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Hallo. Ich bin’s. Der Tomi. Kennt Ihr mich noch?

Ja, der letzte Beitrag ist ein bisschen her. Es war turbulent…emotional und auch sonst. Das letzte Wochenende war so richtig schlimm. Am Samstag war die Wohnungsübergabe. Eigentlich bin ich ja froh, dass es endlich weitergeht. Aber es war auch irgendwie klar, dass das nicht ganz ohne Emotionsachterbahn gehen würde und leider hat es mir noch mehr den Boden unter den Füßen weggezogen, als ich erwartet hatte. Haha, Boden. Der hat vielleicht auch eine Rolle gespielt. Es stellte sich nämlich am Tag der Übergabe raus, dass das Parkett, das in der Wohnung liegt (also mittlerweile: lag) raus muss. Das war nicht eingeplant – weder finanziell noch mit Blick auf die Zeit. Ich musste unter ziemlichen Zeitdruck (innerhalb von 24 Stunden) eine Entscheidung treffen, was ich mache und das hat mir glaube ich den Rest gegeben.

Es war plötzlich so extrem präsent und greifbar, was ich alles hier im Haus zurücklassen muss. Von den Möbeln, die wir mit so viel Zeitaufwand und Überlegung ausgesucht haben damals, kann ich praktisch nichts mitnehmen. Es passt alles nicht von den Maßen her. Mit wenigen Ausnahmen werde ich nur meine eigenen, alten Sachen mitnehmen können. Den Rest muss ich neu kaufen. Und ich liebe den Boden bei uns im Haus…den kann ich auch schlecht mitnehmen. Ein Bücherregal, das ich hätte mitnehmen wollen ist 8 cm zu hoch…. Kein Standardmaß. Kürzen ist nicht. Uff. Ich hab das Wochende durchgeheult.

Ansonsten kümmere ich mich um zweitausend Sachen wegen des Umzugs, während mein Mann nun im Urlaub ist. Das hat mich irgendwie wütend gemacht – mir ist noch mal klar geworden, wie sehr er sich bei dieser Trennung einfach zurücklehnt. Die ganze Last Dinge zu organisieren liegt bei mir. Ich hab mir über ein halbes Jahr mit Wohnungssuche um die Ohren geschlagen. Ich bin derjenige, der sich jetzt um alles kümmern muss – weil ich es ja bin, der auszieht. Neue Möbel, Versicherungen, Umzug organisieren. „Nebenher“ arbeiten. Allein der ganze Transitionsscheiß, den ich über das letzte Jahr managen musste wäre eigentlich schon genug gewesen. Mein Jahres-„Urlaub“ wird dem Umzug gewidmet. Ich bin gerade mal wieder so am Limit.

Und weil das noch nicht genug war, gab es noch ein Revival der Situation von vor zwei Wochen: vorgestern ist die OP-Narbe an der gleichen Stelle wie letztes Mal wieder aufgegangen. Es ist immer noch nur eine Ministelle (also wirklich mini: wir reden über 2 Stecknadelköpfe vielleicht), aber dieser Mist muss trotzdem nicht sein :/. Ich hatte echt gedacht, 5 Wochen nach der OP sollte langsam alles „stabil“ sein, aber das scheint die Sollbruchstelle zu sein. Es sah tiefer und irgendwie „gefährlicher“ aus, als beim letzten Mal und ich habe daher entschieden, dass es besser wäre jemanden draufgucken zu lassen. Ich habe erstmal in der Klinik angerufen – sie haben angeboten, dass ich vorbeikomme aber das war mir zu viel Fahrerei. Also bin ich heute in die freie Sprechstunde bei meiner „Frauen“ärzt_innenpraxis gegangen. Die sehen OP-Narben im Brustbereich auf jeden Fall ja des öfteren und daher dachte ich mir, dass das die bessere Wahl ist als meine Hausärztin.

