Aua (Mastek, die 3.)

Content note: Operation, Krankenhaus, Schmerzen, Medikamente, Essen

Die ersten drei Tage zu Hause sind rum und sie waren jetzt eher durchwachsen. Ich habe am Sonntag etwas übermütig die Schmerzmittel reduziert und habe Montag die Quittung dafür bekommen. Autsch. Wie gut das Zeug wirkt merkt man tatsächlich erst, wenn die Wirkung nachlässt. Die Autofahrt zu meiner Hausärztin gestern morgen war auch nicht gerade förderlich. Das Lenken war ziemlich schmerzhaft und den Plan, hinterher mal endlich meinen neuen Perso abzuholen und den neuen Führerschein zu beantragen habe ich schnellstens über Bord geworden. Vielleicht mache ich Freitag mal einen neuen Versuch. Es sind vor allem die Enden der Schnitte unterhalb der Achseln die weh tun – ansonsten ist alles gut auszuhalten. Aber da sitzt noch eine ziemlich deutliche Schwellung… fühlt sich ein bisschen so an als hätte man mir hartgekochte Wachteleier unter die Haut transplantiert o_O.

Jedenfalls habe ich die letzten zwei Tage hauptsächlich auf der Couch und (halb)schlafend verbracht. Gestern habe ich ein bisschen Panik bekommen, weil ich das Gefühl hatte die Schwellungen sei stärker geworden, aber ich glaube das lag tatsächlich nur daran dass ich mehr Schmerzen hatte. Auf dem Vergleichsfoto, das ich gemacht habe sieht man keinen Unterschied. Ich kühle jetzt zwischendurch (nach Rücksprache mit dem Krankenhaus) mit einem kühlschrank-kalten Gel-Dings das ich mir unter die Achseln klemme.

Ich wollte ja noch ein paar allgemeine Sachen zum Krankenhausaufenthalt schreiben.

Also.

Im Großen und Ganzen habe ich mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt. Obwohl ich leider noch unter dem alten Namen „einchecken“ musste, da ich noch keine neue Krankenkassenkarte habe, gab es nicht einmal eine falsche Anrede oder ein falsches Aufrufen. Das war super angenehm und man merkt daran, dass sie dort reichlich Erfahrung mit trans Patient*innen haben. Selbst in der zentralen Patient*innen-Verwaltung, wo die Aufnahme erfolgte, war es absolut Routine.

Dann gab es (wie auch anderswo üblich) ein reines Mastektomie/trans Zimmer. Wir waren die ganze Zeit entweder zu zwei oder zu dritt dort. Ich denke, es hängt auch ein bisschen von der Auslastung der Chirurgie ab, ob das realisiert werden kann oder nicht, aber es war auf jeden Fall sehr angenehm. Es hatte den Vorteil, dass man den anderen nicht viel erklären musste und nicht irgendwie schräg angeguckt wurde wegen der Art der OP (wobei die bei cis Männern mit Gynäkomastie vermutlich genauso durchgeführt wird). Leider habe ich einen (für mich) ziemlich anstrengenden Zeitgenossen als Zimmernachbar erwischt und mein Wunsch nach möglichst viel Ruhe und Hörbuchhören ist nicht ganz so aufgegangen wie geplant. Nun ja.

Die Mitarbeiter*innen mit denen ich dort zu tun hatte, habe ich fast ausnahmslos als sehr freundlich und hilfsbereit erlebt. Auch das Ärzt*innenteam bei der Visite, was ich gar nicht so selbstverständlich erwartet hatte. Fragen wurden geduldig beantwortet und auch sonst relativ „transparent“ kommuniziert.

