Wut oder Traurigkeit oder was weiß ich

Ich hab schon wieder den Kaffee auf. SO RICHTIG!

Aber ist vielleicht ganz gut, weil es mich von meiner ganzen Traurigkeit und überhaupt einer ganzen Reihe von Gefühlen die ich noch nicht mal richtig benennen kann ablenkt. Ich habe heute morgen die Debatte zur Eheöffnung geschaut und hatte da (wenig überraschend) eher gemischte Gefühle. Zum einen aus den Gründen, über die ich schon geschrieben habe. (Zu dem Beitrag habe ich auch noch ein paar gute Update-/Nachtrags-Anregungen bekommen, da kommt demnächst also noch was zur Ergänzung und Klärung).

Hundert Mal „Ehe für alle“ hören und denken „Aber es ist keine Ehe für alle!“. Aber auch: homofeindliche Politiker*innen hören müssen, die von ihren „Werten“ und vom Kindeswohl reden dass es einem speiübel werden konnte. Und das gleiche potenzierte sich dann im Verlauf des Tages in den Medien. Da ist dieser entsetzliche, homofeindliche Kommentar in der FAZ (wenn er euch noch nicht begegnet ist, seid froh und belasst es dabei). Als ich heute Mittag kurz das Radio anmachte, kam im WDR 5 irgendein Kritiker zu Wort – bevor er das Wort „Identitätspolitik“ zu Ende ausgesprochen hatte war das Radio auch schon wieder aus. Echt – könnt ihr nicht einfach mal einen Tag solchen Leuten _keine_ Plattform dafür bieten, ihren Hass in die Welt zu posaunen?

Ich habe tatsächlich den Tag über dann erst einmal nicht mehr in die Medien geschaut. Irgendwie war mir alles zu viel. Und irgendwie hatte das auch damit zu tun, dass ich mich „außen vor“ gefühlt habe bei der Freude und Fröhlichkeit meiner Freund*innen und Bekannten – ich glaube, weil ich selbst gerade so traurig bin keinen Platz und keinen Menschen mehr zu haben, an_bei dem ich mich aufgehoben fühlen kann. Überhaupt tue ich mich gerade mal wieder schwerer mit dem „Leben meistern“.

Da kommt mir eine „Ich hab den Kaffee auf!“ Emotion gerade recht, weil Wut manchmal echt besser auszuhalten ist für mich als diese ständige Traurigkeit.

Zum Kaffee also! (Content note für die nächsten zwei Absätze für „Untenrumorgane“ und Krebsvorsorge)

Kaffee Nummer 1 geht kommt von meiner Krankenkasse. Bei denen hatte ich angefragt, wie nach meiner Personenstandsänderung die Abrechnung geschlechtsspezifischer Vorsorgeuntersuchungen erfolgen kann – und zwar geht es mir da natürlich insbesondere um die „gynäkologische“ Krebsvorsorge. Ich wusste schon, dass das Probleme geben kann – wobei es anscheinend von Kasse zu Kasse verschieden ist. Meine Kasse stellt sich (halb)quer. Eine Person erklärte mir am Telefon, dass eine Abrechnung über eine gynäkologische Praxis nicht möglich wäre und ich in Zukunft in eine urologische Praxis gehen müsse. Auf meine etwas flapsige Bemerkung, dass ich dann jetzt also darauf warten könnte Gebärmutterhalskrebs zu bekommen meinte die Person am Telefon, dass das „der Urologe“ doch auch untersuche könne. Ah ja.

Ich bin erstens mit meiner „Untenrumärztin“ sehr zufrieden und vetraue ihr. Zweitens habe ich „hier“ gerufen, als Endometriose verteilt wurde. Auch da wäre es mir deutlich lieber, wenn meine Ärztin mich da weiter betreuen würde. So. Was mich aber zudem skeptisch macht: wieso soll eine urologische Praxis bei einem männlichen Patienten einen Gebärmutterhalsabstrich besser abrechnen können, als eine gynäkologische Praxis? Das nämlich meinte meine Ärztin schon, dass sie da die Software überlisten müsste. Naja. Ich habe mit der Person von der Krankenkasse nicht weiter diskutiert sondern meinte nur, ich hätte diese Auskunft gerne schriftlich. Dass die so etwas nicht gerne schriftlich rausgeben, habe ich schon gelernt – klar, weil dann habe ich ja was in der Hand, wogegen ich Beschwerde einlegen kann. Die Person sagte mir zu, eine Email zu schreiben. Mal sehen ob/wann ich die bekomme. (Und wenn es hart auf hart kommt, dann gilt Email glaube ich gar nicht als „schriftlich“ – d.h. ich nerve so lange, bis ich einen Brief habe). Mit dem Thema gehe ich nämlich auf jeden Fall noch mal zum VDK (dem Sozialverband in dem ich Mitglied bin) und schaue dann, wie ich dagegen Widerspruch einlegen kann.

Kaffee Nummer 2 wurde noch Mal freundlichst von unserer Bundesregierung gesponsert. Wenn ich eine Hoffnung mit der Eheöffnung verbunden hatte dann, dass es in Zukunft „Regenbogenfamilien“ endlich, endlich etwas leichter haben könnten. Und, was lese ich heute beim LSVD?

