Laufen lassen

Content note: Krankenhaus, Vorbereitung Operation

Uff (mal wieder). Heute war ich in der Klinik in der die Mastektomie durchgeführt wird – zur vorstationären Aufnahme. Das heißt, ich habe das ganze Aufnahmeprozedere durchlaufen und durfte dann aber wieder nach Hause fahren. Montagmorgen um 9 muss ich dort wieder auf der Matte stehen. Ich hab‘ mich in der zentralen Aufnahme angemeldet, habe den Fragebogen für die Narkose ausgefüllt, hatte ein kurzes Vorgespräch in der plastischen Chirurgie und dann noch – nach 2 Stunden Wartezeit- in der Anästhesie. Wir sind überein gekommen, dass sie mir wegen meiner Mastzellenproblematik mit der Narkose auch H1- und H2-Rezeptorblocker geben. Das sind Antihistaminuka, wie man sie auch bei Allergien nimmt und sie helfen mir hoffentlich dabei die Narkose und OP besser zu wegzustecken. Leider ist mein Körper ganz schön in Alarmbereitschaft und ich leide gerade sehr unter den Symptomen. Ich verkriech‘ mich auch gleich nur noch im Bett, ich bin ziemlich platt. Insgesamt war ich acht Stunden unterwegs heute, davon ungefähr 3 Stunden im öffentlichen Nahverkehr, den Rest in der Klinik.

Das erste Mal geheult habe ich, als ich auf die U-Bahn wartete, die mich zur Klinik bringen sollte; als ich dachte, wieviel einfacher das alles wäre wenn ich einen unterstützenden „Herzmenschen“ an meiner Seite hätte. Stattdessen gehe ich auch diesen Schritt allein. So richtig ging die Heulerei dann los, als ich draußen vor der Klinik auf einer Bank saß, vor dem Gespräch in der Anästhesie. Mit meinem Mann (also dem von „früher“) als Unterstützung wäre es alles so viel einfacher. Gleichzeitig sitze ich da alleine, weil ich es so entschieden habe. Freund*innen haben mir angeboten mich zu begleiten, ich hab‘ es abgelehnt. Aus hundert Gründen, aber vielleicht hat es am meisten damit zu tun dass ich es nicht aushalte, wenn andere mich „bedürftig“ erleben. Also allein.

Das einzige, was mein Mann nach einem Tag „Bedenkzeit“ zum Thema OP zu sagen hatte: „Hast du dich denn auch über die Risiken einer solchen Operation informiert“. Exakter Wortlaut. Die Frage reiht sich ein in eine lange Reihe von Fragen, bei jedem Schritt den ich gemacht habe, ob ich es mir denn auch gut überlegt hätte. Ob ich mir über die Konsequenzen klar sei. Das ist das einzige das er mir immer wieder kommuniziert: seine Zweifel daran, dass ich informierte, überlegte Entscheidungen treffen kann. Und auch: dass er immer noch die Vorstellung hat ich hätte wirklich die Möglichkeit einen anderen Weg zu gehen, mich anders zu entscheiden.

Morgen werde ich meine Tasche packen und noch ein paar Sachen regeln und vorbereiten. Sonntagabend fahre ich dann schon in den Ort der Klinik und übernachte dort im Hotel – die Vorstellung Montagmorgen nüchtern und nervös noch eineinhalb Stunden im öffentlichen Nahverkehr unterwegs zu sein war mir doch nicht so geheuer. Aber am Sonntagnachmittag habe ich noch was Schönes vor, mit lieben Menschen und flauschigen Tieren, und ich freue mich drauf. Von den Tieren gibt’s auch Fotos, versprochen :-).