Leider war heute nur eine Ärztin* da, die mich und meine Geschichte noch nicht kannte. Aber sie war total nett und die Situation war überhaupt nicht komisch. Mit den Praxismitarbeiter*innen an der Theke habe ich mich auch noch nett unterhalten über meinen Ärger mit der Krankenkasse und die Hürden, die trans* Personen im Gesundheitssystem allgemein überwinden müssen. Ich erfuhr, dass meine Kasse momentan grundsätzlich nicht besonders patient*innenfreundlich unterwegs zu sein scheint – nicht nur in Bezuf auf meinen Transitionskram

Die Ärztin* hat ein Ultraschall gemacht – es gibt keine Flüssigkeitsansammlung und die offene Stelle ist relativ „oberflächlich“. Ich soll mit Betaisodonasalbe und Pflaster arbeiten für ein paar Tage und es dann „trocken abheilen“ lassen. Ich hoffe, dass es dieses Mal so funktioniert… das letzte Mal hat ja nicht so gut geklappt. Ansonsten hat sie mich ermutigt, mit Blick auf die Narben langsam mal vom „Schongang“ in den „Normalmodus“ zu wechseln. Leichter gesagt als getan…aber ich geb mir Mühe. Fällt mir aber nicht leicht, weil an den Narben die Haut immer noch auf den Rippen „klebt“ und das bei jedem Strecken halt zieht.

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#Mastek, die vierte

Content note: Operation, Narben. Nach den **** schreibe ich etwas plastischer/detaillierter über die Wundheilung und wie die Narben aussehen

Übermorgen ist die Operation vier Wochen her. Heute Nacht habe ich geträumt, es wäre wieder alles wie vor der OP… Hilfe, kein schöner Traum.

Nee, da hin möchte ich auf keinen Fall wieder zurück. Trotzdem kann ich allerdings nicht sagen, dass ich irgendeine Euphorie oder Begeisterung darüber spüre, wie es jetzt ist. Das, was jetzt ist, ist in jeder Hinsicht ein Kompromiss. Es ist vermutlich der best-mögliche Kompromiss und es ist in Ordnung so wie es jetzt ist – aber mehr kann ich dazu gerade (noch?) nicht fühlen. Das ist okay, ich hatte eine Ahnung dass es so sein würde und ich bin zum Glück auch nicht die einzige Person, die so empfindet.

Ich vermute, dass es besser werden wird wenn ich nicht mehr das Gefühl habe das mein Oberkörper eine große Wunde ist, die ich pflegen muss, um die ich mich kümmern muss. Und wenn ich nicht mehr bei jeder Bewegung daran erinnert werde, dass es so ist. Wenn ich nicht mehr ständig in mich reinhorche, ob da etwas mehr oder anders zieht, als sonst. Dass es noch Wochen oder Monate dauert bis sich das hoffentlich wieder etwas reduziert, macht mir zu schaffen.

*****Letztes Wochenende habe ich festgestellt, dass sich eine Naht an einer (sehr kleinen) Stelle etwas aufgezogen hatte und gerötet war. Das fehlte noch. Damit war mein Plan/Wunsch, mich einfach nach dem zu richten was das Krankenhaus mir mit auf den Weg gegeben hatte hinfällig.

Mein Wunsch war und ist es eigentlich, mich möglichst wenig mit dem ganzen Wundheilungskram, den drölfiztausend verschiedenen Möglichkeiten, die Narben zu pflegen und zu schützen auseinandersetzen zu müssen. Es war genauso mit der Wahl des Operationsteams. Ich wollte nicht akribisch jedes Pro und Contra ausarbeiten, zum Spezialisten für alles werden, um dann eine Entscheidung zu treffen, die trotzdem „die falsche“ sein könnte – weil man halt ohnehin nie alle Faktoren, die das Ergebnis letztlich bestimmen, beinflussen kann. Ebenso mit dem Narbenkram.

Es gibt viele unterschiedliche Philosophien dazu, wie man sich nach der OP verhalten soll. Ob Kompressionsweste oder nicht. Ob die Narben gecremt oder ob mit Silikonpflastern gearbeitet werden soll. Massieren ja oder nein. Und so weiter. Die Devise „meiner“  Klinik ist: Kompression, Narbe cremen/ölen, nicht abkleben. Letzteres bedeutet eben auch: keine Entlastung der Wundränder durch Tape oder Pflaster, um sie gegen Querzug zu schützen. Hätte ich etwas zur Zugentlastung über den Narben kleben gehabt, hätte die Haut sich an der einen Stelle vielleicht nicht aueinandergezogen. Es war nicht viel und nicht schlimm, aber ich hatte trotzdem ziemliche Sorge dass es sich mehr/breiter aufziehen könnte oder dass es sich entzündet.

