Wichtige Neuerung bei der Abrechnung medizinischer Untersuchungen und Behandlungen bei der GKV

Heute bin ich durch einen Post des „Netzwerks Geschlechtliche Vielfalt Trans NRW e.V.“ (Link zum Facebook-Profil) auf eine Meldung in der Ärztezeitung aufmerksam geworden:

Inter- und Transsexualität: Regeln im EBM angepasst

Geschlechtsspezifische Leistungen im EBM, wie die Untersuchung der Prostata oder eine Mammografie, können seit Juli unabhängig von der personenstandsrechtlichen Geschlechtszuordnung abgerechnet werden. Entscheidend ist der organbezogene Befund, meldet die Kassenärztliche Bundesvereinigung. (https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/article/940476/inter-transsexualitaet-regeln-ebm-angepasst.html)

Das sind gute Nachrichten (wahrscheinlich – siehe ganz unten für eine mögliche Einschränkung)! Es bedeutet nämlich, dass nun für Versicherte der GKV bei der Abrechnung von Untersuchungen (z.B. Vorsorge) und Behandlungen nicht mehr das amtlich eingetragene Geschlecht zählt, sondern welche Organe eine Person wirklich hat. Sprich: ich kann als männliche Person, die einen Uterus hat auch weiterhin (hoffentlich) unproblematisch die entsprechenden Vorsorgeuntersuchungen in meiner bisherigen „frauenärztlichen“ Praxis machen. Auf meine Anfrage von vor zwei oder drei Wochen hatte mir meine Krankenkasse ja noch geantwortet, ich müsse dazu zukünftig in eine urologische Praxis gehen (was ja das Kernproblem dass es einen „Mann mit Uterus“ aus Sicht des medizinischen Systems nicht gibt oder gab nicht gelöst hätte).

Mir sind einige Personen bekannt, die aus der berechtigten Sorge heraus dass ihre adäquate medizinische Versorgung dann nicht mehr gewährleistet wäre darauf verzichtet haben, ihren Geschlechtseintrag ändern zu lassen – mit all den negativen Konsequenzen, die das im Alltag hat. Ich hoffe, dass mit der erfolgten Änderung diese Hürde nun zumindest für Patient*innen der GKV wegfällt. Und noch toller wäre es natürlich, wenn auch die PKV sich daran orientieren würde.

Allerdings gibt es eine Formulierung, die mich stutzig macht. Den „Einheitlichen Bewertungsmaßstab“ (EBM) findet ihr bei der Kassenärztlichen Vereinigung, hier z.B. als PDF nach Fachgruppen: http://www.kbv.de/html/arztgruppen_ebm.php. Für den Bereich „Frauenärzt_innen“ und „Urologie“ heißt es zum Beispiel:

4.2.1 Abrechnung geschlechtsspezifischer Gebührenordnungspositionen
Geschlechtsspezifische Gebührenordnungspositionen sind bei Personen, bei denen primäre Geschlechtsmerkmale beider Geschlechter vorliegen, wie bei Intersexualität oder Transsexualität nach Geschlechtsangleichung, entsprechend dem organbezogenen Befund (z. B. bei Vorliegen von Testes, Ovarien, Prostata) berechnungsfähig.
Ohne Kennzeichnung „X“ für das unbestimmte Geschlecht auf der elektronische Gesundheitskarte ist bei den genannten Personen die entsprechende Leistung mit einer bundeseinheitlich kodierten Zusatzkennzeichnung zu versehen und als Begründung ist der ICD-10-Kode für Transsexualität oder Intersexualität anzugeben. (EBM 3. Quartal 2017)

Die Formulierung „primäre Geschlechtsmerkmale beider Geschlechter“ bietet potenziell Zündstoff – denn bei vielen – oder vielleicht sogar den meisten? – trans* Personen ist das nicht der Fall. Wenn ich keinen Denkfehler mache, dann wäre das nur nach genitalumformenden OPs der Fall, sofern eine Person nicht sowohl inter* als auch trans* ist. Hormontherapie als „angleichende Maßnahme“ ändert nichts an den „primären Geschlechtsmerkmalen“ und viele trans* Personen ändern den Personenstand ganz ohne medizinische Maßnahmen.

