Therapieplatzsuche while trans*

Ich bekomme gerade schon wieder Panik wegen der Suche nach einem Therapieplatz (mit der ich mich nun eben doch auseinandersetze, weil ich nicht denke, dass ich ohne Unterstützung gut weiter durch meine ganzen Prozesse durchkomme). Ich wohne in unmittelbarer Nähe einer Großstadt – es gibt also prinzipiell schon viele Therapeut*innen. Aber wenn ich die nach meinen Kriterien filtere, wird es schon dünner.

Erstes Kriterium: ich erhöhe die Chancen, dass die Kasse die Kosten übernimmt, wenn ich das Verfahren wechsele. Bislang war ich in einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Eine Verhaltenstherapie macht bei den Problemen, die ich habe, wahrscheinlich weniger Sinn. Bleibt also eine analytische Psychotherapie – das ist das einzige verbleibende Verfahren, für das die gesetzliche Krankenversicherung aufkommt. Also bleiben mir schon nur noch die Praxen, die auch analytische Therapie anbieten.

Zweites Kriterium: Ich kann mir leider nicht gut vorstellen, an meinen Themen mit einer Frau* zu arbeiten. Das hat glaube ich teilweise damit zu tun, wie und mit wem ich gut Bindungen eingehen kann. Aber wie dem auch sei… momentan suche ich nach einem männlichen* Therapeuten. Das schränkt die Auswahl dann noch mal ganz schön ein.

Drittes Kriterium: Erreichbarkeit. Da ich nicht in der Stadt lebe, spielt es auch eine Rolle, wo die jeweilige Praxis ist. Analytische Therapie ist tendenziell hochfrequenter, als andere Verfahren. Die Fahrzeit, die ich dann unter Umständen sogar mehrmals pro Woche hätte, muss im Rahmen bleiben – ich hab ohnehin schon das Gefühl, dass ich zu viel unterwegs bin und kaum dazu komme mal Luft zu holen und runterzukommen zu Hause.

Viertens (ja, da ist noch mehr): Ich telefoniere unglaublich ungerne (ja, da könnte man sicher mit einer Verhaltenstherapie was machen, aber das ist gerade nicht mein zentrales Problem XD). Die allererste Kontaktaufnahme, um rauszufinden, ob überhaupt in absehbarer Zeit ein Therapieplatz zu bekommen wäre, mache ich daher lieber per Email. Also stehen Therapeuten* weiter oben auf meiner Liste, die eine Emailadresse und idealerweise auch noch eine Homepage angeben (wobei das kein Ausschlusskriterium ist – wenn ich bei denen nicht weiterkomme, werde ich selbstverstädlich auch telefonieren ;-)).

Dann die schwierige Entscheidung: sag ich direkt in der Mail, dass ich trans bin, oder nicht? Leider habe ich jetzt bei dem „Testkandidaten“, bei dem ich es in der Mail erwähnt hab,  schon direkt die Erfahrung gemacht, dass er mit der Begründung ablehnte, dass er sich mit dem Thema nicht auskennt (auch wenn das jetzt ausgerechnet keins meiner Kriterien ist :/). Ich habe entschieden, dass ich das in den anderen Anfragen nicht erwähne, sondern das dann eben bei einem möglichen Erstgespräch direkt von Angesicht zu Angesicht mit der Person bespreche. Das birgt zwar auch das Risiko für unschöne Erlebnisse, aber ich hoffe mal, dass die Begegnungen dann trotzdem OK sind.

Über Tante Google und die Psychotherapeut*innenkammer habe ich mir nun eine Reihe von Praxen rausgesucht und erste Anfragen rausgeschickt. Die ersten beiden Absagen habe ich auch schon.

Zusätzlich habe ich mich an zwei „Ambulanzen“ gewandt. Das sind Einrichtungen, die mit Ausbildungsinstituten zusammenarbeiten. Dort kann es etwas leichter sein, einen Platz zu bekommen, da die Therapeut*innen eben teils noch in der Ausbildung sind. Bei einer dieser Ambulanzen habe ich angerufen. Es wurde am Telefon ein kurzer Fragebogen ausgefüllt (das war schon ziemlich schreckich für mich, mal gerade einer wildfremden Person am Telefon erklären, worum es geht…). Dort soll ich mich jetzt alle vier Wochen wieder melden, um den weiterbestehenden Bedarf zu signalisieren. Die andere Ambulanz hat explizit dazu aufgefordert, per Mail Kontakt aufzunehmen… und hat sich natürlich noch nicht zurückgemeldet.

Jubel, Trubel, Heiterkeit, was?

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5 Gedanken zu „Therapieplatzsuche while trans*“

  1. Hallo Tomi,

    warum nicht VT? Das ist nicht mehr Pawlow pur und die meisten Therapeuten arbeiten da eh methodenintegrativ und wenn notwendig geht es auch nicht nur um hier und heute… Würde die Auswahl evtl. erhöhen, denke ich.