Nach Recherche und vor allem Input mehrerer Personen habe ich mich entschieden, die Narben zunächst noch mal mit einem hypoallergenen Vliestape abzukleben (das wird zu diesem Zweck öfter genutzt und ich hatte es zum Glück zu Hause, weil das Krankenhaus mir das zum Kompressen-Fixieren mitgegeben hatte). Die offene Stelle habe ich mit einer Wundabdeckung und Bepanthen geschützt, denn darauf wollte ich nicht direkt irgendwas kleben o_O.

Dann habe ich mir so genanntes „Gitter Tape“ (cross tape) bestellt – das sind so selbstklebende „Netze“, wie Pflaster mit Löchern ;). Die sind für die Zugentlastung ganz gut. Ich habe sie nicht über die gesamte Breite der Narben geklebt, sondern auf jeder Seite nur ca. je 10 cm von der Mitte des Brustkorbs ausgehend. Dort ist der Zug auf den Narben am größten und die Verklebungen im Gewebe noch am stärksten spürbar. Sobald ich mich zu sehr strecke oder aufrichte, merke ich wie es spannt. Um das zu lösen, müsste ich eingentlich die Narben massieren (was nicht geht, wenn was draufklebt). Ich werde mir jetzt so einen Rhythmus aus 2-3 Tage kleben und dann 1-2 Tage ölen/massieren suchen, damit ich beides habe. Ich will die Tapes nicht ständig rauf und runter machen, da das die Haut ja auch reizt.

Schön aussehen tut bei den Quernarben leider noch nichts. Die Narben sind dunkelrot. Auf dem Brustbein hart-knubbelig und ziemlich faltig. Bügelfalten quasi. Unter den Armen, wo die Drainagen waren, sind ebenfalls Falten und Beulen. Letztere sind immer noch so unangenehm-knubbelig, dass ich nicht gut auf der Seite schlafen kann. Schmerzen habe ich sonst keine, es zieht und ziept halt nur. In der Beweglichkeit bin ich entsprechend auch noch eingeschränkt – wenn ich merke, das eine Bewegung die Narben spannt, dann forcier ich das nicht. Das wird besser werden, wenn die verklebten Gewebeschichten wieder etwas gelöst sind und nicht aneinander festhängen.

So, genug der gory details jetzt ;-). Ich hoffe mal, dass ich demnächst wieder etwas mobiler und bügelfaltenärmer daherkomme.

 

Aua (Mastek, die 3.)

Content note: Operation, Krankenhaus, Schmerzen, Medikamente, Essen

Die ersten drei Tage zu Hause sind rum und sie waren jetzt eher durchwachsen. Ich habe am Sonntag etwas übermütig die Schmerzmittel reduziert und habe Montag die Quittung dafür bekommen. Autsch. Wie gut das Zeug wirkt merkt man tatsächlich erst, wenn die Wirkung nachlässt. Die Autofahrt zu meiner Hausärztin gestern morgen war auch nicht gerade förderlich. Das Lenken war ziemlich schmerzhaft und den Plan, hinterher mal endlich meinen neuen Perso abzuholen und den neuen Führerschein zu beantragen habe ich schnellstens über Bord geworden. Vielleicht mache ich Freitag mal einen neuen Versuch. Es sind vor allem die Enden der Schnitte unterhalb der Achseln die weh tun – ansonsten ist alles gut auszuhalten. Aber da sitzt noch eine ziemlich deutliche Schwellung… fühlt sich ein bisschen so an als hätte man mir hartgekochte Wachteleier unter die Haut transplantiert o_O.

Jedenfalls habe ich die letzten zwei Tage hauptsächlich auf der Couch und (halb)schlafend verbracht. Gestern habe ich ein bisschen Panik bekommen, weil ich das Gefühl hatte die Schwellungen sei stärker geworden, aber ich glaube das lag tatsächlich nur daran dass ich mehr Schmerzen hatte. Auf dem Vergleichsfoto, das ich gemacht habe sieht man keinen Unterschied. Ich kühle jetzt zwischendurch (nach Rücksprache mit dem Krankenhaus) mit einem kühlschrank-kalten Gel-Dings das ich mir unter die Achseln klemme.

Ich wollte ja noch ein paar allgemeine Sachen zum Krankenhausaufenthalt schreiben.

