Fight or flight

Content note: Mobbing, Schule, soziale Phobie. Falls ihr das nicht lesen möchtet, springt einfach zum letzten Absatz – da gibt es netteres zu lesen :-)

Ich fühle mich gerade sehr antriebslos und müde. Wahrscheinlich spielen die bevorstehenden Veränderungen eine Rolle, aber auch – auf der gesellschaftlichen Ebene – ein Gefühl von Ohnmacht das mir gerade mal wieder sehr präsent ist. Das hat viel damit zu tun, wie über trans* Personen in den Medien berichtet wird; und auch damit, wer überhaupt in den Medien und „der Gesellschaft“ gehört wird. Da sind Mechanismen und Prozesse am Werk die letztlich dafür sorgen dass marginalisiert Menschen weiter marginalisiert bleiben. Es ist sehr schwer, das aufzubrechen. Ich fühle mich gerade nicht gut vorbereitet und „gewappnet“ darüber zu mehr zu schreiben, aber es wird dazu bestimmt bald noch mal einen Beitrag (oder Beiträge) hier geben.

Tja, und auf der persönlichen Ebene. Mich beschäftigt immer noch (meine Reaktion) auf den nervigen Typen vom Schwimmen. Ich habe das Feld geräumt, „kampflos“ sozusagen, weil ich das Gefühl habe keine Kraft für die Auseinandersetzung zu haben. Einerseits denke ich mir, ich hab keine Verpflichtung mich mit dem Typen auseinanderzusetzen. Habe ich auch nicht – aber das ist andererseits nur die halbe Wahrheit. Denn die Person der ich damit schade bin ich selbst. Dadurch, dass ich dem Konflikt aus dem Weg gehe verliere ich etwas, was wichtig war – Anschluss, Sozialkontakte, ein Gefühl von Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Mit etwas Abstand (und weil andere mich mit der Nase drauf gestoßen haben, ahem) sehe ich, dass das natürlich ein Muster ist das ich wiederhole. Dieses Muster hat glaube ich viel damit zu tun, was ich als Jugendlicher in der Schule erlebt habe. Ich wurde gemobbt, gehörte nirgendwo dazu und habe glaube ich versucht mich zu schützen, indem ich mich isoliert habe. Das ging über mehrere Jahre. Mit dem Abi habe ich allen Kontakt zu Mitschüler*innen abgebrochen, mit einer Ausnahme. Wenn ich jemanden aus meinem Abijahrgang sehe, gehe ich in Deckung. Wobei, mittlerweile erkennen Leute mich auch nicht mehr, was sehr cool ist :D.

Aber ich schweife ab. Ich habe jedenfalls in dieser Zeit keine positiven Erfahrungen damit gesammelt, für mich einzustehen und mich zu behaupten. Gewachsen ist in dieser Zeit auch eine soziale Phobie die es mir ziemlich unmöglich gemacht hat mit fremden Menschen in Kontakt zu treten. Die Angst abgelehnt zu werden, irgendwas falsch zu machen, mich lächerlich zu machen…. viel zu groß. Es hat mehrere Jahre Therapie gebraucht, mich wieder halbwegs „funktional“ im Kontakt mit anderen Menschen zu machen, aber die Verhaltensmuster sind mir geblieben. Ich erkenne sie jetzt meistens ganz gut und gehe wenn möglich nicht in die Vermeidung, auch wenn meine „Angstmelder“ anschlagen. Aber wenn ich in einen Konflikt gerate schaffe ich es nicht, für mich einzustehen sondern gebe nach und/oder ziehe mich einfach komplett aus der Situation raus. Konfrontationen halte ich exakt null aus. Umso mehr, wenn ich das Gefühl habe dass ich nicht einer einzelnen Person gegenüberstehe, sondern halt einer Gruppe. So war es in der Schwimmgruppe, wo ich von den anderen keine Unterstützung im Konflikt bekomme, und es gab dieses Jahr noch eine andere aber teils ähnliche Situaton in anderem Zusammenhang. Das Resultat war jedenfalls auch da das gleiche: ich hab mich rausgezogen (allerdings war das etwas vielschichtiger und verstrickter, als die Schwimmsache).

Und was mach ich jetzt mit dieser Erkenntnis? Muster durchbrechen klingt so gut, ist aber leider auch schwer. Vor allem, wenn sie aus eher schlimmen Erfahrungen entstanden sind.

Und sonst noch? Heute war ich das drölzigste Mal im Notariat – dieses Mal, um die Grundschuld für die Bank auf die Wohnung eintragen zu lassen. Im Gepäck hatte ich den rechtskräftigen Beschluss zur Namensänderung (und übrigens auch meinen vorläufigen Perso!). Damit kann ich nämlich jetzt die Vormerkung für die Eintragung ins Grundbuch auf den neuen Namen machen und muss es später im Grundbuch nicht noch ändern. Dazu hat der Notar* dann so aus dem Stegreif einen sehr komplizierten Satz handschriftlich in die Urkunde eingefügt. Der war so lang, dass eigentlich kein Platz dafür war und die Schrift wurde immer kleiner und kleiner. Ich musste ein bisschen lachen – und die Person, die das nachher entziffern muss tut mir auch ein bisschen leid. Jedenfalls steht da jetzt so etwas wie „Der Erschienene (also ich) beantragt unter Vorlage einer beglaubigten Ablichtung des Beschlusses xy des Amtsgerichts xy dass die Eintragung der Vormerkung und so weiter und so fort auf den Namen TOMI erfolgen soll“ (ich krieg es nicht mehr ganz zusammen, aber war allerschönstes Jurist*innendeutsch ;)). Die Kreditverträge habe ich am Mittwoch unterschrieben und kann darunter jetzt also auch einen Haken machen.

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