Das einzige was wie schon angedeutet leider überhaupt nicht funktioniert hat, war die Versorgung mit für mich verträglichem Essen. Selbst wenn ich mich nur auf die „allerdringendsten“ Sachen beschränke ist die Kombi (glutenfrei, milchfrei und ohne Fleisch) nicht ganz einfach zu bedienen, weil z.B. viele vegetarische Gerichte auf Nudeln und Milchprodukten basieren. Ich hatte entsprechend vorgesorgt und mir genug Essen mitgebracht, um ein bis zwei Tage halbwegs über die Runden zu kommen – glutenfreies Brot, Brotaufstrich, Nüsse, Riegel. Irgendwie dachte ich in meiner Naivität auch: mittags einfach Kartoffeln oder Reis werden sie schon hinbekommen. Tja. Montag abend nach der OP habe ich ein bisschen von meinem mitgebrachten Brot und Brotaufstrich gegessen. Dienstag zum Frühstück auch – da bat ich dann um glutenfreies Brot für den Abend und die nächsten Tage. Das ist das einzige, was geklappt hat. Glutenfreies Brot und Margarine hatte ich im Überfluss. Mittagessen haben sie nicht wirklich hinbekommen (ok, sechs Kartoffeln gab es am dritten Tag xD) – da müsse ich mit der Diätassistenz sprechen. Die kam am Donnerstag, also an Tag 4. Das war der einzige Tag, an dem ich mittags und abends was „richtiges“ zu essen bekommen habe. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wieviel Kohldampf ich geschoben habe. Und es lag nicht daran, dass es nichts für mich passendes zu essen gegeben hätte, sondern nur daran dass die Kommunikation nicht funktioniert hat. Seufz… Das ist aber bis jetzt das einzige, was ich so richtig zu meckern habe.

Jetzt geh‘ ich mal weiter meinen Narkoserausch ausschlafen ;-).

 

Enthüllungen (Mastek, die 2.)

Content note: Operation, Krankenhaus, Medikamente, Blut (nur Erwähnung), Essen.
Ich schreibe ein wenig über die Schnitte und wie mein Oberkörper nun aussieht. Den „bildhaftesten“ Teil markiere ich mit ******. 

Teil 1 gibt es hier.

Am Operationstag stiefelte ich mit meinem Rollköfferchen durch den Nieselregen zum Krankenhaus und kam so gegen 8:45 auf die Station. Weil ich erst als vierter auf der OP-Liste stand, durfte ich dort warten und bekam schon ein Bett. Auf dem Zimmer lag schon eine Person, die die gleiche OP schon hinter sich hatte. OP-Hemdchen an, Hörbuch auf die Ohren und dann hieß es warten. Und noch drölfzig Mal auf Toilette gehen vor lauter Nervosität natürlich. Um 14 Uhr ging es dann in die Narkosevorbereitung, da lag ich auch noch mal ungefähr 20-30 Minuten rum und dann haben sie mich schlafen geschickt.

An den Aufwachraum und die Aufwachphase habe ich null Erinnerung. Leute haben mit mir geredet, ich hab versucht was zu antworten, aber es kam nur unzusammenhängendes Zeug raus glaube ich. Ich war wohl so gegen 17 Uhr wieder auf dem Zimmer, aber ich hab an den ersten Abend insgesamt keine richtige Erinnerung mehr. Nur Matsch im Kopf. Irgendwann hatte ich es glaube ich geschafft, mir mein T-Shirt und Boxer Shorts anzuziehen. Um den Oberkörper war eine verdammt enge „Bauchbinde“ gewickelt zur Kompression… tief Durchatmen war nicht drin. Aber: keine nennenswerten Schmerzen, keine Übelkeit. Das vorherrschende Gefühl war eher „Unbehagen“, das war aber ganz gut aushaltbar.

Am nächsten morgen rauschte um 8 die Visite ins Zimmer. Die Bauchbinde (die übrigens standardmäßig vom OP-Team mit einem handgemalten Totenkopf und den Worten „Nicht öffnen“ versehen wird ;-)) wurde das erste Mal geöffnet. Luuuuuuuft! „Wollen Sie schauen?“ – „Ich trau mich glaube ich nicht“ – „Doch, gucken Sie mal“. Also habe ich mich getraut und an mir runtergeguckt. Ich hab keine Schock gekriegt, uff ;-). Ich habe teilweile ziemlich abschreckende Bilder gesehen von frisch operierten Personen und hatte erwartet, dass ich ziemlich schlimm aussehen würde. Da bin ich echt positiv überrascht worden. Klar, geschwollen und an den Schnitten gab es etwas getrocknetes Blut. Aber alles nicht halb so schlimm wie befürchtet.

