All the pain money can buy

 

Content note: Depression, Suizidgedanken

Ich hänge durch. Die letzten Tage waren irgendwie schlimm und ich sehr traurig. Ich zweifele im Moment und hinterfrage die Entscheidungen, die ich in den letzten zwei Jahren getroffen habe. Diese Zweifel sind beängstigend und es hat eine Weile gedauert bis ich verstanden habe, dass es bei der Frage „hätte ich besser als Frau weitergelebt?“ nicht darum geht wer ich bin oder nicht. Es ist kein Zweifel an meiner Identität, sondern Ausdruck der Trauer darüber, dass ich die allerwichtigste Bezugsperson in meinem Leben verloren habe durch die Entscheidung im richtigen Geschlecht (oder zumindest einem richtigeren) zu leben. Mein Mann, egal wie er sich jetzt auch verhält, war sehr lange bedingungslos für mich da und er war der einzige Mensch, bei dem ich mich sicher und aufgehoben gefühlt habe. Das bekomme ich nie zurück.

In den letzten Tagen habe ich mir ein paar Mal gewünscht, ich hätte ihm nicht erzählt was mit mir los ist. Ich hab mir ein paar Mal gedacht „das war es nicht wert“. Und mir ist sehr klar, dass ich wahrscheinlich nicht in einem Stück hier sitzen würde, wenn ich nicht angefangen hätte mein Leben zu ändern, aber trotzdem fühlt es sich in diesem negativen Strudel an, als sei es das nicht wert gewesen. In solchen Momenten denke ich bei mir „dann wär die ganze Scheiße halt jetzt schon vorbei und das wäre auch ok“. Diese Gedanken sind am Samstagabend sehr eskaliert, aber bevor sonst noch was eskalieren konnte ist mein Mann nach Hause gekommen und ich hab den Weg ins Bett gefunden und geschafft einzuschlafen. Sonntag habe ich vornehmlich heulend und Serien guckend im Bett und auf der Couch verbracht und heute war ich bei meinen Eltern und bin nachmittags noch eine Runde mit dem Rad gefahren. Morgen gehe ich wieder arbeiten und hab dann hoffentlich einfach nicht mehr so viel Zeit, diese quälenden Gedanken zu denken. Frei haben tut mir auf einer bestimmten Ebene echt nicht gut, obwohl ich kräftemäßig ziemlich am Limit war und die freien Tage dringend gebraucht habe.

Samstag hatte ich übrigens noch einen Anruf von der zweiten Begutachtungsperson. Ganz großes Kino. Das mit dem Gutachten ist so schwierig, weil die drölfzigtausend Fragebögen die ich ausfüllen musste ergeben haben, das eine Depression vorliegt. Mach‘ Sachen?! Warum ich die denn wahrheitsgemäß ausgefüllt hätte? Tja. Die Ironie ist, dass ich zu der Person sagte „Wenn ich die ausfülle werden Sie feststellen, dass ich eine Depression habe“ und als Antwort bekam „Das hat keinen Einfluss“. Und es ist nicht so, als hätte ich nicht überlegt, wie wahrheitsgemäß ich antworte (und bestimmte Sachen habe ich halt überhaupt nicht erwähnt – Suizidgedanken zum Beispiel). Aber: ich habe dort nach dem Gespräch bestimmt fünf verschiedene ziemlich umfangreiche Fragebögen ausgefüllt, die alle letztlich was ähnliches testen, alle mehr oder wenig ähnlich fragen, aber halt nicht exakt identisch. Und einen Fragebogen sollte ich zu Hause ausfüllen. Nicht wahrheitsgemäß zu antworten hätte wahrscheinlich zu irgendwelchen ziemlich auffälligen Ungereimtheiten geführt – und die Sorge, mich deswegen noch mehr von diesem Mist über mich ergehen lassen zu müssen war mindestens genauso groß, wie die Sorge das die Depression Probleme macht. Tja. Vor dem Gutachten gruselt es mich jedenfalls jetzt schon, weil ich am Telefon ein paar Sachen zu hören bekam die ich angeblich gesagt haben soll, die ich aber definitiv nicht gesagt habe.

Kackcistem.

Haha, außerdem hab ich jetzt einen Ohrwurm weil ich googeln musste woher eigentlich der Beitragstitel noch mal kommt. Ist der Titel eines Fastball-Albums mit zwei Songs, die ich rauf und runter gehört habe damals:

„Nowhere road“ und „Out of my head“.

Tja.

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16 Gedanken zu „All the pain money can buy“

  1. Ich wünsche dir viel Kraft. Freie Zeit und Feiertage sind immer die Hölle, viel zu viel Gelegenheiten zum grübeln und denken. Zum ablenken hätte ich dir ähnliches empfohlen, schrecklich/ tolle Serien, frische Luft oder manchmal auch wenig anspruchsvolle Romane zum lesen oder hören.

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