    Und auch die Frage, ob es in der nahen Großstadt eine trans* „Szene“ in irgendeiner Form gibt – nicht zum Eintauchen für dich, aber die haben meist Kontakte und Netzwerke von trans*freundlichen Therapeuten, Ärzten usw. Vielleicht lohnt es sich, da mal Kontakt aufzunehmen (Beratungsstelle?), um Adressen oder so zu bekommen…

    Auch ein wohlwollender Therapeut, der sich zum ersten Mal mit dem Thema auseinander setzt kann irgendwann anstrengend werden, weil du ihm alles erklären musst, immer wieder. Weil immer wieder irritierende Fragen kommen können, nicht aus böser Absicht aber aus Unwissenheit oder Unsicherheit heraus. Und das kann schon auch belastend sein.

    Bin selbst lesbisch und meine erste Therapeutin hatte mit dem Thema vorher (wissentlich) noch nie Berührung in ihrer Arbeit. Ich dachte, das sei egal, weil es mir nicht um das Thema ging, sondern um andere Dinge. Aber es kamen immer wieder Einwürfe: Ich würde mich ja so betont burschikos geben (WTF??) oder ich solle meine „weiblichen“ Eigenschaften nicht länger unterdrücken… Im Grunde genommen hat sie durch mich eine gratis Weiterbildung in diesen Themen bekommen. Wegen der „weiblichen“ Eigenschaften, nach viel Diskussion kam raus, dass sie meinte, ich solle meine empfindsamen Seiten mehr zulassen. Da war ich dann richtig stinkig. Weil ich diese Gleichsetzung total idiotisch fand – auch wenn sie in der Sache an sich recht hatte.
    Was ich sagen will: Der Ton macht auch die Musik – und ein Therapeut der zwar von sich behauptet, offen zu sein, aber keine Ahnung hat, wird sich zwangsläufig auch hin und wieder mal im Ton vergreifen, auch wenn seine Einwürfe vom Inhalt her sinnvoll sein mögen. Das kann unter Umständen dann viel Zeit und Energie kosten, das immer wieder neu zu klären.

    Auch noch eine Möglichkeit: Frag nochmal bei der Kassenärztlichen Vereinigung deines Bundeslandes nach wer alles in der gewünschten Regionen einen Kassensitz hat. Nicht alle Therapeuten sind auf den im Internet veröffentlichten Listen drauf.

    Wünsche dir viel Erfolg, dass du jemand findest, der gut zu dir passt, und mit dem du gut an deinen Themen arbeiten kannst!

    Alles Gute, L.

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    1. Hey Luise,

      Okay, vielleicht tue ich der VT unrecht. Ich habe im Rahmen der Behandlung einer früheren Angsterkrankung gute Erfahrung damit gemacht, bin dann aber beim Versuch meine anderen Probleme (Selbstwert/-akzeptanz) anzugehen gescheitert. Mag an dem Therapeuten gelegen haben.
      Die Erfahrung mit deiner ersten Therapeutin klingt ähnlich anstrengend, wie mit meinem letzten Thera – da hat seine Unbedarftheit ja auch mehrfach für Konflikte gesorgt. Leider ist man bei den trans*erfahrenen Therapeuten hier schnell bei Wartezeiten von 12 Monaten und mehr. Das ist für mich viel zu lange. Und der Nachteil, den ich sehe (ob er den Vorteil, nicht alles erklären zu müssen aufwiegt, weiß ich nicht) ist, dass sie u.U. alle Probleme mit dem trans* sein erklären wollen und sie im Prinzip darauf abzielen, dich möglichst schnell durch die Transition zu schleusen. Das brauche ich nicht, bzw es ginge am Kern meiner Probleme wohl vorbei.
      Danke für den Tipp mit der Ärztekammer. War bislang über die Psychotherapeut*innenkammer gegangen.
      LG Tomi

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  2. Ich würde Luise recht geben, VT nicht von vornherein auszuschließen. Viele haben z.B. eine Weiterbildung in Schematherapie oder EFT (emotionsfokussierter Therapie), was für dich hilfreich sein könnte. So viele gucken doch über den Tellerrand…Und letztlich muss man ja immer seinem Therapeuten die eigene Lebensrealität näher bringen – das gehört doch zum therapeutischen Prozess dazu. Keine Therapeutin kann in all den Bedingungen ihrer Patienten selbst Erfahrungen haben – eine offene Neugierde auf den Menschen, der einem gegenüber sitzt, ist doch eigentlich eine gute Sache, sofern es nicht zum „Zoobesuch“ mutiert ;-) ich wünsche dir viel Erfolg bei der Suche. Privat niedergelassene Theras könnten im Kostenerstattungsverfahren dein Suchspektrum auch noch erweitern.
    Und vergiss nicht, wie weit du auch schon gekommen bist – ganz ganz viel aus eigener Kraft.

    Gefällt 1 Person

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