Feiertagsfeelz

So, jetzt ist es fast geschafft dieses Weihnachten. Ich bin sehr froh, wenn es vorbei ist. Heiligabend war der allerschlimmste Tag. All the Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle, Nichtmehrwollen-Gefühle.

Aber auch der Tag und die Nacht sind vorbei.

Es gab echt viel, das mich runtergezogen hat. Obendrauf dann noch so Kleinigkeiten. Heiligabend fiel mir auf, dass Freund*innen sich das erste Mal seit bestimmt sieben, acht Jahren nicht gemeldet haben. Sie kommen zu Weihnachten nach Deutschland und wir treffen uns sonst immer zum Falafelessen. Ich freue mich da jedes Jahr drauf.

Bei unserem Treffen letztes Jahr habe ich sehr mit mir gerungen, ob ich mich outen soll. Aber ich hab’s nicht geschafft. Irgendwie kam der richtige Moment nicht. Und so gehörten sie halt zu denjenigen, die es über ein soziales Netzwerk erfahren haben. Und zu denjenigen, die überhaupt nicht auf die Namensänderung reagiert haben.

Von allen möglichen Reaktionen ist das glaube ich diejenige, die mich am meisten verunsichert. Nicht zu wissen woran ich bin – ob ich mit Unterstützung und Akzeptanz rechnen kann, oder ob ich mich für Ablehnung wappnen muss – finde ich ziemlich schwer. Es führt auch dazu, dass ich von mir aus keinen weiteren Anlauf unternehme, im Kontakt zu bleiben. Ob das eine sinnvolle Taktik ist, darüber kann man streiten. Aber die offensichtlichen Kontaktabbrüche, die ich im letzten Jahr erlebt habe, gehen mir schon nah genug. Mein Bedarf mir dann noch eine zusätzliche „Abfuhr“ einzuholen ist eher gering.

Heute kam dann übrigens eine Nachricht von den beiden und ich weiß nicht, was ich davon halten soll und wie ich reagieren soll. Für ein Treffen blieb dieses Mal keine Zeit. Und dann so ein „Ich nehme an, wir sollen jetzt <Tomi> sagen?“. Die Formulierung drückt bei mir die falschen Knöpfe, weiß auch nicht. Wahrscheinlich, weil mein Hirn dieses „sollen“ in „voll umständlich, aber wenn’s sein muss“ übersetzt.

Morgen ist Weihnachten endlich vorbei und ich muss nur noch Silvester überstehen. Das wird ungefähr so schlimm und schwierig wie Heiligabend. Oder vielleicht schlimmer, weil der Jahreswechsel für mich halt noch mal stärker den Blick darauf lenkt, wieviel Angst ich vor der Zukunft habe, und wie wenig Hoffnung, dass es irgendwann doch mal okay ist.

Es gibt ein Ziel für 2017: ich will raus aus der Depression.

Okay. Zwei Ziele. Raus aus der Depression und endlich raus aus dieser kraftraubenden „Wohngemeinschaft“ mit meinem Mann.

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8 Gedanken zu „Feiertagsfeelz“

  1. Für deine Ziele wünsche ich dir alles Gute. Was Deine Freund*innen betrifft: sie sind vermutlich verunsichert oder vielleicht auch ärgerlich, über dein Outing und deine persönlichen Veränderungen nicht direkt von dir etwas erfahren zu haben. Mir würde es jedenfalls so gehen. Trotzdem melden sie sich und thematisieren, was mit dir ist. Ich denke: lass dich bzw. dein Gehirn lieber nicht von einzelnen Formulierungen verrückt machen, solange die Richtung stimmt ;-) Alles Liebe für 2017!

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  2. Kopf hoch, 2017 wird alles besser (ein leerer Spruch, zugegeben, aber warum schon mit hängendem Kopf ins neue Jahr starten?)
    Ich denke deine Freundinnen akzeptieren dich so wie du bist. Sieh die Nachricht (sollen wir jetzt Tomi sagen…) doch als Bestätigung das sie Anteil an deinem Leben nehmen – und wenns nur aus der Ferne über FB ist. Vielleicht ist das eine subtile Art dir zu zeigen „ich hab es mitbekommen!“ (Zumindest würde ICH an ihrer Stelle wohl genau soetwas schreiben)

    Ich wünsche dir nur das Beste für die Zukunft!
    Lg, Sarah

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