Ich hoffe mal, dass die Ärztezeitung mit ihrer Interpretation Recht hat und dass es wirklich einfach bedeutet dass nicht mehr der rechtliche Personenstand zählt, sondern nur noch der  „Organbefund“. Alles andere wäre absurd! Aber in diesem System wundert mich ja nichts mehr…

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Abschiednehmen (Mastek, die 1.)

Content note: Operation, Krankenhaus, Medikamente, Essen.

Ich bin wieder zu Hause! Endlich! Und völlig groggy, weil es im Krankenhaus für mich weder ausreichend Schlaf noch annähernd genug zu Essen gab. Ich habe die letzten fünf Tage überwiegend von glutenfreiem Weißbrot, Margarine und Bananen gelebt. Ich kann nichts davon mehr sehen. Leider hat es exakt einen einzigen Tag geklappt, dass ich für meine Allergien und Unverträglichkeiten passendes Essen bekommen habe. Ansonsten hörte ich jeden Tag: „Also in meiner Liste steht Sie bekommen Vollkost“. Fuck yeah.

Dass ich nicht schlafen würde, darauf hatte ich mich vorher schon einigermaßen versucht einzustellen, aber es hat dann natürlich trotzdem geschlaucht. Ich tue ja schon kein Auge zu, wenn irgendjemand neben mir laut atmet. Die Kombi aus zeitweise zwei Schnarchern in den Betten neben mir und nur auf dem Rücken liegen können war da nicht hilfreich. Mehr als zwei Stunden am Stück habe ich glaube ich nur in der zweiten Nacht geschlafen.

Aber zu den Dingen, die Euch wahrscheinlich viel mehr interessieren: was ist außer nicht essen und nicht schlafen in der letzten Woche passiert?

Sonntag habe ich ja erst mal das Entspannungsprogramm gestartet: Lamatrekking. Mit drei Freund*innen. Zwei Stunden Wanderung mit so einem flauschigen Tierchen am Halfter! Einizger (kleiner) Wermutstropfen war die verbale Dauerberieselung durch die Person, die unsere Wanderung als Guide begleitete. (Die hatte schon mindestens 30 Minuten getextet, bevor wir überhaupt ein Lama zu Gesicht bekamen ;)). Aber es war trotzdem schön und ich habe ziemlich wenig an die bevorstehende OP gedacht.

Am Abend hat mein Mann mich dann in die Stadt gefahren, in der das Krankenhaus ist. Ich hatte mir dort in der Nähe der Klinik kurzentschlossen ein Hotelzimmer reserviert, weil ich mir nicht zugetraut habe, den ca. eineinhalbstündigen Weg nüchtern und nervös mit ÖPNV am Operationstag selbst zurückzulegen. Dass mein Mann angeboten hat mich zu fahren war überraschend und ich fand es sehr nett von ihm. Zum Abschied hat er mich umarmt… all the feelz :/.

Im Hotel kam dann so ein bisschen der Moment von dem ich erwartet habe, dass er kommt und vor dem ich auch Angst hatte. Ich hatte bis dahin fast jegliche Gedanken daran weggeschoben, wie gravierend und im wahrsten Sinne des Wortes einschneidend dieser Schritt ist, den ich da am nächsten Tag gehen würde. Und natürlich holte mich das ein. Es war nicht so sehr die Angst, dass ich meine Brüste wiederhaben wollen würde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das passiert. Aber das Wissen, dass ich da mit einem verhältnismässig heilem Körper reingehen und mit Narben und Wunden wieder rauskommen würde – das hat mich bedrückt und mir Angst gemacht. Und es war ein Moment des Abschieds von einem Stück von mir, auf den ich mich im Nachhinein glaube ich lieber besser vorbereitet hätte.

