Weitermachen

Es tut mir leid, dass es hier so ruhig ist im Moment. Dabei gäbe es einiges zu schreiben (also, nichts großes…einfach viele kleine Alltagsdinge)! Aber ich habe gerade so viel zu tun und so viele Termine, dass ich Abends nur noch ins Bett falle. Aber je mehr und je länger ich „mache“, desto größer wird der Abstand zum Auszug und umso dumpfer hoffentlich auch der Schmerz, bis er dann hoffentlich irgendwann kaum noch zu spüren und aushaltbar ist. Es ist schon besser. Die zweite Woche war nicht so schlimm wie die erste. Die dritte Woche nicht so schlimm wie die zweite.

Ja, es sind schon fast drei Wochen jetzt. Ich habe mittlerweile eine Küche und sie ist schön! Leider habe ich immer noch keinen Kühlschrank, das ist minimal unpraktisch. Und es gibt weder Couch noch Stühle – die sollen Anfang November kommen. Das ist jedenfalls auch ein bisschen unpraktisch und die Idee, dass ich ja statt Couch gut mit dem Sitzsack über die Runden käme war in der Theorie irgendwie besser, als in der Praxis. Aber nächste Woche bin ich komplett auf Dienstreise (bzw. zwei Dienstreisen) und danach werde ich kurz entschlossen doch noch „richtigen“ Urlaub machen. (Ich bin gerade doch ziemlich mit meinen Kräften am Ende und schon die Dienstreise letzte Woche hat mir ganz schön zugesetzt). Auf jeden Fall kommt, wenn ich wieder da bin, dann auch die Couch und ich kann endlich wieder gemütlich auf selbiger rumhängen ;-).

Keine richtige Ruhe lässt mir mein immer-noch-Mann. Alle paar Tage meldet er sich wegen irgendwas. Holt was ab, bringt was. Eigentlich wünsche ich mir Abstand, aber ich finde es – wie immer – schwer, meinen Wunsch zu kommunizieren. Ich verstehe nicht wirklich, was er will. Beziehungsweise – er will wahrscheinlich einfach nett sein. Aber gleichzeitig schafft er es immer noch nicht (und wird es wohl auch in diesem Leben nicht mehr schaffen), mich mit meinem Namen anzureden oder anzuschreiben. Das wäre für mich tausendmal wichtiger für das Gefühl eines wertschätzenden Umgangs, als eine angebrachte Lampe.

Naja. Immerhin sitz ich nicht im Dunkeln.

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Auf Anfang

Content note: Alkohol

Morgen ist der Umzug eine Woche her. Es hat alles gut geklappt, aber es war eine schlimme Woche. Am Umzugstag selber lief der Autopilot, ein Glück. Nur die Zeit bis das Umzugsunternehmen kam bin ich die Wände hochgelaufen…traurig und nervös. Als es dann losging hab ich funktioniert und der Spuk war in gut 3 Stunden vorbei. Sogar das Terrarium samt Bewohnerin hat alles gut überstanden – da hatte ich etwas Sorge. Dann noch etwas Räumen und Saubermachen in der neuen Wohnung, Essen gehen mit meinen Eltern, Lampe anbringen mit meinem Mann. Gin & Tonic. Schlafen.

Am nächsten Tag habe ich ein paar Kisten ausgepackt, abends war ich verabredet. Am Mittwoch fing der „Leerlauf“ an und die Gedanken und die Tränen kamen. Ich hab versucht, nonstop in Bewegung zu bleiben und zu machen, egal was. Es hat einigermaßen funktioniert. Donnerstag hatte ich Therapie und ich hab die ganze Zeit mit den Tränen gekämpft (und gewonnen…laufen lassen ging irgendwie nicht). Am Nachmittag war ich dann im Schwimmbad.