*********Da bei mir sogenannte „große Schnitte“ gemacht wurden, habe ich unterhalb jeder Brust einen langen Schnitt (weiß noch nicht genau, wie lang sie sind… 12-15cm vielleicht?). Die sind momentan noch mit einer (durchsichtigen) Folie bedeckt. Die Brustwarzen mussten versetzt (also: frei transplantiert) werden und waren noch unter einem Druckverband versteckt. Auf jeder Seite gab es eine Drainage, Schlauch mit Flasche, damit Wundflüssigkeit ablaufen konnte. **********

Und schon war die Bauchbinde wieder zu und gefühlt noch enger als vorher. Aaaaah! Auf mein Bitten haben sie sie zum Glück ein klitzekleines bisschen lockerer gemacht. An dem Tag ging es mir dann eigentlich schon ziemlich gut – ich habe die Narkose zum Glück doch besser weggesteckt, als befürchtet. Vielleicht haben die Antihistaminika, die mit dem Narkosemittel gegeben wurden, wirklich etwas geholfen. Ich war mobil (auch wenn die Drainageflaschen ziemlich genervt haben) und Schmerzen hatte ich auch kaum. Es wurden natürlich Schmerzmittel gegeben, aber das schmerzstillende Medikament das ich bei größeren Schmerzen noch zusätzlich hätte nehmen können, brauchte ich gar nicht. Am Vormittag kam noch mein Mann vorbei(!) und brachte mir Bananen. (Da war schon klar, dass es mit der Essensversorgung eher nicht so problemlos klappen würde und die Bananen haben mich echt gerettet).

Bei mir kamen dann am Mittwoch die Drainagen schon raus und ich wurde entsprechend die Bauchbinde los – ich durfte sie gegen eine Kompressionsweste eintauschen. Die sollte ich jetzt die nächsten 6 Wochen noch tragen. Sie soll dazu dienen, das Lymphflüssigkeit abtransportiert wird und insgesamt soll sie helfen, das keine Dellen oder Unebenheiten beim Abheilen des Gewebes entstehen, Dazu gibt es bei den verschiedenen Operateur*innen unterschiedliche Philosophien – einige Kliniken schwören darauf, andere halten sie für nicht notwendig. Ich mache das jetzt so, wie „meine“ Klinik das vorsieht und trage das Ding. Es ist im Vergleich zu den Bindern, die ich ja vorher getragen habe, zumindest nicht schlimmer. Wenn es ein paar Grad weniger wären, wäre es vielleicht sogar ganz angenehm zu tragen. Naja. Ihr könnt trotzdem wetten, dass ich ab nächster Woche anfange darüber zu meckern, wie sehr mich die Weste nervt ;-).

Zwei Tage habe ich dann im Krankenhaus noch ausgeharrt. Zum Glück hatte ich meine Hörbücher und andere Unterhaltungsmedien dabei. Zweimal bekam ich auch Besuch, aber die meiste Zeit habe ich auf dem Zimmer rumgehangen. Ich war aber auch so übermüdet, dass ich nicht viel Energie für anderes hatte, war also okay.

Heute, Samstag, war dann noch mal ein großer Enthüllungsmoment, weil die Druckverbände von den Brustwarzen abgenommen wurden. Das war aus mehreren Gründen spannend – unter anderem, weil es ein Risiko dafür gibt, dass sie nicht anwachsen. Mit diesem Szenario hatte ich mich schon arrangiert – allerdings habe ich jetzt gesehen wie es aussieht und fänd‘ es schon sehr schade, wenn da noch was schiefgehen würde. Ich hoffe sehr, dass alles gut heilt – ich glaube, ich werde meinen neuen Oberkörper mögen, wenn er mal nicht mehr so grünblau und orange und etwas verschwollen aussieht.

