Wachstumsschmerzen

Ob Wachstum und Veränderung auch ohne Schmerzen und Narben gehen? Oder gehört das dazu, wenn man sich häutet? Kollateralschäden sozusagen?

Ich hab mittlerweile eine „Rahmung“ gefunden für meine Reaktion auf die Entscheidung meines Therapeuten, mir kein Gutachten zu schreiben. Eine Erklärung, die für mich plausibel scheint, aber vielleicht auch nur ein nachträgliches Zurechtbiegen meiner Gefühle in ein handhabbares Format ist.

Ich denke, mein Therapeut hat mit der Aussage, das Gutachten zu schreiben sei für ihn zu aufwändig, einen sehr wunden Punkt bei mir getroffen.

Ich bin zu viel Aufwand.

Ich bin eine Belastung.

Und es lohnt_rechnet sich für ihn nicht, diesen Aufwand zu betreiben.

Das ist etwas, das ich seit der Kindheit mit mir rumtrage: dass ich „zu kompliziert“ bin, eine Last für andere. Das Gefühl erinnert mich an die Zeit in der ich als Kind solche Ängste hatte, dass ich nicht alleine bleiben konnte. Ich konnte nicht schlafen und ich habe meine Eltern damit zur Verzweiflung gebracht. Sie konnten nicht mehr weggehen abends wegen mir, selbst wenn es einen Babysitter gab. Meine Angst war zu groß. Und es war für mich spürbar, dass es anstrengend und nervig und einschränkend für sie war. Dass ich in diesen Momenten eine Belastung war. Ich habe mir gewünscht, nicht mehr „schwierig“ und „kompliziert“ zu sein, aus Angst ihre Liebe zu verlieren.

Den Knopf hat mein Therapeut gedrückt.

Und jetzt habe ich zwar eine Idee, wie ich meine Reaktion deuten kann – aber ich weiß immer noch nicht, was eine angemessene Rückmeldung an meinen Therapeuten ist. Wieviel Kritik, wieviel Wut ist angemessen? Was ist „Überreaktion“? Und ich weiß immer noch nicht, ob ich mit ihm weiterarbeiten will. Ich bin es leid, ihm Infos über trans* in mundgerechten Häppchen zu präsentieren in der Hoffnung, dass er versteht, in welchem Rahmen ich mich bewege(n muss) und welche Hürden und Barrieren ich zu überwinden habe. Vielleicht will ich auch einfach nur mal von ihm hören, dass er das System auch scheiße und pathologisierend findet und dass er daran zwar nichts ändern kann, aber dass er mir helfen wird da möglichst unbeschadet durchzukommen.

A person can dream, right?

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