Ja! Schwimmbad! Ich hatte mir kurzentschlossen Schwimmshorts gekauft und bin in ein Bad in der Nähe gefahren. Die Narben sind mittlerweile komplett Stellen geschlossen, auch die eine hartnäckige Stelle. Fürs Kraulen reicht die Beweglichkeit noch nicht, aber Brustschwimmen geht schon. Es war nur das Außenbecken geöffnet und man musste sich im Freibadbereich umkleiden (brrrr). Aber dadurch war es, trotz des eigentlich ganz guten Wetters, leer. Die Menschen, die mir begegnet sind, haben teils schon ein bisschen geguckt, aber niemand hat mich drauf angesprochen oder eine Bemerkung gemacht. Jetzt muss ich nur genug Beweglichkeit fürs Kraulen wiederbekommen und dann suche ich mir wieder eine Gruppe, mit der ich schwimmen kann. Ach ja, an der Kondition sollte ich wohl auch noch arbeiten vorher ;). Aber es war schon ein super Gefühl nicht in den Schwimmbinder gequetscht zu sein sondern einfach atmen zu können.

Morgen kommt dann die Küche und damit wird es auch ein bisschen wohnlicher hier. Dann fehlen zwar immer noch Kühlschrank, Couch, Stühle und Regale – aber immerhin kann ich dann wieder kochen. Ich hätte zwar theoretisch noch ins Haus zurückgehen können dafür, aber ich will nicht mehr dorthin zurück. Einmal muss ich wohl noch, ein paar letzte Bücher abholen. Die Vorstellung, wie mein Mann jetzt „unser“ Haus verändert, mich da irendwie „ausradiert“ ist gerade sehr schwer auszuhalten. Ich will das nicht sehen müssen. Ich heule schon wieder, wenn ich nur dran denke.

Ich bleib‘ fürs erste weiter in Bewegung. Bloß nicht innehalten.

Huch!

Bei mir im Kopf dreht sich alles. Welche überraschende Wendungen das Leben manchmal nimmt o.O

Ich bin ja unseren Nachbar*innen weitgehend aus dem Weg gegangen, weil ich in dem Konflikt war ihnen erzählen zu müssen, was los ist, aber eben auch zu wissen, dass mein Mann das nicht möchte und es ihm unangenehm ist. Und natürlich sollte mich das vielleicht eigentlich nicht kümmern, aber so ticke ich halt nicht und schließlich bleibt er ja hier und ich gehe.

Ich habe gestern Abend noch Sachen für den Umzug erledigt. Als ich zurück kam, sprach meine direkte Nachbarin mich an und wir haben uns ein bisschen unterhalten. Eins gab das andere und ich hab ihr erzählt, dass ich bald ausziehe. Und naja… natürlich hatte sie mitbekommen was mit mir los ist und was da passiert, aber sie wusste nicht wie sie mich drauf ansprechen sollte. Es war für mich so erleichternd, dass das jetzt endlich alles raus ist.

Und dann sagte mir meine Nachbarin, dass ein Elter aus der Siedlung in der ich lebe sehr gerne mit mir sprechen würde, sich aber nicht getraut hat mich anzusprechen. So habe ich erfahren, dass es hier ganz in meiner Nähe eine jugendliche Person gibt, die auch trans* ist und am Anfang des Weges steht. Ich stand da wie vom Donner gerührt und bin immer noch völlig baff und irgendwie auch aufgedreht. Ich hab mir manchmal ausgemalt, wie es wohl wäre wenn ich hier nicht die einzige trans* Person wäre und vor allem was wäre, wenn hier eins der Kinder auch trans* ist und ob ich vielleicht Rat geben und unterstützen könnte. Aber ich hätte nie für möglich gehalten, dass das wirklich passieren könnte. Und jetzt ist es irgendwie doch eingetreten. Ich hoffe so sehr, dass diese junge Person einen guten Weg für sich findet und dass ich vielleicht ein bisschen Unterstützung geben kann, wenn das gewünscht wird.

Ich wusste schon, dass ich hier in diesem Stadtteil (der aber nicht besonders klein ist) nicht die einzige trans* Person bin, aber dass nun in meinem unmittelbaren Umfeld noch jemand ist hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich glaub ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie aufgewühlt ich gerade deswegen bin. Dagegen ist jetzt gerade Umzugskram etwas in den Hintergrund getreten.

