Tomi vs the Cistem, Teil 3

Ich hatte heute meinen Gerichtstermin in Sachen Vornamens- und Personenstandsänderung. Im Vorfeld war ich … vor allem genervt. Schon dieses ganz große Kino mit Vorladung und so. Nun ja. Dafür war weniger Platz für Nervosität. Aber der Termin heute war wohl auch eher Formsache. Denn wenn es irgendwelche Zweifel an den Gutachten gegeben hätte dann hätten sie ein drittes angefordert und mich nicht vorgeladen.

Ich war dann im Vorfeld aber schon ein bisschen hin- und hergerissen zwischen „rebellieren wollen“ und „eingeschüchtert sein von dem Setting“. Letzteres äußerte sich dann darin, dass ich mich nicht getraut habe mein Einhorn T-Shirt anzuziehen ;-). Aber immerhin bunte Socken. Gemustert. Mit MÄDCHENFARBEN(tm) drin!!!!111

Weil ich nicht genau wusste wie lange ich an der Sicherheitsschleuse würde warten müssen und auch desorientiertes Sitzungssaalsuchen einkalkuliert hatte, war ich eine gute halbe Stunde zu früh am Raum. 11 Uhr. Da standen schon zwei Parteien, den Gesprächen nach zu urteilen in der gleichen Angelegenheit dort. Eine Person war schon fertig, auf eine zweite Person wurde noch gewartet. Gesprächsfetzen über OPs und Hormone. Die zweite Person kam raus und die Gruppe ging weg, sodass ich alleine im Wartebereich saß. 11:10 Uhr. Noch 20 Minuten.

Nach etwa einer Minute ging dann aber schon die Tür zum Sitzungssaal auf und die Richterin* steckte den Kopf raus. „Warten Sie auf mich?“ Fand ich eine nette Art und Weise zu vermeiden mich mit dem alten Namen/falscher Anrede aufzurufen (falls es so gedacht war – vielleicht war es auch nur Zufall). Also an ihr vorbei rein in den Raum. Irgendwie hatte ich erwartet, dass er weniger wie ein richtiger Gerichtssaal aussehen würde. Nun denn. Er sah aus wie ein „richtiger“ Gerichtsaal im Miniformat: erhöhter Richter*innentisch, dann auf der „unteren Ebene“ zwei sich gegenüber stehende Tische für gegnerische Parteien und Anwält*innen oder so. Vis-à-vis zum Tisch der Richterin ein kleiner Tisch an den ich mich setzen sollte.

Sie fragte nach meinem Namen und nach meinem Ausweis. Dann wollte sie wissen seit wann ich als Mann lebe und wann ich das erste Mal den Gedanken hatte ein Mann zu sein. Zu meiner kurzen Antwort machte sie Notizen und sprach sie dann in ein Diktiergerät. Wie die Reaktionen meines Umfelds gewesen seien? Gleiches Prozedere. Dann teilte sie mir mit, dass sie zwei Gutachten vorliegen habe (Name der Gutachter*innen) die beide zu dem Schluss kommen, dass ich die Bedingungen dafür erfülle meinen Vornamen und den Personenstand ändern zu dürfen. Sie schließe sich der Empfehlung der Gutachter*innen an und wird das Urteil entsprechend fällen. Das ganze nochmal ins Diktiergerät fürs Protokoll. Dafür stellt sie dann auch noch fest: „Die Antragstellerin hat ein eindeutig männliches Erscheinungsbild“. Wie gut dass die Socken nicht mit im Bild waren. NICHT AUSZUDENKEN ;-).

Dann erklärte sie mir noch wie es weitergeht (Protokoll wird verfasst, dann geht der Beschluss in die Post, Mitteilung an das Geburtsstandesamt zur Änderung des Eintrags in der Geburtsurkunde) und zack war ich draußen. 11:17 Uhr. Das ganze hat weniger lang gedauert als ich gebraucht habe diesen Text zu schreiben.

Gefühle habe ich dazu gerade irgendwie keine. Ich bin immer noch genervt von dem Prozedere, obwohl die Richterin* prinzipiell sehr nett war – aber das macht das Begutachtungssystem als solches nicht besser.

Dass ich mich gerade eher indifferent fühle liegt aber glaube ich auch daran, dass ich noch sehr viel Anspannung habe wegen des Wohnungskaufs. Die Kommunikation mit der Bank über die der aktuelle Hauskredit finanziert wurde – und die mich aus diesem Kredit entlassen müsste damit ich meine Finanzierung wie geplant machen kann – gestaltet sich schwierig. Ich hoffe, dass ich morgen eine klare Aussage dazu habe. Und dann ist morgen auch der … jetzt hätte ich beinahe geschrieben „Scheidungstermin“. So weit sind wir noch nicht. Also: der Notariatstermin für die Beurkundung der „Scheidungsfolgenvereinbarung“ in der mein Mann und ich Zugewinn- und Versorgungsausgleich etc. regeln. Auf der Suche nach den benötigten Geburtsregisternummern hatte ich gerade dann unsere Heiratsurkunde in den Händen und jetzt laufen die Tränen laufen natürlich doch.

Naja. Morgen im Büro freue ich mich erst Mal wieder über die goldenen Luftballonbuchstaben die dort von der Decke hingen als ich vom Gericht zurückkam. Ein Glück, dass ich mir nur einen kurzen Namen ausgesucht habe – sonst wär den Kolleg*innen bei der Hitze beim Aufpusten noch die Puste ausgegangen ;-).

 

 

 

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4 Gedanken zu „Tomi vs the Cistem, Teil 3“

  1. Hey, einen Schritt weiter. Das ist immerhin etwas und du hast diesen Termin überstanden. Die Luftballon-Idee finde ich sehr nett :-).
    Für die weiteren Etappen auf der Reise wünschen ich dir viel Erfolg und dass alles möglichst reibungsfrei verläuft.

    Gefällt 1 Person

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