Ich habe ja schon hier und da mal geschrieben, dass für mich diese Metapher vom „falschen Körper“ nicht passend ist. Egal, wie wenig ich meinen Körper mag – es ist mein Körper. Die Mastektomie ist in gewisser Weise ein Zugeständnis – an (von mir verinnerlichte) Idealvorstellungen davon, wie männliche Körper auszusehen haben. Der Eingriff gibt mir die Freiheit, mich wieder in bestimmten Räumen zu bewegen – zum Beispiel in Umkleiden oder Schwimmbädern – ohne angestarrt, angefeindet, oder sogar rausgeworfen zu werden. Für diese Freiheit bezahle ich mit einer Versehrung.

Am Abend vor dem OP-Tag haben sich diese Gedanken und auch Traurigkeit darüber noch mal ziemlich viel Raum genommen – Raum, den ich ihnen vorher nicht gegeben hatte.

Ich habe ein letztes Foto von mir gemacht, mit Brüsten, das Bild zurückgeworfen vom Badezimmerspiegel.

Dann habe ich mit Freund*innen noch Nachrichten hin- und hergeschrieben, mein Antihistaminikum genommen (Müdigkeit war in diesem Fall eine erwünschte Nebenwirkung), an die kuschligen Lamas gedacht und dann habe ich einigermaßen geschlafen bis zum nächsten Morgen.

Teil 2: hier entlang.

Und ein Flauschlama :)

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OP und K.O.

Content note: Operation, Depression, Gewicht

Ich melde mich mal kurz aus der Versenkung weil es etwas zu berichten gibt (obwohl ich eigentlich zu müde zum geradeausdenken und -schreiben bin): die Krankenkasse hat die Mastektomie genehmigt und ich habe schon übernächste Woche den OP-Termin.

Uff.

Ich versuche gerade irgendwie einfach gar nicht dran zu denken, weil ich vor der Narkose ziemliche Angst habe. Mein Körper reagiert durch meine etwas überaktiven Mastzellen (die produzieren Histamin und das macht dann Symptome wie bei einer starken Allergie) nicht so gut auf solche Sachen und ich hab bei meiner letzten OP echt lange gebraucht bis ich wieder auf den Beinen war.

Jetzt habe ich mal wieder das Gefühl ich „sollte“ erleichtert sein oder mich freuen, aber Pustekuchen. Ich bin schon seit Wochen so erschöpft und fertig, dass ich gefühlt kaum meinen Alltag geregelt bekomme. Ich nehme alles um mich rum nur noch wie durch  Watte wahr…ich bin einfach so, so müde die ganze Zeit. Erst Abends wird es irgendwann ein bisschen besser, da habe ich wenigstens manchmal das Gefühl halbwegs klar denken zu können. Es könnte was Organisches sein, aber ich hab eher die Befürchtung dass es schlicht und einfach Symptome von Depression sind. Es ist so, als würde mein Körper zwar noch einigermaßen funktionieren, aber mein Kopf nicht mehr. Ich bin wie auf Autopilto. Dazu kommt Appetitlosigkeit und das Gewicht ist die letzten Wochen kontinuierlich runtergegangen. Fast alles was ich mir durch das Krafttraining so hart erarbeitet habe ist wieder runter. Das frustriert mich noch zusätzlich.

Vielleicht ist es ganz gut, dass ich durch die OP und die Krankschreibung mal zwei Wochen ein bisschen auf Standby laufe… aber ein Erholungsurlaub wird das wohl leider auch nicht – vor allem weil auf der Arbeit gerade so viel anbrennt.

Wie gesagt: Uff.

Wut oder Traurigkeit oder was weiß ich

Ich hab schon wieder den Kaffee auf. SO RICHTIG!