Wobei: gestern konnte ich einen Haken unter das Thema „Waschmaschine“ machen, natürlich nicht ohne einen kleinen trans* plot twist :D. Ich bin mit den Preisen, die ich im Internet gefunden habe in unser Vor-Ort-Multifunktionsgeschäft gegangen um zu fragen was sie mir anbieten können. Ich hab die Maschine dann gestern dort bestellt und die Verkaufsperson gab meinen Nachnamen in das System ein. Es gab schon drei Kund*inneneinträge unter dem Namen und die Person zeigte mir die Einträge (das ist übrigens glaube ich NICHT datenschutzkonform) weil ich gucken sollte, ob einer davon zu mir gehört. Ja. Einer davon gehörte zu mir, aber war unter dem alten Vornamen. Mit gleicher Adresse natürlich. Ich bekam einen roten Kopf und versuchte eine gute Antwort zu finden. Aaaaaahh. Ich meinte dann nur, dass ich unter der Adresse, die gezeigt wurde, wohne. Ich dachte mir, die Verkaufsperson denkt dann, das andere ist meine Frau.

Fast.

„Ah, das ist dann ihre Mutter?“

Knallroter Kopf. „Äääh, ja“.

Ich hab hinterher ziemlich in mich reingelacht. Es war dann also mal wieder so, dass die Person mich wohl für deutlich jünger geschätzt hat als ich bin und dachte, ich ziehe gerade von zu Hause aus. Das ist mir jetzt schon öfter passiert. Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht mein Geburtsdatum angeben und diese Illusion zerstören musste ;D.

 

 

 

 

 

Updates

Hallo. Ich bin’s. Der Tomi. Kennt Ihr mich noch?

Ja, der letzte Beitrag ist ein bisschen her. Es war turbulent…emotional und auch sonst. Das letzte Wochenende war so richtig schlimm. Am Samstag war die Wohnungsübergabe. Eigentlich bin ich ja froh, dass es endlich weitergeht. Aber es war auch irgendwie klar, dass das nicht ganz ohne Emotionsachterbahn gehen würde und leider hat es mir noch mehr den Boden unter den Füßen weggezogen, als ich erwartet hatte. Haha, Boden. Der hat vielleicht auch eine Rolle gespielt. Es stellte sich nämlich am Tag der Übergabe raus, dass das Parkett, das in der Wohnung liegt (also mittlerweile: lag) raus muss. Das war nicht eingeplant – weder finanziell noch mit Blick auf die Zeit. Ich musste unter ziemlichen Zeitdruck (innerhalb von 24 Stunden) eine Entscheidung treffen, was ich mache und das hat mir glaube ich den Rest gegeben.

Es war plötzlich so extrem präsent und greifbar, was ich alles hier im Haus zurücklassen muss. Von den Möbeln, die wir mit so viel Zeitaufwand und Überlegung ausgesucht haben damals, kann ich praktisch nichts mitnehmen. Es passt alles nicht von den Maßen her. Mit wenigen Ausnahmen werde ich nur meine eigenen, alten Sachen mitnehmen können. Den Rest muss ich neu kaufen. Und ich liebe den Boden bei uns im Haus…den kann ich auch schlecht mitnehmen. Ein Bücherregal, das ich hätte mitnehmen wollen ist 8 cm zu hoch…. Kein Standardmaß. Kürzen ist nicht. Uff. Ich hab das Wochende durchgeheult.

Ansonsten kümmere ich mich um zweitausend Sachen wegen des Umzugs, während mein Mann nun im Urlaub ist. Das hat mich irgendwie wütend gemacht – mir ist noch mal klar geworden, wie sehr er sich bei dieser Trennung einfach zurücklehnt. Die ganze Last Dinge zu organisieren liegt bei mir. Ich hab mir über ein halbes Jahr mit Wohnungssuche um die Ohren geschlagen. Ich bin derjenige, der sich jetzt um alles kümmern muss – weil ich es ja bin, der auszieht. Neue Möbel, Versicherungen, Umzug organisieren. „Nebenher“ arbeiten. Allein der ganze Transitionsscheiß, den ich über das letzte Jahr managen musste wäre eigentlich schon genug gewesen. Mein Jahres-„Urlaub“ wird dem Umzug gewidmet. Ich bin gerade mal wieder so am Limit.

