Impostor

Heute war die nächste probatorische Sitzung beim neuen Therapeuten und wir machen uns langsam an die konkreten Vorbereitungen des Antrags an die Kasse. Das bedeutete heute, dass wir noch mal versucht haben alles, was ich an „Symptomen“ so mit mir rumtrage zu dokumentieren. Damit hat der Therapeut mich insofern kalt erwischt, als wir letztes Mal vereinbart hatten, wir würden uns das Biografische anschauen.

Symptome? Meine Gefühle, Ängste, „Macken“ beschreiben zu müssen ist ein Garant dafür, dass ich augenblicklich jede Erinnerung ans „schlecht Fühlen“ und jeden Kontakt zu mir selbst verliere.

Ich habe dann das Gefühl, ein Hochstapler zu sein, dem es in Wirklichkeit überhaupt nicht schlecht (genug) geht. Schließlich geht es anderen so viel schlechter als mir. Und ich gehe ja noch arbeiten, mache regelmäßig Sport. Bin ja gar nicht komplett abgestürzt. Dass dieses ganze (scheinbare) Equilibrium entsetzlich zerbrechlich ist und wahrscheinlich sofort kaputt geht, wenn ich die Kontrolle über ein winziges Detail verliere, zählt ja schließlich nicht.

Leider habe ich dann in Situationen, in denen ich schildern soll wie es mir geht, zusätzlich noch das Gefühl, keine adäquaten Worte zu finden. Und ich glaube, ich wirke in diesen Situationen halt auch nicht niedergeschlagen oder traurig (hello, internalisierte Stereotype über Depression, ich hör euch trapsen). Das ist nichts, was ich anderen zeigen kann oder vielleicht will. Und dann spiele ich Dinge runter. Das habe ich heute leider auch gemacht, aber insgesamt habe ich mich für meine Verhältnisse ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt.

Uff.

Außerdem habe ich jetzt auch den zweiten Begutachtungstermin – der ist in zwei Wochen, wobei ich bei dieser Person zwei Termine wahrnehmen werden müsse.

Und ich hab endlich in der Hormonepraxis angerufen, um sie an den Bericht für meinen Mastekantrag zu erinnern. Darauf warte ich jetzt auch schon sechs Wochen. Eigentlich soll ich den auch zum Begutachtungsgespräch nächste Woche mitbringen, aber das wird wohl eher nix.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, was?

Advertisements

3 Gedanken zu „Impostor“

  1. Hi,Tomi,

    ich wünsche dir weiterhin gute Nerven und Durchhalten bei all dem (sinnlosen) bürokratischen Kram, den du bewältigen musst. Das Gefühl, ein impostor zu sein, kenne ich nur zu gut. Lass es nicht gewinnen, denn jede*r hat ein Recht darauf zu sagen, dass es ihnen nicht gut geht, unabhängig davon, was im Leben anderer los ist.

    LG
    Curtis

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s