Begegnungen

Heute wollte ich seit langer Zeit mal wieder mit „meiner“ Schwimmgruppe Kaffee trinken gehen. Und weil eine aus der Gruppe meinte, der Trainer hätte nach mir gefragt bin ich nicht direkt ins Café gegangen, sondern zum Schwimmbad um einfach mal Hallo zu sagen. Hingefahren, „Hallo“ gesagt. Dann habe ich auf die Schwimmleute gewartet. Ich hatte so eine Idee, dass es ein bisschen unangenehm werden könnte – es gibt in der Gruppe einen Typen der irgendein Problem mit mir hat. Wir sind früher einigermaßen ausgekommen, aber das ist ordentlich gekippt. Die letzten Male, die ich mit im Café war, hat er mich wie Luft behandelt und konsequent kein Wort mit mir gewechselt. Das hat mich genervt, aber da war die Situation so, dass ich dort schon saß und auf die anderen als Gruppe gewartet habe. So war es nicht so eine 1:1 Konfrontation und ich hab mich zwischendurch auch gefragt, ob ich mir das irgendwie nur einbilde.

Naja. Ich hab es mir nicht eingebildet. Ich habe da im Schwimmbad gewartet, es kam die erste Person aus der Schwimmgruppe runter und wir standen im Eingangsbereich und haben uns unterhalten. Dann kam der Typ als nächstes aus dem Umkleidebereich. Guckt. Ich grüße ihn, er guckt weg, geht wortlos an uns vorbei und setzt sich woanders hin. Ich hab ihm erst ein bisschen fassungslos hinterher geguckt und meinte dann zu der anderen Person nur, dass ich auf so eine Scheiße keine Lust habe und jetzt gehe. Und weg war ich. Das war ein bisschen eine Kurzschlussreaktion und ich ärgere mich darüber, aber andererseits habe ich echt keine Energie, mich so einem Verhalten jetzt den Vormittag lang auszusetzen. Ich kann nur ahnen, was das Problem ist – wahrscheinlich eine bunte Mischung aus Homo- und Transfeindlichkeit (der ist so der Typ „Ich hab ja nichts gegen Schwule aber…“) und der Tatsache, dass ich ihn ein paar mal für rassistische und sexistische Äußerungen kritisiert (naja, sagen wir eher angemotzt) habe.

Das Erlebnis hat mich ganz schön runtergezogen. Natürlich gibt es einen Anteil von mir der sagt ich „müsse“ über sowas drüber stehen. Tja. Tue ich aber nicht. Zum einen, weil ich mit Ablehnung nicht gut umgehen kann. Gerade solche Sachen wecken Erinnerungen an meine Schulzeit, die ich lieber nicht hätte. Und diese Situation bedeutet leider wohl auch, dass ich mich von der Idee verabschieden kann ich könnte nach der Mastek vielleicht wieder in das Training mit dieser Gruppe einsteigen. Damit bin ich nach der Radfahrgruppe eine weitere Gruppe „los“ mit der ich zusammen Sport treiben konnte. Es macht mir echt viel aus, dass das jetzt auch wegbricht.

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10 Gedanken zu „Begegnungen“

  1. Das tut mir so leid für dich 😦
    Es ist einfach so ein fieses Gefühl, gerade, wenn es in einer Umgebung passiert, wo man eigentlich einfach die Freizeit genießen will…ich wünsch dir viel Kraft und dass du vielleicht bald eine neue Gruppe mit lieben Menschen findest. Halt durch!

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    1. Danke Dir! Ich werde mal schauen, ob ich nicht vielleicht in einem schwul-lesbischen Sportclub Anschluss finden kann – vielleicht ist die Akzeptanz da ein bisschen größer. Es gibt hier einen und sie haben sogar eine Rennradgruppe.

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      1. Aja das klingt nach der coolen Idee – auch prima, wenn es sowas gibt in deiner Gegend, am Land sieht’s da ja oft eher mager aus…
        Ich halte Daumen, dass du da schnell Anschluss findest 🙂

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  2. In meinem Chor hat sich neulich eine Sopranistin darüber kaputtgelacht, dass ich trotz männlichen Körpers einen weiblichen Vornamen habe. Aber deshalb würde ich doch nicht den Chor mit all seinen lieben Menschen aufgeben. Okay, bei dieser Sopranistin gibt es vielleicht mehr Hoffnung als bei diesem rechtsradikalen Menschen in Deiner Schwimmgruppe. Vielleicht geht es ihm auch gar nicht in erster Linie um Deine Trans*Identität, sondern darum, dass Du ihn kritisiert hast und vermutlich intellektuell erheblich überlegen bist. In jedem Fall ist er einer von vielen, und die Frage ist, ob Du allein seinetwegen wirklich die Gruppe und dieses Hobby aufgeben musst, die Dir wichtig sind. Gerade jetzt hast Du ungeheuer viel Stress, aber wenn sich alles geordnet hat, vielleicht hast Du dann Kraft und Lust, zur Schwimmgruppe zurückzukehren. Die anderen (mit einer Ausnahme) werden sich sicher freuen.

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    1. Liebe Johanna, ich hoffe die Sopranistin kriegt noch die Kurve und entschuldigt sich bei dir!
      Ich bin momentan entschlossen, mir eine andere Gruppe zu suchen. Das Training ist das eine, aber es ist Teil der Gruppenaktivitäten hinterher noch gemeinsam zu frühstücken. Da die Gruppe klein ist, sitzen wir da alle um einen Tisch und es ist eine Situation, auf die ich keine Lust mehr habe. Strapaziert meine Nerven echt zu sehr…

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      1. Danke für Deine liebe Antwort. Nee, das hat keinen Sinn, diese Sopranistin zu konfrontieren. Ich denke, sie ist psychisch nicht ganz auf der Höhe, und abgesehen von dieser Episode ist sie meistens recht freundlich. Da will ich nicht die gute Stimmung verderben, mit etwas, das vermutlich nichts Gutes bewirken würde. Vor einiger Zeit habe ich mal den Chorleiter zu einem Vier-Augen-Gespräch beiseite genommen. Das war, weil er die Angewohnheit hatte, von Männern bzw. Frauen zu reden, und ich, als Tenor, zählte da zu den Männern. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass er von Frauen bzw. von Bässen und Tenören spricht. Das hält er auch äußerst gewissenhaft ein, bekommt zum Dank jedesmal ein Lächeln von mir, und so hat er auch einen Grund, sich zu freuen. Das Gespräch hat sich gelohnt, aber mit dieser Sopranistin Diskussionen anzufangen, würde, glaube ich, nicht lohnen.

        Ich hoffe, dass Du andere Gruppen findest, in denen Du Dich wohler fühlst!

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