Also.

Im Großen und Ganzen habe ich mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt. Obwohl ich leider noch unter dem alten Namen „einchecken“ musste, da ich noch keine neue Krankenkassenkarte habe, gab es nicht einmal eine falsche Anrede oder ein falsches Aufrufen. Das war super angenehm und man merkt daran, dass sie dort reichlich Erfahrung mit trans Patient*innen haben. Selbst in der zentralen Patient*innen-Verwaltung, wo die Aufnahme erfolgte, war es absolut Routine.

Dann gab es (wie auch anderswo üblich) ein reines Mastektomie/trans Zimmer. Wir waren die ganze Zeit entweder zu zwei oder zu dritt dort. Ich denke, es hängt auch ein bisschen von der Auslastung der Chirurgie ab, ob das realisiert werden kann oder nicht, aber es war auf jeden Fall sehr angenehm. Es hatte den Vorteil, dass man den anderen nicht viel erklären musste und nicht irgendwie schräg angeguckt wurde wegen der Art der OP (wobei die bei cis Männern mit Gynäkomastie vermutlich genauso durchgeführt wird). Leider habe ich einen (für mich) ziemlich anstrengenden Zeitgenossen als Zimmernachbar erwischt und mein Wunsch nach möglichst viel Ruhe und Hörbuchhören ist nicht ganz so aufgegangen wie geplant. Nun ja.

Die Mitarbeiter*innen mit denen ich dort zu tun hatte, habe ich fast ausnahmslos als sehr freundlich und hilfsbereit erlebt. Auch das Ärzt*innenteam bei der Visite, was ich gar nicht so selbstverständlich erwartet hatte. Fragen wurden geduldig beantwortet und auch sonst relativ „transparent“ kommuniziert.

Das einzige was wie schon angedeutet leider überhaupt nicht funktioniert hat, war die Versorgung mit für mich verträglichem Essen. Selbst wenn ich mich nur auf die „allerdringendsten“ Sachen beschränke ist die Kombi (glutenfrei, milchfrei und ohne Fleisch) nicht ganz einfach zu bedienen, weil z.B. viele vegetarische Gerichte auf Nudeln und Milchprodukten basieren. Ich hatte entsprechend vorgesorgt und mir genug Essen mitgebracht, um ein bis zwei Tage halbwegs über die Runden zu kommen – glutenfreies Brot, Brotaufstrich, Nüsse, Riegel. Irgendwie dachte ich in meiner Naivität auch: mittags einfach Kartoffeln oder Reis werden sie schon hinbekommen. Tja. Montag abend nach der OP habe ich ein bisschen von meinem mitgebrachten Brot und Brotaufstrich gegessen. Dienstag zum Frühstück auch – da bat ich dann um glutenfreies Brot für den Abend und die nächsten Tage. Das ist das einzige, was geklappt hat. Glutenfreies Brot und Margarine hatte ich im Überfluss. Mittagessen haben sie nicht wirklich hinbekommen (ok, sechs Kartoffeln gab es am dritten Tag xD) – da müsse ich mit der Diätassistenz sprechen. Die kam am Donnerstag, also an Tag 4. Das war der einzige Tag, an dem ich mittags und abends was „richtiges“ zu essen bekommen habe. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wieviel Kohldampf ich geschoben habe. Und es lag nicht daran, dass es nichts für mich passendes zu essen gegeben hätte, sondern nur daran dass die Kommunikation nicht funktioniert hat. Seufz… Das ist aber bis jetzt das einzige, was ich so richtig zu meckern habe.

Jetzt geh‘ ich mal weiter meinen Narkoserausch ausschlafen ;-).

 

Enthüllungen (Mastek, die 2.)

Content note: Operation, Krankenhaus, Medikamente, Blut (nur Erwähnung), Essen.
Ich schreibe ein wenig über die Schnitte und wie mein Oberkörper nun aussieht. Den „bildhaftesten“ Teil markiere ich mit ******. 

Teil 1 gibt es hier.