Mittags haben meine Eltern mich dann aus der Klinik abgeholt. Ich habe geduscht, Wäsche gemacht und vor allem endlich mal wieder was richtiges gegessen. Jetzt fühle ich mich schon um einiges wohler. Mal schauen, wie es später mit dem Schlafen klappt.

Naja… „später“ ;-). Gerade erscheint mir 19:30 als eine total super Zeit, um ins Bett zu gehen :D.

Zum Krankenhaus schreibe ich die Tage auch noch was, aber nicht mehr heute.

*gähnend ab*

Abschiednehmen (Mastek, die 1.)

Content note: Operation, Krankenhaus, Medikamente, Essen.

Ich bin wieder zu Hause! Endlich! Und völlig groggy, weil es im Krankenhaus für mich weder ausreichend Schlaf noch annähernd genug zu Essen gab. Ich habe die letzten fünf Tage überwiegend von glutenfreiem Weißbrot, Margarine und Bananen gelebt. Ich kann nichts davon mehr sehen. Leider hat es exakt einen einzigen Tag geklappt, dass ich für meine Allergien und Unverträglichkeiten passendes Essen bekommen habe. Ansonsten hörte ich jeden Tag: „Also in meiner Liste steht Sie bekommen Vollkost“. Fuck yeah.

Dass ich nicht schlafen würde, darauf hatte ich mich vorher schon einigermaßen versucht einzustellen, aber es hat dann natürlich trotzdem geschlaucht. Ich tue ja schon kein Auge zu, wenn irgendjemand neben mir laut atmet. Die Kombi aus zeitweise zwei Schnarchern in den Betten neben mir und nur auf dem Rücken liegen können war da nicht hilfreich. Mehr als zwei Stunden am Stück habe ich glaube ich nur in der zweiten Nacht geschlafen.

Aber zu den Dingen, die Euch wahrscheinlich viel mehr interessieren: was ist außer nicht essen und nicht schlafen in der letzten Woche passiert?

Sonntag habe ich ja erst mal das Entspannungsprogramm gestartet: Lamatrekking. Mit drei Freund*innen. Zwei Stunden Wanderung mit so einem flauschigen Tierchen am Halfter! Einizger (kleiner) Wermutstropfen war die verbale Dauerberieselung durch die Person, die unsere Wanderung als Guide begleitete. (Die hatte schon mindestens 30 Minuten getextet, bevor wir überhaupt ein Lama zu Gesicht bekamen ;)). Aber es war trotzdem schön und ich habe ziemlich wenig an die bevorstehende OP gedacht.

Am Abend hat mein Mann mich dann in die Stadt gefahren, in der das Krankenhaus ist. Ich hatte mir dort in der Nähe der Klinik kurzentschlossen ein Hotelzimmer reserviert, weil ich mir nicht zugetraut habe, den ca. eineinhalbstündigen Weg nüchtern und nervös mit ÖPNV am Operationstag selbst zurückzulegen. Dass mein Mann angeboten hat mich zu fahren war überraschend und ich fand es sehr nett von ihm. Zum Abschied hat er mich umarmt… all the feelz :/.

Im Hotel kam dann so ein bisschen der Moment von dem ich erwartet habe, dass er kommt und vor dem ich auch Angst hatte. Ich hatte bis dahin fast jegliche Gedanken daran weggeschoben, wie gravierend und im wahrsten Sinne des Wortes einschneidend dieser Schritt ist, den ich da am nächsten Tag gehen würde. Und natürlich holte mich das ein. Es war nicht so sehr die Angst, dass ich meine Brüste wiederhaben wollen würde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das passiert. Aber das Wissen, dass ich da mit einem verhältnismässig heilem Körper reingehen und mit Narben und Wunden wieder rauskommen würde – das hat mich bedrückt und mir Angst gemacht. Und es war ein Moment des Abschieds von einem Stück von mir, auf den ich mich im Nachhinein glaube ich lieber besser vorbereitet hätte.

