Some days are worse than others (2)

Ja, nee, ich bin offensichtlich noch nicht durch mit dem Thema „Therapeut“ und meiner Wut auf ihn. Es geht schon auch um das Gutachten, aber mehr noch um seine Weigerung, sich in irgendeiner Form mit dem Thema trans* und vor allem den Rahmenbedingungen, unter denen eine Transition mit rechtlichen und medizinischen Maßnahmen hier stattfinden kann, auseinanderzusetzen. Und damit einhergehend halt auch die mangelnde Anerkennung bestimmter (Schutz)Bedürfnisse, die ich habe.

Er hat es sich da sehr einfach gemacht, von Anfang an: er hat mir gesagt, dass er von dem Thema keine Ahnung hat und wenn ich jemanden will, der in der Materie drin ist, dann muss ich zu jemand anderem gehen.

Klar, kann man sagen, da wusste ich doch, worauf ich mich einlasse – und das ist auch die Position, auf die er sich immer wieder zurückzieht. Aber das blendet viel Kontext aus. Es blendet aus,

  • dass ich bei ihm schon länger in Behandlung war, als diese Entscheidung anstand und dass es einer therapeutischen Beziehungen emotionale Abhängigkeiten geben kann;
  • dass es mir zu dem Zeitpunkt, an dem ich vor dieser Entscheidung stand, nicht gut ging mit der sich abzeichnenden Trennung von meinem Mann, mit allem, was da vor mir lag;
  • dass ein Therapeut_innenwechsel im schlimmsten Fall eine sechs- bis achtmonatige Wartezeit ohne Therapie bedeutet hätte. Ohne Garantie, dann jemanden mit Trans*Erfahrung zu finden;
  • dass ein solcher Wechsel eine weitere Verzögerung des Beginns der Hormontherapie bedeutet hätte. Kein_e Therapeut_in, keine Indikation. Und neue_r Therapeut_in, neues Aushandeln der Notwendigkeit der Indikation.

Ja, ich hätte mich in diesem Moment gegen eine Fortsetzung der Therapie bei ihm entscheiden können. Aber die Folgekosten wären hoch gewesen. Und jetzt gerade ist die Situation zumindest dem Anschein nach schon wieder ähnlich:

Ich brauche seinen befürwortenden Bericht für die Beantragung der Mastektomie. Ich habe immer noch Angst, dass wenn ich jetzt die Therapie beende, ich wieder tiefer in die Depressivität rutsche. Ich hab Angst, dass da niemand ist, die_r mir Halt und genügend Struktur gibt. Ich habe Sorge, dass ich in eine Dynamik reinrutsche, in der ich mein Selbstzerstörungsprogramm fahre, weil „ich ja im Stich gelassen wurde und dafür gar nicht selbst verantwortlich bin!!111!“. Das sind so trotzige, eher „Kind-Ich-getriebene“ Impulse, denen ich eigentlich nicht nachgebe. Aber was passiert damit in einer Situation, in der ich eh das Gefühl habe, machtlos zu sein und einfach nicht genügend Ressourcen zu haben, mich über Wasser zu halten. Da war ich schon ein paar Mal und das war kein schöner Ort.

Und mit all diesen Gefühlen sitze ich jetzt hier und überlege, ob daraus noch mal ein konstruktiver Dialog mit meinem Therapeuten werden kann, oder ob ich hinschmeiße. Frage mich, ob ich zu viel von ihm erwarte. Ob ich es mir zu leicht mache und ob ich eigentlich derjenige bin, der keine Verantwortung für diesen Prozess übernehmen will, obwohl es eigentlich meine Aufgabe wäre.

Situation normal, all f*cked up.

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3 Gedanken zu „Some days are worse than others (2)“

  1. Muß man in einem Thema „drin“ sein, um Verständnis zu haben, Geduld, Empathie?
    Braucht es themenschwergepunktete Therapeuten für jeden speziellen Lebensumstand?

    Oder braucht es vielmehr Therapeuten, welche wahrhaft zuhören und bereit sind, sich auf den Menschen gegenüber wirklich einzulassen?
    Völlig egal, mit welchem Ursprungsthema er kommt…

    Ich hatte mal einen Therapeuten, welcher angeblich Traumaspezialist war. Für den war klar, dass ich mit der Prostitution aufhören muß – und alle Probleme seien weg. Fertig.

    Er konnte mir nicht sagen, woher ich dann Geld bekomme und wie und wovon ich leben soll. Auch keine andere konkrete Frage nach Hilfe beantworten. Es gab nur dieses „Hör damit auf – der Rest ist dein Problem“.
    Und als ich nicht tat was er wollte, schlief er (incl. lautem Schnarchen).

    Genauso, wie ich früher immer Angst vor behinderten Menschen/Freiern hatte. Weil ich dachte, man müsse „spezialisiert und wissend“ sein.
    Bis ich merkte, dass das Gegenüber doch bereits der Spezialist ist.
    Und dass es vollkommen reicht, zuzuhören und jenes zu tun, bzw. so zu helfen/unterstützen, wie es das Gegenüber äußert und braucht.

    Sorry, ich verfranze mich.
    Eigentlich will ich nur sagen, dass Du doch bereits dein eigener Spezialist bist – und Du somit keinen weiteren brauchst, um unterstützt zu werden.
    Du brauchst jemanden, der dich ernst nimmt.
    Der dir zuhört.
    Der sich einläßt.
    Und auf dieser Basis dann mit dem Papiermist hilft.

    Der Therapeut sollte ein Dienstleister an dein Leben sein – nicht Du an seins.

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    1. Liebe Luise, ja, ich merke auch langsan, dass es mir gar nicht primär um dieses Gutachten geht. Es geht um die Beziehung und darum dass ich höre: „du bist zu viel Arbeit, du bist zu schwierig für mich“. Das ist nicht unbedingt das, was er sagt – aber meine Geschichte führt dazu, dass ich das so höre. Und eigentlich sollte er das mittlerweile wissen. Ich glaube, er hätte das schon irgendwie abfangen können…

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      1. Blöderweise sind Menschen oft zu feige, um genau DAS zu sagen, wenn sie es eigentlich fühlen.
        Und so fühlst DU das – und hoffst; willst; redest dir ein, dass Du dich irrst.

        Denkst, DEIN Gefühl ist falsch, fühlst dich schlecht und unwert und verschwendest deine Zeit, weil ein anderer einfach nur zu feige ist zu sagen, was er fühlt.

        Ich kann dir nix raten und vielleicht irre ich mich auch. Es ging mir in meinem Leben da oft, wie dir im Moment.

        Aber ich habe bemerkt, wenn ich auf mein Gefühl höre und reagiere, geht es mir meist besser. Ich bin dann nicht mehr ohnmächtig.

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