Am Operationstag stiefelte ich mit meinem Rollköfferchen durch den Nieselregen zum Krankenhaus und kam so gegen 8:45 auf die Station. Weil ich erst als vierter auf der OP-Liste stand, durfte ich dort warten und bekam schon ein Bett. Auf dem Zimmer lag schon eine Person, die die gleiche OP schon hinter sich hatte. OP-Hemdchen an, Hörbuch auf die Ohren und dann hieß es warten. Und noch drölfzig Mal auf Toilette gehen vor lauter Nervosität natürlich. Um 14 Uhr ging es dann in die Narkosevorbereitung, da lag ich auch noch mal ungefähr 20-30 Minuten rum und dann haben sie mich schlafen geschickt.

An den Aufwachraum und die Aufwachphase habe ich null Erinnerung. Leute haben mit mir geredet, ich hab versucht was zu antworten, aber es kam nur unzusammenhängendes Zeug raus glaube ich. Ich war wohl so gegen 17 Uhr wieder auf dem Zimmer, aber ich hab an den ersten Abend insgesamt keine richtige Erinnerung mehr. Nur Matsch im Kopf. Irgendwann hatte ich es glaube ich geschafft, mir mein T-Shirt und Boxer Shorts anzuziehen. Um den Oberkörper war eine verdammt enge „Bauchbinde“ gewickelt zur Kompression… tief Durchatmen war nicht drin. Aber: keine nennenswerten Schmerzen, keine Übelkeit. Das vorherrschende Gefühl war eher „Unbehagen“, das war aber ganz gut aushaltbar.

Am nächsten morgen rauschte um 8 die Visite ins Zimmer. Die Bauchbinde (die übrigens standardmäßig vom OP-Team mit einem handgemalten Totenkopf und den Worten „Nicht öffnen“ versehen wird ;-)) wurde das erste Mal geöffnet. Luuuuuuuft! „Wollen Sie schauen?“ – „Ich trau mich glaube ich nicht“ – „Doch, gucken Sie mal“. Also habe ich mich getraut und an mir runtergeguckt. Ich hab keine Schock gekriegt, uff ;-). Ich habe teilweile ziemlich abschreckende Bilder gesehen von frisch operierten Personen und hatte erwartet, dass ich ziemlich schlimm aussehen würde. Da bin ich echt positiv überrascht worden. Klar, geschwollen und an den Schnitten gab es etwas getrocknetes Blut. Aber alles nicht halb so schlimm wie befürchtet.

*********Da bei mir sogenannte „große Schnitte“ gemacht wurden, habe ich unterhalb jeder Brust einen langen Schnitt (weiß noch nicht genau, wie lang sie sind… 12-15cm vielleicht?). Die sind momentan noch mit einer (durchsichtigen) Folie bedeckt. Die Brustwarzen mussten versetzt (also: frei transplantiert) werden und waren noch unter einem Druckverband versteckt. Auf jeder Seite gab es eine Drainage, Schlauch mit Flasche, damit Wundflüssigkeit ablaufen konnte. **********

Und schon war die Bauchbinde wieder zu und gefühlt noch enger als vorher. Aaaaah! Auf mein Bitten haben sie sie zum Glück ein klitzekleines bisschen lockerer gemacht. An dem Tag ging es mir dann eigentlich schon ziemlich gut – ich habe die Narkose zum Glück doch besser weggesteckt, als befürchtet. Vielleicht haben die Antihistaminika, die mit dem Narkosemittel gegeben wurden, wirklich etwas geholfen. Ich war mobil (auch wenn die Drainageflaschen ziemlich genervt haben) und Schmerzen hatte ich auch kaum. Es wurden natürlich Schmerzmittel gegeben, aber das schmerzstillende Medikament das ich bei größeren Schmerzen noch zusätzlich hätte nehmen können, brauchte ich gar nicht. Am Vormittag kam noch mein Mann vorbei(!) und brachte mir Bananen. (Da war schon klar, dass es mit der Essensversorgung eher nicht so problemlos klappen würde und die Bananen haben mich echt gerettet).