Ich habe ja schon hier und da mal geschrieben, dass für mich diese Metapher vom „falschen Körper“ nicht passend ist. Egal, wie wenig ich meinen Körper mag – es ist mein Körper. Die Mastektomie ist in gewisser Weise ein Zugeständnis – an (von mir verinnerlichte) Idealvorstellungen davon, wie männliche Körper auszusehen haben. Der Eingriff gibt mir die Freiheit, mich wieder in bestimmten Räumen zu bewegen – zum Beispiel in Umkleiden oder Schwimmbädern – ohne angestarrt, angefeindet, oder sogar rausgeworfen zu werden. Für diese Freiheit bezahle ich mit einer Versehrung.

Am Abend vor dem OP-Tag haben sich diese Gedanken und auch Traurigkeit darüber noch mal ziemlich viel Raum genommen – Raum, den ich ihnen vorher nicht gegeben hatte.

Ich habe ein letztes Foto von mir gemacht, mit Brüsten, das Bild zurückgeworfen vom Badezimmerspiegel.

Dann habe ich mit Freund*innen noch Nachrichten hin- und hergeschrieben, mein Antihistaminikum genommen (Müdigkeit war in diesem Fall eine erwünschte Nebenwirkung), an die kuschligen Lamas gedacht und dann habe ich einigermaßen geschlafen bis zum nächsten Morgen.

Teil 2: hier entlang.

Und ein Flauschlama :)

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Laufen lassen

Content note: Krankenhaus, Vorbereitung Operation

Uff (mal wieder). Heute war ich in der Klinik in der die Mastektomie durchgeführt wird – zur vorstationären Aufnahme. Das heißt, ich habe das ganze Aufnahmeprozedere durchlaufen und durfte dann aber wieder nach Hause fahren. Montagmorgen um 9 muss ich dort wieder auf der Matte stehen. Ich hab‘ mich in der zentralen Aufnahme angemeldet, habe den Fragebogen für die Narkose ausgefüllt, hatte ein kurzes Vorgespräch in der plastischen Chirurgie und dann noch – nach 2 Stunden Wartezeit- in der Anästhesie. Wir sind überein gekommen, dass sie mir wegen meiner Mastzellenproblematik mit der Narkose auch H1- und H2-Rezeptorblocker geben. Das sind Antihistaminuka, wie man sie auch bei Allergien nimmt und sie helfen mir hoffentlich dabei die Narkose und OP besser zu wegzustecken. Leider ist mein Körper ganz schön in Alarmbereitschaft und ich leide gerade sehr unter den Symptomen. Ich verkriech‘ mich auch gleich nur noch im Bett, ich bin ziemlich platt. Insgesamt war ich acht Stunden unterwegs heute, davon ungefähr 3 Stunden im öffentlichen Nahverkehr, den Rest in der Klinik.

Das erste Mal geheult habe ich, als ich auf die U-Bahn wartete, die mich zur Klinik bringen sollte; als ich dachte, wieviel einfacher das alles wäre wenn ich einen unterstützenden „Herzmenschen“ an meiner Seite hätte. Stattdessen gehe ich auch diesen Schritt allein. So richtig ging die Heulerei dann los, als ich draußen vor der Klinik auf einer Bank saß, vor dem Gespräch in der Anästhesie. Mit meinem Mann (also dem von „früher“) als Unterstützung wäre es alles so viel einfacher. Gleichzeitig sitze ich da alleine, weil ich es so entschieden habe. Freund*innen haben mir angeboten mich zu begleiten, ich hab‘ es abgelehnt. Aus hundert Gründen, aber vielleicht hat es am meisten damit zu tun dass ich es nicht aushalte, wenn andere mich „bedürftig“ erleben. Also allein.

Das einzige, was mein Mann nach einem Tag „Bedenkzeit“ zum Thema OP zu sagen hatte: „Hast du dich denn auch über die Risiken einer solchen Operation informiert“. Exakter Wortlaut. Die Frage reiht sich ein in eine lange Reihe von Fragen, bei jedem Schritt den ich gemacht habe, ob ich es mir denn auch gut überlegt hätte. Ob ich mir über die Konsequenzen klar sei. Das ist das einzige das er mir immer wieder kommuniziert: seine Zweifel daran, dass ich informierte, überlegte Entscheidungen treffen kann. Und auch: dass er immer noch die Vorstellung hat ich hätte wirklich die Möglichkeit einen anderen Weg zu gehen, mich anders zu entscheiden.