Aber ist vielleicht ganz gut, weil es mich von meiner ganzen Traurigkeit und überhaupt einer ganzen Reihe von Gefühlen die ich noch nicht mal richtig benennen kann ablenkt. Ich habe heute morgen die Debatte zur Eheöffnung geschaut und hatte da (wenig überraschend) eher gemischte Gefühle. Zum einen aus den Gründen, über die ich schon geschrieben habe. (Zu dem Beitrag habe ich auch noch ein paar gute Update-/Nachtrags-Anregungen bekommen, da kommt demnächst also noch was zur Ergänzung und Klärung).

Hundert Mal „Ehe für alle“ hören und denken „Aber es ist keine Ehe für alle!“. Aber auch: homofeindliche Politiker*innen hören müssen, die von ihren „Werten“ und vom Kindeswohl reden dass es einem speiübel werden konnte. Und das gleiche potenzierte sich dann im Verlauf des Tages in den Medien. Da ist dieser entsetzliche, homofeindliche Kommentar in der FAZ (wenn er euch noch nicht begegnet ist, seid froh und belasst es dabei). Als ich heute Mittag kurz das Radio anmachte, kam im WDR 5 irgendein Kritiker zu Wort – bevor er das Wort „Identitätspolitik“ zu Ende ausgesprochen hatte war das Radio auch schon wieder aus. Echt – könnt ihr nicht einfach mal einen Tag solchen Leuten _keine_ Plattform dafür bieten, ihren Hass in die Welt zu posaunen?

Ich habe tatsächlich den Tag über dann erst einmal nicht mehr in die Medien geschaut. Irgendwie war mir alles zu viel. Und irgendwie hatte das auch damit zu tun, dass ich mich „außen vor“ gefühlt habe bei der Freude und Fröhlichkeit meiner Freund*innen und Bekannten – ich glaube, weil ich selbst gerade so traurig bin keinen Platz und keinen Menschen mehr zu haben, an_bei dem ich mich aufgehoben fühlen kann. Überhaupt tue ich mich gerade mal wieder schwerer mit dem „Leben meistern“.

Da kommt mir eine „Ich hab den Kaffee auf!“ Emotion gerade recht, weil Wut manchmal echt besser auszuhalten ist für mich als diese ständige Traurigkeit.

Zum Kaffee also! (Content note für die nächsten zwei Absätze für „Untenrumorgane“ und Krebsvorsorge)

Kaffee Nummer 1 geht kommt von meiner Krankenkasse. Bei denen hatte ich angefragt, wie nach meiner Personenstandsänderung die Abrechnung geschlechtsspezifischer Vorsorgeuntersuchungen erfolgen kann – und zwar geht es mir da natürlich insbesondere um die „gynäkologische“ Krebsvorsorge. Ich wusste schon, dass das Probleme geben kann – wobei es anscheinend von Kasse zu Kasse verschieden ist. Meine Kasse stellt sich (halb)quer. Eine Person erklärte mir am Telefon, dass eine Abrechnung über eine gynäkologische Praxis nicht möglich wäre und ich in Zukunft in eine urologische Praxis gehen müsse. Auf meine etwas flapsige Bemerkung, dass ich dann jetzt also darauf warten könnte Gebärmutterhalskrebs zu bekommen meinte die Person am Telefon, dass das „der Urologe“ doch auch untersuche könne. Ah ja.

Ich bin erstens mit meiner „Untenrumärztin“ sehr zufrieden und vetraue ihr. Zweitens habe ich „hier“ gerufen, als Endometriose verteilt wurde. Auch da wäre es mir deutlich lieber, wenn meine Ärztin mich da weiter betreuen würde. So. Was mich aber zudem skeptisch macht: wieso soll eine urologische Praxis bei einem männlichen Patienten einen Gebärmutterhalsabstrich besser abrechnen können, als eine gynäkologische Praxis? Das nämlich meinte meine Ärztin schon, dass sie da die Software überlisten müsste. Naja. Ich habe mit der Person von der Krankenkasse nicht weiter diskutiert sondern meinte nur, ich hätte diese Auskunft gerne schriftlich. Dass die so etwas nicht gerne schriftlich rausgeben, habe ich schon gelernt – klar, weil dann habe ich ja was in der Hand, wogegen ich Beschwerde einlegen kann. Die Person sagte mir zu, eine Email zu schreiben. Mal sehen ob/wann ich die bekomme. (Und wenn es hart auf hart kommt, dann gilt Email glaube ich gar nicht als „schriftlich“ – d.h. ich nerve so lange, bis ich einen Brief habe). Mit dem Thema gehe ich nämlich auf jeden Fall noch mal zum VDK (dem Sozialverband in dem ich Mitglied bin) und schaue dann, wie ich dagegen Widerspruch einlegen kann.