Und weil das noch nicht genug war, gab es noch ein Revival der Situation von vor zwei Wochen: vorgestern ist die OP-Narbe an der gleichen Stelle wie letztes Mal wieder aufgegangen. Es ist immer noch nur eine Ministelle (also wirklich mini: wir reden über 2 Stecknadelköpfe vielleicht), aber dieser Mist muss trotzdem nicht sein :/. Ich hatte echt gedacht, 5 Wochen nach der OP sollte langsam alles „stabil“ sein, aber das scheint die Sollbruchstelle zu sein. Es sah tiefer und irgendwie „gefährlicher“ aus, als beim letzten Mal und ich habe daher entschieden, dass es besser wäre jemanden draufgucken zu lassen. Ich habe erstmal in der Klinik angerufen – sie haben angeboten, dass ich vorbeikomme aber das war mir zu viel Fahrerei. Also bin ich heute in die freie Sprechstunde bei meiner „Frauen“ärzt_innenpraxis gegangen. Die sehen OP-Narben im Brustbereich auf jeden Fall ja des öfteren und daher dachte ich mir, dass das die bessere Wahl ist als meine Hausärztin.

Leider war heute nur eine Ärztin* da, die mich und meine Geschichte noch nicht kannte. Aber sie war total nett und die Situation war überhaupt nicht komisch. Mit den Praxismitarbeiter*innen an der Theke habe ich mich auch noch nett unterhalten über meinen Ärger mit der Krankenkasse und die Hürden, die trans* Personen im Gesundheitssystem allgemein überwinden müssen. Ich erfuhr, dass meine Kasse momentan grundsätzlich nicht besonders patient*innenfreundlich unterwegs zu sein scheint – nicht nur in Bezuf auf meinen Transitionskram

Die Ärztin* hat ein Ultraschall gemacht – es gibt keine Flüssigkeitsansammlung und die offene Stelle ist relativ „oberflächlich“. Ich soll mit Betaisodonasalbe und Pflaster arbeiten für ein paar Tage und es dann „trocken abheilen“ lassen. Ich hoffe, dass es dieses Mal so funktioniert… das letzte Mal hat ja nicht so gut geklappt. Ansonsten hat sie mich ermutigt, mit Blick auf die Narben langsam mal vom „Schongang“ in den „Normalmodus“ zu wechseln. Leichter gesagt als getan…aber ich geb mir Mühe. Fällt mir aber nicht leicht, weil an den Narben die Haut immer noch auf den Rippen „klebt“ und das bei jedem Strecken halt zieht.

Laufen lassen

Content note: Krankenhaus, Vorbereitung Operation

Uff (mal wieder). Heute war ich in der Klinik in der die Mastektomie durchgeführt wird – zur vorstationären Aufnahme. Das heißt, ich habe das ganze Aufnahmeprozedere durchlaufen und durfte dann aber wieder nach Hause fahren. Montagmorgen um 9 muss ich dort wieder auf der Matte stehen. Ich hab‘ mich in der zentralen Aufnahme angemeldet, habe den Fragebogen für die Narkose ausgefüllt, hatte ein kurzes Vorgespräch in der plastischen Chirurgie und dann noch – nach 2 Stunden Wartezeit- in der Anästhesie. Wir sind überein gekommen, dass sie mir wegen meiner Mastzellenproblematik mit der Narkose auch H1- und H2-Rezeptorblocker geben. Das sind Antihistaminuka, wie man sie auch bei Allergien nimmt und sie helfen mir hoffentlich dabei die Narkose und OP besser zu wegzustecken. Leider ist mein Körper ganz schön in Alarmbereitschaft und ich leide gerade sehr unter den Symptomen. Ich verkriech‘ mich auch gleich nur noch im Bett, ich bin ziemlich platt. Insgesamt war ich acht Stunden unterwegs heute, davon ungefähr 3 Stunden im öffentlichen Nahverkehr, den Rest in der Klinik.

Das erste Mal geheult habe ich, als ich auf die U-Bahn wartete, die mich zur Klinik bringen sollte; als ich dachte, wieviel einfacher das alles wäre wenn ich einen unterstützenden „Herzmenschen“ an meiner Seite hätte. Stattdessen gehe ich auch diesen Schritt allein. So richtig ging die Heulerei dann los, als ich draußen vor der Klinik auf einer Bank saß, vor dem Gespräch in der Anästhesie. Mit meinem Mann (also dem von „früher“) als Unterstützung wäre es alles so viel einfacher. Gleichzeitig sitze ich da alleine, weil ich es so entschieden habe. Freund*innen haben mir angeboten mich zu begleiten, ich hab‘ es abgelehnt. Aus hundert Gründen, aber vielleicht hat es am meisten damit zu tun dass ich es nicht aushalte, wenn andere mich „bedürftig“ erleben. Also allein.