Morgen werde ich meine Tasche packen und noch ein paar Sachen regeln und vorbereiten. Sonntagabend fahre ich dann schon in den Ort der Klinik und übernachte dort im Hotel – die Vorstellung Montagmorgen nüchtern und nervös noch eineinhalb Stunden im öffentlichen Nahverkehr unterwegs zu sein war mir doch nicht so geheuer. Aber am Sonntagnachmittag habe ich noch was Schönes vor, mit lieben Menschen und flauschigen Tieren, und ich freue mich drauf. Von den Tieren gibt’s auch Fotos, versprochen :-).

OP und K.O.

Content note: Operation, Depression, Gewicht

Ich melde mich mal kurz aus der Versenkung weil es etwas zu berichten gibt (obwohl ich eigentlich zu müde zum geradeausdenken und -schreiben bin): die Krankenkasse hat die Mastektomie genehmigt und ich habe schon übernächste Woche den OP-Termin.

Uff.

Ich versuche gerade irgendwie einfach gar nicht dran zu denken, weil ich vor der Narkose ziemliche Angst habe. Mein Körper reagiert durch meine etwas überaktiven Mastzellen (die produzieren Histamin und das macht dann Symptome wie bei einer starken Allergie) nicht so gut auf solche Sachen und ich hab bei meiner letzten OP echt lange gebraucht bis ich wieder auf den Beinen war.

Jetzt habe ich mal wieder das Gefühl ich „sollte“ erleichtert sein oder mich freuen, aber Pustekuchen. Ich bin schon seit Wochen so erschöpft und fertig, dass ich gefühlt kaum meinen Alltag geregelt bekomme. Ich nehme alles um mich rum nur noch wie durch  Watte wahr…ich bin einfach so, so müde die ganze Zeit. Erst Abends wird es irgendwann ein bisschen besser, da habe ich wenigstens manchmal das Gefühl halbwegs klar denken zu können. Es könnte was Organisches sein, aber ich hab eher die Befürchtung dass es schlicht und einfach Symptome von Depression sind. Es ist so, als würde mein Körper zwar noch einigermaßen funktionieren, aber mein Kopf nicht mehr. Ich bin wie auf Autopilto. Dazu kommt Appetitlosigkeit und das Gewicht ist die letzten Wochen kontinuierlich runtergegangen. Fast alles was ich mir durch das Krafttraining so hart erarbeitet habe ist wieder runter. Das frustriert mich noch zusätzlich.

Vielleicht ist es ganz gut, dass ich durch die OP und die Krankschreibung mal zwei Wochen ein bisschen auf Standby laufe… aber ein Erholungsurlaub wird das wohl leider auch nicht – vor allem weil auf der Arbeit gerade so viel anbrennt.

Wie gesagt: Uff.

Was wäre wenn

Heute war ich beim VdK bei einer Beratung zu meinem Antrag auf Kostenübernahme für die Mastektomie. Eigentlich wollte ich da ja hin, bevor ich den Antrag stelle. Aber da die Termine schon Anfang des Jahres bis jetzt ausgebucht waren und ich nicht so lange warten wollte mit dem Antrag, war ich dort nun für eine was-wäre-wenn Beratung. Ich wollte vor allem klären, was passiert wenn die Kasse einen ausführlicheren Bericht von meinem Ex-Therapeuten fordert, diesen aber nicht zahlen will.

Tja. Letztlich konnten wir darüber nur spekulieren, denn was genau passiert und in welcher Form die Kasse möglicherweise ablehnt oder Unterlagen nachfordert steht in den Sternen. Was die Person, die mich beraten hat aber betonte war:

  1. Die Chance, Geld wiederzubekommen, das ich ggf. vorab aus eigener Tasche bezahle ist sehr gering (also sowohl bezogen auf die gesamte OP, als auch auf den Bericht des Ex-Therapeuten).
  2. Mit außervertraglichen Psychotherapeuten wird alles komplizierter
  3. Wenn ich den Klageweg gehen muss, dann kann es sicher zwei Jahre dauern bis ich die OP habe.

