Das geht so nicht

Was nicht geht ist das mit mir und der Gruppentherapie. Glaube ich. Ich hatte mich ja entgegen meiner anfänglichen Skepsis bewusst entschieden es auszuprobieren. Jetzt läuft dieses Experiment schon eine ganze Weile – etwa ein halbes Jahr – aber der Funke springt bei mir nicht über. Ich versuche zu verstehen woran es liegt.

Es hat mit der Ermüdung darüber zu tun, mich jedes Mal wenn eine neues Gruppenmitglied dazu kommt wieder outen zu müssen. Ich muss das natürlich nicht, aber wenn ich über meine Themen reden will, kann ich es nicht verschweigen. Und jedes Mal wieder im Mittelpunkt stehen, die suchenden Blicke aushalten – na, da findet sich doch bestimmt noch was Weibliches! – und erklärbären. Das Spiel hab ich jetzt zweimal gemacht, ist noch gar nicht so oft, aber es ist absehbar, dass es so weitergeht. Und in der Regel ist das Thema nicht nach einer Sitzung vom Tisch, sondern flackert immer wieder auf.

Aber schlimmer ist für mich, dass ich es nicht hinbekomme über die Themen zu sprechen, die mich beschäftigen (also selbst die, die nicht unmittelbar etwas mit dem trans* sein zu tun haben). Je besser ich Menschen kennenlerne, desto schwerer fällt es mir über „schwere“ Dinge zu reden. Das ist in diesem Gruppensetting leider genauso. Möglich war mir das in der Vergangenheit eher in einem 1 zu 1 Setting und vor allem wenn mein Gegenüber jemand war, die*der professionelle Distanz wahren konnte. Das funktioniert in der Gruppe logischerweise nicht.

Was auch ein Faktor ist, dass es – vor allem, weil es ein psychoanalytisches Setting ist – absolut „sprunghaft“ von einem Thema zum nächsten geht. Ich sitze meistens nur da und höre zu oder drifte ab, weil ich mich nicht durchringen kann meine Sachen einzubringen. Jetzt könnte ich versuchen da eine Lernerfahrung draus zu machen. Aber ich mag nicht. Ich habe versucht, mich drauf einzulassen, aber irgendwie funktioniert es nicht. Und jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll. Ich werde auf jeden Fall mit dem Therapeuten mal einen Einzeltermin vereinbaren und drüber sprechen, aber im Moment ist ein Abbruch der Therapie etwas, worüber die ich ernsthaft nachdenke. Ein Wechsel in eine Einzeltherapie wird vermutlich schwer – zum einen wegen der Krankenkasse, aber auch weil in der Psychoanalyse die Sitzungsfrequenz zu hoch ist als dass ich das wirklich mit meinem Job unter einen Hut bekommen könnte.

Murks das.

 

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13 Gedanken zu „Das geht so nicht“

  1. Lieber Tomi,
    ein „gefällt mir“ kann ich bei diesem Artikel nicht geben, darum möchte ich dir hier lassen, dass es mir leid tut, wie diese Therapie für dich läuft.

    Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass ein sich öffnen auch zu anderen als *trans Themen äußerst schwierig ist, wenn es keine geschlossene Gruppe ist, sondern immer wieder neue Leute kommen (können) und das wieder ein Outing verlangt. Wie ich es verstanden habe, verlangt es aber auch immer wieder erklären, was *trans denn für dich bedeutet emotional bzw. diese fragenden Blicke, die ja jedes Vertrauen fassen nahezu unmöglich machen.

    Ein Gespräch mit dem Therapeuten finde ich eine gute Idee. Vielleicht gibt es ja auch eine geschlossene Gruppe, wo eben nicht immer wieder neue Leute dazukommen können? Auch wenn du meinst, du sprichst mit Menschen, die du noch nicht kennst offener, denke ich doch, dass es an mangelndem Vertrauen liegt, das sich unter diesen Bedingungen ganz schlecht aufbauen lässt. Kann das vielleicht sein?

    Auf alle Fälle wünsche ich dir alles Gute für das Einzelgespräch und dass sich eine für dich gute Lösung finden lässt.

    Liebe Grüße
    „Benita“

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    1. Danke dir, liebe Benita! Die Gruppe wird gerade neu aufgebaut, d.h. ich wusste vorher dass nach und nach Leute dazu kommen. Aber jetzt in der Praxis zeigt sich dass es für mich nicht gut funktioniert. Ich vermute, es wäre einfacher wenn ich mich in der Gruppe wohler fühlen würde…

      Liebe Grüße :)

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  2. Hallo Tomi,
    Ich kann dich verstehen das es mühsam für dich ist, aber ein Abbruch wäre wahrscheinlich auch eher Kontraproduktiv.
    Sprich mit deinem Therapeuten darüber, eventuell findet sich ja eine Lösung – alles Gute auf jeden Fall.

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  3. Die Sache mit der Gruppentherapie und deine Gedanken/Gefühle kann ich aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen. Vielleicht kann die therapeutische Leitung der Gruppe ja ein anderes, für dich besseres Setting gestalten, auch wenn es schwierig ist. Drücke dir fest die Daumen.

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  4. Ich drücke die Daumen fuer das Einzelgespräch. Ich kann verstehen, weshalb die Gruppentherapie fuer dich mühsam ist. Mir wuerde es da genauso ergehen. Aber vielleicht hat der Thera ja noch eine Idee, waere ja echt schade, wenn du deshalb abbrechen muesstest.

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      1. Hallo Tomi,
        Danke, dass du diese Gedanken mit uns teilst! Das allein ist meines Erachtens auch teil der Therapie. Wobei wir diese Fremden sind, mit denen Du dich wohler fühlst. Ich kann gut nachfühlen, dass es aufwendig ist und ggf. auch irgendwann nervt immer wieder ein und die selbe Geschichte zu erzählen, ohne mit dem aktuellen Anliegen vorwärts zu kommen.
        Mir hat eine Mischung geholfen: in einer Gruppe allgemein zu reden und zusätzlich noch explizit im 1:1. Dabei müsste die Frequenz dann vielleicht auch nicht so hoch sein.
        Ich drücke dir die Daumen, dass es angenehmer wird. Die letzte Sitzung war bestimmt ein Indikator!

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      2. Danke Dir :-)
        Leider zahlt mir die Kasse nur entweder oder, bzw. sie haben mir die Gruppe genehmigt und ich bin nicht mal sicher dass eine Umwandlung in „Einzel“ überhaupt genehmigt würde. Ich hab ein kleines Kontingent an begleitenden Einzelsitzungen, aber das sind glaube ich auf 100 Stunden Gruppe nur 8 oder so.

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      3. Meiner Erfahrung nach kann man mit der Versicherung ganz gut verhandeln. Ein paar Gruppen gegen ein paar weniger Einzel eintauschen, könnte ich mir vorstellen. Ist aber nur eine reine Vermutung. Mit einem Empfehlungsschreiben meiner Ärzte konnte ich immer viel erreichen. Aber auch sonst bin ich mir sicher, dass du deinen Weg finden wirst!

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