Das einzige, was mein Mann nach einem Tag „Bedenkzeit“ zum Thema OP zu sagen hatte: „Hast du dich denn auch über die Risiken einer solchen Operation informiert“. Exakter Wortlaut. Die Frage reiht sich ein in eine lange Reihe von Fragen, bei jedem Schritt den ich gemacht habe, ob ich es mir denn auch gut überlegt hätte. Ob ich mir über die Konsequenzen klar sei. Das ist das einzige das er mir immer wieder kommuniziert: seine Zweifel daran, dass ich informierte, überlegte Entscheidungen treffen kann. Und auch: dass er immer noch die Vorstellung hat ich hätte wirklich die Möglichkeit einen anderen Weg zu gehen, mich anders zu entscheiden.

Morgen werde ich meine Tasche packen und noch ein paar Sachen regeln und vorbereiten. Sonntagabend fahre ich dann schon in den Ort der Klinik und übernachte dort im Hotel – die Vorstellung Montagmorgen nüchtern und nervös noch eineinhalb Stunden im öffentlichen Nahverkehr unterwegs zu sein war mir doch nicht so geheuer. Aber am Sonntagnachmittag habe ich noch was Schönes vor, mit lieben Menschen und flauschigen Tieren, und ich freue mich drauf. Von den Tieren gibt’s auch Fotos, versprochen :-).

Fight or flight

Content note: Mobbing, Schule, soziale Phobie. Falls ihr das nicht lesen möchtet, springt einfach zum letzten Absatz – da gibt es netteres zu lesen :-)

Ich fühle mich gerade sehr antriebslos und müde. Wahrscheinlich spielen die bevorstehenden Veränderungen eine Rolle, aber auch – auf der gesellschaftlichen Ebene – ein Gefühl von Ohnmacht das mir gerade mal wieder sehr präsent ist. Das hat viel damit zu tun, wie über trans* Personen in den Medien berichtet wird; und auch damit, wer überhaupt in den Medien und „der Gesellschaft“ gehört wird. Da sind Mechanismen und Prozesse am Werk die letztlich dafür sorgen dass marginalisiert Menschen weiter marginalisiert bleiben. Es ist sehr schwer, das aufzubrechen. Ich fühle mich gerade nicht gut vorbereitet und „gewappnet“ darüber zu mehr zu schreiben, aber es wird dazu bestimmt bald noch mal einen Beitrag (oder Beiträge) hier geben.

Tja, und auf der persönlichen Ebene. Mich beschäftigt immer noch (meine Reaktion) auf den nervigen Typen vom Schwimmen. Ich habe das Feld geräumt, „kampflos“ sozusagen, weil ich das Gefühl habe keine Kraft für die Auseinandersetzung zu haben. Einerseits denke ich mir, ich hab keine Verpflichtung mich mit dem Typen auseinanderzusetzen. Habe ich auch nicht – aber das ist andererseits nur die halbe Wahrheit. Denn die Person der ich damit schade bin ich selbst. Dadurch, dass ich dem Konflikt aus dem Weg gehe verliere ich etwas, was wichtig war – Anschluss, Sozialkontakte, ein Gefühl von Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Mit etwas Abstand (und weil andere mich mit der Nase drauf gestoßen haben, ahem) sehe ich, dass das natürlich ein Muster ist das ich wiederhole. Dieses Muster hat glaube ich viel damit zu tun, was ich als Jugendlicher in der Schule erlebt habe. Ich wurde gemobbt, gehörte nirgendwo dazu und habe glaube ich versucht mich zu schützen, indem ich mich isoliert habe. Das ging über mehrere Jahre. Mit dem Abi habe ich allen Kontakt zu Mitschüler*innen abgebrochen, mit einer Ausnahme. Wenn ich jemanden aus meinem Abijahrgang sehe, gehe ich in Deckung. Wobei, mittlerweile erkennen Leute mich auch nicht mehr, was sehr cool ist :D.