Über dieses letzte Szenario denke ich jetzt besser nicht nach.

Jetzt warte ich also erstmal ab, was von der Kasse zurück kommt. Beim VdK war der nächste freie Termin im Juni, den haben wir auf Verdacht mal gemacht. Ich hoffe so sehr, dass ich ihn nicht brauche, aber wirklich dran glauben tue ich nicht.

busy_bee

Huch, ich hab den Blog ein bisschen vernachlässigt – es ist so viel zu tun (vor allem Wohnungssuche) und dann waren wir ein paar Tage ohne Internet (schlimm, sage ich euch!).

Die Wohnungssuche raubt mir ganz schön Kraft – auch weil es irgendwie immer so ein emotionales Auf und Ab ist. Ich finde etwas, das interessant aussieht (Aufregung! Vorfreude!).

Dann das Bangen, ob ich einen Besichtigungstermin bekomme – das ist sowohl bei Miet- als auch Kaufimmobilien echt ein Lottospiel. Ganz oft bekommt man noch nicht mal irgendeine Rückmeldung auf die Anfrage.

Dann die Besichtigung mit Begeisterung oder Enttäuschung oder beidem.

Und dann natürlich das Gefühl, keine Enscheidung treffen zu können. Ich bin oft (naja, ab und zu) im ersten Moment Feuer und Flamme für eine Wohnung, aber nach einmal drüber schlafen kommen die Zweifel. Im Moment auch wieder. Es gibt ein Angebot für eine Wohnung in einem (noch zu bauenden) Haus mit fünf Parteien. Es gäbe ein bisschen Garten und die Wohngegend ist auch okay. Ähnlich, wie da wo ich jetzt lebe. Nicht ganz so schön und ganz so ruhig, nicht ganz so verkehrsgünstig gelegen, aber ich denke ich könnte mich wohlfühlen. Und auf dem angrenzenden Grundstück leben Hühner! :3  Ein Haken an der Sache: das Haus steht noch nicht… Einzug wäre frühestens im Mai/Juni 2018. Das ist unglaublich weit in der Zukunft. Und trotzdem – wenn ich dran denke hier ausziehen zu müssen schnürt sich mir alles zu und die Tränen steigen hoch. Es ist echt schwer.

Auf der Arbeit wurde ich übrigens fassunglos dafür angeguckt, dass ich in meinem Profil beim Suchportal nicht meinen akademischen  Titel angegeben habe. Nope. Aus ganz vielen Gründen nicht. Aber ein Grund ist definitiv, dass ich die Vorstellung, dass „Wert“ oder „Vertrauenswürdigkeit“ über so einen Kack-Titel definiert wird ziemlich schlimm finde.

Sonst? Gibt es nicht viel neues. Die Gutachten für die Personenstandsänderung lassen auf sich warten. Ich habe heute mal in den beiden Praxen nachgefragt, wann ich ungefähr damit rechnen kann.

Ja, ich bin ungeduldig.

Den Antrag für die Mastektomie habe ich weggeschickt und auch eine Eingangsbestätigung mit dem Hinweis erhalten, dass der Antrag an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen weitergeleitet wurde. Damit haben sie jetzt ab Eingang fünf Wochen Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Mitte April bin ich schlauer.

UND JA ICH BIN UNGEDULDIG!

Ungeduldig war ich auch in Sachen Bartwuchs – und bin „eingeknickt“ und helfe jetzt ein bisschen nach. Mit einem (frei verkäuflichen) Produkt gegen Haarausfall, das aber von trans*maskulinen Personen auch gerne mal verwendet wird, um im Gesicht nachzuhelfen. Ich verwende es jetzt gut eine Woche und kann noch nicht sagen, ob sich etwas verändert hat.Ist aber auch noch zu früh – in 8-10 Wochen bin ich vielleicht schlauer. Und/oder haariger :D.