Kaffee Nummer 2 wurde noch Mal freundlichst von unserer Bundesregierung gesponsert. Wenn ich eine Hoffnung mit der Eheöffnung verbunden hatte dann, dass es in Zukunft „Regenbogenfamilien“ endlich, endlich etwas leichter haben könnten. Und, was lese ich heute beim LSVD?

Das „Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ hat an den Abstammungsregeln nichts geändert.

Mutter eines Kindes ist weiterhin nur die Frau, die das Kind geboren hat (§ 1591 BGB).

Für Kinder, die in eine Ehe hineingeboren werden, bestimmt zwar § 1592 Nr. 1 BGB, dass der Ehemann der zweite rechtliche Elternteil des Kindes ist, gleichgültig ob er tatsächlich der biologische Vater des Kindes ist oder nicht. Aber diese Vorschrift ist nicht um die „Ehefrau der Mutter“ erweitert worden. (http://www.lsvd.de/nc/recht/ratgeber/ehe-fuer-alle.html)

Sprich, es wird weiterhin eine Stiefkindadoption erfolgen müssen, wenn die verheirateten Eltern eines Kindes beide einen weiblichen Personenstand haben. Das heißt, weiterhin werden solche Paare diskriminiert und benachteilig – und dieses Adoptions-Verfahren ist keinen Deut „angenehmer“, als eine Vornamens-/Personenstandsänderung.

REPARIERT DAS, PRONTO!

Alles dreht sich

Was war das denn für ein Tag bitte? Ich komme gar nicht hinterher mit den ganzen Eindrücken, Gedanken und Gefühlen, die ich jetzt irgendwie verarbeiten müsste um gleich schlafen zu können o_O. Und nein, nicht das ihr jetzt denkt es sei was nerviges passiert – eigentlich fast nur positive und/oder schöne Sachen. Aber in meinem Kopf dreht sich alles.

Zum Beispiel gab es Geschenke. Von meinem Chef bekam ich heute morgen nachträglich zum Geburtstag ein Päckchen besonderen Kaffee geschenkt. Hat mich total gefreut und darüber hinaus hat es um mich rum den ganzen Tag nach frischem Kaffee geduftet. Und heute Abend setzte ein <3 Mensch noch einen obendrauf und ich bin jetzt stolzer Besitzer einer Einhorntasse und einer selbstbestickten Baumwolltasche mit einem Wal drauf! AAAAHHHHH! (Ich hab eine klitzekleine Wal-Fixierung, müsst ihr wissen). Ich bin ganz aus dem Häuschen!

Und noch zwei Sachen fand ich heute zumindest erleichternd: ich war noch mal wegen eines möglichen Kredits bei diesem Finanzberater*. Der hatte mir nach dem letzten Gespräch ziemlich viele SMS geschickt mit Hinweisen auf Wohnungen… auch am Wochenende und mitten in der Nacht und das wir mir echt zu viel – auch weil ich denke, dass es eine Strategie ist bei mir ein „Verpflichtungsgefühl“ zu erzeugen den Kreditvertrag dann über ihn zu machen. Jedenfalls bin ich dann in den heutigen Termin eher mit dem Wunsch gegangen, eine klare Grenze zu ziehen und hatte mich irgendwie schon gewappnet gegen möglichen Druck, der da aufgebaut würde. Es war dann aber ziemlich entspannt und er hat von sich aus signalisiert, dass er keine oder weniger Angebote schicken wird (ist halt auch gar nicht seine „Kernaufgabe“) und er hat mir verschiedene Finanzierungsvarianten gut erklärt, ohne da irgendwelchen Druck aufzubauen. Wahrscheinlich gehört das mit zur Taktik, aber ich bin diesbezüglich nicht mehr so angespannt wie die letzten Tage.