Das „Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ hat an den Abstammungsregeln nichts geändert.

Mutter eines Kindes ist weiterhin nur die Frau, die das Kind geboren hat (§ 1591 BGB).

Für Kinder, die in eine Ehe hineingeboren werden, bestimmt zwar § 1592 Nr. 1 BGB, dass der Ehemann der zweite rechtliche Elternteil des Kindes ist, gleichgültig ob er tatsächlich der biologische Vater des Kindes ist oder nicht. Aber diese Vorschrift ist nicht um die „Ehefrau der Mutter“ erweitert worden. (http://www.lsvd.de/nc/recht/ratgeber/ehe-fuer-alle.html)

Sprich, es wird weiterhin eine Stiefkindadoption erfolgen müssen, wenn die verheirateten Eltern eines Kindes beide einen weiblichen Personenstand haben. Das heißt, weiterhin werden solche Paare diskriminiert und benachteilig – und dieses Adoptions-Verfahren ist keinen Deut „angenehmer“, als eine Vornamens-/Personenstandsänderung.

REPARIERT DAS, PRONTO!

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13 Gedanken zu „Wut oder Traurigkeit oder was weiß ich“

  1. Es ist wichtig, diesen Punkt mit der Stiefkindadoption immer wieder zu thematisieren. Das fehlte gestern in jedem Medium (außer eben beim LSVD und den dazugehörigen Facebookseiten).
    Ich habe lange mit meiner zukünftigen Ex-Lebenspartnerin und Ehefrau (hach ja, wie lustig!) darüber gesprochen und wir werden, wenn sie tatsächlich mit Nr. 3 schwanger werden sollte, auf eine Stiefkindadoption verzichten, alles, was möglich ist, notariell absichern (nur blöd im Falle einer Trennung) und dann den Rechtsweg einschlagen. Das muss gekippt werden.

    Wie ist es eigentlich, wenn du endlich alles hinter dir haben wirst, dich rechtlich zu 100% als Mann bezeichnen darfst, eine Ehe mit einer Frau eingehst und diese schwanger wird. Dass du nicht der leibliche Vater sein wirst, ist klar. Aber da ihr ja eine Hetero-Ehe darstellt, wärst du automatisch der rechtliche Vater. Nicht wahr?

    Wobei der LSVD auch schreibt: „Das Abstammungsrecht soll in der nächsten Legislaturperiode umfassend an die neuen Familienformen und die neuen medizin-technischen Zeugungsmöglichkeiten angepasst werden“. Steht das fest oder ist es Wunschdenken? Der Forderungskatalog ist keineswegs rechtsverbindlich.

    (Siehe Punkt 4: http://www.lsvd.de/recht/ratgeber/ehe-fuer-alle.html)

    (Ich „spamme“ gerade queere Blogs mit dem Aufruf, die Stiefkindadoption anzufechten und wiederhole mich daher ein wenig. Aber wir müssen an diesem Thema dranbleiben. Und ganzen Baustellen im Zusammenhang mit T und I in LGBTI werden auch nicht verschwiegen.)

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    1. Ich bin auch über den LSVD drauf aufmerksam geworden (hab es gestern auch in meinem Post schon erwähnt).

      Ich vermute, ich würde dann in so einer Ehe wie oben skizziert tatsächlich als „Vater“ gelten. Aber: wenn ich einen Mann heiraten würde, ein Kind gebären würde – und zwar egal ob gemeinsam gezeugt oder auf anderem Wege – würde ich rechtlich als Mutter gelten und mein Partner als Vater – ohne Adoption (vermute ich)! Denn der Ehemann ist ja in dem Gesetz berücksichtigt, egal ob leiblicher Vater oder nicht. Wenn hingegen eine trans Frau und eine cis Frau zusammen ein Kind zeugen vermute ich stark, dass die trans Frau auch adoptieren müsste, oder? Das ist so absurd alles!

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      1. Wegen solcher Beispiele wird die Unterscheidung auch irgendwann fallen, die muss man einfach sammeln und immer wieder anführen. Auch wenn damit dann „Transschicksale“ instrumentalisiert werden.

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      2. Einfach nur absurd das Ganze! Wir waren uns immer sicher, dass das Thema Stiefkindadoption mit einer Eheöffnung erledigt ist, und jetzt sowas… Ich verstehe überhaupt nicht, wieso überhaupt in irgendeinem Gesetz nach Geschlecht unterschieden wird. Da ja eigentlich „alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind“, sollte doch auch überall nur von „Menschen“ die Rede sein. Damit wären dann auch die gesetzliche Diskriminierung von trans- und intergeschlechtlichen Personen passé, oder übersehe ich da was?

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      3. Ich würde mir auch wünschen, dass unser Rechtssystem viel häufiger ohne die Bezugnahme auf Geschlecht auskäme. Ja, trans* und inter* Personen wäre damit viel geholfen. Z.B. kann eine Person ohne Geschlechtseintrag (was sowohl bei inter* als auch trans* möglich ist, soweit ich weiß) nicht heiraten. Denn nur wer vom Personenstand männlich oder weiblich ist, kann heiraten.

