glaube, er hat nicht verstanden, was ich wollte_brauchte in dem Moment.

Ich hätte einen Anker gebraucht, mich komplett aus diesem Erleben, diesem Überwältigt-fühlen, rauszuziehen und um die Büchse für den Moment wieder zuzumachen. Um irgendwie wieder ins Hier und Jetzt zu kommen. Sowas wie: suchen Sie vier blaue Gegenstände in diesem Raum. Irgendein Bild, um mich von den Gefühlen und Gedanken zu distanzieren. Die Techniken dazu habe ich eigentlich, aber in dem Moment war es zu schwer, dieses Programm alleine aufzurufen.

Jetzt bin ich zu Hause und versuche mich zu sortieren, diese Büchse wieder zuzumachen.

Schreiben hilft. Und wahrscheinlich würden so grundsätzliche self-care Dinge helfen. Wie ein Glas Wasser trinken. Etwas essen.

Leider ist mein Mann in der Küche und ich mag da gerade nicht hingehen.

Also sitze ich erstmal weiter hier.

 

Advertisements

11 Gedanken zu „Danke für nix“

  1. Nach sehr viel Therapieerfahrung kann ich sagen, dass ich persönlich zu dem Entschluss gekommen bin, dass es keine einzige Therapiestunde geben muss, die mit dem Gefühl von Respektlosigkeit, Wut oder Unverständnis auf einer oder beiden Seiten, einhergeht. Viel zu selten habe ich den Therapeuten gewechselt. Es scheint mir so, als würde die Art deines Therapeuten dir nicht unbedingt nur hilfreich sein. Du selbst solltest deine Therapie mitgestalten können und es sollte in jedem Fall darum gehen dich zu unterstützen, vor allem in deinen innersten eigenen Wünschen und selbst erarbeiteten Zielen. Lass dich nicht verwirren. Wenn du mehr als zwei, drei Wochen ein schlechtes Gefühl hast mit deinem Gegenüber, dann versuch dich nach Alternativen zu erkundigen. Weniges ist so schädlich, wie eine Therapie mit einem Menschen, bei dem man das Gefühl hat nicht verstanden und nicht richtig wahrgenommen zu werden. Lg

    Gefällt 1 Person

    1. Danke Dir für Deine Worte – das ist sehr nah an den Gedanken, die ich mit etwas auch gerade habe dazu.
      Die große Angst, die ich habe, ist dass ich voraussichtlich dann ganz ohne therapeutische Begleitung dastehen werde. Das setzt mich gerade zusätzlich unter Druck, ist aber natürlich auch keine gute Basis für eine Entscheidung…

      Gefällt mir

      1. Du könntest ja parallel etwas suchen und erst wechseln, wenn du was neues hast. Es gibt übrigens auch Therapieangeboze von Ausbildungsinstituten für Psychotherapeuten. Manchmal findet man da schneller und besser was und die Therapie erfolgt unter Supervision der Therapeuten. Die Qualität soll gut sein. Müsstest du mal schauen, ob es sowas an deinem wohnort gibt.

        Gefällt 1 Person

      2. Ja, ich überlege mal, ob das ein Weg sein könnte. Das mit den Ausbildungsinstituten ist ein sehr guter Tipp. Das Problem auf dem ich noch rumdenken muss ist, dass ich die letzten Stunden eh schon selbst zahlen musste und mein Therapeut gerade jetzt einen Verlängerungsantrag stellt. Die Kasse macht eh schon Probleme und wenn ich jetzt noch mit einem Therapeutenwechsel komme, wird es wahrscheinlich noch schwieriger. Ich muss wahrscheinlich einfach in den sauren Apfel beissen und selbst zahlen.
        Solche Entscheidungen sind echt nicht meine Stärke ;).
        Liebe Grüße!

        Gefällt mir

      3. Also informieren kostet ja nichts denke. Wenn man zum Beispiel die Therapieart wechselt und es gut begründet ist, dann ist die Chance gut für ne finanzierung soweit ich weiss. Wenn Du das dem Ausbildungsinstitut schilderst, können sie dich bestimmt etwas beraten. Hier in Berlin gibts zum Beispiel auh den Krisendienst, der einen auch manchmal beraten kann oder der die Kontakte zu den Instituten hat. Ansonsten könnte man auch versuchen mit nem Psychiater zu sprecheb, damit der einem eine Empfehlung für eine Therapie ausstellt, die man dann bei der Kasse vorlegen kann

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s