In dis|connect (2)

Hier. Dings. Worüber ich eigentlich schreiben wollte, bevor die Überlegungen zum Therapiemist dazwischen kamen:

Mich nicht zugehörig fühlen.

Schwieriges Gefühl, ich hab schon öfters drüber geschrieben. Es ist eins der Gefühle, die ich besonders stark merke in Phasen, in denen auch meine Depressivität stärker ist.

Ich höre gar nicht so selten den Rat, ich solle doch unter Menschen gehen, wenn es mir nicht gut geht und wenn ich traurig bin, mich allein fühle. Und gar nicht so selten reagieren die Ratgebenden mit Unverständnis (oder Ratlosigkeit), wenn ich sage, dass mir das nicht unbedingt hilft.

Ganz oft erlebe ich es so, dass „unter Menschen gehen“ in solchen Phasen das Gefühl von Einsamkeit und von nicht dazu gehören noch verstärkt. Ich bin unter Menschen, aber ich bin doch nur am Rand. Ich fühle mich dann so, als würde ich draußen im Dunkeln stehen und auf ein warmes, hell erleuchtetes Haus schauen, in dem andere Menschen fröhlich sind und „einfach“ Spaß haben. Ich habe nicht die Kraft, über die Schwelle zu treten.

Wenn ich so meine Freund*innen sehe und höre, wie sie über ihren Alltag sprechen, wie sie Pläne machen, wie sie scheinbar „einfach“ ihr Leben leben, fühle ich mich nicht zugehörig. Als sei meine Lebensrealität eine komplett andere, als ihre. Ich fühle mich unendlich fremd. Und die Tatsache, dass es nicht an den anderen liegt – die wollen mich dabei haben, die wollen dass ich teil-habe – führt zudem dazu, dass ich mir selbst noch Vorwürfe mache. So von wegen „du könntest dich zugehörig fühlen, wenn du dich nur genug anstrengen und über deinen Schatten springen würdest“.

Aber der Schatten ist gerade in depressiveren Phasen zu lang zum drüber springen. Sicherlich auch, weil diese Schnittmenge von gleichzeitig trans*sein und depressiv-sein in meinem ganz unmittelbaren Umfeld (also dem „Nahbereich“, in dem ich mich am sichersten fühle) halt sonst bei niemandem vorkommt. Und selbst, wenn ich die zugegebenermaßen seltenere trans*Komponente abziehe: auch über das Thema Depression (das mich glaube ich gerade viel mehr einschränkt, als das trans*sein) kann ich mich eigentlich mit niemandem in meinem engen Freund*innenkreis austauschen. Und ich erfahre dort zwar Verständnis, aber meine Freund*innen und ich teilen diesbezüglich eben kein „Verstehen, wie es ist“.

Und an dieser Stelle bin ich wieder so dankbar für die Verbindungen, die ich dank des Internets – Blog, Twitter, Foren – aufbauen konnte. Weil ich da merke, ich bin doch nicht allein und weil ich mich dort in solchen schwierigen Phasen weniger „außen vor“ fühle. Weil es für mich viel leichter ist, auf diese Weise Kontakt aufzunehmen. Ich fühle mich dort durchaus aufgehoben.

Was ich dort aber nicht so leicht fühlen kann ist Geborgenheit. Ich vermute, die braucht für mich eine andere – analoge – Form von Nähe. Aber das scheint gerade sehr unerreichbar.

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