Positiv fand ich dann so eine Kleinigkeit, die für mich trotzdem irgendwie viel wert war/ist. Ich hatte beim ersten Termin schon direkt die Situation mit Blick auf meinen Mann und mich erklärt und eben auch gesagt, dass ich amtlich noch einen anderen Namen habe. War kein Problem. Heute habe ich dann noch mal darauf hingewiesen, dass ich den Kreditvertrag wohl noch unter meinem amtlichen Namen werde schließen müssen. Der Berater sagte dann etwas in der Art, dass das überhaupt kein Problen ist, er sich aber denken könne dass das für mich ein ungutes Gefühl ist und ich mich damit unwohl fühle. Ich bin immer so überrascht, wenn mir wildfremde Personen, die ich als cis-männlich lese und als eher bürgerlich-konservativ wahrnehme (womit ich natürlich völlig daneben liegen kann), signalisieren dass sie verstehen dass das eine für mich emotional belastende Situation ist. Und wenn ich drüber nachdenke fand ich auch nett, wie er sich letztes Mal entschuldigte, weil er angenommen hatte ich sei mit einer Frau verheiratet :D.

Und dann war da noch … Post vom MDK.

Uaaah.

Ich hab mich erst gar nicht getraut, den Brief aufzumachen. Aber dann habe ich natürlich doch reingeschaut: sie bitten mich darum, die Gutachten für die Personenstandsänderung einzureichen, bevor über den Antrag abschließend entschieden wird. Ich bin nicht verpflichtet das zu tun, aber ich hatte in meinem Antrag geschrieben dass ich bereit wäre, sie nachzureichen wenn erforderlich. Dazu habe ich mich entschlossen, weil ich ja den geforderten ausführlichen Bericht meines Ex-Theras nicht habe und auch sehr gerne vermeiden würde, mit dem noch mal in Kontakt zu treten und dieses ganze Theater wegen der Kostenübernahme für den Bericht wieder von vorne zu beginnen. Insofern ist es jetzt zwar ärgerlich, dass ich die Gutachten abwarten muss, aber ich bin sehr froh dass sie nichts mehr von meinem Ex-Therapeuten wollen und anscheinend auch die Chromosomenanalyse vom Tisch ist.

So. Und jetzt bin ich schon etwas sortiertet in meinen Gedanken und schaue mal, ob ich mich soweit runterfahren kann, dass ich vielleicht schlafen kann!

Was wäre wenn

Heute war ich beim VdK bei einer Beratung zu meinem Antrag auf Kostenübernahme für die Mastektomie. Eigentlich wollte ich da ja hin, bevor ich den Antrag stelle. Aber da die Termine schon Anfang des Jahres bis jetzt ausgebucht waren und ich nicht so lange warten wollte mit dem Antrag, war ich dort nun für eine was-wäre-wenn Beratung. Ich wollte vor allem klären, was passiert wenn die Kasse einen ausführlicheren Bericht von meinem Ex-Therapeuten fordert, diesen aber nicht zahlen will.

Tja. Letztlich konnten wir darüber nur spekulieren, denn was genau passiert und in welcher Form die Kasse möglicherweise ablehnt oder Unterlagen nachfordert steht in den Sternen. Was die Person, die mich beraten hat aber betonte war:

  1. Die Chance, Geld wiederzubekommen, das ich ggf. vorab aus eigener Tasche bezahle ist sehr gering (also sowohl bezogen auf die gesamte OP, als auch auf den Bericht des Ex-Therapeuten).
  2. Mit außervertraglichen Psychotherapeuten wird alles komplizierter
  3. Wenn ich den Klageweg gehen muss, dann kann es sicher zwei Jahre dauern bis ich die OP habe.

