Auf dem Eis

Diese Situation rund um meinen (jetzt Ex-)Therapeuten beschäftigt mich. Naja, wen wundert’s. Ich bin froh, dass ich trotz meiner Angst vor Veränderungen schließlich doch den Absprung geschafft habe – gerade noch rechtzeitig, wie mir scheint – und dass ich mich eben nicht darauf eingelassen habe, für das Stellen des Verlängerungsantrag privat zu zahlen. Ich finde es schon… interessant…, wie er mich jetzt zum zweiten Mal dazu bringen will für etwas zu zahlen, das nach allem was ich bis jetzt weiß eine Kassenleistung sein müsste. Klar, er übt nicht plump und offensichtlich Druck aus, aber wenn ich das Gesamt(macht)gefüge betrachtet entspricht sein Verhalten nicht gerade dem was ich mir unter einem „ethisch korrekten“ Handeln vorstelle.

In den Kommentaren zum gestrigen Beitrag bekam ich den sehr hilftreichen Hinweis, dass der Bundesmantelvertrag für Ärzt*innen unter anderem einen Paragrafen enthält, der besagt, dass Ärzt*innen von Patient*innen keine privaten Zuzahlungen zu Kassenleistungen verlangen dürfen (§18, um genau zu sein). Wenn ich es richtig verstehe, gilt dieser Vertrag auch für psychologische Psychotherapeut*innen, nicht nur für die ärztlichen. Damit würde sich mein Therapeut mit seiner Praxis, sich Verlängerungsanträge von Patient*innen vergüten zu lassen und den gezahlten Betrag bei Genehmigung der Therapie nicht komplett zurückzuerstatten, zumindest auf eher dünnem Eis bewegen.

Aber unabhängig von allem rechtlichen Kram – ich frage mich, was für eine Berufsauffassung hinter so einer Praxis steht. Wenn er der Auffassung ist, dass die Kassen ihn ohnehin nicht ausreichend für seine Leistungen vergüten, warum ist er dann in den letzten Jahren den langwierigen Weg zur Approbation gegangen? Mir ist schon klar, dass da finanzielle Notwendigkeiten bestehen können und dass eine reine Privatpraxis nicht trägt. Aber so selbstverständlich hinzugehen und die „finanzielle Last“ dann auf die hilfesuchenden Personen abzuwälzen, auf das schwächste Glied in der Kette, da gehört schon viel dazu, finde ich.

Und die Ironie, dass er mir mehr als einmal erzählt hat ich müsse mich diesem von mir als unangemessenem und ungerecht empfundenen Verfahren zur Personenstandsänderung halt „ergeben“, während er hingeht und das von ihm als unangemessen angesehene System der Vergütung durch die Kassen einfach mal zu Ungunsten der Patient*innen für sich hinbiegt – die muss man sich auch mal vor Augen führen.

Ich bin mal gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

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6 Gedanken zu „Auf dem Eis“

  1. Dass er Dich immer wieder für dein Aufbegehren gegen das System kritisiert hat… wirklich unfassbar. Scheint ein klassischer Fall von Projektion zu sein? Für mich (als Nicht-Betroffene) ist deine Wut und dein Ärger im Hinblick auf das, was dir alles abverlangt werden soll, damit du so leben kannst, wie du möchtest vollkommen nachvollziehbar. Punkt.
    Aber dass er anscheinend mit dem System „Gesetzliche Krankenversicherung“ hadert und sich seine eigenen Privatwege darin auf- und ausbaut… Hm. Da fehlen mir echt die Worte. Zumal es ethisch überhaupt nicht vertretbar ist und einen Therapieprozess auf Abwege bringen kann – wie du ja auch erfahren hast…
    Ich hoffe, du kannst ihn überzeugen, dass er dir endlich einen vernünftigen Bericht verfasst. Ohne Privatrechnung und ohne weitere Diskussion. Das ist echt anstrengend.

    Ansonsten: Du hast ja Recht auf Deine Unterlagen (Patientenrechtegesetz). Du kannst ihn also bitten, dass er dir die (bisherigen) Berichte an den Gutachter (Verlängerungsanträge) kopiert. (Das darf er dir in Rechnung stellen.) Aus denen sollte ja auch Diagnosestellung und Behandlungsverlauf hervorgehen. Vielleicht kann das ja auch weiterhelfen?
    Wäre aber gut, wenn du (andere) Unterstützung hast, wenn du diese Berichte in der Hand hast. Diese (Fach-)Sprache liest sich manchmal sehr krass und das kann einen schon ein wenig aus der Bahn werfen…

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    1. Ja, über das Thema „Unterlagen anfordern“ habe ich auch schon nachgedacht. Eventuell mache ich das, wenn ich einen neuen Therapeuten habe. Ich denke, es würde helfen, nicht ganz bei Null anfangen zu müssen. Denn ich glaube nach wie vor, dass ich mit dem alten Thera auf einige wichtige Dinge gestoßen bin. Aber wie du auch schreibst – alleine werde ich mir das nicht ansehen wollen. Allein schon, dass ich dort wahrscheinlich weitgehend als „Frau xxx“ beschrieben werde, könnte schon belastend sein – und da habe ich noch nicht eine Diagnose gelesen o_O.
      Ich hoffe wirklich, dass wir noch eine okaye Einigung über diesen Bericht finden und dieses Thema dann beide einfach abhaken können.
      Liebe Grüße und Danke für Deine unterstützenden Worte!

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  2. Ich hoffe, dein ehemaliger Therapeut schreibt dir einen positiven Bericht für die KK. Sein Verhalten ist mMn unethisch und inakzeptabel. Für die weitere Suche nach einem geeigneten Ersatz drücke ich dir die Daumen und wünsche dir viel Erfolg. Lass dich nicht unterkriegen, auch wenn das Ganze immer wieder viel Kraft, Nerven und Zeit kostet.
    LG
    Curtis

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