Rückenwind

Es geht gar nicht mal so gut gerade. Ich habe das Gefühl, dass mehr und mehr von dem, das mir noch Halt gibt, wegbricht. Ich fühle mich über_wältigt von all dem, das ich eigentlich be_wältigen müsste.

Mein Körper kooperiert nicht. Meine ganze rechte Seite ist so angespannt, die Muskeln sind steinhart, von der Fusssohle bis zum Kiefer. Die Bänder und Gelenke schmerzen. Beim Sport geht kaum was und ohne Sport geht es mir noch schlechter. Die Osteopathin, die mir sonst immer gut helfen kann, hat am Freitag nach einer halben Stunde praktisch aufgegeben. „Krass“ war das einzige, was ihr dazu noch einfiel. Da hat einfach nichts nachgegeben, nichts wurde weicher, lockerer.

Dazu eine Theorie, die mir nicht gefällt – dass ein Teil meiner Probleme, die aus dem Unterleib kommen, darauf hindeuten, dass es dort „Verwachsungen“ geben könnte. Das können Narben sein, von einer OP vor einigen Jahren, bei der ziemlich viel rumgeschnitten wurde. Diese Theorie stimmt mit meinem Körpergefühl dort überein. Wenn es so ist, dann werde ich diese Spannungen und die Probleme, die sie vor allem im unteren Rücken machen, nicht so einfach wieder los.

Aber Sport. Dafür brauche ich eine Lösung. Ohne geht es im Moment nicht.

Allem zum Trotz und vor allem gegen die aufsteigende Angst habe ich mich erstmal aufs Rad gesetzt gerade.

********

Es ist grau, kalt, windig. Aber ich habe Rückenwind. Ich bin schnell und habe trotzdem genug Luft in den Lungen. Es fühlt sich befreiend an.

I miss the steely gray skies of Germany, sagte ein*e Freund*in mal.

Heute macht das Grau, dass die braungelben Blätter an den Bäumen viel stärker, wärmer leuchten, als letzte Woche im Sonnenschein. Kontrast ist alles. Oben auf der letzten Kuppe treffen mich die Böen und ich atme Stakkato, vor Anstrengung und weil der Wind mir die Luft raubt. Unter mir, vor mir, liegt die Stadt in einem diesigen Kessel und das Panorama sieht trotzdem toll aus, wie immer. Heute sorgt aber weniger die Ablenkung durch den Blick, sondern eher der Wind dafür, dass ich fast im Weidezaun lande. Holla.

Ich versuche abzuspeichern wie es sich anfühlt, genug Luft in den Lungen zu haben. Frei atmen zu können. Sich vom Wind schieben zu lassen.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Rückenwind“

  1. Nur ein Gedanke:
    Die linke Hirn- und rechte Körperhälfte stehen für das Männliche.
    Die anderen Teile für das Weibliche.

    Vielleicht fühlst Du dich in deiner Männlichkeit seelisch auch sehr gelähmt; handlungsunfähig; nicht bestimmend, sondern ausgebremst.

    Und deine Seele drückt dies über deinen Körper aus.
    Vielleicht sucht deine Seele einfach einen Weg, um mit dir zu sprechen?
    Ich wünsche dir einen guten, gehbaren und befreienden Weg.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s