Über dieses letzte Szenario denke ich jetzt besser nicht nach.

Jetzt warte ich also erstmal ab, was von der Kasse zurück kommt. Beim VdK war der nächste freie Termin im Juni, den haben wir auf Verdacht mal gemacht. Ich hoffe so sehr, dass ich ihn nicht brauche, aber wirklich dran glauben tue ich nicht.

busy_bee

Huch, ich hab den Blog ein bisschen vernachlässigt – es ist so viel zu tun (vor allem Wohnungssuche) und dann waren wir ein paar Tage ohne Internet (schlimm, sage ich euch!).

Die Wohnungssuche raubt mir ganz schön Kraft – auch weil es irgendwie immer so ein emotionales Auf und Ab ist. Ich finde etwas, das interessant aussieht (Aufregung! Vorfreude!).

Dann das Bangen, ob ich einen Besichtigungstermin bekomme – das ist sowohl bei Miet- als auch Kaufimmobilien echt ein Lottospiel. Ganz oft bekommt man noch nicht mal irgendeine Rückmeldung auf die Anfrage.

Dann die Besichtigung mit Begeisterung oder Enttäuschung oder beidem.

Und dann natürlich das Gefühl, keine Enscheidung treffen zu können. Ich bin oft (naja, ab und zu) im ersten Moment Feuer und Flamme für eine Wohnung, aber nach einmal drüber schlafen kommen die Zweifel. Im Moment auch wieder. Es gibt ein Angebot für eine Wohnung in einem (noch zu bauenden) Haus mit fünf Parteien. Es gäbe ein bisschen Garten und die Wohngegend ist auch okay. Ähnlich, wie da wo ich jetzt lebe. Nicht ganz so schön und ganz so ruhig, nicht ganz so verkehrsgünstig gelegen, aber ich denke ich könnte mich wohlfühlen. Und auf dem angrenzenden Grundstück leben Hühner! :3  Ein Haken an der Sache: das Haus steht noch nicht… Einzug wäre frühestens im Mai/Juni 2018. Das ist unglaublich weit in der Zukunft. Und trotzdem – wenn ich dran denke hier ausziehen zu müssen schnürt sich mir alles zu und die Tränen steigen hoch. Es ist echt schwer.

Auf der Arbeit wurde ich übrigens fassunglos dafür angeguckt, dass ich in meinem Profil beim Suchportal nicht meinen akademischen  Titel angegeben habe. Nope. Aus ganz vielen Gründen nicht. Aber ein Grund ist definitiv, dass ich die Vorstellung, dass „Wert“ oder „Vertrauenswürdigkeit“ über so einen Kack-Titel definiert wird ziemlich schlimm finde.

Sonst? Gibt es nicht viel neues. Die Gutachten für die Personenstandsänderung lassen auf sich warten. Ich habe heute mal in den beiden Praxen nachgefragt, wann ich ungefähr damit rechnen kann.

Ja, ich bin ungeduldig.

Den Antrag für die Mastektomie habe ich weggeschickt und auch eine Eingangsbestätigung mit dem Hinweis erhalten, dass der Antrag an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen weitergeleitet wurde. Damit haben sie jetzt ab Eingang fünf Wochen Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Mitte April bin ich schlauer.

UND JA ICH BIN UNGEDULDIG!

Ungeduldig war ich auch in Sachen Bartwuchs – und bin „eingeknickt“ und helfe jetzt ein bisschen nach. Mit einem (frei verkäuflichen) Produkt gegen Haarausfall, das aber von trans*maskulinen Personen auch gerne mal verwendet wird, um im Gesicht nachzuhelfen. Ich verwende es jetzt gut eine Woche und kann noch nicht sagen, ob sich etwas verändert hat.Ist aber auch noch zu früh – in 8-10 Wochen bin ich vielleicht schlauer. Und/oder haariger :D.