Alles schwebt

…und das ist nicht gut. Unsicherheit macht bei mir ein Überforderungsgefühl. Mich machen diese ganzen schwebenden / noch offenen Themen bei denen „irgendwann mal“ eine Entscheidung ansteht echt fertig. Ich habe das Gefühl, das alles voneinander abhängt und ich irgendwie keinen Pflock einschlagen kann so lange alles andere noch in der Schwebe ist. Das lähmt mich. Aber eins nach dem anderen Abarbeiten funktioniert irgendwie auch nicht, damit wäre ich in drei Jahren dann noch beschäftigt, fürchte ich.

Mich stresst die Wohnsituation bzw. die Wohnungssuche und ein Teil dieses Stresses ist hausgemacht. Ich habe ja dieses eine Neubauprojekt im Auge und würde das gerne „festzurren“, aber von Seiten des Maklers* und Bauträgers geht das nur schleppend voran. Diese Wohnung soll Mitte nächsten Jahres bezugsfertig sein, also brauche ich was zur Miete in der Zwischenzeit. Ich besichtige Wohnungen. Aber gleichzeitig gucke ich halt auch noch weiter nach Wohnungen zum Kauf, weil ich mich nicht drauf verlassen kann die eine favorisierte Wohnung zu bekommen. Und weil ich denke, dass ich doch vielleicht noch etwas finde, wo ich sofort einziehen kann ohne diese Zwischenlösung „Miete“, die zusätzliches Geld und Nerven kosten wird.

Tja. Ich verfange mich in so Denkschleifen wie „was ist wenn ich jetzt was miete, aber dann doch noch was zum Kauf finde wo ich sofort einziehen kann?“. Dann habe ich was zugesagt, die Vermieter*innen haben anderen Personen abgesagt, ich habe vielleicht schon einen Mietvetrag unterschrieben und dann muss ich alles wieder zurückabwickeln und verursache allen (mir eingeschlossen) jede Menge Ärger und auch unnötige Kosten. Ich habe nicht gelernt, mit sowas umzugehen. Und dieses Stressgefühl ist gerade sehr real, weil ich mir gestern eine Wohnung angeschaut habe die echt ganz schön wäre, bei der ich mich aber heute zurückmelden muss.

Dann die Frage: was ist wenn ich die Mastek-OP wieder Erwarten doch irgendwann demnächst mal genehmigt bekomme? Wie schnell bekomme ich einen OP-Termin? Was ist, wenn ich unmittelbar nach der OP umziehen müsste? Ich kann dann nichts tragen. Für den Umzug und die Phase des „sich einrichtens“ wäre das echt maximal unpraktisch (bzw. ich denke, es wäre einfach nicht machbar).

Und bevor ich aber überhaupt drüber nachdenken kann, eine Finanzierung für die von mir favorisierte Wohnung auf die Beine zu stellen, muss ich mit meinem Mann eine notarielle Trennungsvereinbarung treffen. Das ist emotional auf so viele Arten schwierig, dass ich auch das vor mir herschiebe. Jetzt gerade haben wir hier mal 20 min gesessen und darüber gesprochen und jetzt sitze ich hier am Küchentisch und heule – weil es so real macht, dass ich so viel von dem, was mir ans Herz gewachsen ist verlieren werde.

Naja und vor dem Hintergrund erscheint mir „eine Mietwohnung“ suchen so, als würde ich den vierten Schritt vor dem ersten machen, aber andererseits halte ich es auch nicht mehr aus, mit meinem Mann unter einem Dach zu wohnen glaube ich.

Komplexitätsreduktionsszenario 1 wäre: warten, bis sich das mit der favorisierten Eigentumswohnung mit Fertigstellung 2018 entscheidet. Wenn das geklärt ist eine Mietwohnung für den Übergang suchen. Hätte den Vorteil, dass ich besser planen kann und vielleicht auch schon für die Mastek einen genaueren Zeitplan habe.

Komplexitätsreduktionsszenario 2: jetzt sofort was mieten und nicht mehr nach weiteren Eigentumswohnungen suchen bis sich das mit der Eigentumswohnung für 2018 entscheidet.

Ich glaube, Szenario 1 ist mir gerade lieber aber ich habe das Gefühl, ich rede es mir schön und favorisiere es auch deswegen, weil es mir ermöglicht eine Entscheidung (die für den Auszug) aufzuschieben. Ich finde es so ätzend, dass ich meinen Gefühlen nicht diesbezüglich vertraue.

Arrrggggghhhhh!

Aber, on the bright side, hatte ich gestern einen ganz schönen Tag. Ich war bei einer Demo, bei der mit viel Musik, Ballons und Konfetti gegen Rechts protestiert wurde. Ich bin froh, dass ich dort nach meinen Wohnungsbesichtigungen noch hingefahren bin. Dank der Medienberichterstattung im Vorfeld hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl, aber es war wirklich ziemlich okay. Bevor der Demozug losging hatte ich eine Situation, die ich etwas stressig fand, weil ich plötzlich am Rand einer (fröhlichen, aber großen) Menschenmasse in einer ziemlich engen Straße stand und das Gefühl hatte weder vor noch zurück zu kommen. Aber zum Glück hat sich das nach einer Weile wieder entzerrt und der Demonstrationsszug durch die Stadt selbst war schön. Es macht mir echt immer wieder etwas Hoffnung für die Welt, wenn ich sehe wie viele so ganz unterschiedliche Menschen sich da zusammenfinden. Ich weiß, dass solche Demos nicht viel konkret bewirken – aber sie geben mir das Gefühl, dass es eben doch viele Menschen gibt, deren Werte offenbar irgendwie eine Schnittmenge haben mit meinen. Realistisch (pessimistisch?) betrachtet ist diese Schnittmenge wahrscheinlich oft nicht groß – aber es gibt sie. Es gab natürlich einige Aussagen auf Plakaten die ich kritikwürdig finde, weil sie behindertenfeindlich waren oder transfeindlich. Aber es gab eben auch ganz viele gut – kreativ und nicht „-istisch“ (also sex_istisch_, etc.) – formulierte Sprüche auf den Bannern und Plakaten.

Mein heimlicher Favorit wurde von einem Kind begeistert am Straßenrand geschwenkt: ein Bild von einer Katze, die die Zunge rausstreckt mit dem Slogan „AfD wegschlecken“ :-D.

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