Aber ich schweife ab. Ich habe jedenfalls in dieser Zeit keine positiven Erfahrungen damit gesammelt, für mich einzustehen und mich zu behaupten. Gewachsen ist in dieser Zeit auch eine soziale Phobie die es mir ziemlich unmöglich gemacht hat mit fremden Menschen in Kontakt zu treten. Die Angst abgelehnt zu werden, irgendwas falsch zu machen, mich lächerlich zu machen…. viel zu groß. Es hat mehrere Jahre Therapie gebraucht, mich wieder halbwegs „funktional“ im Kontakt mit anderen Menschen zu machen, aber die Verhaltensmuster sind mir geblieben. Ich erkenne sie jetzt meistens ganz gut und gehe wenn möglich nicht in die Vermeidung, auch wenn meine „Angstmelder“ anschlagen. Aber wenn ich in einen Konflikt gerate schaffe ich es nicht, für mich einzustehen sondern gebe nach und/oder ziehe mich einfach komplett aus der Situation raus. Konfrontationen halte ich exakt null aus. Umso mehr, wenn ich das Gefühl habe dass ich nicht einer einzelnen Person gegenüberstehe, sondern halt einer Gruppe. So war es in der Schwimmgruppe, wo ich von den anderen keine Unterstützung im Konflikt bekomme, und es gab dieses Jahr noch eine andere aber teils ähnliche Situaton in anderem Zusammenhang. Das Resultat war jedenfalls auch da das gleiche: ich hab mich rausgezogen (allerdings war das etwas vielschichtiger und verstrickter, als die Schwimmsache).

Und was mach ich jetzt mit dieser Erkenntnis? Muster durchbrechen klingt so gut, ist aber leider auch schwer. Vor allem, wenn sie aus eher schlimmen Erfahrungen entstanden sind.

Und sonst noch? Heute war ich das drölzigste Mal im Notariat – dieses Mal, um die Grundschuld für die Bank auf die Wohnung eintragen zu lassen. Im Gepäck hatte ich den rechtskräftigen Beschluss zur Namensänderung (und übrigens auch meinen vorläufigen Perso!). Damit kann ich nämlich jetzt die Vormerkung für die Eintragung ins Grundbuch auf den neuen Namen machen und muss es später im Grundbuch nicht noch ändern. Dazu hat der Notar* dann so aus dem Stegreif einen sehr komplizierten Satz handschriftlich in die Urkunde eingefügt. Der war so lang, dass eigentlich kein Platz dafür war und die Schrift wurde immer kleiner und kleiner. Ich musste ein bisschen lachen – und die Person, die das nachher entziffern muss tut mir auch ein bisschen leid. Jedenfalls steht da jetzt so etwas wie „Der Erschienene (also ich) beantragt unter Vorlage einer beglaubigten Ablichtung des Beschlusses xy des Amtsgerichts xy dass die Eintragung der Vormerkung und so weiter und so fort auf den Namen TOMI erfolgen soll“ (ich krieg es nicht mehr ganz zusammen, aber war allerschönstes Jurist*innendeutsch ;)). Die Kreditverträge habe ich am Mittwoch unterschrieben und kann darunter jetzt also auch einen Haken machen.

Begegnungen (2)

Das gestrige Erlebnis wirkt noch ein bisschen nach, aber ich bin dabei es abzuhaken. Ich hatte vor ein paar Wochen ja schon mal einer Person aus der Gruppe gesagt, dass der cishetero Typ mich seit einer Weile wie Luft behandelt und auch nicht mehr reagiert, wenn ich ihn anspreche und so – es kam nur ein „ach, das darf man bei dem nicht überbewerten“. Und gestern schrieb mir eine andere Person aus der Gruppe (mit der ich vorher schon gemailt hatte um mich zum gemeinsamen Kaffeetrinken „anzumelden“), sie würde sich um die „Launen“ dieses Typen einfach nicht mehr kümmern und es wäre aber natürlich verständlich, dass ich in „meiner Situation“ „besonders empfindlich“ reagieren würden. Was auch immer das bedeutet… ich zieh mich jetzt da raus. Kann sein, dass es auch mit den Erfahrungen zu tun hat, die ich in der Schule damals machen musste und die die Art und Weise wie ich mit anderen in Kontakt treten kann immer noch prägen, aber wie auch immer. Es gibt hier in der Stadt einen schwul-lesbischen Sportclub und ich gucke mal, ob ich da vielleicht Anschluss finde. Sie haben auch eine Radgruppe und Schwimmtraining gibt es auch. Vielleicht ist die Akzeptanz da ein bisschen höher, wobei sicher sein kann man sich leider nicht.

