Wie weiter?

Ich fühle ich langsam etwas weniger verzweifelt und erstarrt. Aber immer noch ratlos bezüglich der Frage, welche Konsequenzen ich für mich aus dem Trump-Wahlsieg ziehe. Das erste, was ich gemacht habe, als ich mich wieder etwas handlungsfähiger fühlte war, an die ACLU zu spenden, die sich für die Rechte marginalisierter und diskriminierter Personen einsetzen. Ich packe Euch ein paar Links ans Ende dieses Posts. Falls Ihr spenden könnt und möchtet, wären dies ein paar Optionen. Meistens braucht man allerdings eine Kredikarte.

Was mir deutlich schwerer fällt ist zu entscheiden, was ich hier weiter tun möchte und kann, damit Deutschland nicht eine ähnliche Entwicklung nimmt. Ich mache Dinge, um Vorurteile gegen trans*Menschen abzubauen. Bin da durchaus engagiert und sichtbar – aber letztlich wäre es glaube ich gerade wichtiger, sich noch stärker gegen Rassismus zu engagieren.  Ich gehe zwar zu Demos „gegen Rechts“, aber ich habe nicht das Gefühl, dass das viel bewirkt. Denn damit erreiche ich ja nicht die, bei denen man Vorurteile abbauen müsste – diejenigen, die vielleicht noch nicht auf die Demos der -gidas und Pro-Bewegungen gehen und die vielleicht noch nicht komplett sicher sind, dass sie die AfD wählen werden. Das sind die, mit denen ein Dialog sich ja vielleicht noch lohnen würde. Aber ich hab für mich noch keine gute Idee, wie ich mich da wirksam beteiligen kann.

Ich habe auch immer noch das Gefühl, dass viele meiner Freund*innen an meinem Wohn-/Arbeitsort die Situation nicht ernst nehmen – vermutlich auch deswegen, weil sie zu einer Gruppe von Menschen gehöhren, die zumindest von Mehrfachdiskriminierungen nicht stark betroffen sind. Sie sind fast alle weißdeutsch, haben keinen Migrationshintergrund. Viele…ok, die meisten…sind schwul oder lesbisch, aber sie sind – wie ich – fast alle Akademiker*innen, leben in eher gesicherten ökonomischen Verhältnissen. Wir leben in einer sehr privilegierten Situation; sind stolz darauf, dass wir andere nicht aktiv diskriminieren.  Aber es reicht einfach nicht, sich auf die Schulter zu klopfen dafür, wie tolerant man ist, wenn man gleichzeitig mit dem Hintern auf der bequemen Couch sitzen bleibt. Und ich sitze da vielleicht ein bisschen weniger, als manche meiner Freund*innen, aber auch bei mir ist da Luft nach oben.

Und sonst in meinem Leben? Quäle ich mich mit der Frage, ob ich in eine Mietwohnung ziehen soll. Ich habe mir heute eine angeschaut und bin hin- und hergerissen. Die Vermieter*innen waren nett und politisch auf der richtigen Seite. Wir haben die Wohnung angeschaut und dann noch einen Kaffee getrunken, uns unterhalten. Sie wohnen auch in dem Haus, es wäre also wichtig, dass es passt. Ich habe mir auch ein Herz gefasst und ihnen gesagt, dass ich mitten in der Transition stecke und dass meine Dokumente noch auf den alten Namen laufen. Kein Problem, wie es scheint. Ich muss die Eindrücke von heute erst Mal sacken lassen. Dann vielleicht morgen noch mal mit meinem Mann reden, was bei ihm gerade der Stand der Haus-/Wohnungssuche ist. Aber die Entscheidung kann mir natürlich mal wieder niemand abnehmen. Das, was mir am meisten Sorgen macht ist, dass es ein Altbau ist, der vermutlich eher hellhörig ist. Ich hab Leute über und unter mir. Das macht mir viel anxiety, weil ich so extrem lärmempfindlich bin und gerade das Thema „Schlaf“ bei mir so heikel ist.

Naja. Nun schlafe ich erst einmal eine Nacht drüber, was?

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Falls Ihr für Menschen in den USA spenden wollt, die unter den Folgen einer Trump-Präsidentschaft am stärksten leiden werden, und Anregungen braucht – hier ein paar Vorschläge:

The American Civil Liberties Union, ACLU – setzt sich für die Wahrung der in der Verfassung verankterten Rechte für jede*n ein, insbesondere auch für die Rechte von Immigrant*innen: https://www.aclu.org/

The Southern Poverty Law Center, SPLC – setzt sich für die Rechte benachteiligter Gruppen ein, bekämpft Diskriminierung und Rassismus und beobachtet Hate Groups: https://www.splcenter.org/

The Trevor Project – engagiert sich für LGBTQ-Jugendliche : http://www.thetrevorproject.org/

Planned Parenthood – ist im Bereich „reproductive rights“ aktiv (sexuelle Gesundheit, Abtreibung, Verhütung), ermöglichen aber auch Hormontherapie für trans*Personen: https://www.plannedparenthood.org/

Black Lives Matter – wurde 2012 gegründet, nachdem der unbewaffnete Trayvon Martin von einem Weißen erschossen wurde; setzt sich gegen Gewalt und Rassismus ein: http://blacklivesmatter.com/

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