Bei mir kamen dann am Mittwoch die Drainagen schon raus und ich wurde entsprechend die Bauchbinde los – ich durfte sie gegen eine Kompressionsweste eintauschen. Die sollte ich jetzt die nächsten 6 Wochen noch tragen. Sie soll dazu dienen, das Lymphflüssigkeit abtransportiert wird und insgesamt soll sie helfen, das keine Dellen oder Unebenheiten beim Abheilen des Gewebes entstehen, Dazu gibt es bei den verschiedenen Operateur*innen unterschiedliche Philosophien – einige Kliniken schwören darauf, andere halten sie für nicht notwendig. Ich mache das jetzt so, wie „meine“ Klinik das vorsieht und trage das Ding. Es ist im Vergleich zu den Bindern, die ich ja vorher getragen habe, zumindest nicht schlimmer. Wenn es ein paar Grad weniger wären, wäre es vielleicht sogar ganz angenehm zu tragen. Naja. Ihr könnt trotzdem wetten, dass ich ab nächster Woche anfange darüber zu meckern, wie sehr mich die Weste nervt ;-).

Zwei Tage habe ich dann im Krankenhaus noch ausgeharrt. Zum Glück hatte ich meine Hörbücher und andere Unterhaltungsmedien dabei. Zweimal bekam ich auch Besuch, aber die meiste Zeit habe ich auf dem Zimmer rumgehangen. Ich war aber auch so übermüdet, dass ich nicht viel Energie für anderes hatte, war also okay.

Heute, Samstag, war dann noch mal ein großer Enthüllungsmoment, weil die Druckverbände von den Brustwarzen abgenommen wurden. Das war aus mehreren Gründen spannend – unter anderem, weil es ein Risiko dafür gibt, dass sie nicht anwachsen. Mit diesem Szenario hatte ich mich schon arrangiert – allerdings habe ich jetzt gesehen wie es aussieht und fänd‘ es schon sehr schade, wenn da noch was schiefgehen würde. Ich hoffe sehr, dass alles gut heilt – ich glaube, ich werde meinen neuen Oberkörper mögen, wenn er mal nicht mehr so grünblau und orange und etwas verschwollen aussieht.

Mittags haben meine Eltern mich dann aus der Klinik abgeholt. Ich habe geduscht, Wäsche gemacht und vor allem endlich mal wieder was richtiges gegessen. Jetzt fühle ich mich schon um einiges wohler. Mal schauen, wie es später mit dem Schlafen klappt.

Naja… „später“ ;-). Gerade erscheint mir 19:30 als eine total super Zeit, um ins Bett zu gehen :D.

Zum Krankenhaus schreibe ich die Tage auch noch was, aber nicht mehr heute.

*gähnend ab*

Abschiednehmen (Mastek, die 1.)

Content note: Operation, Krankenhaus, Medikamente, Essen.

Ich bin wieder zu Hause! Endlich! Und völlig groggy, weil es im Krankenhaus für mich weder ausreichend Schlaf noch annähernd genug zu Essen gab. Ich habe die letzten fünf Tage überwiegend von glutenfreiem Weißbrot, Margarine und Bananen gelebt. Ich kann nichts davon mehr sehen. Leider hat es exakt einen einzigen Tag geklappt, dass ich für meine Allergien und Unverträglichkeiten passendes Essen bekommen habe. Ansonsten hörte ich jeden Tag: „Also in meiner Liste steht Sie bekommen Vollkost“. Fuck yeah.

Dass ich nicht schlafen würde, darauf hatte ich mich vorher schon einigermaßen versucht einzustellen, aber es hat dann natürlich trotzdem geschlaucht. Ich tue ja schon kein Auge zu, wenn irgendjemand neben mir laut atmet. Die Kombi aus zeitweise zwei Schnarchern in den Betten neben mir und nur auf dem Rücken liegen können war da nicht hilfreich. Mehr als zwei Stunden am Stück habe ich glaube ich nur in der zweiten Nacht geschlafen.

Aber zu den Dingen, die Euch wahrscheinlich viel mehr interessieren: was ist außer nicht essen und nicht schlafen in der letzten Woche passiert?

Sonntag habe ich ja erst mal das Entspannungsprogramm gestartet: Lamatrekking. Mit drei Freund*innen. Zwei Stunden Wanderung mit so einem flauschigen Tierchen am Halfter! Einizger (kleiner) Wermutstropfen war die verbale Dauerberieselung durch die Person, die unsere Wanderung als Guide begleitete. (Die hatte schon mindestens 30 Minuten getextet, bevor wir überhaupt ein Lama zu Gesicht bekamen ;)). Aber es war trotzdem schön und ich habe ziemlich wenig an die bevorstehende OP gedacht.

