Therapieplatzsuche (3)

Content note: Der Beitrag erwähnt im zweiten bis vierten Absatz selbstverletzendes Verhalten (SVV) und Suizidgedanken. Ich kennzeichne Anfang und Ende der Thematik mit ******.

 

Heute war die zweite probatorische Sitzung bei dem potenziellen neuen Therapeuten. Am Anfang der Sitzung hat er noch mal kurz zusammengefasst, was er sich letztes Mal notiert hatte – es klang so, als wären die wichtigen Punkte angekommen. Wir haben ein paar Formalien besprochen und dann konnte ich entscheiden, ob wir eine „freie Sitzung“ machen oder ob ich lieber noch Fragen beantwortet haben möchte. Ich habe mich für die Testsitzung entschieden. Mir ist es gerade wichtiger, ein Gefühl dafür zu bekommen wie das so läuft im Gespräch mit ihm.

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Ich hatte mir vorgenommen, das Thema SVV anzusprechen. Letztes Mal hatte sich irgendwie keine gute Gelegenheit ergeben. Heute bin ich über meinen Schatten gesprungen, wohl wissend dass es sonst für mich wahrscheinlich mit jeder Sitzung schwerer wird. Also rein in die Kartoffeln. Letztlich habe ich ihm jetzt mehr über das Thema erzählt, als meinem alten Therapeuten. Das fiel mir tatsächlich leichter, wahrscheinlich auch, weil noch nicht so eine Bindung da ist wo ich mir zu große Sorgen darüber mache, was diese Person jetzt wohl von mir hält. Wir haben über das wie, wo, wann gesprochen. Auslöser. Ich habe gemerkt, dass ich über die konkreten Auslöser eigentlich nicht so viel Klarheit habe, wie ich dachte. Die Frage, wie ich mich fühle vorher, hinterher, welche Gedanken da eine Rolle spielen… Ich konnte das nicht gut in Worte fassen. Es ist oft so ein „Hass auf mich“ oder „Überwältigt von allem“ Gefühl. Aber das ist sehr schwammig.

Er hat mir ein paar Denkanstöße gegeben. Und wir haben darüber geredet, ob ich damit aufhören will. Ich will, aber auf der emotionalen Ebene merke ich auch einen Widerstand dagegen – klar, das Verletzen erfüllt natürlich auch eine Funktion. Bislang war es immer so, dass ich mir dachte „das hört schon wieder auf, wenn deine anderen Probleme gelöst sind“ – also, ich habe gehofft, dass es geht wie es gekommen ist (dass mich das Thema on und off schon seit bestimmt 15 Jahren begleitet spricht wohl eher dagegen….). Ich habe mit meinem alten Therapeuten nie konkret an dem Thema gearbeitet. Er hat es irgendwie ausgespart und ich hab es nicht geschafft, es immer wieder selbst anzusprechen, wenn es akut war. Der neue Therapeut würde jetzt erst daran arbeiten wollen, bevor wir so richtig in den „Analysekram“ einsteigen. Puh. Die Vorstellung mich jetzt in dieser Phase, in der eh alles schwer ist, damit auseinandersetzen zu müssen ist nicht verlockend. Aber ich möchte mich damit auseinandersetzen.

Im Schlepptau kam dann auch noch die Frage inwieweit die Verletzungen mit Suizidgedanken verknüpft sind. Sind sie nicht unmittelbar, aber die Suizidgedanken gibt es halt trotzdem immer wieder. Gut. Ist das auch auf dem Tisch.

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Wir haben jetzt für die nächste Woche noch einen Termin gemacht – dann kann ich bis nächstes Jahr überlegen, was ich machen möchte. Bis jetzt ist er mir nicht unsympathisch und es kam noch nichts, das ich total abschreckend fand. Das ist schon ein gutes Zeichen. Es dauert bei mir eine ganze Weile, bis ich mich wirklich auf jemanden einlassen kann. Und letztlich ist es auch so, dass diese fünf probatorischen Sitzungen für mich wahrscheinlich nicht ausreichen um beurteilen zu können, ob sich da eine gute Bindung entwickeln wird oder halt nicht. Hat was von Roulette. Und Blindflug.

Mal ein paar Gedanken und Überlegungen zur Entscheidungsfindung. Er ist mir, wie gesagt, nicht unsympathisch. Er hat auf die schweren Themen gut reagiert. Er textet mich nicht zu, aber bietet Interpretationen/Denkanstöße an. Und wenn ich das mit der Sitzung vergleiche, die ich bei dieser Ambulanz hatte, liegen da Welten dazwischen.

Ich nehme ihn als etwas weniger steif und förmlich wahr, als den Ex-Thera. Er spricht schneller und wirkt weniger, als würde er jedes Wort auf die Goldwaage legen. Er wirkt damit auf mich auch etwas weniger verbindlich im Moment. Ich weiß noch nicht, wie ich das finde. Er wirkt auf mich auch irgendwie „glatter“…ohne dass ich das näher erklären könnte. Und er strahlt für mich zunächst wenig „Wärme“ aus, weniger noch als mein Ex-Therapeut. Auch da weiß ich noch nicht, wie ich das bewerte. Also, ich weiß gar nicht ob ich „Wärme“ suche in dieser Art von Beziehung. Oder suchen sollte.

Worüber ich mir gerade Gedanken mache, ist die Frequenz der Sitzungen. Die Praxis liegt gut zehn Minuten zu Fuß von meiner Arbeitsstelle und wenn ich das mit der Teamleitung abspreche, ist es sicher unproblematisch, wenn ich auch mal (vor)mittags Termine dort mache. Aber wenn ich mir vorstelle vielleicht zwei Mal die Woche dort hin zu gehen, mache ich mir schon Sorgen, wie ich das mit meiner Arbeit und allem anderen so unter einen Hut bringen kann. Vielleicht spreche ich das bei der nächsten Sitzung noch an.

Jedenfalls ist meine Tendenz gerade, nicht weiter zu suchen, sondern bei diesem Therapeuten zu bleiben. Wobei da immer noch das Thema Gruppenanalyse im Raum steht, mit dem ich mich auch noch beschäftigen müsste je nachdem.

Ach. Außerdem habe ich heute ja wieder mit der Krankenkasse telefoniert. Mit der gleichen Person, wie letztes Mal. Sie war sehr nett am Telefon und hat mir bestätigt, dass wir insofern aneinander vorbeigeredet und -geschrieben haben, als sie davon ausging, dass mein Ex-Therapeut ein Vertragstherapeut ist. Jetzt muss sie sich noch mal bei der Therapie-Abteilung erkundigen, wie eine Abrechnung des Berichts da möglich wäre. Ich bin einerseits froh, dass sie das weiter verfolgt – finde es aber schon auch merkwürdig, dass es für so einen Fall kein Verfahren gibt. Kommt das wirklich so selten vor? Die Person meinte dann auch, dass ich – wenn es mit dem Bericht nicht klappen sollte – eben die Gutachten zur Personenstandsänderung einreichen soll und es so versuchen soll. Im ersten Moment dachte ich, nett dass sie nach Alternativen sucht. Aber irgendwie ärgert es mich auch, weil sie die Kosten damit auf mich abwälzen.

Morgen geht es weiter mit dem Befunde sammeln….bei meiner „Frauen“ärztin. Mal schauen, ob die es hinkriegen Namen und Anrede schon anzupassen. Und ich freue mich schon drauf das erklären zu „dürfen“, wenn ich da morgen um 8 mit einer langen Schlange im Rücken am Empfang stehe. Seufz.

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