So, so müde

Leute, was waren die letzten Tage für ein Höllenritt. Ich bin so fertig mit der Welt. Montag: Anhörung vor Gericht. Dienstag: Trennungsvereinbarung beim Notar. Schwarz auf weiß haben, dass die Ehe vorbei und die Beziehung am Ende ist. Noch vorher erfahren, dass die Bank meines Mannes die Entlassung aus dem alten Kredit nicht zeitnah bewilligt, sondern plötzlich eine ziemliche Menge Bedingungen stellt. Seit gut drei Wochen wissen die, das ich dieses Schreiben benötige für die Finanzierung der neuen Wohnung. Eine Woche vor dem Kauftermin kommen sie damit. Ich bin so wütend. Ich hätte den Kauftermin gar nicht auf nächste Woche gelegt, wenn ich das gewusst hätte – die haben mich ins offene Messer rennen lassen.

Dann seit Mittwoch hin und her mit dem Kreditvermittler und der Bank, die die Wohnung finanzieren soll. Keine Finanzierung ohne die Schuldentlassung. Dann ging es um die Frage ob vielleicht eine Reduzierung der Rate für den alten Kredit Abhilfe bringt. Da hat mein Mann sich dann aber leider verrechnet und die Reduzierung, die wir hätten erreichen können, hätte nicht ausgereicht. Die neue Bank rechnet halt so: so lange ich in der Haftung mit drin bin, wäre das worst case scenario dass ich beide Raten tragen muss. Das ist mit meinem Gehalt nicht darstellbar. In der Nacht kaum geschlafen, mal wieder.Völlig übermüdet und aufgelöst ins Büro.

Heute vormittag wurde dann klar, dass die Variante mit dem Ratenabsenken nicht funktioniert. Dann schlug der Kreditvermittler vor, auf ein Angebot einer anderen Bank zu gehen, die nicht auf die Entlassung aus der Schuldhaftung besteht. Die hätte die Verträge bis zum Notartermin zwar nicht fertig gemacht, würde aber eine Finanzierungsbestätigung schicken. Das reicht fürs erste. Drüber nachgedacht. Zugestimmt. Ich bekomme die Unterlagen per Mail zugeschickt. 20 Minuten später ein Anruf: die Bank macht die Finanzierung auch nicht. Weil: Meinem Mann eine vermietete Eigentumswohnung gehört und die Miete, die er für diese Wohnung nimmt laut deren Berechnungsmodell zu niedrig ist um die Kosten für diese Wohnung zu decken. Das ist so absurd. Ich war zu dem Zeitpunkt ohnehin aber so durch, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Damit hab ich den Kreditvermittlungsmenschen erstmal in die Wüste geschickt (naja, aufs Abstellgleis).

Mittlerweile stand auch fest, dass die Bank meines Mannes uns nicht mal einen Zeitrahmen sagen kann/will bis zu dem sie die Entscheidung bezüglich meiner Entlassung aus dem Kredit trifft. Das heißt ich hätte noch nicht mal den Kauftermin beim Notar verschieben können, weil ich nicht weiß wie lange das noch dauert. Letzter Strohhalm: bei mir lag noch ein Finanzierungsangebot von der Bank, über die auch die Immobilie vermittelt wurde. Es ist kein schlechtes Angebot, aber es hat einen Unsicherheitsfaktor (Bausparvertrag) und ich hatte mich deswegen eigentlich dagegen entschieden – auch weil es sehr kompliziert zusammengebaut ist und die Konstruktion für mich nicht gut verständlich ist. Aber egal. Die Bank besteht laut telefonischer Auskunft nicht auf der Entlassung aus der Schuldhaftung. Ich hoffe inständig, dass sie dabei bleiben. Ich traue mich nicht drüber nachzudenken was ist, wenn das nicht klappt. Und weil ich am Dienstag auch noch auf Dienstreise bin habe ich das Gespräch um die Finanzierung festzuzurren erst am Mittwoch. Das ist der Tag des Kaufs.

I am doomed.

Mir ist schlecht, ich bin mit den Nerven am Ende.