Am Abend hat mein Mann mich dann in die Stadt gefahren, in der das Krankenhaus ist. Ich hatte mir dort in der Nähe der Klinik kurzentschlossen ein Hotelzimmer reserviert, weil ich mir nicht zugetraut habe, den ca. eineinhalbstündigen Weg nüchtern und nervös mit ÖPNV am Operationstag selbst zurückzulegen. Dass mein Mann angeboten hat mich zu fahren war überraschend und ich fand es sehr nett von ihm. Zum Abschied hat er mich umarmt… all the feelz :/.

Im Hotel kam dann so ein bisschen der Moment von dem ich erwartet habe, dass er kommt und vor dem ich auch Angst hatte. Ich hatte bis dahin fast jegliche Gedanken daran weggeschoben, wie gravierend und im wahrsten Sinne des Wortes einschneidend dieser Schritt ist, den ich da am nächsten Tag gehen würde. Und natürlich holte mich das ein. Es war nicht so sehr die Angst, dass ich meine Brüste wiederhaben wollen würde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das passiert. Aber das Wissen, dass ich da mit einem verhältnismässig heilem Körper reingehen und mit Narben und Wunden wieder rauskommen würde – das hat mich bedrückt und mir Angst gemacht. Und es war ein Moment des Abschieds von einem Stück von mir, auf den ich mich im Nachhinein glaube ich lieber besser vorbereitet hätte.

Ich habe ja schon hier und da mal geschrieben, dass für mich diese Metapher vom „falschen Körper“ nicht passend ist. Egal, wie wenig ich meinen Körper mag – es ist mein Körper. Die Mastektomie ist in gewisser Weise ein Zugeständnis – an (von mir verinnerlichte) Idealvorstellungen davon, wie männliche Körper auszusehen haben. Der Eingriff gibt mir die Freiheit, mich wieder in bestimmten Räumen zu bewegen – zum Beispiel in Umkleiden oder Schwimmbädern – ohne angestarrt, angefeindet, oder sogar rausgeworfen zu werden. Für diese Freiheit bezahle ich mit einer Versehrung.

Am Abend vor dem OP-Tag haben sich diese Gedanken und auch Traurigkeit darüber noch mal ziemlich viel Raum genommen – Raum, den ich ihnen vorher nicht gegeben hatte.

Ich habe ein letztes Foto von mir gemacht, mit Brüsten, das Bild zurückgeworfen vom Badezimmerspiegel.

Dann habe ich mit Freund*innen noch Nachrichten hin- und hergeschrieben, mein Antihistaminikum genommen (Müdigkeit war in diesem Fall eine erwünschte Nebenwirkung), an die kuschligen Lamas gedacht und dann habe ich einigermaßen geschlafen bis zum nächsten Morgen.

Teil 2: hier entlang.

Und ein Flauschlama :)

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Laufen lassen

Content note: Krankenhaus, Vorbereitung Operation

Uff (mal wieder). Heute war ich in der Klinik in der die Mastektomie durchgeführt wird – zur vorstationären Aufnahme. Das heißt, ich habe das ganze Aufnahmeprozedere durchlaufen und durfte dann aber wieder nach Hause fahren. Montagmorgen um 9 muss ich dort wieder auf der Matte stehen. Ich hab‘ mich in der zentralen Aufnahme angemeldet, habe den Fragebogen für die Narkose ausgefüllt, hatte ein kurzes Vorgespräch in der plastischen Chirurgie und dann noch – nach 2 Stunden Wartezeit- in der Anästhesie. Wir sind überein gekommen, dass sie mir wegen meiner Mastzellenproblematik mit der Narkose auch H1- und H2-Rezeptorblocker geben. Das sind Antihistaminuka, wie man sie auch bei Allergien nimmt und sie helfen mir hoffentlich dabei die Narkose und OP besser zu wegzustecken. Leider ist mein Körper ganz schön in Alarmbereitschaft und ich leide gerade sehr unter den Symptomen. Ich verkriech‘ mich auch gleich nur noch im Bett, ich bin ziemlich platt. Insgesamt war ich acht Stunden unterwegs heute, davon ungefähr 3 Stunden im öffentlichen Nahverkehr, den Rest in der Klinik.

