Therapeutenärger. Und Therapieplatzsuche. Und Familienstress.

Meine Nerven, ey. Mir reicht es ganz schön mit diesen ganzen „Projekten“, die ich da gerade neben der Arbeit noch an der Backe habe.

Mit meinem Ex-Therapeuten gab es eine „lustige“ E-Mail-Konversation. Ich versuche gerade, mich nicht mehr zu sehr darüber aufzuregen. Möglicherweise habe ich einen Aspekt, der Probleme macht, nicht beachtet – er ist kein Vertragstherapeut, d.h. die Therapie bei ihm bedurfte quasi einer „Sondergenehmigung“ der Krankenkasse. Das erschwert möglicherweise die Abrechnung des Berichts. Und bei meinem Glück sitze ich damit in irgendeiner gesetzlichen Grauzone oder Lücke.

Es entschuldigt aber aus meiner Sicht nicht die Art und Weise, wie er mich unter Druck setzt. Eine E-Mail, die ich da heute bekam hat echt noch mal einen oben drauf gesetzt. Aber mein Plan bleibt: mit der Krankenkasse die Kostenübernahme klären. Dann von ihm einen kurzen Bericht anfertigen lassen. Zahlen, was er mir ggf. zusätzlich in Rechnung stellt und dann hinterher schauen, inwieweit eine solche Forderung rechtens ist bzw. ob die Kasse mir alles erstattet.

Ziemlich aufgeregt bin ich dann zu dem Erstgespräch bei einem potenziellen neuen Therapeuten* gestiefelt. Nachdem das Gespräch am Freitag so unangenehm war, war ich doch noch mal deutlich angespannter. Und der Versuch mir vorher Gedanken darüber zu machen was ich eigentlich erzähle und was meine Hauptanliegen sind ging schief. Es war jedes Mal so, als würden meine Probleme sich in Luft auflösen – vor allem, weil ich mir immer sagte „das ist doch total albern, stell dich nicht so an“. War dann aber nicht schlimm, denn igendwie funktionierte es doch ganz gut im Gespräch.

Die Person, die mir da gegenüber saß war mir zumindest schon mal nicht unsympathisch – das ist ja ein guter Anfang. Vor dem obligatorischen Einlesen der Versichertenkarte folgte mein obligatorischer Hinweis, dass da noch mein amtlicher Name draufsteht. Ich habe dann ein bisschen erzählt, was in den letzten drei Jahren so passiert ist und warum ich nun dort bin. Er hat okaye Fragen gestellt und ich konnte viel besser erzählen, als am Freitag. Irgendwie gab es so etwas wie einen roten Faden (was eben auch an den Fragen lag, nicht nur daran wie ich es erzählt habe).

Wir haben entschieden, einen weiteren Termin zu vereinbaren. Er hat von vornherein gesagt, dass er noch nicht viel Berührung mit der trans* Thematik hatte und mich auch eher auf eine andere Praxis verwiesen hätte, wenn er das Gefühl hätte das sei alles gerade „hyper-akut“ (im Sinne von: alles frisch und noch ganz am Anfang). Aber da für mich die Weichen eigentlich soweit erst einmal gestellt sind kann er sich prinzipiell vorstellen an meinen Themen mit mir zu arbeiten (was nicht heißt, dass wir das Thema trans* aussparen – ich habe schon deutlich gemacht, dass das sicher eine Rolle spielt beim Thema Körperbild und auch Selbstwert). Nur den Begriff „Umwandlung“ muss ich ihm abgewöhnen o_O.

Ein Ding ist noch, dass er hauptsächlich Gruppentherapie anbietet – wobei eine Einzeltherapie auch möglich wäre. Da habe ich gewisse Vorbehalte und wahrscheinlich auch Vorurteile. Die Vorbehalte sind, dass ich nicht so Lust habe, vor einer Gruppe den ganzen Trans*Kram auszubreiten. Vor allem würde das bedeuten, dass ich mich vor der ganzen Gruppe outen muss, was ich nicht unbedingt möchte – noch mal mehr, wenn ich die einzelnen Gruppenmitglieder nicht einschätzen kann. Das zweite, was ich fürchte ist, das ich nicht über die wirklich schlimmen Sachen sprechen kann. Ich finde es schon schwer genug, in eine einzelne Person genug Vertrauen zu fassen. Aber gleich in eine ganze Gruppe? Oh je. Aber erst mal abwarten, wie der Therapeut das einschätzt.

Und dann noch Familienstress. Wegen – Überraschung! – Weihnachten. Meine Mutter möchte gerne meinen Mann und meine Schwiegermutter mit einladen. Letztere weiß von nichts und ersterer spricht mit konsquent mit Geburtsnamen an. Das sind keine Bedingungen, unter denen ich diesen für mich eh schon negativ besetzten Abend verbringen möchte. Wie unwohl ich mich mit dieser Situation fühle hatte ich meinen Eltern schon mal gesagt, als es um eine Geburtstagsfeier ging. Sie wissen das also. Wenn das jetzt wirklich so kommt, werde ich mir irgendeine Ausrede einfallen lassen und gar nicht kommen. Ich weiß, dass es für meine Eltern auch schwer und traurig ist, dass meine Ehe zerbrochen ist. Das macht es für mich auch noch mal schwerer, meine Bedürfnisse zu kommunizieren. Aber so einen Abend halte ich echt nicht aus.

Mir hat heute schon eine Begegnung mit meinem Geburtsnamen im Fitnesssstudio gereicht. Die wollten ein neues Foto beim Check-in machen und die Person sang dann dabei „So sieht <Geburtsname> aus, shalalalala“. Orrrrrrrrr. Geh doch weg. Ich hab dann gesagt „Nee, so sieht <Tomi> aus. Ich hab bloß den Namen noch nicht geändert“. Hat die Person aber natürlich nicht verstanden.

Ich zieh mir jetzt ein neues altes Hörbuch auf den mp3-Player und die Bettdecke über den Kopf.

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4 Gedanken zu „Therapeutenärger. Und Therapieplatzsuche. Und Familienstress.“

  1. Es macht mich immer wieder fassungslos, wie Menschen miteinander umgehen.

    Gerade Eltern, die ihr Kind lieben sollten und es darin unterstützen, glücklich leben zu können – egal, auf welche Art, wo und wie dieses Glücklichsein funktioniert und wodurch es entsteht; was es braucht und bedarf…
    Oder eben auch Therapeuten, deren (selbst gewählte) Arbeit das ist.

    Und solche Leute im Fitnesstudio, welche doch ganz deutlich Dienstleister sind.
    Die an dir ihren Dienst leisten (sollten).

    Wie können sich solche Menschen derart ignorant, oberflächlich, dumm und widerwärtig egoistisch verhalten, dass sie nur ihre eigenen Bedürfnisse; den eigenen Blickwinkel oder gar die eigene Belustigung (an dir) sehen?
    Ich wünsche dir weiter viel Kraft und vor allem andere Menschen um dich, die dich mögen, wie Du bist.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich find auch gerade, dass es mal reicht :/.
      Wobei ich zur Verteidigung der Person im Fitnessstudio sagen muss, dass ich dort nur mit dem Geschäftsführer gesprochen habe wegen der bevorstehenden Namensänderung… Das Fettnäpfchen konnte die Person also nicht kennen.

      Gefällt 1 Person

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