Zwischendurch durfte ich gestern nachmittag noch einen Vortrag halten. Übers trans* Sein, den Umgang mit trans* Personen in der Gesellschaft, Gesetze, Diskriminierung… „Durfte“ ist eigentlich nicht ironisch gemeint. Ich hatte mich sehr drauf gefreut. Aber der Stress die letzten Tage hat natürlich dazu geführt, dass ich nicht so gut vorbereitet war wie ich mir gewünscht hätte. Und dass ich 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung noch aufgeregte Telefonate wegen des Kredits führen musste hat auch nicht zur Entspannung beigetragen. Es hat aber trotzdem ganz gut geklappt glaube ich. Es waren gar nicht mal so wenige Leute da – trotz des warmen Wetters. Einige aktuelle Kolleg*innen und frühere Kolleg*innen aus meiner Zeit an der Uni waren dort. Ein früherer Kollege und Freund hat die Veranstaltung organisiert und mich auf eine sehr nette und persönliche Art vorgestellt – ich glaube, wir hätten beide beinahe ein Tränchen verdrückt ;-) (leider muss ich ihm noch mal schonend beibringen, dass man bitte nicht einfach so den alten Namen einer trans* Person vor versammelter Zuhörer*innenschaft ausplaudert /o\).

Der Vortrag hat Spaß gemacht und ich habe mal 90 Minuten nicht an die ganze Kredit- und Immobilienkacke gedacht. Meine Sorge vorher war ob ich eine okaye Balance hinbekomme dabei, sowohl Zuhörer*innen gerecht zu werden die sich mit dem Thema trans* und Geschlecht noch gar nicht so viel beschäftigt haben – und solchen, die in der Thematik selbst erfahren sind und mit einem ganz anderen Vorwissen kommen und denen ich zum Beispiel auch sprachlich gerecht werden wollte (z.B. durch die Verwendung gender-inklusiver und/oder geschlechtsneutraler Formulierungen wo möglich). Obwohl ich das in der schriftlichen Kommunikation ziemlich verinnerlicht habe, merke ich ganz oft dass es mir im mündlichen noch etwas schwerer fällt. Das hat nicht so sehr damit zu tun, dass mir die Formulierungen nicht einfallen würden sondern eher damit dass ich oft etwas „Angst“ vor den Reaktionen der anderen habe – vor allem wenn ich nicht genau weiß wie die so drauf sind beim Thema Gender.

Naja – ich hoffe, dass ich es ganz gut hinbekommen habe. Eventuell könntet ihr das selbst an einem Audiofile überprüfen ;-). Ich habe den Vortrag auf dem Handy aufgenommen (sprich: Audioqualität ist murks) und werde ihn eventuell auch teilen. Vorher muss ich ihn mir allerdings noch mal anhören und das ist die richtige Herausforderung – 48 Minuten meinem eigenen Vortrag zuhören…..au weia ;-). Falls ich mich entscheide das Audio zu teilen, lasse ich es Euch wissen :).

Jetzt ist der Post schon lang genug, aber eins wollte ich doch noch erzählen. In meiner Zeit an der Uni habe ich so Ende der 90er Jahre/Anfang der 2000er dort die Namensänderung einer Person mitbekommen, die an einer zentralen Unieinrichtung arbeitete. Wir kannten uns eigentluch nur per Telefon und Email, hatten aber häufig Kontakt. Es hat mich damals sehr berührt, als die Nachricht der Namensänderung kam – und ich habe damals überhaupt nicht verstanden warum. Kurz darauf hat die Person die Uni dann verlassen. In den letzten zwei Jahren habe ich immer mal wieder an diese Person gedacht, mich gefragt wie es ihr wohl geht und mich auch gefragt was sie wohl denken/sagen würde, wenn sie von mir wüßte. Tja. Und ratet, wer bei meinem Vortrag war? Erst war ich mir nicht sicher, aber nach dem Vortrag habe ich sie angesprochen und bingo – ich hab mich total gefreut!

So. Jetzt versuche ich mal, trotz sehr starker „highway to hell“ Gefühle zu schlafen.

Die Tatsache, dass das Geld das mein Mann mir gestern überwiesen hat (mein Eigenkapital für den Wohnungskauf) immer noch nicht auf meinem Konto eingetroffen ist. Ich will nicht deswegen jetzt auch noch Ängste ausstehen müssen :-/.

I am doomed, for sure /o\.

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2 Gedanken zu „So, so müde“

  1. echt nicht, oder? allein hat lesen hat mich wütend, traurig und ziemlich fassungslos gemacht. das klingt so unglaublich belastend und zugleich ermüdend. immerhin hattest du diesen schönen moment nach dem vortrag. wegen all dieser anderen f*** up dinge hoffe ich, dass sich doch noch etwas zum positiven bewegt und du dich über diese besch*** zeit retten kannst. denke an dich.

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