Test, Test…

Es ist spannend, wie ich jeden morgen mit neuen Gedanken zum Therapiedebakel aufwache. Erklärt vielleicht auch, warum ich gerade noch schlechter und weniger schlafe, als sonst schon. Es arbeitet. Die Gedanken sind eher Deutungen, als Verstehen, aber ich glaube ich versuche schon, ein Narrativ zu finden für das, was da passiert ist. Und das Gute daran ist, dass ich mit jeder Deutungsschicht mehr Abstand bekomme.

Gestern habe ich mich hingesetzt und meinem Therapeuten per Mail geschrieben, dass er den Verlängerungsantrag erst einmal nicht vorbereiten soll und dass ich nicht weiß, ob ich die Behandlung bei ihm fortsetzen kann/will. Ich habe natürlich auch versucht zu erklären, was los ist und wo der Knackpunkt liegt. So sehr ich ihn manchmal verfluche, in der Vergangenheit waren solche Emails und darauf aufbauenden Gespräche mit ihm immer hilfreich, respektvoll und konstruktiv. Ich hoffe einfach mal, dass es dieses Mal auch funktioniert. Die Situation erscheint mir verfahrener, als in der Vergangenheit. In einem Satz zusammengefasst lautet meine Mail wahrscheinlich: Wenn Sie kein Ally sein können, kann ich mich bei Ihnen nicht sicher fühlen.

Ich denke, mir geht es darum, dass es mir – für mich – nicht möglich scheint in einer psychotherapeutischen Behandlung zu sein, in der die behandelnde Person einen wichtigen Teil meiner Lebensrealität komplett ausblendet. Und für mich ist es nicht möglich, über meinen individuellen Weg zu reflektieren und mich mit mir selbst auseinanderzusetzen ohne dass der größere gesellschaftliche Diskurs_Rahmen, in den ich eingebettet bin, eine Rolle spielt. Aber mein Therapeut beschäftigt sich mit diesem Rahmen nicht – vielleicht, weil er mich nicht als unmittelbar und konkret davon betroffen ansieht. Oder weil er meine Wut auf dieses pathologisierende System für überzogen hält. Oder weil er es für einen Kampf gegen Windmühlen hält.

Und wahrscheinlich ist in allen drei Erklärungsmöglichkeiten ein bisschen Wahrheit – aber ich kann das nicht mit ihm bearbeiten, weil er für mein Empfinden den Rahmen einfach nicht zur Kenntnis nimmt und wir entsprechend gar nicht darüber diskutieren können.

Ich fürchte, und das war der Gedanke von heute morgen, dass meine Frage, ob er das Gutachten für mich schreibt möglicherweise ein Test war. „Fürchte“, weil ein solcher Test nicht in eine respektvolle zwischenmenschliche Beziehung gehört. Und weil es in jedem Fall viel besser wäre, diese Dinge – mögliche Zweifel und Probleme – offen zu thematisieren und im Dialog zu besprechen. Aber letzteres ist halt nur möglich, wenn es ein Bewusstsein dafür gibt, dass es ein Problem gibt und worin es besteht. Dieses Bewusstsein hatte ich so nicht unbedingt. Insofern war dieser „Test“ wahrscheinlich ein Katalysator.

Die Mail zu schreiben und auch wegzuschicken war schwer, aber es fühlt sich auch richtig an. Was nicht bedeutet, dass ich vor der nächsten Sitzung (die ich nicht abgesagt habe) nicht starr vor Angst und Nervosität sein werde. Manchmal wünsche ich mir, mein Thera würde auch E-Mails schreiben o.O

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