Das erste Mal geheult habe ich, als ich auf die U-Bahn wartete, die mich zur Klinik bringen sollte; als ich dachte, wieviel einfacher das alles wäre wenn ich einen unterstützenden „Herzmenschen“ an meiner Seite hätte. Stattdessen gehe ich auch diesen Schritt allein. So richtig ging die Heulerei dann los, als ich draußen vor der Klinik auf einer Bank saß, vor dem Gespräch in der Anästhesie. Mit meinem Mann (also dem von „früher“) als Unterstützung wäre es alles so viel einfacher. Gleichzeitig sitze ich da alleine, weil ich es so entschieden habe. Freund*innen haben mir angeboten mich zu begleiten, ich hab‘ es abgelehnt. Aus hundert Gründen, aber vielleicht hat es am meisten damit zu tun dass ich es nicht aushalte, wenn andere mich „bedürftig“ erleben. Also allein.

Das einzige, was mein Mann nach einem Tag „Bedenkzeit“ zum Thema OP zu sagen hatte: „Hast du dich denn auch über die Risiken einer solchen Operation informiert“. Exakter Wortlaut. Die Frage reiht sich ein in eine lange Reihe von Fragen, bei jedem Schritt den ich gemacht habe, ob ich es mir denn auch gut überlegt hätte. Ob ich mir über die Konsequenzen klar sei. Das ist das einzige das er mir immer wieder kommuniziert: seine Zweifel daran, dass ich informierte, überlegte Entscheidungen treffen kann. Und auch: dass er immer noch die Vorstellung hat ich hätte wirklich die Möglichkeit einen anderen Weg zu gehen, mich anders zu entscheiden.

Morgen werde ich meine Tasche packen und noch ein paar Sachen regeln und vorbereiten. Sonntagabend fahre ich dann schon in den Ort der Klinik und übernachte dort im Hotel – die Vorstellung Montagmorgen nüchtern und nervös noch eineinhalb Stunden im öffentlichen Nahverkehr unterwegs zu sein war mir doch nicht so geheuer. Aber am Sonntagnachmittag habe ich noch was Schönes vor, mit lieben Menschen und flauschigen Tieren, und ich freue mich drauf. Von den Tieren gibt’s auch Fotos, versprochen :-).

OP und K.O.

Content note: Operation, Depression, Gewicht

Ich melde mich mal kurz aus der Versenkung weil es etwas zu berichten gibt (obwohl ich eigentlich zu müde zum geradeausdenken und -schreiben bin): die Krankenkasse hat die Mastektomie genehmigt und ich habe schon übernächste Woche den OP-Termin.

Uff.

Ich versuche gerade irgendwie einfach gar nicht dran zu denken, weil ich vor der Narkose ziemliche Angst habe. Mein Körper reagiert durch meine etwas überaktiven Mastzellen (die produzieren Histamin und das macht dann Symptome wie bei einer starken Allergie) nicht so gut auf solche Sachen und ich hab bei meiner letzten OP echt lange gebraucht bis ich wieder auf den Beinen war.

Jetzt habe ich mal wieder das Gefühl ich „sollte“ erleichtert sein oder mich freuen, aber Pustekuchen. Ich bin schon seit Wochen so erschöpft und fertig, dass ich gefühlt kaum meinen Alltag geregelt bekomme. Ich nehme alles um mich rum nur noch wie durch  Watte wahr…ich bin einfach so, so müde die ganze Zeit. Erst Abends wird es irgendwann ein bisschen besser, da habe ich wenigstens manchmal das Gefühl halbwegs klar denken zu können. Es könnte was Organisches sein, aber ich hab eher die Befürchtung dass es schlicht und einfach Symptome von Depression sind. Es ist so, als würde mein Körper zwar noch einigermaßen funktionieren, aber mein Kopf nicht mehr. Ich bin wie auf Autopilto. Dazu kommt Appetitlosigkeit und das Gewicht ist die letzten Wochen kontinuierlich runtergegangen. Fast alles was ich mir durch das Krafttraining so hart erarbeitet habe ist wieder runter. Das frustriert mich noch zusätzlich.

Vielleicht ist es ganz gut, dass ich durch die OP und die Krankschreibung mal zwei Wochen ein bisschen auf Standby laufe… aber ein Erholungsurlaub wird das wohl leider auch nicht – vor allem weil auf der Arbeit gerade so viel anbrennt.

Wie gesagt: Uff.