Aber neben der ätzenden Begegnung gestern gab es in den letzten Wochen auch ein paar nette Begegnungen die mich eher zum Schmunzeln gebracht haben.

Zum Beispiel mit einer DHL-Person. Ich lasse ja Lieferungen soweit möglich an die Packstation schicken, damit ich nicht in eine Filiale muss. Das ist erstens mit meinen Arbeitszeiten nicht immer so gut vereinbar und zweitens ist es mir unangenehm, dort den Ausweis vorzulegen. Ich ernte mittlerweile ja doch einige skeptische Blicke (bald ja zum Glück hoffentlich nicht mehr, denn der neue Ausweis ist ja in große Nähe gerückt :-)). Letzte Woche dann leider folgende SMS „Wir haben Ihre Lieferung an die Filiale xy umgeleitet“. Miiiist. Ich stelle mich drauf ein am nächsten Tag in die Filiale zu fahren.

Aber als ich aus der S-Bahn steige, wo die Packstation direkt am Bahnsteig ist, sehe ich dass der DHL-Transporter dort noch steht und die Lieferperson die Packstation gerade noch bestückt. Ich hab einen Sekundenbruchteil überlegt und die Person dann angesprochen ob ich die Lieferung vielleicht doch bekommen kann ohne in die Filiale zu müssen. Klar dass das mein „Ausweisproblem“ nicht löst, aber immerhin müsste ich dann nicht am Wochenende zur Filiale fahren. Ich halte der Person die SMS und meine DHL-Karte unter die Nase. „Wir gucken gleich mal, ob die noch im Wagen ist“. Ist sie. Die Lieferperson studiert noch mal die Karte, dann meinen Ausweis. „Sind Sie das wirklich auf dem Ausweis?“ – „Ja, aber ich bekomme bald einen neuen“. Ich halte den Atem an – uuuund… keine weiteren Nachfragen! Ich bekomme das Paket gegen eine Unterschrift und mache ich mich dann schnell ab durch die Mitte. Danke, liebe DHL-Person!

Dann letztens auf einer Feier mit Menschen, bei denen ich so semi-out bin. Einige dort haben mich das erste Mal noch vor Testo kennengelernt und wissen dass ich trans* bin. Ich komme mit einer Person ins Gespräch die ich bislang noch nicht kannte und deren Kinder auf die gleiche Schule gegangen sind wie ich. Es entspinnt sich ein Gespräch über meinen Namen, der für meinen Geburtsjahrgang nicht so ganz gewöhnlich ist. Die Person fragt nach, ob meine Eltern einen bestimmten Grund hatten, den Namen auszusuchen… „Nein“ – „Es gab da mal so einen Film…. Sind deine Eltern links?“ – „Ähm, nein“. Die Person philosophiert ein bisschen weiter und ich beschließe, die Situation zumindest ein bisschen aufzulösen indem ich sage, dass ich mir den Namen selbst ausgesucht habe. Wir reden also ein bisschen weiter über den Namen. „Und deinen alten Namen mochtest du nicht?“ – „Nö.“ – „Aber du redest nicht drüber warum“. Das war eine Feststellung, keine Frage. Egal, ich antworte trotzdem. „Es war ein Mädchenname“. Ich muss ein bisschen innerlich lachen, weil die Person in dem Moment schon etwas stockt und dann eins und eins zusammenzählt. Ja, manchmal macht es mir ein kleines bisschen Spaß verdutzte Gesichter zu sehen ;). Hätte ich jetzt in einem anderen Rahmen sicher nicht so gemacht, aber da ich dort halt ohnehin nicht so richtig „inkognito“ bin war es mir egal.

Danach haben wir uns jedenfalls sehr nett weiter unterhalten. Das war eine Person ungefähr im Alter meiner Eltern, denke ich. Wenn ich mir dagegen anschaue was der Typ vom Schwimmen so veranstaltet, der deutlich jünger ist, studiert hat, Beamter ist… zeigt mal wieder, dass Toleranz und Akzeptanz mit (formaler) Bildung und Alter wenig zu tun haben. Jedenfalls erlebe ich es ganz häufig so.