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  2. ich schreibe mal kurz was zur Sache mit der KK: Genau das Spiel hat meine PKV auch mit mir gespielt. Ich sollte wechseln und ca. 20 Euro weniger pro Monat zahlen, hätte dafür aber bei der PKV nochmal extra schriftlich zustimmen müssen, dass sie meinen Personenstand ändern, obwohl das ja bereits rechtlich erfolgt ist. Genau wie du wollte ich etwas in Schriftform, das mir genau zusichert, bestimmte medizinische Leistungen weiterhin erstattet zu bekommen – Nada…. allgemeines BlaBla in dem Brief und ich habe im Sinne meiner Gesundheit und Nerven darauf verzichtet, bei meiner PKV mit richtigem Personenstand geführt zu werden. Aber nein….. es gibt keine Diskriminierung in Deutschland – auf keinen Fall!!! *Sarkasmus off*
    Ich hör jetzt auf zu schreiben, weil mich solche Dinge unglaublich aufregen.

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    1. Na DAS ist ja auch eine … interessante … Variante. Die Person von der GKV hat mir gesagt, dass das Geschlecht mit dem ich bei denen gelistet bin von dem in meiner Rentenversicherungsnr codierten abhängt. D.h. sobald das geändert ist, müssen sie das auch ändern. Ich frag mich gerade, ob ich sie hätte bitten können, nur meinen Namen anzupassen auf der Karte? Abr GKV und PKV sind ja auch noch mal ganz unterschiedlich…. Hilfe o_O

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  3. Oh my Goooood! Guckst du hier: http://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Artikel/07042017_AK_Abstimmung_Abschlussbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=4

    Ja, es ist nur ein Abschlussbericht und keine Gesetzesänderung, aber wenn so ein stockkonservativer Haufen solche Empfehlungen verabschiedet und bereits jetzt in allen Medien kommuniziert wird, dass das Abstammungsrecht reformiert werde (nicht „würde“), stimmt mich das doch optimistisch.
    Ok, es ist auch Wahlkampf, aber dennoch.

    Vom LSVD selbst kam die Empfehlung, auf keinen Fall auf die Stiefkindadoption zu verzichten, um dem Kind eine Rechtsunsicherheit zu ersparen. Also natürlich nur bis o.g. Punkte umgesetzt wurden.

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    1. Das sind ja gute Nachrichten!!!
      Kleiner Wermutstropfen aus meiner Perspektive ist, dass der AK die Frage ob ein gebärender Mann als Vater (oder mit anderer Bezeichnung) ins Geburtenregister eingetragen werden kann, nicht behandelt bzw. hierzu keine Empfehlung abgibt (S. 74). Sprich: diese Personen werden weiterhin als „Mutter“ eingetragen. Aber wenigstens sind wir die Stiefkindadoption hoffentlich bald los!
      Und dass sie das Thema trans und inter überhaupt erwähnen ist vielleicht auch schon ein Fortschritt :D

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      1. Auf beiden Geburtsurkunden meiner Kinder steht „Eltern“ und dann die Namen meiner Partnerin und mir (plus Geburtsdatum). Also nicht die Bauchmama unter „Mutter“ und die andere unter „Vater“ oder „Mutter 1“ und „Mutter 2“ oder „leibliche Mutter“ und „Adoptivmutter“. Natüüüürlich wurde uns nach der ersten Adoption zunächst die bisher bekannte mit mir als Vater ausgestellt (Hahaha, wir lachten sehr…. NOT!), aber kostenlos durch die o.g. ersetzt.
        Also solltest du einmal ein Kind gebären, musst du im Standesamt einfach auf die o.g. Version bestehen, die müsste es mittlerweile überall geben.
        Um mit einem weiteren Mythos aufzuräumen: In Geburtsurkunden wird heute niemals beim Feld „Vater“ „unbekannt“ eingetragen. Das Feld bleibt einfach leer, bis sich was verändert (dann wird die Urkunde neu ausgestellt). Bei meiner Partnerin war es 1982 (DDR) noch anders: In ihrer Originalurkunde stand zunächst „unbekannt“, dann wurde das durchgestrichen und der Name ihres Vaters eingetragen, mit dem Vermerk „Vaterschaft anerkannt am …“ und 2010 erfolgte der Zusatz „adoptiert von …“ mit dem Namen ihres Stief-, dann Adoptivvaters. Für unsere Verpartnerung hat sie sich dann eine neue Urkunde gegönnt, das Gekrickel kann man ja niemandem zeigen. 😀 😀 😀

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      2. :D Da war der Weg zur richtigen Urkunde aber auch lang.

        Ich bin in dem Bereich nicht besonders firm, schon gar nicht aus eigener Erfahrung weil keine Kinder – aber es gab 2014 ein Urteil wo es genau um so einen Fall geht. Dem gebärenden Mann wurde der Eintrag als Vater verweigert. Er musste sich als Mutter mit den alten Vornamen eintragen lassen.

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