21, 22, 23… ausatmen

Ich habe die Sitzung bei meinem Therapeuten überstanden und es hat sehr geholfen zu wissen, dass Leute an mich denken und Daumen drücken und so. Diese guten Wünsche waren auf meinem Handy in meiner Hosentasche – „pocket riders“ wurden die in einem Forum genannt, in dem ich mal aktiv war. Pocket riders können helfen, sich in schwierigen (Gesprächs)Situationen etwas weniger allein zu fühlen.

Es hat mich wirklich viel Überwindung gekostet, heute in diese Sitzung zu gehen. Was mir geholfen hat war das Wissen, das mein Therapeut und ich in der Vergangenheit in so schwierigen Situationen trotzdem konstruktive Gespräche führen konnten. Für mich waren solche Krisenmomente in der Vergangenheit auch immer eine Chance, etwas über mich und meine „wunden Punkte“ zu lernen – denn natürlich verraten meine Reaktionen viel über mich und die Dinge, mit denen ich mich auseinandersetzen sollte.

Aber das ist halt nur die eine Seite. Ich bin schon der Meinung, dass er Sachen richtig verbockt hat letzte Sitzung – jenseits meiner Enttäuschung darüber, dass er das Gutachten nicht schreiben wird. Seine Bekräftigung dass und nochmalige Erklärung warum er das nicht machen wird war für mich schwer auszuhalten (auch wenn ich nicht erwartet habe, dass er seine Meinung da noch mal ändert), auch weil seine Gründe für mich nach wie vor nicht nachvollziehbar oder verhältnismäßig sind. Aber das ist jetzt halt so „take it or leave it“ – entweder ich nehme es so hin und hake es ab, oder ich ziehe die Konsequenz und beende die Therapie bei ihm.

Ein Punkt, der mir wichtig war ist, dass er versteht, warum ich das Begutachtungssystem so beschissen und entwürdigend finde. Ich glaube, diese Botschaft ist angekommen und er kann es jetzt besser nachvollziehen. Insgesamt war es ein gutes Gespräch, aber es hat mir die Entscheidung, wie es jetzt weitgehen soll nur bedingt leichter gemacht. Es ist ein bisschen das „Spatz in der Hand/Taube auf dem Dach“-Problem (wobei ich meinem Therapeuten mit diesem Vergleich jetzt trotz allem etwas unrecht tue).

Völlig klar ist, dass ich ganz ohne Unterstützung gerade nicht gut zurechtkomme. Auch mein Therapeut meinte, er hielte das nicht für eine gute Idee. Variante eins ist, ich suche mir – ggf. mit seiner Unterstützung – eine_n Analytiker_in und wir beantragen neu. Analytiker_in, weil da das mögliche Stundenkontingent höher wäre.

Ein_e neue_r Therapeut_in kann eine große Chance sein. Aber die Risiken und Unwägbarkeiten überwiegen für mich gerade. Wirklich jemanden zu finden, der in absehbarer Zeit einen Therapieplatz hat und bei dem ich irgendwie das Gefühl habe, es könnte passen erscheint mir sehr schwierig. Dann das Vertrauen aufzubauen, das ich brauche, um überhaupt an den schwierigen Themen arbeiten zu können – wieder diese Zeit und Energie zu investieren, die Unsicherheiten aushalten, die Beziehung aushandeln… ich hab gerade nicht das Gefühl, dass ich die Kraft dazu hätte.

Wenn ich bei meinem Therapeuten bleibe, habe ich da auf der einen Seite eine gewisse Vertrautheit mit ihm und dem therapeutischen Setting. Ich weiß ungefähr, worauf ich mich einlasse. Das gibt mir Sicherheit. Aber auf der anderen Seite sind da die Dinge, die „knirschen“. Seine Grenzen, an die ich sicher nicht zum letzten Mal gestoßen bin. Die Unsicherheit, ob die Kasse einer Verlängerung überhaupt noch mal zustimmt und der Umstand, dass sie wenn überhaupt wahrscheinlich nur noch ein kleines Stundenkontingent genehmigen werden.

Meine Tendenz ist gerade, es weiter mit ihm zu versuchen. Zeit gewinnen. Nicht jetzt komplett alleine dastehen.

Ich werde da noch ein paar Nächte drüber schlafen müssen. Wenn ich mal schlafen könnte, haha.

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